Der kleine Hengst – die Entscheidung

Makani ist jetzt elf Monate alt. Er trinkt noch mehrmals täglich bei Mouna, die das gern duldet und für gut befindet. Er spielt sehr viel mit Milan und ist meistens auch bei ihm, sie dösen auch gemeinsam. Mouna ist und war schon immer der unabhängigere Typ und genießt es, dass die Jungs da sind, aber beide nicht direkt an ihr kleben. Die Freundschaft zwischen Makani und Milan wächst immer mehr, sie steigen sich jetzt schon an, aber immer nur so hoch, wie Makani es auch kann. Milan passt sich dabei an, wie versprochen.

Seit einigen Tagen ist Mouna rossig und Makani hat seine Hormone entdeckt. Erst hat mich das nicht alamiert, sein Babyhengstgehabe fand ich normal. Vor ein paar Tagen dann wachte ich schon sehr früh auf und ging instinktiv nach den Pferden sehen: Mouna schlug sich gerade halbwegs unmotiviert mit Makani herum, der nun ganz schön hengstig an ihr herum arbeitete. Ich sah, wie er aufsprang und mir wurde kurz anders, als Mouna das mit recht entspannter Art und Weise zwar abwehrte, aber eben halbherzig. Ich sah, dass für einen richtigen Deckakt nicht mehr viel fehlte. Ich rannte raus und verscheuchte Makani von ihr. Dann trennte ich die beiden ab. Makani war zwar etwas geknickt deshalb und stand erstmal etwas planlos am Zaun, er rief auch etwas, aber Milan war ja noch da. Nach einiger Zeit arbeitete Makani seinen Frust in einem wilden Renn- und Steigspiel mit Milan ab. Mouna hingegen antwortete kein einziges Mal auf Makani’s Rufen und war einfach nur sehr dankbar für die Ruhe und dass sie endlich mal allein im Garten alle Gräser und Kräuter rupfen durfte, wie es ihr gefällt. Sie schlief sogar eine zeitlang im Garten und fand das alles gut so.

Ich wusste vor Makani schon einiges über Aufzucht und Hengste, hatte selbst eine Pferdezucht geleitet, jedoch ist meine Haltungsart hier ja etwas unkonventioneller: In Absprache mit den Pferden. Die erste Lektion, die meine drei Pferde mich lehrten, war jene, dass hier keine weitere Stute mit Fohlen leben müsse, damit Makani auch artgerecht aufwachsen würde und außerdem, dass ein Absetzen des Fohlens durch den Menschen nicht nötig sei. Meine Pferde bestanden darauf, unter sich zu bleiben, weil neue Herdenmitglieder, sogar lange vor der Geburt, für sie keine Option waren, sondern nur stressig wären. Ich dachte: Gut, vielleicht ändern sie ihre Meinung ja aber noch, wenn das Fohlen da ist. Nach der Geburt fragte ich also regelmäßig nach, ob Makani nicht einen anderen Spielpartner bräuchte, als Milan. Oder ob er in eine Jungpferdherde sollte, um sich auszuprobieren. Aber nein, es blieb dabei. Die Dreierherde fand den Familienzusammenhalt am wichtigsten, niemandem fehlte es an etwas, keiner war überfordert. Makani wuchs sehr glücklich und behütet zwischen seinen Eltern auf und wirkte auch nie so reif, dass ich dachte, er müsste nun mal langsam weg von ihnen. Im Gegenteil: Es machte alles sehr viel Sinn und mein Fohlen sah so viel besser und selbstbewusster aus, als ich es von Aufzuchten kenne. Mittlerweile gingen mir einige Lichter diesbezüglich nach Lesen des Buches „Im Kreis der Herde“ von Wildpferdfilmer Marc Lubetzki auf, er berichtet darin von einer Wildpferdherde, die nur aus Stute, Hengst und Hengstfohlen bestand. Ich konnte alles daran bei meinen Pferden wiederfinden (Zitate u.A.: „Junge Pferde brauchen Kontakt zu erwachsenen Tieren“ und „Althengst und Jährling toben fast täglich miteinander“). Natürlich höre ich auf meine Pferde und natürlich glaube ich ihnen am Ende immer, aber ich bin die Verantwortliche, am Ende muss ich im besten Willen für uns entscheiden. Es ist nicht immer einfach, seinen eigenen Glauben im Bezug auf Pferdehaltung hinten an zu stellen. Auch für mich ist das zumindest bei meinen eigenen Pferden, immer wieder eine Herausforderung. Ich wollte doch alles richtig machen für Makani. Meine Pferdefamilie hier zu erleben, wie sie nach ihren Bedürfnissen leben dürfen, war schon Bestätigung und Mutmachen genug. Das Lesen des oben erwähnten Buches hat mir die restliche Zuversicht gegeben, dass das Hören auf meine Pferde eigentlich immer richtig ist.

Nach dem kurzen Schock, dass Makani mit nicht mal einem Jahr meint, seine Mutter ernsthaft zu decken, wurde mir klar, dass ich nun nicht drum herum käme, eine wichtige Entscheidung für meine Pferde zu treffen. Ich hatte schon gelesen von Stuten, die von ihren Hengstfohlen trächtig wurden und das wäre natürlich mein persönlicher Super-GAU. Wenn man die Geschlechtsreife von Hengsten googelt, dann liest man von 9 Monaten bis zu ca. 1,5 Jahren. Mein Alarm war an! Ich kapierte nicht, wieso Mouna ihn nicht deutlicher abwehrte und wieso Milan Makani nicht daran hinderte, seine Mutter mit deutlicher Hengstmanier (nicht im Spiel) zu bespringen. Denn nur einen Tag zuvor hatte mir Mouna noch versichert, dass Makani mindestens den Sommer über noch gefahrlos so bei ihr bleiben könne, wie er ist. Nach dem, was ich dann aber morgens sah, informierte ich mich über die Möglichkeiten von Sterilisation und Kastration. Ich hatte gehofft, Makani längstmöglich Hengst sein lassen zu können, damit er sich möglichst gut entwickeln könnte. Ich glaubte, dass je länger ein Hengst Zeit hätte, umso besser wäre sein Körper entwickelt. Ich glaubte, dass das ein sehr ausschlaggebender Punkt wäre für das Leben eines Hengstes, der später Wallach werden müsste. Ich hatte sogar ein wenig Hoffnung, dass ich Makani als sterilisierten Hengst immer belassen könnte. Wie, das hatte ich mir noch nicht ausgemalt, denn eins hatte ich bereits kapiert: Wenn ich mit meinen Pferden gemeinsam entscheide, wie ich sie halte, dann nützen jahrelange Vorausplanungen nichts. Man fließt mit dem Leben mit und passt seine Handlungen dem Moment an. Aber jetzt war so ein Moment. Ich musste handeln!

Die Sterilisation war also meine liebste Option, aber es gab auch drei weitere Optionen: Entweder Makani nun doch mit einem weiteren Jährling zu separieren und sie Jungs sein zu lassen, ihn ganz in eine Jungpferdherde abzugeben oder aber ihn zu kastrieren. Ich fand eigentlich alle Optionen suboptimal, denn alles hatte deutliche Nachteile:

1. Sterilisation: Makani wäre trotzdem Hengst, bloß nicht zeugungsfähig. Die OP dafür könnte hier statt finden, wäre aber nicht weniger riskant und ernst, als eine Kastration. Er würde seine Hormone behalten, sein Körper würde sich natürlich weiter entwickeln. Er würde dennoch bei jeder Rosse von Mouna auch hengstig agieren und sie belästigen. Ich müsste sie dann also immer trennen. Das wäre für Milan stressig, für Mouna ganz ok, für Makani stressig. Für mich riskant, dass der pubertierende Hengst hier den Laden aufmischt, wenn Kurspferde kommen. Eventuell würde die Kastration dann trotzdem folgen müssen, eine zweite OP wäre später nötig.

2. Trennung mit Jährling: Makani würde mit einem Einstellerjährling dauerhaft separat stehen, ich hätte 2 x 2 Pferde auf meinem Hof. Zu jeder Rosse von Mouna wäre er hengstig über den Zaun. Und sie ist regelmäßig rossig, denn im Gegensatz zu den Wildpferden bekommt sie ja keine weiteren Fohlen und ist somit auch nicht trächtig, die Rosse wiederholt sich also oft.

3. Makani in eine Jungpferdherde geben: Trennung der Familie auf allen Ebenen. Keinerlei Möglichkeit mehr, für Makani zu entscheiden, weil er in fremden Händen wäre. Möglicherweise das Lernen der Realität von Pferden, die nicht wie er aufgewachsen sind. Evtl aber mit dem Vorteil, dass er sich neu entdecken kann und neue Freunde findet, dass er später kastriert werden kann und dann halbwegs erwachsen wieder bei uns integriert werden kann.

4. Kastration: Eine sehr endgültige Entscheidung mit einem agressiven Eingriff in Makani’s Körper und für seine Entwicklung. Seine Männlichkeit würde sich nie voll und ganz entwickeln. Vorteile: Alle können gemeinsam weiter leben, so wie sie es bisher wollten. Niemand müsste den Hof verlassen, alle könnten unter meiner Obhut in ihrem Zuhause bleiben.

Ich wartete noch auf die Rückmeldung der Tierärztin und nutze die Zeit, um ein ernsthaftes Pferdegespräch mit meinen Dreien zu führen. Obacht: Dieses dokumentierte Gespräch ist absolut kein gutes Beispiel für ein professionelles Pferdegespräch, denn das Sprechen mit eigenen Pferden läuft auf einer anderen Gesprächsebene ab, als wenn ich in meiner professionellen Präsenz für andere Menschen und Pferde arbeite. Hierbei aber bin ich ganz privat unterwegs und emotional SEHR involviert, meine Sichtweise ist aus keiner übergeordneten Sicht. Dennoch brauchte ich keine professionelle Hilfe (nur die Rückversicherung einer Freundin, die auch noch rein hörte), um meine Pferde richtig zu verstehen. Hier folgt also das unprofessionelle Pferdegespräch:

MAKANI:

Er zeigt sich fröhlich, fordert mehr Kratzeinheiten und Körperkontakt mit mir ein. Er sagt, dass er das Führen über Stangen richtig toll findet. Je größer und aufregender der Parcours aus Stangen aussieht, den ich lege, umso toller findet er es. Er möchte auch Freispringen mit Milan und ist ganz aufgeregt, wie es sein wird, das erste Mal über eine Stange zu springen. Als ich ihn frage, ob er weiß, wieso ich ihn von Mouna getrennt habe, sagt er scheinheilig: „Nö. Ich weiß nicht so recht, was ich tue, ist doch alles normal so!“. Ich erkläre ihm, was er schon weiß, nämlich dass es so nicht bleiben kann. Ich zeige ihm, dass es eine OP geben wird, das findet er nicht so toll. Aber er möchte bitte unbedingt mit Milan zusammen bleiben, eigentlich auch mit Mouna. Kann sie nicht einfach zu jemand anderem? fragt er. Ich lache und sage, dass Milan das überhaupt nicht gut finden würde. Er sagt: „Stimmt, wir gehören alle zusammen. Ich will bei meinen Eltern bleiben.“ Ich zeige ihm die Option, in eine Jungpferdherde zu gehen. Das will er auf keinen Fall! Er will hier bleiben und glaubt auch, dass andere Jungpferde nicht so sind, wie er. Dann zeige ich die Option, einen Jährling dazu zu holen. Mache es ihm schmackhaft, dass er einen tollen, neuen Freund bekommen würde. Er ist überhaupt nicht begeistert und sagt: „Ich will nur mit Milan zusammen sein. Jährling und Milan, das wäre ok. Auf keinen Fall aber ohne Milan. Dann wäre ich eher genervt von dem anderen Pferd und wütend.“

MILAN:

Ohne dass ich etwas sagen kann, sagt er direkt: „Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung.“ und dann schaut er entspannt in die Weite und signalisiert mir, dass er auf alles aufpasst. Ich: „Aber warum hinderst du Makani dann nicht am Bespringen seiner Mutter?“ und er: „Das kann ich nicht, das muss Mouna machen.“ Ich: „Aber du bist doch der Mann von ihr.“ Er: „Aber er ist ihr Sohn, sie muss ihn dahin gehend erziehen, das macht sie auch.“ Ich: „Mir ist das Risiko aber zu groß, er wird sie am Ende noch decken, vielleicht hat er es sogar schon.“ Er: „Nein, noch nicht. Aber wenn er groß ist, dann wäre es vielleicht so.“ Ich: „Und bis dahin kannst du ihn nicht daran hindern?“ Er: „Kastrier ihn doch einfach. Es wird es sonst nur schwer haben. Alles andere wäre schlimmer für ihn. Er würde frustriert aufwachsen. Auch für mich wäre es sehr anstrengend, ihn mit oder ohne Mouna weiter zu erziehen, ich bin bald alt.“ Ich: „Danke, Milan.“

MOUNA:

„Mir geht es gut gerade, endlich mal etwas Pause. Ich liiiebe den Garten! Makani nervt, aber so ist es nun mal. Er ist mein Kind. Ich nehme ihn nicht ernst in seinen hengstigen Absichten, ich kann ihn noch über den Sommer abwehren.“ Ich: „Das sieht aber nicht so aus!“ Sie: „Doch, ich lasse ihn nicht rein. Er ist auch noch gar nicht so weit.“ Ich: „Das glaube ich dir nicht und es sieht anders aus.“ Sie: „Weil es nicht passieren wird, ich bin entspannt.“ Ich: „Dieses Gespräch ist heftig für mich.“ Sie: „Du übertreibst!“ Ich: „Und was machen wir nun?“ Sie: „Die Ruhe ist gut gerade. So geht es erstmal.“ Ich: „Soll ich ihn kastrieren?“ Sie: „Warum nicht? Er ist ein sehr gesundes, gut entwickeltes Fohlen. Die Grundlage für sein Leben ist perfekt gelegt.“ Ich: „Naja, die Entwicklung für Makani’s Körper wäre mit der Kastration gestört. Milan war zum Beispiel länger Hengst.“ Sie: „Da kenne ich mich nicht so aus, aber ich glaube, du übertreibst. Hör auf Milan.“ Ich: „Brauchst du sonst noch etwas?“ Sie: „Nur, dass du dich entspannst.“ Ich: „Ich liebe dich.“

Aus diesem Gespräch zog ich das Fazit, dass baldige Kastration wohl das Beste für alle wäre. Dass ein Abtrennen von Makani und eine dadurch spätere Kastration in den Augen meiner Pferde ihm große Frustration mitbringen würde, die damit seine geistige Entwicklung negativ beeinflussen würde. Er wäre von seinem Vater und besten Freund enttäuscht, weil er allein gelassen würde. Er würde immer wieder auf seine rossige Mutter reagieren müssen, hätte aber keine eigenen Herdenmitglieder, an denen er sich normal ausprobieren könnte. Keine anderen, erwachsenen Pferde, Stuten oder Hengste, die ihm Manieren beibrächten. Er würde seine Eltern zwar sehen, aber nicht mit ihnen agieren dürfen. Das würde ihn frustrieren. Er würde den Frust oft an dem anderen Jährling auslassen. Das alles nur, damit er keine körperlichen Nachteile hätte.

In den Jahren meiner Zeit als Tierkommunikatorin habe ich gelernt, dass körperliche und geistige Gesundheit Hand in Hand gehen und zwar nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich. Eine der wichtigsten Erkenntnisse hierbei: Nur ein grundsätzlich glückliches Pferd ist ein gesundes Pferd. Dauerhafte Frustration führt zu Krankheit. In diesem Fall also hätte ich zwar körperlich das Bestmögliche für Makani getan, wenn ich ihn noch nicht kastrierte. Geistig aber würde ich ihn enttäuschen und frustrieren. Auch unsere Beziehung würde darunter leiden. Dennoch war meine Entscheidung noch nicht gefallen.

Dann kam endlich der Anruf meiner Tierärztin. Sie hatte einige, interessante Neuigkeiten für mich: 1. Makani ist ganz bestimmt jetzt noch nicht geschlechtsreif, sondern braucht noch ca. ein halbes Jahr, bis er ernsthaft zeugungsfähig ist (Siehe Mouna’s Aussage, natürlich hatten meine Großen mal wieder Recht! Ich hatte in meiner Angst übertrieben). Bis dahin würde die Stute schon dafür sorgen, dass er sie nicht deckte. Die Gefahr wäre bloß, dass die beiden sich bei diesen Rangeleien ernsthaft verletzen würde. Sie erwähnte sogar, dass viele Züchter ihre Jährlinge beidgeschlechtlich zusammen halten. Ich fragte noch einmal nach, ob sie ganz sicher sei, dass er seine Mutter jetzt nicht erfolgreich decken könnte. Sie sagte mir dies zu. 2. wäre eine Kastration jetzt besser, als in ein paar Monaten, weil wir sie hier bei uns auf dem Hof durchführen würden und Makani ein paar Tage eine offene Wunde hätte, die in Sommermonaten schwieriger heilt durch die Wärme und die Fliegen. Und 3. erklärte sie mir, dass früher gelegte Wallache später größer würden. Das sollte ich wissen, er würde dann groß wachsen. Ich musste lachen, denn mir hatte Makani schon prohphezeiht, dass er größer würde, als Milan und ich bin 1,81m groß und hoffe sehr, dass Makani Spaß daran haben wird, mit mir reiten zu gehen. Sie sagte noch, dass seine Halsung weniger sein könnte im Aufwachsen dadurch, dass er kein Hengst mehr wäre, aber ich weiß schon, dass Makani dabei auch den Erwartungen trotzen wird. Er hat mir bereits gezeigt, wie er als erwachsenes Pferd ausehen wird. Man sieht es schon seit Tag 1, wie seine Anlagen sind. Auch ohne Testosteron. Er wird nicht zusammen fallen und kein mickriger Halbstarker werden, auch kein Wallachwicht, dafür haben wir hier alle gesorgt. Auf allen Ebenen. Die Tierärztin sagte noch, dass die andere Option sei, ihn dann im Herbst zu kastrieren, wenn die Hitze vorüber ist. Für diese Option habe ich Rückfrage mit Milan gehalten, aber er bleibt bei seiner Meinung: Kastration jetzt ist kein Problem für Makani. Das Herauszögern aber könnte kompliziert werden für alle. Am Ende treffe ich diese Entscheidung für uns alle, auch in Abwägung meines eigenen Befindens.

Makani177Für meine Kunden ist es mir immer ganz klar: Ich finde Kompromisse zwischen Mensch und Pferd, die für beide vertretbar sind, denn nur gemeinsam können sie glücklich sein. Es nützt nichts, wenn das Pferd sich 1,50m Sprünge wünscht, der Mensch aber reitend dabei fast in Ohnmacht fällt vor Angst. Für mich bedeutet das in unserem Fall, dass es mir sehr viel Stress bereiten würde, Mouna und Makani den Sommer über noch in jeder Rosse räumlich zu trennen und dann noch zu hoffen, dass der pubertierende Hengst, der schon als Fohlen gern mal durch den Zaun stolzierte, hier keine unnötige Unruhe in meine Kurse bringt. Und so darf ich heute die nächste Lektion meiner Pferde mal am eigenen Körper spüren: Ich entscheide das, was für uns alle am besten ist. Ich suche den bestmöglichen Kompromiss, in dem ich eine wichtige Rolle spiele. Makani wird in den kommenden Tagen kastriert. Gut fühlt sich das sicher nicht an, aber ich weiß, dass es das Richtige ist.

 

Wenn du auch lernen möchtest, mit Pferden zu sprechen, dann schau hier: Pferdeflüsterer Ausbildung.

HUNGER

Ein Thema, welches mir regelmäßig in Pferdegesprächen begegnet. Ein Thema, welches so viele, tragische Missverständnisse in der Pferdewelt beinhaltet. Ein Thema, welches Grundlage so vieler, hausgemachter Pferdekrankheiten ist. Und leider auch ein Thema, welches negativ behaftet ist: Pferde, die Vielfraße. In den Kursen lachen viele Teilnehmer, wenn ein Pferd äußert, dass es am liebsten frisst. Dass es von grünen, saftigen Wiesen träumt oder von Bergen von Hafer, Äpfeln oder Karotten. Wir haben gelernt, dass ein agressiv ins Gras ziehende Pferd an der Hand ungehorsam und verfressen ist, faul vermutlich auch noch. Doch was sagen die Pferde dazu?

Viele Pferdemenschen haben schon verstanden, dass 24 Heu für fast alle Pferde ein gesundheitsbringender, notwendiger Segen ist. Die meisten von ihnen denken aber, dass diese Rauhfütterung nebst synthetischer Mineralversorgung alles ist, was ein Pferd braucht. Viele denken, dass wenn ein Pferd nicht arbeitet, es auch kein weiteres Futter braucht. Es gibt genügend Wildpferd- und Fütterungsexperten, die aus wissenschaftlicher Sicht erklären könnten, warum Pferde was fressen sollten, aber ich gehöre nicht dazu. Ich kann nur sagen, was die Pferde selbst äußern. Ich versuche, hier die wichtigsten und häufigsten Aspekte aus Pferdegesprächen im Bezug auf Fütterung zu beschreiben:

1. Kraftfutter:

Sehr viele Pferde wünschen sich in den Pferdegesprächen mehr bzw überhaupt Kraftfutter. Sie zeigen mir große Mengen, meist Hafer, manchmal auch andere Komponenten. Sie zeigen mir Getreide. Wenn ich das äußere und die Menschen berichten, was ihr Pferd denn an Kraftfutter bekommt, dann ist es meistens gar nichts oder es wird von kleinen Mengen industriell gefertigter Mischungen gesprochen („Dieundie Firma ist ja sehr gut…“), deren Inhaltsstoffe fast ausnahmslos getreidefrei und abenteuerlich sind. Meistens sogar werben diese Hersteller damit, dass besonders wenig Energie darin sei. Das ist nicht das, was Pferde mit Kraftfutter meinen. Sie meinen Futter, welches ihnen Kraft gibt in adäquaten Mengen. 500g für 500kg Körpergewicht sind extrem wenig. Sie meinen energiereiches Getreide. Meistens ist das Hafer.

Bei dem Wort Hafer schreien innerlich viele Pferdemenschen auf. Haben wir doch gelernt, dass unsere Pferde von Hafer wild werden, fett oder auch krank. DAS GEGENTEIL IST DER FALL. Ich schreibe das groß, damit es deutlich wird: Hafer bzw gutes Kraftfutter bringt den Organismus des Pferdes in Schwung. Es füllt Lücken, die getrocknetes Gras nie füllen kann. Es bringt ein Sättigungsgefühl, was bei uns mit einem großen Teller dampfender Kartoffeln vergleichbar ist. Die wichtigen Bestandteile des Hafers machen das Pferd gesund, glücklich und fit. Es gibt sehr viele, unterernährte Pferde mit dicken Bäuchen und hohlen Augen, die angeblich abnehmen müssen. Wenn diese Pferde in den Pferdegesprächen fast schon verzweifelt eine große Menge Kraftfutter wünschen und die Menschen sich dann tatsächlich trauen, dem nach zu kommen, passiert Folgendes: Der Bauch wird kleiner, weil die Verdauungsorgane endlich wieder das verdauen dürfen, was ihnen fehlte, sie müssen also weniger aufgebläht sein. Die Muskeln werden gestärkt und wachsen, das Pferd wird runder um die Schultern und das Becken, alles sieht straffer aus, aber nicht speckiger. Es wird fröhlicher, lebhafter und ruhiger, weil es weniger Hunger und Mangel leidet. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass dies besonders oft von Pferden laut wird, die eben nicht oder kaum „gearbeitet“ werden. Fast alle Pferde benötigen Kraftfutter, weil ihnen durch die einseitige Fütterung mit unserem artenarmen Gras und Heu einfach zu viel fehlt. Ein durchschnittliches Pferd wünscht sich zwischen 2 bis 8 Liter Getreide am Tag, um gesund und fit zu bleiben.

2. Heu:

Wie schon erwähnt haben Pferde das ganz große Bedürfnis, immer Zugang zu Rauhfutter zu haben. Nur sehr kranken Pferden, deren hausgemachte Stoffwechselstörung schon zu weit fortgeschritten ist, tut eine Rundumheuversorgung nicht mehr gut. Für alle anderen Pferde gilt: Sie benötigen Heu in großen Mengen immer zur Verfügung. 2 oder 3 x tägliche Heufütterung mit der in Fütterungsrichtlinien angegebenen Menge verursachen bei fast allen Pferden Hunger. Dieser Hunger tut weh, es ist ein drückender Schmerz im Bereich des Magens und des Darms. Ein Pferd ist physiologisch nicht auf Fresspausen ausgelegt und das Gefühl, was Pferde mir vermitteln, die in Hunger ausharren müssen, ist leidvoll, angstvoll und schmerzhaft. Aus diesem Hungergefühl entsteht extrem häufig eine gewisse Herdenagression, die unter den Pferden ausgelassen wird. Von diesem Hunger bekommen unsere Pferde schlechte Laune und sie werden davon krank. Ihre Verdauungsorgane verkomplizieren sich ohne ständige Rauhfuttergabe.

Viele Pferde beschweren sich über die Qualität oder auch die Energiedichte des Heus. Zum Glück wissen Pferdehalter fast immer, was ihr Pferd meint, wenn es sich zum Heu äußert. Da ist der Kenntnisstand unserer menschlichen Sicht schon recht weit fortgeschritten. 1. Schnitt, 2. Schnitt, Staub, Geruch etc, das alles nehmen Pferde so wahr, wie wir es bewerten. Ein Pferd, was zu mageres Heu frisst, bekommt ebenso Hunger und wünscht sich meist große Mengen an Kraftfutter für die Energiegabe. Schlechtes Heu ist durch viel und gutes Kraftfutter einfach über einen nicht zu langen Zeitraum auszugleichen. Fehlendes Heu allerdings ist nur durch Gras zu ersetzen.

3. Gras:

Wir alle kennen die grasversessenen Pferde, die besonders jetzt, kurz vor dem Anweiden, fast schon verrückt werden, wenn sie nicht an frisches Grün dürfen. Sie gelten als ungezogen und verfressen. Tatsächlich brauchen Pferde frisches Gras. Alle von ihnen. Nicht nur im Sommer. Es ist nicht einfach, das für Pferde zu bewerkstelligen, da die heutige Pferdehaltung selbstverständlich so tut, als wäre Heu ein ganzheitlicher Grasersatz. Aber Heu ist totes, getrocknetes Gras. Eine Tüte Trockenobst wird mir gut tun, aber ein Teller frischer Obstsalat macht mich gesund. Ernährte ich mich den ganzen Winter nur von Trockenobst, hätte ich im Frühjahr ein körperliches Defizit und würde mich auf jeden Apfel stürzen, ohne verfressen zu sein. Gras ist ein sehr, sehr wichtiger Bestandteil für die Gesundheit des Pferdes. Und jetzt Obacht: Ganz besonders kranke Pferde brauchen Gras! Kolikpferde, Rehepferde, stoffwechselkranke Pferde brauchen Gras. Sie brauchen Gras, welches lang gewachsen ist und welches artenreich ist. Jedes Pferd sagt mir das und sie haben Recht. Sie brauchen es dringend, denn es enthält lebendige Vitalstoffe, welche das Pferd optimal versorgen. Gutes, gewachsenes, artenreiches Gras ist DIE Nährstoffquelle eines jeden Pferdes. Kaum ein Pferd sieht besser aus, als wenn es im Sommer auf der vollen, artenreichen, nicht abgefressenen Wiese steht. Wird sein Bauch von der Wiese zu dick oder wird es speckig, dann liegt das nicht an „zu viel Gras“, sondern an falschem, einseitigem Gras und zu wenig Kraft- und Rauhfutter, an gestörtem Stoffwechsel durch jahrelange Mangelernährung. Pferde müssen lebendiges Gras pflücken dürfen, zu jeder Jahreszeit, so regelmäßig, wie nur möglich. Pferde, die monatelang oder jahrelang kein Gras fressen dürfen, haben ein fast schon verrücktes, gerechtfertigtes Verlangen danach. Sie erleiden einen existentiell wichtigen Mangel. Es macht sie glücklich, sich lebendig und gesund von Gras ernähren zu dürfen.

4. Mineralien:

Pferde wünschen sich oft organische, lebendige Mineralien und nicht synthetische, die in den meisten Mineralbrickets oder Pellets vorhanden sind. Können diese nicht über lebendiges Grün- und Saftfutter aufgenommen werden, lohnt es sich, einen guten Hersteller organischer Mineralien zu suchen (HBD z.B.). Der Mineralmangel ist nicht sehr häufig Thema in den Pferdegesprächen, Hunger aufgrund fehlendem Kraftfutter oder Heu ist weitaus häufiger.

5. Saftfutter:

Viele Pferde wünschen sich alle möglichen Obst- und Gemüsesorten oder auch Wurzelsorten und Zweige neben ihrer oben beschriebenen Fütterung. Ganz besonders im Winter, wenn keine Grasversorgung gegeben ist, können lebendige Früchte Pferden helfen, das zu bekommen, was ihrem Körper derzeit mangelt. Manche Pferde probieren fast alles gern über Fenchel, Rüben, Kohlrabi, Kartoffeln, Beeren, Melonen, Bananen, Papayas, Zitronengras, Kurkuma, Ingwer usw. Andere Pferde sind da zu sehr geprägt und mögen das meiste nicht mal probieren. Ein Pferd selbst wählen zu lassen, ist eine einfache Variante, es an lebendige Vitalstoffe kommen zu lassen. Auch hier dürfen die Mengen groß sein! Noch kein einziges Pferd hat zu mir gesagt: „Die Fruktose tut mir nicht gut.“, das ist ein Irrglaube.

Insgesamt ist es wichtig, zu verstehen, dass die angewöhnte Haltung, den Pferden wenig bis gar nichts an Vielem des oben Beschriebenen zukommen zu lassen, kontraproduktiv ist. Von zu wenig und einseitigem Futter werden Pferde krank, nicht von zu viel! Hufrehe entsteht nicht durch Gras, sondern durch falsche Hufbearbeitung und Mangelernährung. Kolik ensteht nicht durch Futter, sondern durch Stress und Hunger und dem verzweifelten Versuch, diesen auszugleichen. Dicke Bäuche sind nicht fett gefressen, sondern aufgebläht durch Mangel.

Bitte traut euch, die Mangelernährung eures Pferdes abzustellen.

PS: Wenn du selbst lernen möchtest, mit Pferden zu sprechen, schau hier: Pferdeflüsterer Ausbildung.

Die Erwartungshaltung

Pferde werden selten angeschafft, weil man sich einfach an ihrer Anwesenheit oder an ihrem Anblick erfreut. Meistens steckt eine gewisse Erwartungshaltung dahinter, die mehr oder weniger hohe Ansprüche an das Pferd stellt.

Es kann schon etwas Simples sein wie „Ein Pferd muss in den Hänger gehen können, sich von Fremden führen lassen und sich gefallen lassen, überall am Körper von egal wem berührt zu werden.“ Den meisten Pferden aber wird eine größere Erwartung entgegen gebracht. „Das Pferd muss gymnastiziert, geritten, longiert werden. Es muss Bodenarbeit ausführen.“ Das sind in unseren Augen normale Ansprüche an Pferde.

Schauen wir uns das mal etwas genauer an, wird es etwas absurd. Gymnastizieren bedeutet, dass wir meinen, zu wissen, wie dieser Pferdekörper bestmöglich zu bewegen wäre. Als wären wir zertifizierte Physiotherapeuten. Wer schon einmal beim guten Physiotherapeuten oder auch Trainer war, der weiß, dass die Ideen und Ansätze meist gut sind, die Ausführung der Übungen Zuhause oder allein für Normalsterbliche meistens aber schwierig umzusetzen oder gar wenig hilfreich ist. Und das, obwohl wir genau sagen konnten, was uns wie weh tut und wie wir uns bewegen können und wollen und wie nicht. Was uns gefühlt gut tut und was nicht. Dabei sitzt nicht mal jemand mit einem Zehntel unseres Körpergewichts auf unserem Rücken, schnürt uns mit Metall, Leder und Holz ein, um uns in eine spezielle Haltung zu bringen. Ein gesunder Körper wird eben nicht von außen nach innen modelliert, sondern anders herum.

Doch das ist es, was wir von unseren Pferden und ihren Körpern erwarten. Wir benutzen sie ungefragt nicht nur auf diese Weise, sondern haben dazu die hochmütige Einstellung, dass ihnen das auch noch gut tun würde. Obwohl fast niemand, der sein Pferd „gymnastiziert“ tatsächlich Ahnung hat, wie ein Pferdekörper wirklich agiert, funktioniert, fühlt und sich unter Belastung verändert. Es fängt schon damit an, dass sogar unter den angeblichen Fachleuten auf diesem Gebiet fast alle einen blinden Fleck auf der Sattellage der Pferde haben. Dort, wo man diesen „unsichtbaren Sattel“ liegen sieht, gehören eigentlich Muskeln hin, die vom starren Sattelbaum weg gedrückt wurden. Muskelathropie nennt sich das. Soll das wirklich eine gute Gymnastizierung sein oder ist es möglich, dass die Idee eines angespannten Reiters, der mittels Kraft und Schnüren das Pferd in eine Haltung zwingt, der absolute Holzweg ist? Ist es vielleicht möglich, dass diese Art des Reitens vor allem einem gut tut: Dem Macht ausführenden Menschen, der weder wahrnimmt, ob das Pferd überhaupt Lust hat, eine halbe Stunde in einer dunklen, öden Halle dabei Kreise zu ziehen, noch wie es sich dabei fühlt, seelisch und körperlich?

Ja, es gibt sie. Die wenigen Pferde die tatsächlich gern „arbeiten“, doch sind sie sehr wenige. Davon wiederum ein vernichtend geringer Anteil wird zumindest nicht eklatant physiologisch schädigend bewegt. Dieses Thema lässt sich in vielen Aspekten noch viel spezifischer betrachten, doch soll es heute um Eines gehen:
Ist es wirklich gerechtfertigt, dies von seinem Pferd zu erwarten?

Die Antwort lautet Nein. Doch sind wir es alle so gewohnt. Falls sich doch mal jemand traut, seinem Pferd zumindest die Wahlfreiheit oder eine Meinung zuzugestehen, so wie es für Hunde und Katzen größtenteils selbstverständlich ist, wird er direkt von anderen Pferdehaltern zurecht gewiesen. Nicht, weil sie es alle tatsächlich besser wissen und ganz bestimmt auch nicht, weil sie dem Pferd einen Gefallen tun möchten. Sondern weil es bedeuten könnte, dass man sein eigenes Tun in Frage stellen müsste, wenn jemand anderes durch ehrliche Kommunikation mit seinem Pferd eine tiefere, liebevollere Bindung erreicht, als man selbst. Und das macht Angst. Es bedeutet Selbstreflektion. Um diese zu umgehen, wird man also besserwisserisch und macht andere klein.

Und so folgen die meisten dem, was angeblich wichtige, laute Reiter ihnen beigebracht haben. Die Mehrheit denkt, ein Pferd müsste funktionieren. Ein großer Teil dieser Mehrheit wünscht sich aber auch eine Freundschaft zu seinem Pferd. Hofft auf Zuneigung und Freude, die es mit seinem Pferd ehrlich teilen kann.

Wenigen Menschen ist bereits klar, dass eine so prägnante Erwartung an ein denkendes, fühlendes Wesen und eine liebevolle, ehrliche Beziehung zwei Pole sind, die sich gegenseitig abstoßen. Wer schon mal einen Partner hatte, der immer nur seine Bedürfnisse durchsetzen wollte, ohne Rücksicht oder gar Einsicht auf die Meinung seines Gegenübers, der weiß, dass hier kein Wohlfühlen möglich ist. Selbst bei gut gemeinten Erwartungen nicht. So funktionieren Partnerschaften nicht. Auch nicht mit Pferden.

Ein Pferd zu kaufen mit einer Idee, was es einem bringen, welche Träume es einem erfüllen und welche Ziele es erreichen soll, ist nicht förderlich für die liebevolle, freundschaftliche Beziehung zu diesem wundervollen Wesen. Es besetzt einen Raum. Es gibt vor, es erzeugt Druck. Es bewirkt einen Tunnelblick auf den einzig möglichen Weg. Setzt das Pferd einen Huf abseits dieses Weges, verwirrt es seinen Menschen meistens massiv. Auf einmal weiß keiner von beiden mehr, wo man überhaupt ist oder was zu tun ist. Der Mensch ist hilflos, das Pferd unsicher. Nichts geht mehr. Es hagelt gute Ratschläge von außen, die sich aber auf einmal nicht mehr richtig anfühlen. In dieser Situation befinden sich fast alle meine Kunden, wenn sie mich als Pferdeflüsterer beauftragen.

Nun stell dir vor, du würdest einfach alle Ansprüche an dein Pferd lachend über die Schulter werfen wie ein leeres Glas auf einer schlechten Party und dich auf den Weg machen. Zusammen mit deinem Pferd. Denn ihr beide wisst am allerbesten, wo es lang gehen soll, was sich richtig und was sich falsch anfühlt. Wie in einer guten Freundschaft könnt ihr eure Bedürfnisse äußern, aufeinander achten, Kompromisse eingehen und mal etwas ausprobieren, was der andere vorgeschlagen hat. Mal verlässt du dabei deine Komfortzone, mal dein Pferd seine. Aber immer als Einheit. Und mit dem Wissen: Ich pass auf dich auf. Egal, was ist. Egal, ob du etwas wirklich nicht kannst oder willst. Denn es geht nicht darum, was du leistest, sondern wer du bist. Und allein das, dich zu erleben in deiner größtmöglichen Entfaltung, macht mich froh und lehrt mich so viel für mein eigenes Leben.
So entsteht Vertrauen in Beziehungen. So darf Liebe wachsen. So entsteht dieses Gefühl, für den anderen Bäume ausreißen zu wollen, nur damit er sich freut. Auch bei Pferden! Besonders bei Pferden! Denn sie finden uns viel toller, als wir ahnen. Ihr Bedürfnis nach Freundschaft zum Menschen ist tatsächlich groß. Mach diesen Raum für euch auf, indem du euren Raum leerst von allen falschen Vorstellungen, Erwartungen und Glaubenssätzen, die du Pferden gegenüber hast. Hör auf dein Pferd, anstatt auf andere. Erst dann kann es einen selbstgewählten Schritt auf dich zu machen, in euren Raum hinein. Und das ist es doch, was du dir wünschst. Oder?

____________________________________________________

Wenn du lernen möchtest, mit Pferden zu sprechen, schau hier:
https://www.pferde-verstehen.de/pferdefluesterer-ausbildung/

Makani50

Die Sache mit dem Spiegel

Schon lange möchte ich diesen Artikel schreiben. Dieses Thema hat bereits Bücher gefüllt von mindestens zwei meiner liebsten Kolleginnen und doch ist es etwas, wo ich erstmal durchatmen muss, wenn ich damit konfrontiert werde.

Meine Arbeit versucht, Verständnis zu schaffen und zu vermitteln. Zwischen Tier und Mensch. Nicht nur zwischen Mensch und sich selbst. Deshalb tippe ich heute doch etwas dazu, ich werde immer wieder danach gefragt. Es geht um dieses Thema:

„Mein Tier spiegelt mich! / Mein Tier ist mein Spiegel!“

Es gibt den Irrglauben unter uns Tierhaltern, dass unsere Haus- und Hoftiere immer das zeigen, was wir eigentlich sind, tun, erleben, denken und fühlen. Dass wenn ich zu viel Stress habe, mein Hund davon Krebs bekommt. Dass wenn ich mich unwohl in einer Situation fühle, mein Pferd es nur tut, weil ich es tue. Dass wenn ich Liebeskummer habe, meine Katze anfängt, unrein zu werden, weil auch sie so leidet.

Grundsätzlich ist die Idee daran nicht verkehrt. Aber sie ist doch weitaus komplexer, dazu komme ich später. Was mich an dieser Spiegel-Sache aber maßgeblich schon immer gestört hat, ist dies:

Ein Spiegel ist ein Objekt, welches keine Eigenschaften besitzt, außer leblos zu sein und diesen einen Nutzen zu haben: Mit seiner starren Oberfläche ganz genau wiederzugeben, was davor steht. Einfach zu reflektieren und aufzuzeigen. Es wird einzig dazu genutzt, sich seinem Ego zu widmen: Wie sehe ich aus, wie wirke ich? Es befähigt einen dazu, sich selbst in seinem nahen Umfeld zu sehen. Zu sonst nichts. Es hat keinen eigenen Charakter, keine Geschichte, kein Profil. Es spiegelt nur jemand anderen.

Sind unsere Tiere wirklich nicht mehr, als eine reflektierende Oberfläche, die stumpf einfach immer wiedergibt, was bei uns los ist? Und ist uns klar, dass wenn wir von Spiegeln sprechen, es immer nur im ein Individuum gehen kann, um welches sich angeblich dann alles dreht? Meinen wir wirklich, dass wir das Zentrum des Universums sind, um das sich alles dreht und dass alle anderen nur dazu da sind, uns zu reflektieren? Besonders unsere Tiere?

Ja, das meinen wir. Das ist leider tatsächlich die Meinung vieler Menschen. Sogar derer, die denken, sie seien besonders tierlieb. Je tierlieber, umso egozentrischer, könnte man in manchen Fällen sogar meinen. Denn manchmal ist übertriebene Tierliebe tatsächlich ein Kompensator für eigene Probleme, die nicht angesehen werden möchten. Also stürzt man sich auf noch Schwächere und versucht dort, alles wieder gut zu machen, was an einem selbst verbrochen wurde. Gerade sehr selbstkritische und traumatisierte Menschen neigen dazu, diese Spiegel-Sache intensivst zu verfolgen. Leider vergessen sie dabei, dass je mehr sie dabei im Spiegel nach Bestätigung dessen suchen, umso weniger sie ihr Tier wirklich wahrnehmen. Dabei wollten sie damit ursprünglich genau das bezwecken: Ihr Tier besser verstehen und die Verbindung zwischen ihnen und dem Tier intensivieren.

Wenn es sich aber immer nur um einen dabei dreht, man immer nur sich selbst dabei sieht, kann das nicht funktionieren. Die Ebene der Beziehung bleibt dann immer eine unausgeglichene, in der das Tier nur reflektieren, nur reagieren und nur anzeigen darf, was der Mensch in sich wiederfindet. Es wird dabei nicht wirklich angehört. Es hat keine Chance, seine eigene Geschichte zu erzählen, weil auf ein synchrones Vorkommnis immer sofort die Spiegel-Theorie gestülpt wird.

Dabei geht es viel tiefer. Wenn wir nur einen Moment nachdenken und erlauben, dass das Tier seine eigene Geschichte, sein eigenes Leben, seine eigene Seele und seinen eigenen Lebensauftrag hat, dann wird uns eins schnell klar: Es darf auch eigene Themen haben. Es darf sogar eigene Beweggründe haben, wenn es etwas zeigt, was wir auch haben. Es darf sogar, und jetzt Obacht!, es darf sogar derjenige sein, der in den Spiegel blickt. Und du bist es, der spiegelt.

Das ist übrigens auch der Grund, warum mir Seminare im Stile von „Coaching mit Pferden“ grundsätzlich erstmal missfallen. So wie therapeutisches Reiten einst aus dem Boden spross, hat sich über die letzen Jahre eine Flut von Angeboten breit gemacht, in denen man lernen darf, wer man ist – mit dem Pferd als Lehrer. Oder noch besser: Wie gut man als Führungskraft ist. Dass die Pferde dabei gezwungen sind, auf fremde Menschen zu reagieren und einzugehen, weil sie nicht anders können und dass die meisten Pferde dazu überhaupt keine Lust haben bzw auch nicht alle dazu gemacht sind, Lehrer für Menschen zu sein, interessiert nur Wenige. Wir arbeiten uns munter an den Pferden ab und denken, dass es wahnsinnig aufregend sei, wie wir da in eine schnelle Beziehung gegangen sind. Und wieder geht es nur um uns. Ob das Pferd dabei lernt, dass ständig neue Menschen ankommen, die kurze, stümperhafte Beziehungen an ihm ausprobieren und dann wieder verschwinden und es sich dabei benutzt fühlt, darüber denkt kaum einer nach. Schon wenn man einen Hund anstelle des Pferdes stellen würde und sich versucht vorzustellen, wie fremde Menschen sich daran versuchen, mit ihm Gassi zu gehen, so dass er sich dabei brav verhält und wenn man es schafft, sei man eine gute Führungskraft, das klingt absurd. Noch weiter gesponnen wären Kinder, die man versucht, dazu zu bringen, der eigenen Führung zu vertrauen… als Bestätigung dessen, dass man gut darin ist. Ich lasse das Thema lieber sein, es artet aus.

Zurück zum Spiegel:

Ein Tier ist ein Individuum. Es hat Gedanken, Gefühle, Geschichten, Erlebnisse und Erinnerungen, es steckt in seinem Körper und bringt einfach alle Aspekte mit ins Leben, die wir als Säugetier-Menschen auch mitbringen. Es ist genauso komplex. Die Ameise so sehr wie der Elefant oder der Delfin so sehr wie das Pferd, der Hund und das Meerschweinchen. Ein Tier ist genauso Mittelpunkt seines Universums wie du und ich es in unserem sind. Es hat Berechtigungen und Veranlagungen, dass bestimmte Vorkommnisse in seinem Leben zu bewältigen oder zu durchleben sind. Ein Hund, der Krebs bekommt, ist also niemals einfach nur ein Opfer deines Stresses! Er hat selbst die Veranlagung zu dieser tragischen Krankheit mitgebracht, in allen Facetten.

Warum also stellen wir aber immer wieder fest, dass es direkte und offensichtliche Verbindungen gibt zwischen dem, was mein Tier zeigt und dem, was bei mir los ist?

Die Antwort ist einfach und liegt eigentlich auf der Hand, wenn man sein Tier liebt: Es geht um die Seelenschnittmenge.

Spiegel

Dein Tier und du, ihr habt euch gefunden. Viele Menschen, denen ich in meiner Arbeit begegne, berichten sogar genau das: „Mein Tier hat mich ausgesucht und nicht umgekehrt.“ Ja, das hat es. Weil es in dir gesehen hat, dass du es verstehen wirst. Dass genau du derjenige bist, der seine Schwächen akzeptieren kann. Der seine Art versteht, der seine Macken nachvollziehen kann. Manchmal erledigen das auch höhere Kräfte, aber wenn mich meine Arbeit eins gelehrt hat, dann dies: Dass man zusammen gefunden hat, hat immer den tieferen Sinn, das Leben gemeinsam besser meistern zu können. Ob das Gemeinsame nun anstrengend oder einfach nur leicht wird, ist dabei egal: Man hat sich, um voneinander zu lernen. Und so lernt ihr – du UND dein Tier. Du passt zu ihm, also kann es sein Leben einfacher leben, denn gemeinsam ist man stark. Ihr habt eine Seelenschnittmenge. Und je größer sie ist, umso synchronisierter verlaufen eure Leben gemeinsam. Und manchmal ist es dann so, dass ihr alle drei den ganzen Winter hustet, so wie meine Pferde und ich dieses Jahr, aber einer von uns lebt das Thema am meisten aus, was damit verknüpft ist, weil das Thema in seinem Leben am größten ist, aber wir alle drei haben es. Oder dass ihr alle beide menschenscheue, hypersensible Typen seid, die sich nichts sagen lassen, so wie mein Hund und ich. Trotzdem darf dabei nie vergessen werden, dass dieser Hund eben eine Vorgeschichte hat, die ihn zu dem macht, der er ist. Gepaart mit dem, was seine Seele und seinen Körper mit in dieses Leben gebracht haben, ist er genau der Hund, der heute bei mir ist. Der Weg mit mir hat noch viel dazu getan und auf diesem Weg haben wir uns noch mehr aneinander angeglichen, weil es uns beiden half. Ich habe meine Arbeit und meine Wohnsituation immer auf seine Bedürfnisse angepasst und ganz nebenbei habe ich damit das größte Geschenk meines Lebens erhalten: Ich habe seinetwegen gelernt, mit Tieren zu sprechen und mit all dem, wie ich lebe und arbeite schlussendlich auch mein eigenens Bedürfnis nach Abgeschiedenheit, Ruhe und Nähe zu ihm bedient. Weil uns so viel verbindet. Und dennoch darf er sein eigenes Leben leben und nur weil er Menschen gern beißt, die in seinen Augen bedrohlich wirken, tue ich es nicht auch. Oder zumindest nicht so heftig, ich schnappe nur. Denn meine Vorgeschichte aus diesem Leben ist nicht ganz so dramatisch, wie seine. Und doch reicht sie, um sein Verhalten zu verstehen, für mich selbst daraus zu lernen und damit leben zu können. Weil wir eine sehr große Seelenschnittmenge haben. Die manchmal absurd synchrone Vorkommnisse in unser Leben bringt. So wie dass wir gleichzeitig tief durchatmen, seit Jahren. Selbst jetzt, wo er zu taub ist, um meinen Atem zu hören. Weil wir zutiefst verbunden sind. Deshalb leben wir manches gemeinsam aus. Nicht er für mich, nicht ich für ihn. Sondern WIR für UNS! Man kann uns nicht mehr teilen. Wir gehören zusammen und agieren zusammen. Es bin nicht nur ich, die hier gerade arbeitet und den Artikel schreibt, er liegt daneben und macht mit. Jetzt hechelt er, weil wir uns anstrengen. Wir sind wie ein Wesen mit 4 Armen und jeder Arm kann helfen, alles zu meistern. Der eine Arm kümmert sich darum, dass hier Ruhe herrscht, der andere holt schon mal das Futter. Und so ist für uns gesorgt.

Unsere Körper und unsere Idee vom Menschsein gaukeln uns Abgrenzung vor. Und so kommt es, dass wenn diese Synchronizität mit unseren Tieren passiert, wir sie uns erst einmal nur so erklären können: Das Tier muss mich abgegrenzten Menschen irgendwie wiederspiegeln. Immer, wenn dir dieser Gedanke kommt, dann denk an die Seelenschnittmenge und wisse: Es gibt einen gewissen Bereich, in dem nicht mehr wichtig ist, wer es mitgebracht hat, denn es gehört zur gemeinsamen Lebensmasse. Niemand hat „Schuld“ und beide können daran arbeiten und damit leben und lernen. Dem einen schadet oder hilft es genau so viel, wie dem anderen. Weil ihr verbunden seid, über Raum, Zeit und Logik hinweg.

Wenn man das versteht, dann wird auch dieser letzte Aspekt logisch, den ich nun noch darlegen möchte: Übertriebene Selbstkritik ist unangemessen! Wenn du immer versuchst, es deinem Tier bloß recht zu machen. Wenn du den Fehler immer bei dir selbst suchst. Wenn du immer nur in den Spiegel zu blicken versuchst, wird dein Tier nicht glücklich sein. Warum? Denk an die Seelenschnittmenge – weil du es auch nicht bist! Weil es nicht nur dich, sondern immer nur euch beide gibt! Es nützt nichts, deinem Tier alle möglichen, aufwändigen Behandlungen zukommen zu lassen, wenn es krank ist, während du dabei seelisch am Stock gehst und körperlich aus dem letzten Loch pfeifst! Es hilft dem Tier nicht, wenn du dir nicht erlaubst, du selbst zu sein, mit deinen Schwächen und Tiefen, Stärken und Höhenflügen, nur um zu funktionieren. Es möchte dich so, wie du bist. Weil es nur dann auch so sein darf, wie es ist! Und nur das macht glücklich.

Das größte Geschenk in einer Beziehung ist, wenn einen das Gegenüber dazu befähigt, voll und ganz man selbst sein zu dürfen. Ihr kennt das Gefühl aus jeder guten Partnerschaft: Man darf mal schwach, mal blöd, mal zickig, mal stark, mal übertrieben gut gelaunt oder ganz anders sein, als man sich der Welt täglich zeigt. Das schafft eine echte Bindung, weil man zusammen sich nicht mehr verstellen muss. Weil man dann alles zusammen meistert und sich die Kräfte potenzieren. Weil man voneinander und miteinander lernt, in absoluter Vereinigung. Das ist wahre Liebe. Und die braucht keinen Spiegel, die sieht auch ein Blinder.

–> Lerne, mit Tieren zu sprechen.

–> Lass dein Pferd sprechen.

–> Werde Pferdeflüsterer

 

 

Der betrunkene Mexikaner

Der betrunkene Mexikaner.

Am Wochenende fand wieder ein Pferdeflüsterer Basiskurs statt. Acht Menschen haben alles gegeben und sich unbefangen, neugierig und überaus erfolgreich mit sieben Pferden unterhalten. Die Ergebnisse waren erstaunlich, schön, traurig, augenöffnend und auch lustig. Besonders hängen geblieben ist mir der Aha-Moment einer Schülerin. Ich bringe meinen Schülern bei, wirklich und wahrhaftig alles zu sagen, was ihnen im Laufe der Übungsgespräche in den Sinn kommt. Also sprach sie es aus: Der Wallach hatte sie in Gedanken mit zu den Karl-May-Festspielen genommen und ihr ganz begeistert gezeigt, dass er da mitgemacht hätte! Mit Musik und so! Er fand das richtig toll. Wir lachten alle über diese lustige Nachricht. Sie klang weit hergeholt und ausgedacht. Alles, was wir von diesem Pferd wussten, war der Name, das Alter und seit wann es bei seinem Besitzer lebt. Wir hatten ein Foto seines Kopfes gesehen und dann begonnen.

Alle waren gespannt auf das Feedback, welches die Besitzerin dann auch gern gab: Auf der letzten Weihnachstfeier des Stalls hatte sie eine kleine Vorführung mit ihrem Wallach gezeigt. Sie war verkleidet als betrunkener Mexikaner zu der Karl May Musik in die Halle geritten und hatte tatsächlich dabei geschauspielert. Der Part des Pferdes war es, ihr dann einen Lappen aufzuheben, den sie im vermeintlich betrunkenen Zustand fallen gelassen hatte. Er fand sich dabei großartig und es machte ihm einfach Spaß, sich und seine Tricks zu zeigen!

Es ist fantastisch und amüsant, zu welchem Grad unsere Pferde tatsächlich mitbekommen, worüber wir reden, was wir denken, wer wir sind und was passiert. Eins nehme ich, auch aus dieser Anekdote, immer wieder mit: Je geliebter sie sich fühlen, je wertschätzender wir mit ihnen umgehen, umso glücklicher sind sie. Jeder auf seine Weise. Ich liebe meinen Job!

–> Selbst am Pferdeflüsterer Basiskurs teilnehmen.

–> Mit deinem Pferd sprechen lassen

IMG_8397

Die neue Dressur

Manchmal frage ich mich, was wir unsere Pferde eigentlich nicht machen lassen können. Ich habe das Gefühl, alles schon gesehen zu haben. Sie steigen, sie rennen, sie werfen sich in den Sand, sie rollen sich auf den Rücken und lassen Menschen sich auf ihren Bauch setzen. Sie sitzen, sie folgen, sie gehen durchs Feuer. Alles für uns.

Ich kann es nicht mehr sehen. Ja, ich weiß sehr wohl, dass man mit der richtigen Überzeugungskraft und Technik fast jedes Tier zu fast Allem kriegen kann. Ich habe selbst als Fimtiertrainerin gearbeitet, allerdings nur kurz. Denn mir stellte sich immer schon die Frage: Wozu?

Was wollen wir uns da beweisen? Seht her – ich dominiere mein Pferd! Aber so, dass es aussieht, als würde es das freiwillig machen. Ich habe es dahin geklickert, gehorsemanshipt, drangsaliert, ausgetrickst, bis es verstanden hat, dass es am besten ist, jede meiner Forderungen zu erfüllen. Ich habe es davon überzeugt, buchstäblich nach meiner Pfeife zu tanzen. Und wenn es jetzt in der Freiarbeit giftend hinter mir her läuft, dann ist das sicherlich nur, weil Pferde das halt so machen. Hauptsache, mein Pferd steigt noch höher, als andere. Hauptsache, es sieht bei mir noch toller aus, als bei den anderen.

Wirklich? Ist das der Sinn einer guten Freundschaft zwischen Pferd und Mensch? Neulich sah ich mir ein Video einer äußerst berühmten Frau an, die ihre Pferde angeblich ganz frei reitet. Das Video ging los, sie wollte die Basics vom freien Reiten erklären. Dann kam ein Close-Up auf ihre Stiefel. Ich traute meinen Augen kaum: Sie hatte in ihre Stiefel Sporen integriert. Keine angezogen, nein. Sie waren schon Teil des braunen, harmlos aussehenden Stiefels! Das Metall blitzte und ich klickte weg. Sie hat die Dinger tatsächlich auch überdeutlich eingesetzt. Kein Wunder, dass das Pferd alles machte, was sie verlangte – es wurde mit Schmerz bedroht. Denn ja, Sporen tun weh, ob du es willst, oder nicht. Deshalb gibt es sie ja, ansonsten würde deine Hacke für eine feine Hilfe wohl reichen, oder? Oder bist du so grobmotorisch? Nein, dachte ich mir.

Viele andere reiten neuerdings „ganz frei“ und haben dabei aber anstatt Zügeln gleich zwei Gerten dabei, eine in jeder Hand. Nur zum Zeigen, ist klar. Jedes Pferd weiß, wozu Gerten in der Lage sind. Die Feinen unter ihnen, und das sind die meisten, werden sich auch davon nachdrücklich beeindrucken lassen.

Wohin ich auch sehe – die echte Verbindung, die echte Kommunikation auf Vertrauensbasis bleibt selten. Die, in der beide froh sind. Keiner den anderen dominieren oder drangsalieren muss. Und interessanterweise findet sich diese echte Verbindung eben nicht bei den tollsten Trainern oder bei den erfolgreichsten Tricksern. Sondern bei den leisen Menschen, die ihr Pferd haben, weil sie es lieben. Nicht, weil sie es vorführen wollen. Diese Menschen finde ich in meiner Arbeit in allen Sparten des Reitens. Es gibt sie mit Sattel oder ohne, im Sportstall oder hinterm Haus. Sie sind fast nie extrovertiert oder fragen Dinge wie: „Wieso macht mein Pferd nicht Diesunddas mit mir?“, sondern sie stellen mir Fragen wie: „Mag mich mein Pferd? Was kann ich tun, damit es ihm noch besser geht? Mag es geritten werden?“. Auf die letzte Frage ist die Antwort bei den Pferden dieser Menschen meistens ein „Ja.“

Immer, wenn es nur darum geht, etwas mit deinem Pferd zu erreichen, bist du auf dem Holzweg. Es ist nicht dazu da, um zu machen, was du willst. Es hat eine Meinung. Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, diese anzuhören und wirklich ins Gericht mit dir zu gehen. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, denn meine Stute ist ein echtes Wildpferd. Sie ist nah am Tarpan und empfindet das Reiten nicht als Priorität. Sie möchte lieber weit gucken, weiden, sich mit mir kraulen, meinem Wallach Milan eine Gattin sein und ein Fohlen bekommen. Reiten, das fand sie immer schon etwas merkwürdig. Also lasse ich meinen Traum davon, wie wir frei übers Feld fliegen, einfach gehen.

Ich habe 8 ganze Jahre gebraucht, um zu kapieren, wie egoistisch es von mir war, das für uns zu wollen. Ich weiß, seitdem ich sie kenne, dass ich das mehr möchte, als sie. Ich dachte, ich tue ihr damit auch einen Gefallen. Wollte sie immer wieder davon überzeugen. War geduldig, mutig, nett, deutlich und so weiter. Dabei sagt sie den Menschen in meinen Kursen und mir seit Tag 1, was sie wirklich von mir will: Mit mir leben und einmal Mutter sein. Jetzt nehme ich die Aufgabe endlich an. Und lasse mich auf das 3. Pferd in meinem Leben ein, es wird bei uns Zuhause geboren. Ich freue mich unbändig und bin gespannt, was es von mir möchte.

Du möchtest dein Pferd besser verstehen lernen? Dann schau hier: Pferde Verstehen

 

Nachts sind alle Katzen grau – oder?

Heute möchte ich etwas über eine Familie berichten, die ich schon jahrelang begleite. Damals bestand die Familie aus einer Frau, einem Mann, einer Katze und zwei Katern. Silke kontaktierte mich damals, damit ich mit ihrem Kater Apollo sprach. Er miaute oft die ganze Nacht hindurch und belastete damit besonders ihren Mann Daniel, der viel arbeiten musste und nicht immer Zuhause sein konnte. Wenn er dann das Glück hatte, im eigenen Bett zu schlafen, bekam er dank Apollo keine Ruhe. Auch urinierte dieser gern auf Möbel. Silke wollte nun wissen, warum er sich so verhielt und erhoffte sich natürlich, dass Apollo sein Verhalten änderte.

Dieser Kater war ein sehr starker. Er war weise, wusste alles (besser) und war sehr bemüht und engagiert, allen um sich herum Anweisungen zu geben und seinen Platz als König des Hauses auch voll und ganz auszufüllen. Tatsächlich machte er seine Sache auch sehr gut, er wurde von allen geschätzt und respektiert. Er lamentierte aber, dass der Mann Daniel nicht genug auf sich achten würde, er machte sich ernsthafte Sorgen um ihn.

Nach dem Tiergespräch traten diese Probleme nicht mehr aus. Apollo konnte all seine Sorgen und Ängste bezüglich Daniel loswerden, vergab auch Tipps und Bitten, was Daniel tun und lassen sollte, damit es ihm besser ginge. Er sorgte sich um diesen Mann, der nahe am Burnout stand. Apollo dachte, wenn er nachts beklagen würde, dass er sich sorgt, würde man ihn ernst nehmen. Das taten wir und danach konnte Apollo alle schlafen lassen, auch sich selbst. Er urinierte nurnoch ins Katzenklo.

Jahre später, Apollo und auch die Katze des Hauses waren mittlerweile verstorben, fing der andere Kater an, unsauber zu werden. Ich sprach immer mal wieder mit ihm. Nun möchte man annehmen, dass der Grund ein ähnlicher sei. Benny ist jedoch ein komplett anderer Charakter, als Apollo es war. Damals war er schon eher der Mitläufer, nässte auch manchmal auf die Möbel, aber eigentlich nur, weil Apollo es ihm vor machte. Er ließ es auch wieder bleiben, als Apollo gesprochen worden war. Er macht sich nicht viel daraus, Verantwortung zu tragen. Er mag es lieber bequem, möchte umsorgt werden, schwingt keine großen Reden und hat vor Allem körperliche Probleme. Die letztliche Unsauberkeit wurde besser, nachdem ich ihn ein paar Mal energetisch behandelte, um ihm seine Symptome zu nehmen. Benny ist heute schon ein wirklich alter Herr und über die Jahre stellte ich fest, dass sich eine gewisse Alterssenilität bei ihm einstellt. Er weiß manchmal nicht mehr so ganz, was er sagt oder warum er etwas tut. Manchmal bricht er das Tiergespräch auch ab, weil es ihm zu anstrengend ist. Bei Benny ist meine Arbeit also ein ganz andere, als bei Apollo. Es geht hierbei nicht darum, möglichst wichtige Tiergespräche zu führen, in denen es um bedeutungsschwangere Beziehungen geht, in denen wichtige Weisheiten des Tieres herübergebracht werden müssen, um den Menschen wieder auf den richtigen Weg zu führen. Bei Benny geht es um ganz „menschliche“ Alterswehwehchen. Und Bedürfnisse: Bitte ein paar beruhigende Homöopathika. Bitte den Katzenkloeingang tieferlegen, bitte mehr Platz um Umdrehen darin und bitte Behandlungen, das Kreuz schmerzt. Vor Kurzem dann fing Benny sogar an, Daniel auch im Schlaf zu stören. So wie Apollo damals. Ein kurzes Tiergespräch und ein paar Energiebehandlungen später bekam ich dann diese Rückmeldung von Silke:

Hallo liebe Catherin.
Benny geht es viel besser, er ist insgesamt sehr viel ruhiger und vor allem in der Nacht ist er sehr brav. Er kommt zwar, aber lange nicht so oft wie vor dem Gespräch und den Behandlungen. Daniel kann nun viel besser durchschlafen und Benny liegt daneben und schläft auch ruhiger und verhält sich sehr viel ruhiger.  Die homöopathischen Kügelchen vom Bilsenkraut bekommt er seit Sonntag. War kein Problem in der Apotheke. Ich habe die Hyoscyamus in der D6 Potenz und ich gebe ihm 4-5 Kügelchen mit seinen anderen Mittelchen in der Früh. Das ist sehr schön, dass Benny Deine Behandlungen gut angenommen hat und es genossen hat. Man sieht ja, dass sie ihm wirklich gut tun. Ich bin echt sehr froh und erleichtert.“

Ich finde es bemerkenswert, wie in einer Familie über die Jahre bei zwei Katern dieselben Problematiken aufgetaucht sind, die Gründe dafür aber völlig unterschiedlich sind. Immer, wenn mich ein Tierhalter um Rat bittet und eine Frage stellt wie „Was kann man bei Hautproblemen bei Hunden tun?“, muss ich mit den Schultern zucken. Jedes Tier ist individuell, genau wie wir. Jedes Tier hat seine eigene Geschichte, seine eigene Äußerungsweise und seine eigenen Symptome, die es aus eigenen Gründen zeigt. Es gibt keine Pauschallösungen. Es gibt nur das klärende Tiergespräch. Die Kunst darin ist es, immer wieder neu hinzuhören und nicht zu meinen, schon zu wissen, was die Lösung ist. Das Tier wird schon sagen, was es braucht oder wie es sich fühlt. Dann kann gemeinsam entschieden werden, wie es weitergeht. Manchmal reicht es schon, auszusprechen, was ist, um es sich auflösen zu lassen. Manchmal braucht es noch weitere Unterstützung. Ein Tiergespräch ist und bleibt eben nur das, was es ist: Ein Gespräch.

–> Mit deinem Tier sprechen lassen

–> Energiebehandlungen

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

IMG_9457