Goldmedaillen für deutsche Reiter, aber wie geht es den Pferden?

In diesen Tagen bekomme ich viele Fragen von Kunden und Bekannten, die wissen möchten, wie es diesen Pferden da im Fernsehen eigentlich geht, die die Medaillen für Deutschland gewinnen. Ich atme dann immer tief durch. Zum Glück habe ich keinen Fernseher und die Berichterstattungen im Internet habe ich immer direkt weg geklickt. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Ställe, in denen Pferde gequält werden, kann ich meiden. Aber mir in Hochglanz und guter Auflösung hautnah ansehen, wie jemand sein Pferd fachgerecht zum Schlachter reitet, das wäre mir zu viel. Also schaue ich weg.

Vor ein paar Jahren noch schaute ich hin. Es ging um einen millionenteuren Dressurhengst. Ein bildschönes Tier, pechschwarz mit ein wenig Weiß im Gesicht. Er war sehr würdevoll, hatte viel innere Größe und war einfach jemand, den man sich gern ansah. Man bekam bei ihm direkt den Eindruck eines gleichzeitig großherzigen und unendlich kraftvollen Tieres.

Es begann eine Diskussion um dieses Pferd, weil die Besitzer und Reiter des Tieres auf dem Abreiteplatz (also der unbeobachtete Bereich zum Warmreiten vor dem Turnier) eine noch viel schlimmere Horrorreitshow ablieferten, als dann im Showmoment. Das Pferd wurde so eng geritten, dass es sich selbst ständig den schaumverschmierten Schädel gegen die Brust drückten musste. Der Hengst konnte dabei kaum sehen und auch nicht viel atmen, so eingeschnürt war diese Haltung. Jeder Reiter weiß mittlerweile, dass diese „Rollkur“ nicht nur ungesund, sondern tierquälerisch ist. Aber die wichtigen, reichen Männer wussten allerlei Ausreden, warum das so richtig sei. Und – es tat ja auch niemand etwas. Diese Art der Tierquälerei wird immernoch überall geduldet.

Eine Zeit lang arbeitete ich auch für eine Springreiterin, die dann Weltbeste wurde. Ihre Pferde waren geliebt und sie tat viel für sie. Sie ließ mich mit ihnen sprechen und versuchte, ihren Wünschen nachzukommen. Diese Arbeit musste ich dennoch irgendwann ablegen, denn ich konnte sehen, wie auch sie den Erfolg und das Geld der Gesundheit und den Wünschen der Tiere vorzog. Wenigstens war sie recht „human“ mit ihren Pferden und diese konnten neben Verletzungen und Krankheiten trotzdem auch mal stolz auf sich sein. Sie waren nicht so schlimm versklavt, wie 98% der anderen Sportgeräte, die ich auf diesen Turnieren sah. Dort mal hinter die Kulissen zu schauen, war beeindruckend im negativen Sinne. Mir war nicht klar, wie viele Arten von absurden Folterinstrumenten besonders an den Köpfen der Pferde tatsächlich erlaubt sind. Auch war mir nicht klar, wie stark manche Pferde sind, dass sie so etwas noch aushalten und dann sogar die erforderte Leistung erbringen. Ich konnte in ihren Augen sehen, dass die meisten sich längst aufgegeben hatten und nurnoch funktionierten wie leere Hüllen.

Der schwarze Dressurhengst schaffte es nicht mehr lange. Nach wechselnden Reitern und vielen Diskussionen gaben seine Beine einfach auf. Schäden an den Knochen zwangen diese „Karriere“ in die Knie. Das ist typisch für diese Pferde: In einem eigentlich noch völlig fitten Alter geben Knochen und Gelenke einfach auf. Beine oder Rücken haben irreparable Schäden. Heute darf der Hengst nurnoch neue, millionenteure Pferde produzieren, die öffentlich kaputt geritten werden sollen.

Wenn mich also jemand fragt, wie es diesen Pferden geht, dann zeige ich gern Bilder von diesem Hengst. Es ist unglaublich einfach, zu sehen, wie es einem Pferd geht: Man schaut ihm ins Gesicht. Die erste, menschliche Assoziation dessen, was man da sieht, ist meist die richtige. Darüber hinaus kann man Schaum vor dem Maul, schlagende Schweife und vermehrtes Schwitzen auch genau so deuten, wie man vermutet: Stress, Anspannung, Schmerzen, erschwertes Atmen, eingeschnürt sein.

Dieser wunderbare Hengst hatte ein ganz besonders deutliches Mienenspiel und ich möchte hier einige Fotos aus dem Netz zeigen. Sie alle stammen aus der Zeit, als er noch hochgradig erfolgreich war. Als man die Ritte in den Himmel lob. Niemand schien zu sehen, wie viel Schmerz dieses Tier bereits aushalten musste. 98% der Pferde im Fernsehen schauen so oder ähnlich. 98% der Turnierpferde sind nicht glücklich, sondern versklavt. Egal, in welcher Disziplin. 98% dieser Pferde macht es keinen Spaß, sondern sie geben aus Verzweiflung alles.

Das letzte Foto zeigt denselben Hengst nach seiner Karriere. Er ist unglaublich stark, innerlich wie äußerlich. Er ist müde und traurig, man sieht ihm das Vergangene an. Aber wie er es schafft, nach so einer Tortur noch einen Funken Würde zu zeigen, ist mir ein Rätsel. Ich bin dankbar und froh, dass er es geschafft hat und die Sklaverei für ihn vorbei ist.

süddeutsche

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3 Gedanken zu “Goldmedaillen für deutsche Reiter, aber wie geht es den Pferden?

  1. Danke, dass sich darüber jemand Gedanken macht und das auch mal anspricht. Mir bricht es das Herz, wenn ich beim Springreiten zusehen müsste, es ist völlig gegen die Natur der Tiere!
    Deinen Satz sein Pferd zum Schlachter reiten bringt es auf den Punkt.
    Tiere als Sportgeräte zu missbrauchen, ein absolutes noGo!!

    Gefällt 1 Person

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