Flora, das kleine Wunder

Vor einem halben Jahr sprach ich mit einer Eselin und ihrem blutjungen Fohlen Flora. Die Kleine wurde von einem Artgenossen übel zugerichtet und kam als absoluter Notfall in eine Pferdeklinik. Man bat mich um Hilfe, als sie bereits in der Klinik war. Sie hatte eine große Wunde am Hals, verlor ein Auge und ein Gelenk am Vorderbein entzündete sich stark aufgrund der im Körper wütenden Bakterien. Der Knochen zersetzte sich bereits massiv. Sie lag da, stand tagelang nicht auf und im Ärzteteam war man sicher, dass sie es nicht schaffen würde, dass ihr Leben nicht lebenswert wäre mit diesem Bein. Man hätte Knochenteile aus dem Gelenk gespült. So würde es nie gehen, das Gelenk würde versteifen und es dem Esel unmöglich machen, zu gehen.

Die Klinik gab das Fohlen auf und weigerte sich, das Tier weiter zu behandeln, bestand auf Einschläferung. Es wäre Tierquälerei, sie am Leben zu erhalten. Ich sprach mit ihr. Sie sagte, dass sie zwar schwach sei und Hilfe brauchte, um all die giftigen Stoffe aus dem Körper zu bekommen, aber dass sie leben wolle. Und dass sie nach Hause wollte, um Frieden zu finden. Von Anfang an hatte dieses Eselfohlen eine unglaublich liebliche, unaufgeregte, friedliche Art, mit der Situation umzugehen. An keinem Punkt wehrte sie sich gegen ihr Schicksal. Sie blieb immer bei sich, war schwach, dennoch stark. Sie kämpfte nicht, sie ließ es geschehen, ungebrochen und von der Dramatik unbeeindruckt. Sie fand, dass sie auch mit einem sich versteifenden Vorderbein, mit nur einem Auge leben könnte. Und wenn sie einschlafen würde, um nie wieder aufzuwachen, wäre das auch völlig in Ordnung für sie. Sie war einfach ein Schatz, voller Liebe und Akzeptanz.

Glücklicherweise tut ihre Besitzerin alles für die kleine Eselstute, so dass sie nach Hause durfte. Ein ganzes Team kümmerte sich um Flora. Ich betreute sie nach mehreren Tiergesprächen mit ihr und der Mutterstute mit täglichen Energiebehandlungen, um sie stabil zu bekommen. Die Menschen drum herum stritten sich um Sinn und Verstand, doch die kleine Eselin nahm ihre Zeit. Schon am ersten Tag Zuhause stand sie auf, trank bei der Mutter und aß ein bisschen mit. Sie lief tapfer, dann entzündete sich auch das andere Bein. Die Angst war groß, dass auch dieses Bein im Knochen angegriffen war. Ich behandelte weiter, sie nahm jeden Tag dankbar und intensiv die Energiebehandlungen an. Ein neuer Tierarzt kam dazu, er fertigte 10 Tagen nach den ersten Aufnahmen mehrere Röntgenaufnahmen an und, oh Wunder, es war kein Knochenfraß mehr vorhanden. Weder am neu entzündeten Bein, noch am anderen. Sie war über den Berg.

Ich weiß nicht, ob einfach ein medizinischer Irrtum vorliegt. Ob die ursprünglich so eindeutigen Bilder aus der Klinik einfach falsch interpretiert waren und das Knochenteil gar kein Knochen ist. Oder ob die Energieheilung wieder einmal das geschafft hat, was sie ausmacht: Die Gesetze der klassischen Wissenschaft ignorierend kleine Wunder vollbringen. Heute, ein halbes Jahr später, lebt Flora wie ein völlig normaler Esel mit ganz normal funktionierenden Gelenken mit ihrem neuen Freund und ihrer Mutter in einer kleinen Herde. Sie ist immernoch diese süße, unfassbar starke Persönlichkeit, die das Leben nimmt, wie es ist. Viele Menschen sind dank ihr gewachsen; mich eingeschlossen. Es wurden unzählige Gespräche über sie geführt und sie ist jetzt schon eine kleine Legende.

Im Falle von dieser wunderbaren, kleinen, lieblichen Eselstute kann ich nur sagen: Danke, dass es Menschen gibt, die auf ihre Tiere hören. Ich bin sicher, dass diese Eselin noch ihr ganzes Leben eine Lehrerin sein wird für jene, die dem Leben nicht vertrauen. Sie ist pure Liebe.

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–> Mit dem eigenen Tier sprechen lassen

–> Energiebehandlungen für Mensch und Tier

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Interview aus der Pferdeklinik

Eine meiner ehemaligen Kursteilnehmerinnen, Constanze Erbert, arbeitet seit 15 Jahren als tiermedizinische Fachangestellte in einer Pferdeklinik. Vor ein paar Jahren besuchte sie auch einen Tierkommunikation Basiskurs bei mir. Heute möchte ich ihr ein paar Fragen stellen, weil ich glaube, dass ihr Wissen für viele Pferdehalter Gold wert ist. Fangen wir an:

– Was sind die drei häufigsten Krankheiten, wegen denen die Pferde in die Klinik kommen?

Die drei häufigsten Krankheiten sind Koliken, Verletzungen sowie Lahmheiten.

– Warum, glauben Sie, erkranken die Pferde daran?

Die neuesten Haltungsbedingungen für Pferde gleichen einem Gefängnis, indem den Pferden die Möglichkeiten einer artgerechten Haltung sowie Futteraufnahme verwehrt werden. Hieraus entstehen mangelnde Futteraufnahme, meist durch lange Fresspausen über mehrere Stunden. Danach passiert dann hastiges Fressen und Koliken entstehen.

Gängige Probleme sind Verstopfung, Durchfall, Magengeschwüre durch Stress und wegen falscher Fütterung, Verletzungen durch Langeweile in der Box, oder dann durch Übermut beim ersten Ausgang auf die Weide.

Oft passieren Lahmheiten durch fehlende dauerhafte Bewegung, und dadurch mangelnde Durchblutung in den Hufen und Gelenken.

– Haben Sie oft Unfallpferde? Welches sind die häufigsten Unfälle?

Ja, regelmäßig passieren Unfälle. Meist durch die Unachtsamkeit der Besitzer. Zu oft wird das Tier vermenschlicht und die Tatsache verdrängt, dass es ein Fluchttier ist. Nicht geschlossene Halfter, durchgehende Pferde. Sehr oft jedoch durch unsachgemäße Umzäunung der Weide. Hierdurch entstehen Verletzungen.

– Wie geht es den Pferden in der Klinik? Glauben Sie, die Pferde wissen, dass ihnen dort geholfen wird? Vertrauen Sie den Tierärzten und Mitarbeitern?

Viele Pferde wissen, dass ihnen geholfen wird. Allerdings sind immer wieder welche dabei, die alles ausblenden und panisch reagieren. Hier ist ein ruhiger Umgang und viel Erfahrung nötig. Meist sind die Besitzer in diesem Kontext kontraproduktiv, da deren Nervosität auf die Pferde über geht. Die meisten Pferde vertrauen dem Tierarzt und Helferinnen.

– Hat sich Ihre Kommunikation mit den Pferden dort verändert, seitdem Sie die Tierkommunikation erlernt haben?

Auf aktive Tierkommunikation muss ich verzichten, da ich sonst nicht zum Arbeiten komme. Aber ich denke, dass die Pferde meist wissen, dass ich sie verstehe. Ich bin im Umgang noch ruhiger geworden, sie vertrauen mir eher. Wir hatten einmal ein Shetlandpony, welches von niemanden angefasst werden konnte. Ich hatte keine Probleme mit ihm. Ich konnte ihn nachts sogar alleine behandeln.

– Wie können Pferdehalter vorbeugen, dass ihre Pferde in einer Klinik landen? Gibt es etwas, was jeder Pferdehalter beachten sollte, um Unfälle und Krankheiten zu vermeiden?

Eine möglichst artgerechte Haltung und Fütterung würde Vielem vorbeugen. Dass ein Tier, was in Boxenhaft gehalten wird und nur stundenweise zum Reiten raus geholt wird oder auf den Paddock kommt, krank wird, sollte eigentlich jedem klar sein. Raufutter ad libitum, sowie die Möglichkeit sich uneingeschränkt zu bewegen, müssten Standard sein. Wenn wir Pferde reiten, müssen wir uns bewusst sein, dass wir in dem Moment die Herdenordnung durcheinander bringen, indem wir es aus der Herde heraus nehmen und zu unserer Herde hinzufügen. Der Schaden, den wir diesen Tieren dabei zufügen, sollte so gering wie möglich sein. Optimale reiterliche Fortbildung sowie passendes Equipment sollte Grundvoraussetzung sein. Und es sollte jedem bewusst sein, dass wir mit einem Fluchttier unsere Freizeit verbringen. Jedes Pferd kann bei einer Wespe scheuen, den Kopf schütteln, und den offenen Haken der Trense in das Auge bohren. Ein gesunder Menschenverstand sollte im Umgang mit Pferden unumgänglich sein.

– Was würden Sie Pferdehaltern gern mal sagen?

Lasst eure Pferde endlich mal wieder Pferde sein…. bildet euch reiterlich fort. Wenn euer Pferd einen Fehler macht, sucht bei euch. Wenn ihr ihn nicht findet, sucht weiter. Das Pferd ist nie schuld!

– Was ist Ihre schönste Geschichte aus der Pferdeklinik?

Ein Pferd war mal fast ein Jahr bei uns wegen einer Verletzung, die es sich in der Box zugezogen hatte. Es hatte sich das Vorderbein fast komplett (bis auf den Knochen) durchtrennt. Ich hatte noch nie vorher so eine massive Verletzung gesehen. Die Stute war eine Seele von Pferd. Die wöchentlichen Gipswechsel hat sie stoisch über sich ergehen lassen. Beim Spritzen hat sie nie gezuckt. Sie war einfach total lieb. Nach einiger Zeit wieherte sie uns sogar schon zu. Es sah sehr lange nicht gut aus. Sie bekam Fieber, das Bein heilte nicht optimal.

Elf Monate später ging die Stute nach Hause. Wir weinten vor Freude. Ein Jahr später bekamen wir einen Brief mit Fotos. Sie galoppierte mit Fohlen bei Fuß wieder über die Weide. Ohne den festen Glauben der Besitzerin wäre diese Stute heute nicht mehr am Leben.

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–> Das eigene Tier sprechen lassen

–> Pferdekommunikation in Norddeutschland

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Lakritze für den Räuber.

Gestern hatte ich einen Pferdezahnarzt da. Meine beiden Pferde kennen nur die beste Zahnbehandlung, ich lasse extra ausgebildete Pferdedentisten kommen. Tierärzte mit Zusatzqualifikation reichen mir nicht. Ich würde auch keinen Hausarzt mit Wochenendausbildung an meine Zähne lassen.

Damals als Leiterin einer Zucht lernte ich eine nach Louis Pequin ausgebildete Pferdezahnärztin kennen, wir behandelten alle 25 Pferde zusammen. Sie arbeitete mit wassergekühlten, elektrischen Geräten und Handraspeln. Meine Aufgabe war es, die Pferdeköpfe zu halten, denn die Pferde wurden alle leicht sediert, damit sie die Prozedur gut über sich ergehen ließen. Sie ließ mich die Zähne vorher und hinterher ertasten und erklärte mir unaufhörlich ihre Arbeit, die ich danach sehr zu schätzen wusste. Pferdezähne wachsen ihr ganzes Leben, der Abrieb durch die ständige Raufutteraufnahme sollte den Zahn automatisch gut kürzen. Doch welches unserer Pferde bekommt schon Raufutter satt und dazu noch Triebe, Zweige, Rinden und so weiter, um einen perfekten Zahnabrieb und eine vielseitige Fütterung abzudecken? Wir können zwar Pulverchen füttern, um den Mineralhaushalt zu optimieren, aber von Pülverchen nutzen sich eben keine Zähne ab. Also gibt es Menschen wie diese.

Gestern hatte ich einen neuen Herren da. Sein Name ist Graeme Pauli, er ist aus Kapstadt und mehrmals im Jahr in Deutschland unterwegs, um Pferdezähne zu behandeln. Er arbeitet ohne Sedierung. Ich hatte schon öfter von einem Mann gehört, bei dem die Pferde einfach so ruhig blieben, dass er sie so behandeln konnte. Meine letzte Pferdedentistin konnte ich monatelang nicht erreichen, so dass ich kurzerhand mir einen Termin bei Herrn Pauli geben ließ. Ich war gespannt auf sein Auftreten.

Als ich gerade auf den Hof kam, war er schon dort. Ehe ich ihn begrüßen konnte, kam der Hofbesitzer auf mich zu. Milan, mein Wallach, hätte gerade scheinbar grundlos den anderen, großen Wallach angegriffen. Völlig unbegründet in seinen Augen. Ich hatte es leider verpasst, dachte mir aber, dass er so etwas nie grundlos tun würde. Ich ging also zu Herrn Pauli und seinem Dolmetscher und begrüßte die beiden. Der Mann war sehr angenehm, lustig und gelassen. Dann holte ich meine Pferde. Beziehungsweise stand meine Stute Mouna bereits am Tor und blickte uns freudig entgegen. Ich öffnete das Tor, sie trat hindurch und schlüpfte in ihr Halfter. Sie hasst eigentlich jegliche Menschen, die irgendeine Art von Helfersyndrom ausstrahlen und die an sie heran wollen. Tierärzte, Osteopathen, Tierheilpraktiker und Hufschmiede sind generell unbeliebt. Normalerweise lässt sie sich sehr bitten und aus der letzten Ecke abholen, wenn solche da sind. Heute nicht. Milan stand weiter hinten am Heu und fraß. Ich rief ihn und er setzte sich in Bewegung, kam durchs Tor direkt zu uns.

Was soll ich sagen? Beide Pferde waren und blieben die Ruhe selbst. Mouna schaute hier und da etwas angestrengt, aber ich habe schon gesehen, wozu sie im Stande ist, wenn man über ihre Grenzen geht! Nichts davon passierte, sie stand fast ruhiger, als beim Hufschmied. Milan mag es, untersucht zu werden. Er kann gar nicht genug davon bekommen, wenn man ihn irgendwie besonders behandeln muss. Er liebt die Aufmerksamkeit und lässt sich gern helfen. Er schaute erst etwas traurig und ließ den Kopf hängen, als er von dem Mann ans Halfter genommen wurde. Nach ein paar netten Worten aber ließ er sich willig und zu meiner Überraschung sogar freudig trotz Maulsperre die Zähne raspeln. Herr Pauli stellte fest, dass Milan Karies hat. Wohl schon seit vielen Jahren. Einige seiner Zähne seien davon bereits abgebrochen. Ob ich ihn mit Zucker füttern würde. Ich dachte nach, ob die Leckerlis vielleicht Zucker enthielten, aber eigentlich achte ich darauf. Auch bekommt er kein melassehaltiges Futter. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Vorbesitzerin fand es irgendwie immer toll, Milan mit Lakritzschnecken zu füttern. Ihr „Räuber Hacki“  würde das doch so mögen. (Milan hieß damals… Hacki! Wie Hackfleisch… das konnte nicht so bleiben). Dass der „Räuber“ damals so genervt von der Frau und seinem ständigen Bauchweh war (zu wenig Heu und Kraftfutter), wusste sie nicht. Er ließ sich nicht mal mehr von ihr von der Weide holen. Ihre einzige Verbindung zu ihm war, ihn mit Süßigkeiten zu füttern. Was sie ihm damit antat, weiß ich jetzt. Milan weiß es auch. Herr Pauli riet mir, sein Maul öfters mit einem Schlauch auszuspülen. Ich berichtete, dass er beim Waschen im Sommer immer darauf besteht, dass ich ihm den Schlauch ins Maul stecke. Er erwiderte, dass das vermutlich auch deshalb so ist, WEIL er es genießt, die Futterreste heraus gespült zu bekommen. Schlauer Milan. Wie schlau er aber wirklich ist, das kam einmal mehr heraus, als mir der Pferdezahnarzt dann berichtete, dass sie in der Zeit, in der sie auf mich warteten, schon mal versucht hatten, zu raten, welches der 8 Pferde meine sind. Er riet Mouna richtig, aber er dachte, der große Wallach sei meiner. Der, den Milan angriff, kurz bevor ich kam. Der Mann sagte: „Vielleicht hatte er gehört, dass ich ihn fälschlicherweise zu deiner Stute zugeordnet hatte und wollte das richtigstellen.“ – Ich verzichtete darauf, ihm zu erklären, dass ich mit Tieren spreche und er tatsächlich Recht damit hatte. Milan und Mouna sind wie ein altes Ehepaar. Sie gehören absolut zusammen, Milan neigt etwas zu Eifersucht und Mouna etwas zu Polygamie, aber definitiv sind und waren sie immer eine Einheit. Ich antwortete also nur: „Ja, das kann tatsächlich sein!“ und er sagte: „Es hat schon merkwürdigere Dinge gegeben.“ Ich nickte nur. Und wusste nun: Dieser Mann versteht sein Handwerk. Er versteht die Pferde. So wie ich.

Wer Graeme Pauli gern mal für sein Pferd buchen möchte, wendet sich bitte an mich, ich leite dann zum deutschen Kontakt weiter. Er ist 4 x jährlich für 2 Wochen in Deutschland und hat noch ein paar Plätze frei.

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen.

–> Mit deinem Pferd sprechen lassen plus Stallbesuch.

–> Mit deinem Pferd oder anderem Tier sprechen lassen.

Individuelle Bedürfnisse der Pferde

(oder: Braucht mein Pferd eine Decke?)

Die Pferdewelt kennt viele Experten. Jeder scheint zu allen erdenklichen Themen, die das Pferd betreffen, etwas zu sagen haben. Die Meinungen der Experten basieren dabei bestenfalls auf Fachwissen, Erfahrung und Überzeugung. Wenige kommen auf die Idee, dass Pferde so individuell sind, wie Menschen. Dass auch Pferde ganz eigene Bedürfnisse haben können, die stark von denen der Artgenossen abweichen können. Dass man die Pferde fragen kann und für eine Antwort nicht zwingend ein Pferdeflüsterer sein muss. Auf die Frage: „Braucht mein Pferd eine Decke / ein Gebiss / eine Box / Hufeisen?“ gibt es niemals eine generelle Antwort, die für jedes Pferd gilt.

Natürlich sind bestimmte Fakten wichtig als Grundlage jeglicher Entscheidungen bzgl. Pferden. Ein Pferd ist ein klares Herdentier und braucht Kontakt zu seinen Artgenossen. Es braucht ebenso ein Mindestmaß an freiem Auslauf, Rau- und Mineralfutter sowie die Möglichkeit, angemessen zu ruhen. (Lies dazu: Mindestbedingungen für Pferde). Darüber hinaus scheiden sich die individuellen Bedürfnisse jedoch schneller, als man annehmen mag. Ein Pferd wird heute leider immernoch von der breiten Reitermasse als recht dummes, befehlsempfangendes und ausschließlich instinktorientiertes Tier angesehen. Dass ihr Pferd individuell und sehr deutlich mit ihnen kommuniziert, ist den meisten Leuten schlichtweg aberzogen worden, als sie den Umgang mit Pferden lernten.

Es gibt Pferde, die hassen Decken. Denen ist eh warm. Falls sie nicht gerade krank sind, machen ihnen Kälte, Nässe und Wind nichts aus. Mein Wallach Milan ist so einer. Er hält ziemlich viel auf sich und er ist tatsächlich ein ganzer Kerl. Er ist von Natur aus sehr robust, hat nie etwas, ist auch ein Dickkopf mit viel Charme. Er steht zu seinem Wort und braucht vor Allem Zuverlässigkeit. Er hat einen schweren Knochenbau und geht eher mit dem Kopf durch die Wand, als sich vor etwas zu drücken. Er schmeißt sich in die dreckigste, nasseste Stelle, um sich zu wälzen und wälzt sich eigentlich immer, wenn er raus kommt. Er hält nicht viel von Decken und ist etwas in seiner Würde gekränkt, wenn er eine tragen muss. Ich decke ihn nur ein, wenn es wirklich tagelang durch regnet oder es so klirrend kalt und dabei feucht oder windig ist, dass er murrend zustimmt, dass eine Decke wohl doch ganz gut wäre. Das sind vielleicht 4 Tage im Jahr.
Dann gibt es noch die Pferdetypen, die von Natur aus empfindlich sind. Wie meine Stute Mouna. Sie ist eigentlich ein robust aussehendes, im Wildtyp stehendes Kleinpferd. Doch als ich sie bekam, wurde sie regelrecht panisch, wenn sie in Nässe ohne Decke stehen musste. Sie begann zu zittern und aufgeregt umherzulaufen. Sie hat mittlerweile 5 verschiedene Decken. Diesen Winter habe ich versucht, sie daran zu gewöhnen, besser ohne Decke auszukommen. Ihr wuchs ordentliches Winterfell, sie steht in gutem Futter. Und trotzdem bittet sie mich darum. Also bekommt sie eine Decke auf. Sie hat keinen sehr guten Stoffwechsel, ihr Hufe neigen zu Brüchigkeit, ihr Fell ist stumpfer und ihre Haut neigt zu Ekzemen und Allergien. Trotz allen erdenklichen Behandlungen diesbezüglich ist und bleibt sie ein empfindliches Pferd, welches ihre Decken braucht. Sie fühlt sich damit geborgener, sicherer und wohler. (Wer wissenschaftliche Erkenntnisse zum Deckenthema lesen möchte: Deckenstudie)

Ebenso braucht Mouna ihre Hufeisen, weil sie damit einfach weniger Schmerzen beim Laufen hat. Ohne Eisen geht es ihr schlechter. Anfangs war ich eine überzeigte Barhuf-Anhängerin, weil die rein faktischen Argumente gegen Eisen sehr überzeugend sind. Sie ging jahrelang ohne, hatte die besten Huforthopäden, keinerlei Fehlstellungen. Sie bekam trotzdem immer wieder Hufgeschwüre, durch Prellungen der Hufsohle verursacht, und lief festgehalten. Irgendwann ließ ich sie beschlagen, auf allen Vieren. Seitdem läuft sie entspannter, fröhlicher, trittfester. Wir hatten nie wieder Probleme mit Hufgeschwüren, sie ist damit ein glücklicheres Pferd. Milan brauchte widerum keine Eisen, bekam aber trotzdem welche, weil er gern welche wollte. Er lief ca. 2 Jahre damit und fand es gut, es gab keinerlei Probleme. Bemerkbar machte sich der Vorteil daran für ihn eigentlich aber nur auf hartem Untergrund mit spitzen Steinchen darauf. Den mied er ohne Eisen, mit Eisen lief er problemlos drüber. Mittlerweile hat er keine Eisen mehr, weil wir in einem Gebiet reiten, wo hauptsächlich Sandwege sind. Auch ohne Eisen läuft er gut und er findet es in Ordnung so. Er hat unglaublich harte, gute Hufe. Bei ihm sind die Hufeisen eine reine Luxusentscheidung.

Milan liebt seine Box. Er ist ein Pferd, welches ranghoch ist, meist übernimmt er die männliche Leitung einer Herde, gerade teilt er sie sich mit einem Kumpel. Er macht sich viele Gedanken um den Herdenzusammenhalt, um die einzelnen Aufgaben der Pferde und um seine Stute. Er ist ein sehr bemühtes Pferd und ist dankbar, wenn er seinen eigenen Bereich haben kann, in dem er einfach mal abschalten, ruhen und fressen darf. Er weiß das zu schätzen und steuert schnurstraks seine Box an, wenn man ihn rein lässt. Mouna hingegen ist ein sehr freiheitsliebendes Pferd. Sie braucht es, weit sehen zu können. Sie braucht den ständigen Kontakt zu den anderen, um sich wohl zu fühlen. Sie kann auch draußen gut abschalten und ruhen. Auch sie ist recht ranghoch. In einer Box arrangiert sie sich zwar, sie geht auch freiwillig hinein. Generell hat sie aber ein beengtes Gefühl darin und bekommt auch körperliche Probleme, wenn sie nicht mehr als 6 Stunden Auslauf bekommt.

So könnte ich noch endlos weiter erzählen über Gebisse, Reitgewohnheiten, Ansprüche an den Menschenkontakt und so weiter. Den meisten von uns ist es abhanden gekommen, wahrzunehmen, was die Bedürfnisse unserer Pferde sind. Wo wir unser ach-so-wichtiges Fachwissen mal eben hintenan stellen oder in Frage stellen dürfen. Wann wir anfangen, unserem Pferd ins Gesicht zu blicken, um zu bemerken, ob es überhaupt gerade einverstanden ist mit dem, was wir ihm antun. Es ist viel einfacher, als wir meinen. Wirf deine Überzeugungen mal über Bord, nimm dir Zeit, dein Pferd einfach mal zu wahrzunehmen. Ohne etwas zu tun. Und hör auf das, was dir dann in den Sinn kommt.

–> Dein Pferd wieder wahrnehmen lernen (Norddeutschland)
–> Deinem Pferd zuhören (weltweit)
–> Selbst mit deinem Pferd sprechen lernen

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Milan, glücklich ohne Decke.

Der noble Hund

Vor einigen Monaten sprach ich mit einem Hund. Azaan, ein 50kg schwerer, äußerst liebevoller, aber innerlich wie äußerlich starker, etwas älterer Rüde. Er zeigte sich mir als überaus freundlich, von Natur aus souverän und fürsorglich gegenüber jedem Wesen. Die Besitzerin hatte mich kontaktiert, weil dieser wunderbare Hund einfach nicht mehr mit ihr spazieren gehen wollte. Mit ihrem Mann ging er aus, aber mit Gaby drehte er sofort wieder um und weigerte sich stets. Vor einem Jahr hatten die beiden einen Unfall, bei dem die Dame sich kompliziert die Hand brach, weil sie fiel, als ihr Hund von einem anderen angegriffen wurde. Seitdem weigerte sich Azaan. Als ich ihn darauf ansprach, erklärte er mir, dass er Angst um sie habe. Angst, dass es wieder passiert – es war doch seine Schuld gewesen. Die Frau sagte, dass sei nicht ganz richtig, denn der fremde Hund war auf ihrem Grundstück ohne Leine gewesen und habe die beiden von hinten überrascht. Ich verbrachte also eine Stunde damit, diesem noblen Tier immer wieder zu versichern, dass er nichts falsch gemacht hatte. Dass es richtig gewesen war, den anderen Hund zu maßregeln und somit sein Frauchen zu beschützen. Dass Gaby dabei nunmal gestürzt sei, aber nicht seinetwegen. Dass Unfälle passieren und er nichts anderes hätte machen können. Ich erklärte ihm auch, dass sein Mensch es nun äußerst schade fand, dass sie nicht mehr mit ihm spazieren gehen konnte. Ich fragte Azaan, ob er ihr nicht vertrauen würde, ihn zu führen und er entgegnete, dass sie alles richtig machen würde. Es läge nicht an ihr, er würde es sich einfach so übel nehmen und würde sich nicht verzeihen können, wenn wieder etwas passieren würde.

Also gab ich diesem großen, schönen und weisen Hund immer wieder den Hinweis, dass das Leben einfach passiert. Dass er so etwas nicht verhindern kann, aber er sich und ihr einen sehr großen Teil an Lebensfreude nimmt, wenn er die Ausflüge verhindert. Dass er ihr nur noch mehr Kummer damit bereitet. Dann munterte ich ihn auf, sich wieder zu trauen, mit ihr raus zu gehen und etwas zu erleben. Ich gab alles an Zuversicht und Ermutigung, was ich hatte.

Ein paar Wochen später meldete sich Gaby wieder und berichtete, dass Azaan wieder mit ihr spazieren geht. Allerdings nur nachts. Da fühlte er sich sicherer, weil niemand unterwegs war. Die beiden hatten in den allerfrühesten Morgenstunden schon einstündige Runden absolviert. Diese Frau hat ihrem Hund Zeit gelassen, als es nicht sofort nach dem Tiergespräch besser wurde. Sie hat ihm vertraut, gut zugeredet und gewartet. Er musste mit sich ringen, bis er sich schlussendlich dazu bewegen konnte, wieder schöne Ausflüge mit ihr zu unternehmen. Erst blieb es bei den nächtlichen Ausflügen, Gaby war überglücklich, wenn sie nach einer durchgearbeiteten Nacht dann noch mit ihrem Hund gehen durfte. Er zeigte ihr dann, wenn er bereit war. Ich ermutigte beide erneut und sagte ihr, dass sie alles genau richtig so macht. Ich war begeistert, wie verständnisvoll diese Frau zu diesem noblen Hund war. Beide sind voller Liebe füreinander.

Heute erreichte mich eine weitere Email von der Dame: „Die Nachtspaziergänge haben sich mehrmals wiederholt und wurden eine Zeitlang fast zur Regel. Er gibt ja dann immer vor, wo er laufen will. Auch am Tag ist er mehrmals mit mir gegangen. Am vergangenen Sonntag waren wir 3 Stunden und 10 Minuten unterwegs. Da es ein schöner Tag war und sonntags immer viel mehr Leute unterwegs sind, war ich schon etwas angespannt wegen Begegnungen mit anderen Rüden. Es war sehr schön mit ihm. Zwischendurch war er – wie gewohnt – sehr eigenwillig und ist einfach einen Weg gelaufen, den wir beim Aufstieg nicht begangen hatten. Es war einfach nicht möglich, ihn davon abzubringen, und seine 50 kg konnte ich nicht zu einer Richtungsänderung bewegen. Kurzfristig hatten wir uns dann sozusagen verlaufen wegen der vielen Abzweigungswege, aber letztlich hatte er recht behalten und wir kamen wieder auf den Hauptweg. Seit bei uns die große Hitze endlich vorüber ist, ist er noch viel aktiver geworden. Er will immer weiter laufen und laufen.“

Mir kamen fast die Tränen angesichts dieser Worte. Diese beiden sind das beste Beispiel für gegenseitiges Vertrauen, Geduld und unendliche Liebe füreinander.

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

–> Mit dem eigenen Tier sprechen lassen

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Intelligente Tiere

„Schweine sind sehr intelligente Tiere…“ hört man oft. Oder „Hühner sind überraschend intelligent…“ oder „Hätten Sie gedacht, dass ein Vogel so intelligent ist?“.

Einerseits freue ich mich, dass den Tieren damit mehr Respekt gezollt wird. Ich weiß es zu schätzen, dass die Aufmerksamkeit auf die Komplexität einer Tierpersönlichkeit gelenkt wird. Dass Menschen verstehen lernen, dass auch ein Huhn Freundschaften hat, im Austausch mit seiner Umwelt steht und weiß, was ein Mensch von ihm will. Andererseits macht es mich auch immer ein bisschen traurig, so etwas zu hören. Denn ja, natürlich sind sie das! Allesamt. Es ist wirklich kein Bisschen verblüffend, dass Tiere dazu in der Lage sind, zu verstehen, zu lernen, zu schlussfolgern und Beziehungen einzugehen. Es ist aber im Gegenzug sehr, sehr traurig, dass wir erst jetzt darauf kommen. Erst jetzt bemerken, dass all diese vermeintlich menschlichen Züge doch gar nicht so menschlich sind, sondern universelle Fähigkeiten von Wesen sind, die in Austausch treten mit ihrer Umwelt. Und das tun sie, alle von ihnen. Sogar die Pflanzen. Aber bleiben wir bei den Tieren.

Es stimmt mich so traurig, weil auch ich noch in einer Welt aufgewachsen bin, in der uns beigebracht wurde, dass Tiere nicht dazu in der Lage sind, so komplex zu fühlen und zu denken, wie wir. Und sie ergo weniger wert seien. Dass sie deshalb weniger Rechte haben und man sie benutzen kann wie Gegenstände. Wir benutzen und vergewaltigen konsequent unser Umfeld. Nehmen, was es uns bietet und benutzen es zu unseren Gunsten. In einem bizarren Ausmaß, welches uns selbst zugrunde richtet. Denn was wir dabei vergessen haben ist, dass wir ein gleichwertiger Teil vom großen Ganzen sind. Gleichwertig, nicht hochwertiger. Gleichwertig bedeutet, dass das, was ich meinem Umfeld antue, immer direkt auf mich zurück fällt. Ich zerstöre das, was mich nährt. Nicht nur auf materieller Ebene, sondern auch auf energetischer und karmischer Ebene. Sogar bis hin zur geistigen Ebene. Wir stumpfen ab, verkümmern, unsere natürlichen Instinkte und Bedürfnisse werden im Keim erstickt. Davon werden wir krank, traurig und depressiv. Mit mangelndem Respekt gegenüber den Wesen unseres Umfeldes bestrafen wir uns nur selbst, denn im Gegenzug beuten wir uns direkt selbst aus.

Je mehr man aber mit seinen Mitwesen in den Austausch tritt, umso komplexer wird das Verständnis vom großen Ganzen. Je mehr ich verstehe, wie sehr Tiere fühlen, denken, schlussfolgern, handeln, sich anpassen und entwickeln, umso klarer wird mir, dass die in ihrer Intelligenz eigentlich Eingeschränkten wir sind. Das meine ich nicht auf schulterklopfende, sich selbst mal kritisch, aber von oben herab schlecht redende Weise. Ich meine das ganz ernst. Die Intelligenz einer Ameise, eines Leoparden, eines Huhnes oder eines Hundes steht der unseren in nichts nach. Die auf das Gehirn bezogene Erforschung von Intelligenz hat etwas so Stupides, völlig neben der Wahrheit liegendes, dass ich mich wundern muss, wieso wir uns für die Krone der Schöpfung halten.

Es beginnt damit, dass wir Intelligenz an ausschließlich unseren Maßstäben messen. Daran, ob sich ein Tier im Spiegel erkennt. Wie absurd. Welchen Sinn hat es denn für ein Tier mit vielleicht wahnsinnig gut ausgeprägtem Geruchssin, sich in einer unnatürlich glatten Fläche sehen zu können? Ein Tier, welches in seinem Äußeren dem Artgenossen fast komplett gleicht, wieso sollte es sich im Spiegel erkennen müssen? Und wieso soll daraus geschlussfolgert werden, ob es ein Ich – Bewusstsein hat? Wie absurd das aus der Sicht einer Schlange ist, das ist fast schon lustig. Und dennoch kann tatsächlich auch eine Schlange lernen, sich in einer Menschenwelt auf so etwas wie einen Spiegel einzulassen und zu verstehen, was der von einem will: Sich selbst sehen. Falls Sie daran denn wirkliches Interesse hegt, denn wenn sie schlau ist, lässt sie sich auf diese niedere Art des Messens gar nicht erst ein und kümmert sich lieber darum, möglichst gut zwischen diesen arroganten, stinkenden Wesen zu überleben, ohne malträtiert zu werden.

Oder die Problemlösung: Menschen klatschen begeistert in ihre Hände, wenn eine Rabenkrähe einen Ablauf erkennt, mit dem sie an Futter kommt. Wenn sie Werkzeug benutzt und mehrere Schritte ausführen kann, um ans Ziel zu kommen. Bedeutet das aber im Gegenzug, dass ein Tier, dessen Interesse nicht die schnelle Problemlösung ist, sondern dass sein Leben lieber auf lange Sicht optimalisiert, weil es einen ganz anderen Lebensrhythmus hat, gleich dumm ist? Wieso sollte ein Wal, welcher durch Beharrlichkeit und Beständigkeit in seiner Intelligenz anhand von schneller, komplexer Problemlösung gemessen werden? Wo doch seine Lebenstaktik ist, möglichst weit zu planen, sich langsam ziehend dorthin zu begebend, wo es keine Probleme zu lösen gibt, sondern das Leben für ihn arbeitet, anstatt gegen ihn.

Jede Tierart hat einen eigenen Körper, eine individuelle Lebensform. Eine Nische. Es gehört zu den unglaublichen Wundern dieses Universums, dass wir so viele komplexe Körper um uns herum haben, die alle auf ihre eigene, überaus perfekte Art und Weise ihr Leben meistern. Nur, weil sie es auf ganz andere Arten und mit ganz anderen Prioritäten tun, ist es doch völlig absurd, sie deshalb in unsere Idee von Intelligenz zu quetschen wie ein Kleinkind, welches mit Gewalt das Rechteck durch die runde Öffnung in der Plastikschablone drücken will.

Keine Tierart ist intelligenter, als eine andere. Manche haben nur viel weniger Schnittmengen mit dem Leben, wie wir als Menschen es kennen. Sie haben einen anderen Rhythmus, nehmen anders wahr, haben ganz andere Prioritäten und Bedürfnisse. Manche sogar solche, die wir uns erst einmal überhaupt nicht vorstellen können, wenn wir sie einfach nur betrachten und kategorisieren wollen. Daraus schlussfolgern wir dann, dass sie dümmer sein müssen, als wir. Weil sie nicht wie wir sind. Wie unsagbar dumm von uns.

Um zu begreifen, wie sie ticken, müssten wir in echte Kommunikation gehen. In diejenige Kommunikation, die eigentlich allen Wesen dieser Welt inneliegt. Die wir aber durch unsere selbst gewählte Isolationsstellung leider immer mehr verlernt haben. Wir sehen uns nicht mehr als Teil des großen Ganzen, ergo verstehen wir auch nichts mehr von den anderen. Wir fühlen nicht mit ihnen, wir lassen uns nichts beibringen. Wir geben ihnen keinen Raum, um sie selbst zu sein und sich wirklich zu zeigen. Wir sondern uns ab, wundern uns und staunen dann, wenn wir dann in winzigen Häppchen merken, dass da vielleicht doch mehr dahinter steckt. Dass ein Fisch wohl Schmerzen fühlt, ein Huhn weiß, was es tut und ein Affe ein besseres Gedächtnis hat, als der schlauste Mensch der Welt. Was für eine Überraschung.

Es gibt ein paar Menschen, die doch wieder hinsehen. Die sich dem dringenden Bedürfnis nach Natur und mit ihr eins zu werden wieder mehr hingeben. Die sich nicht mehr vorsagen lassen, wie die Welt um sie herum angeblich zu sein hat. Die wieder mehr in Austausch gehen und sich auch mal etwas zeigen lassen. Ich bin unsagbar dankbar, dass es mein Job ist, der mich genau mit diesen Menschen zusammen bringt.

Wer sind wir denn, zu meinen, dass diese unfassbare Schönheit eines synchron fliegenden Vogelschwarms, die Perfektion eines Spinnennetzes oder die Ruhe eines Bären im Winterschlaf in Wahrheit dümmer sind, als unser Chaos, dass wir auf diesem Planeten verbreiten?

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Goldmedaillen für deutsche Reiter, aber wie geht es den Pferden?

In diesen Tagen bekomme ich viele Fragen von Kunden und Bekannten, die wissen möchten, wie es diesen Pferden da im Fernsehen eigentlich geht, die die Medaillen für Deutschland gewinnen. Ich atme dann immer tief durch. Zum Glück habe ich keinen Fernseher und die Berichterstattungen im Internet habe ich immer direkt weg geklickt. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Ställe, in denen Pferde gequält werden, kann ich meiden. Aber mir in Hochglanz und guter Auflösung hautnah ansehen, wie jemand sein Pferd fachgerecht zum Schlachter reitet, das wäre mir zu viel. Also schaue ich weg.

Vor ein paar Jahren noch schaute ich hin. Es ging um einen millionenteuren Dressurhengst. Ein bildschönes Tier, pechschwarz mit ein wenig Weiß im Gesicht. Er war sehr würdevoll, hatte viel innere Größe und war einfach jemand, den man sich gern ansah. Man bekam bei ihm direkt den Eindruck eines gleichzeitig großherzigen und unendlich kraftvollen Tieres.

Es begann eine Diskussion um dieses Pferd, weil die Besitzer und Reiter des Tieres auf dem Abreiteplatz (also der unbeobachtete Bereich zum Warmreiten vor dem Turnier) eine noch viel schlimmere Horrorreitshow ablieferten, als dann im Showmoment. Das Pferd wurde so eng geritten, dass es sich selbst ständig den schaumverschmierten Schädel gegen die Brust drückten musste. Der Hengst konnte dabei kaum sehen und auch nicht viel atmen, so eingeschnürt war diese Haltung. Jeder Reiter weiß mittlerweile, dass diese „Rollkur“ nicht nur ungesund, sondern tierquälerisch ist. Aber die wichtigen, reichen Männer wussten allerlei Ausreden, warum das so richtig sei. Und – es tat ja auch niemand etwas. Diese Art der Tierquälerei wird immernoch überall geduldet.

Eine Zeit lang arbeitete ich auch für eine Springreiterin, die dann Weltbeste wurde. Ihre Pferde waren geliebt und sie tat viel für sie. Sie ließ mich mit ihnen sprechen und versuchte, ihren Wünschen nachzukommen. Diese Arbeit musste ich dennoch irgendwann ablegen, denn ich konnte sehen, wie auch sie den Erfolg und das Geld der Gesundheit und den Wünschen der Tiere vorzog. Wenigstens war sie recht „human“ mit ihren Pferden und diese konnten neben Verletzungen und Krankheiten trotzdem auch mal stolz auf sich sein. Sie waren nicht so schlimm versklavt, wie 98% der anderen Sportgeräte, die ich auf diesen Turnieren sah. Dort mal hinter die Kulissen zu schauen, war beeindruckend im negativen Sinne. Mir war nicht klar, wie viele Arten von absurden Folterinstrumenten besonders an den Köpfen der Pferde tatsächlich erlaubt sind. Auch war mir nicht klar, wie stark manche Pferde sind, dass sie so etwas noch aushalten und dann sogar die erforderte Leistung erbringen. Ich konnte in ihren Augen sehen, dass die meisten sich längst aufgegeben hatten und nurnoch funktionierten wie leere Hüllen.

Der schwarze Dressurhengst schaffte es nicht mehr lange. Nach wechselnden Reitern und vielen Diskussionen gaben seine Beine einfach auf. Schäden an den Knochen zwangen diese „Karriere“ in die Knie. Das ist typisch für diese Pferde: In einem eigentlich noch völlig fitten Alter geben Knochen und Gelenke einfach auf. Beine oder Rücken haben irreparable Schäden. Heute darf der Hengst nurnoch neue, millionenteure Pferde produzieren, die öffentlich kaputt geritten werden sollen.

Wenn mich also jemand fragt, wie es diesen Pferden geht, dann zeige ich gern Bilder von diesem Hengst. Es ist unglaublich einfach, zu sehen, wie es einem Pferd geht: Man schaut ihm ins Gesicht. Die erste, menschliche Assoziation dessen, was man da sieht, ist meist die richtige. Darüber hinaus kann man Schaum vor dem Maul, schlagende Schweife und vermehrtes Schwitzen auch genau so deuten, wie man vermutet: Stress, Anspannung, Schmerzen, erschwertes Atmen, eingeschnürt sein.

Dieser wunderbare Hengst hatte ein ganz besonders deutliches Mienenspiel und ich möchte hier einige Fotos aus dem Netz zeigen. Sie alle stammen aus der Zeit, als er noch hochgradig erfolgreich war. Als man die Ritte in den Himmel lob. Niemand schien zu sehen, wie viel Schmerz dieses Tier bereits aushalten musste. 98% der Pferde im Fernsehen schauen so oder ähnlich. 98% der Turnierpferde sind nicht glücklich, sondern versklavt. Egal, in welcher Disziplin. 98% dieser Pferde macht es keinen Spaß, sondern sie geben aus Verzweiflung alles.

Das letzte Foto zeigt denselben Hengst nach seiner Karriere. Er ist unglaublich stark, innerlich wie äußerlich. Er ist müde und traurig, man sieht ihm das Vergangene an. Aber wie er es schafft, nach so einer Tortur noch einen Funken Würde zu zeigen, ist mir ein Rätsel. Ich bin dankbar und froh, dass er es geschafft hat und die Sklaverei für ihn vorbei ist.

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