Interview aus der Pferdeklinik

Eine meiner ehemaligen Kursteilnehmerinnen, Constanze Erbert, arbeitet seit 15 Jahren als tiermedizinische Fachangestellte in einer Pferdeklinik. Vor ein paar Jahren besuchte sie auch einen Tierkommunikation Basiskurs bei mir. Heute möchte ich ihr ein paar Fragen stellen, weil ich glaube, dass ihr Wissen für viele Pferdehalter Gold wert ist. Fangen wir an:

– Was sind die drei häufigsten Krankheiten, wegen denen die Pferde in die Klinik kommen?

Die drei häufigsten Krankheiten sind Koliken, Verletzungen sowie Lahmheiten.

– Warum, glauben Sie, erkranken die Pferde daran?

Die neuesten Haltungsbedingungen für Pferde gleichen einem Gefängnis, indem den Pferden die Möglichkeiten einer artgerechten Haltung sowie Futteraufnahme verwehrt werden. Hieraus entstehen mangelnde Futteraufnahme, meist durch lange Fresspausen über mehrere Stunden. Danach passiert dann hastiges Fressen und Koliken entstehen.

Gängige Probleme sind Verstopfung, Durchfall, Magengeschwüre durch Stress und wegen falscher Fütterung, Verletzungen durch Langeweile in der Box, oder dann durch Übermut beim ersten Ausgang auf die Weide.

Oft passieren Lahmheiten durch fehlende dauerhafte Bewegung, und dadurch mangelnde Durchblutung in den Hufen und Gelenken.

– Haben Sie oft Unfallpferde? Welches sind die häufigsten Unfälle?

Ja, regelmäßig passieren Unfälle. Meist durch die Unachtsamkeit der Besitzer. Zu oft wird das Tier vermenschlicht und die Tatsache verdrängt, dass es ein Fluchttier ist. Nicht geschlossene Halfter, durchgehende Pferde. Sehr oft jedoch durch unsachgemäße Umzäunung der Weide. Hierdurch entstehen Verletzungen.

– Wie geht es den Pferden in der Klinik? Glauben Sie, die Pferde wissen, dass ihnen dort geholfen wird? Vertrauen Sie den Tierärzten und Mitarbeitern?

Viele Pferde wissen, dass ihnen geholfen wird. Allerdings sind immer wieder welche dabei, die alles ausblenden und panisch reagieren. Hier ist ein ruhiger Umgang und viel Erfahrung nötig. Meist sind die Besitzer in diesem Kontext kontraproduktiv, da deren Nervosität auf die Pferde über geht. Die meisten Pferde vertrauen dem Tierarzt und Helferinnen.

– Hat sich Ihre Kommunikation mit den Pferden dort verändert, seitdem Sie die Tierkommunikation erlernt haben?

Auf aktive Tierkommunikation muss ich verzichten, da ich sonst nicht zum Arbeiten komme. Aber ich denke, dass die Pferde meist wissen, dass ich sie verstehe. Ich bin im Umgang noch ruhiger geworden, sie vertrauen mir eher. Wir hatten einmal ein Shetlandpony, welches von niemanden angefasst werden konnte. Ich hatte keine Probleme mit ihm. Ich konnte ihn nachts sogar alleine behandeln.

– Wie können Pferdehalter vorbeugen, dass ihre Pferde in einer Klinik landen? Gibt es etwas, was jeder Pferdehalter beachten sollte, um Unfälle und Krankheiten zu vermeiden?

Eine möglichst artgerechte Haltung und Fütterung würde Vielem vorbeugen. Dass ein Tier, was in Boxenhaft gehalten wird und nur stundenweise zum Reiten raus geholt wird oder auf den Paddock kommt, krank wird, sollte eigentlich jedem klar sein. Raufutter ad libitum, sowie die Möglichkeit sich uneingeschränkt zu bewegen, müssten Standard sein. Wenn wir Pferde reiten, müssen wir uns bewusst sein, dass wir in dem Moment die Herdenordnung durcheinander bringen, indem wir es aus der Herde heraus nehmen und zu unserer Herde hinzufügen. Der Schaden, den wir diesen Tieren dabei zufügen, sollte so gering wie möglich sein. Optimale reiterliche Fortbildung sowie passendes Equipment sollte Grundvoraussetzung sein. Und es sollte jedem bewusst sein, dass wir mit einem Fluchttier unsere Freizeit verbringen. Jedes Pferd kann bei einer Wespe scheuen, den Kopf schütteln, und den offenen Haken der Trense in das Auge bohren. Ein gesunder Menschenverstand sollte im Umgang mit Pferden unumgänglich sein.

– Was würden Sie Pferdehaltern gern mal sagen?

Lasst eure Pferde endlich mal wieder Pferde sein…. bildet euch reiterlich fort. Wenn euer Pferd einen Fehler macht, sucht bei euch. Wenn ihr ihn nicht findet, sucht weiter. Das Pferd ist nie schuld!

– Was ist Ihre schönste Geschichte aus der Pferdeklinik?

Ein Pferd war mal fast ein Jahr bei uns wegen einer Verletzung, die es sich in der Box zugezogen hatte. Es hatte sich das Vorderbein fast komplett (bis auf den Knochen) durchtrennt. Ich hatte noch nie vorher so eine massive Verletzung gesehen. Die Stute war eine Seele von Pferd. Die wöchentlichen Gipswechsel hat sie stoisch über sich ergehen lassen. Beim Spritzen hat sie nie gezuckt. Sie war einfach total lieb. Nach einiger Zeit wieherte sie uns sogar schon zu. Es sah sehr lange nicht gut aus. Sie bekam Fieber, das Bein heilte nicht optimal.

Elf Monate später ging die Stute nach Hause. Wir weinten vor Freude. Ein Jahr später bekamen wir einen Brief mit Fotos. Sie galoppierte mit Fohlen bei Fuß wieder über die Weide. Ohne den festen Glauben der Besitzerin wäre diese Stute heute nicht mehr am Leben.

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–> Pferdekommunikation in Norddeutschland

runmilan5

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