Der kleine Hengst – die Entscheidung

Makani ist jetzt elf Monate alt. Er trinkt noch mehrmals täglich bei Mouna, die das gern duldet und für gut befindet. Er spielt sehr viel mit Milan und ist meistens auch bei ihm, sie dösen auch gemeinsam. Mouna ist und war schon immer der unabhängigere Typ und genießt es, dass die Jungs da sind, aber beide nicht direkt an ihr kleben. Die Freundschaft zwischen Makani und Milan wächst immer mehr, sie steigen sich jetzt schon an, aber immer nur so hoch, wie Makani es auch kann. Milan passt sich dabei an, wie versprochen.

Seit einigen Tagen ist Mouna rossig und Makani hat seine Hormone entdeckt. Erst hat mich das nicht alamiert, sein Babyhengstgehabe fand ich normal. Vor ein paar Tagen dann wachte ich schon sehr früh auf und ging instinktiv nach den Pferden sehen: Mouna schlug sich gerade halbwegs unmotiviert mit Makani herum, der nun ganz schön hengstig an ihr herum arbeitete. Ich sah, wie er aufsprang und mir wurde kurz anders, als Mouna das mit recht entspannter Art und Weise zwar abwehrte, aber eben halbherzig. Ich sah, dass für einen richtigen Deckakt nicht mehr viel fehlte. Ich rannte raus und verscheuchte Makani von ihr. Dann trennte ich die beiden ab. Makani war zwar etwas geknickt deshalb und stand erstmal etwas planlos am Zaun, er rief auch etwas, aber Milan war ja noch da. Nach einiger Zeit arbeitete Makani seinen Frust in einem wilden Renn- und Steigspiel mit Milan ab. Mouna hingegen antwortete kein einziges Mal auf Makani’s Rufen und war einfach nur sehr dankbar für die Ruhe und dass sie endlich mal allein im Garten alle Gräser und Kräuter rupfen durfte, wie es ihr gefällt. Sie schlief sogar eine zeitlang im Garten und fand das alles gut so.

Ich wusste vor Makani schon einiges über Aufzucht und Hengste, hatte selbst eine Pferdezucht geleitet, jedoch ist meine Haltungsart hier ja etwas unkonventioneller: In Absprache mit den Pferden. Die erste Lektion, die meine drei Pferde mich lehrten, war jene, dass hier keine weitere Stute mit Fohlen leben müsse, damit Makani auch artgerecht aufwachsen würde und außerdem, dass ein Absetzen des Fohlens durch den Menschen nicht nötig sei. Meine Pferde bestanden darauf, unter sich zu bleiben, weil neue Herdenmitglieder, sogar lange vor der Geburt, für sie keine Option waren, sondern nur stressig wären. Ich dachte: Gut, vielleicht ändern sie ihre Meinung ja aber noch, wenn das Fohlen da ist. Nach der Geburt fragte ich also regelmäßig nach, ob Makani nicht einen anderen Spielpartner bräuchte, als Milan. Oder ob er in eine Jungpferdherde sollte, um sich auszuprobieren. Aber nein, es blieb dabei. Die Dreierherde fand den Familienzusammenhalt am wichtigsten, niemandem fehlte es an etwas, keiner war überfordert. Makani wuchs sehr glücklich und behütet zwischen seinen Eltern auf und wirkte auch nie so reif, dass ich dachte, er müsste nun mal langsam weg von ihnen. Im Gegenteil: Es machte alles sehr viel Sinn und mein Fohlen sah so viel besser und selbstbewusster aus, als ich es von Aufzuchten kenne. Mittlerweile gingen mir einige Lichter diesbezüglich nach Lesen des Buches „Im Kreis der Herde“ von Wildpferdfilmer Marc Lubetzki auf, er berichtet darin von einer Wildpferdherde, die nur aus Stute, Hengst und Hengstfohlen bestand. Ich konnte alles daran bei meinen Pferden wiederfinden (Zitate u.A.: „Junge Pferde brauchen Kontakt zu erwachsenen Tieren“ und „Althengst und Jährling toben fast täglich miteinander“). Natürlich höre ich auf meine Pferde und natürlich glaube ich ihnen am Ende immer, aber ich bin die Verantwortliche, am Ende muss ich im besten Willen für uns entscheiden. Es ist nicht immer einfach, seinen eigenen Glauben im Bezug auf Pferdehaltung hinten an zu stellen. Auch für mich ist das zumindest bei meinen eigenen Pferden, immer wieder eine Herausforderung. Ich wollte doch alles richtig machen für Makani. Meine Pferdefamilie hier zu erleben, wie sie nach ihren Bedürfnissen leben dürfen, war schon Bestätigung und Mutmachen genug. Das Lesen des oben erwähnten Buches hat mir die restliche Zuversicht gegeben, dass das Hören auf meine Pferde eigentlich immer richtig ist.

Nach dem kurzen Schock, dass Makani mit nicht mal einem Jahr meint, seine Mutter ernsthaft zu decken, wurde mir klar, dass ich nun nicht drum herum käme, eine wichtige Entscheidung für meine Pferde zu treffen. Ich hatte schon gelesen von Stuten, die von ihren Hengstfohlen trächtig wurden und das wäre natürlich mein persönlicher Super-GAU. Wenn man die Geschlechtsreife von Hengsten googelt, dann liest man von 9 Monaten bis zu ca. 1,5 Jahren. Mein Alarm war an! Ich kapierte nicht, wieso Mouna ihn nicht deutlicher abwehrte und wieso Milan Makani nicht daran hinderte, seine Mutter mit deutlicher Hengstmanier (nicht im Spiel) zu bespringen. Denn nur einen Tag zuvor hatte mir Mouna noch versichert, dass Makani mindestens den Sommer über noch gefahrlos so bei ihr bleiben könne, wie er ist. Nach dem, was ich dann aber morgens sah, informierte ich mich über die Möglichkeiten von Sterilisation und Kastration. Ich hatte gehofft, Makani längstmöglich Hengst sein lassen zu können, damit er sich möglichst gut entwickeln könnte. Ich glaubte, dass je länger ein Hengst Zeit hätte, umso besser wäre sein Körper entwickelt. Ich glaubte, dass das ein sehr ausschlaggebender Punkt wäre für das Leben eines Hengstes, der später Wallach werden müsste. Ich hatte sogar ein wenig Hoffnung, dass ich Makani als sterilisierten Hengst immer belassen könnte. Wie, das hatte ich mir noch nicht ausgemalt, denn eins hatte ich bereits kapiert: Wenn ich mit meinen Pferden gemeinsam entscheide, wie ich sie halte, dann nützen jahrelange Vorausplanungen nichts. Man fließt mit dem Leben mit und passt seine Handlungen dem Moment an. Aber jetzt war so ein Moment. Ich musste handeln!

Die Sterilisation war also meine liebste Option, aber es gab auch drei weitere Optionen: Entweder Makani nun doch mit einem weiteren Jährling zu separieren und sie Jungs sein zu lassen, ihn ganz in eine Jungpferdherde abzugeben oder aber ihn zu kastrieren. Ich fand eigentlich alle Optionen suboptimal, denn alles hatte deutliche Nachteile:

1. Sterilisation: Makani wäre trotzdem Hengst, bloß nicht zeugungsfähig. Die OP dafür könnte hier statt finden, wäre aber nicht weniger riskant und ernst, als eine Kastration. Er würde seine Hormone behalten, sein Körper würde sich natürlich weiter entwickeln. Er würde dennoch bei jeder Rosse von Mouna auch hengstig agieren und sie belästigen. Ich müsste sie dann also immer trennen. Das wäre für Milan stressig, für Mouna ganz ok, für Makani stressig. Für mich riskant, dass der pubertierende Hengst hier den Laden aufmischt, wenn Kurspferde kommen. Eventuell würde die Kastration dann trotzdem folgen müssen, eine zweite OP wäre später nötig.

2. Trennung mit Jährling: Makani würde mit einem Einstellerjährling dauerhaft separat stehen, ich hätte 2 x 2 Pferde auf meinem Hof. Zu jeder Rosse von Mouna wäre er hengstig über den Zaun. Und sie ist regelmäßig rossig, denn im Gegensatz zu den Wildpferden bekommt sie ja keine weiteren Fohlen und ist somit auch nicht trächtig, die Rosse wiederholt sich also oft.

3. Makani in eine Jungpferdherde geben: Trennung der Familie auf allen Ebenen. Keinerlei Möglichkeit mehr, für Makani zu entscheiden, weil er in fremden Händen wäre. Möglicherweise das Lernen der Realität von Pferden, die nicht wie er aufgewachsen sind. Evtl aber mit dem Vorteil, dass er sich neu entdecken kann und neue Freunde findet, dass er später kastriert werden kann und dann halbwegs erwachsen wieder bei uns integriert werden kann.

4. Kastration: Eine sehr endgültige Entscheidung mit einem agressiven Eingriff in Makani’s Körper und für seine Entwicklung. Seine Männlichkeit würde sich nie voll und ganz entwickeln. Vorteile: Alle können gemeinsam weiter leben, so wie sie es bisher wollten. Niemand müsste den Hof verlassen, alle könnten unter meiner Obhut in ihrem Zuhause bleiben.

Ich wartete noch auf die Rückmeldung der Tierärztin und nutze die Zeit, um ein ernsthaftes Pferdegespräch mit meinen Dreien zu führen. Obacht: Dieses dokumentierte Gespräch ist absolut kein gutes Beispiel für ein professionelles Pferdegespräch, denn das Sprechen mit eigenen Pferden läuft auf einer anderen Gesprächsebene ab, als wenn ich in meiner professionellen Präsenz für andere Menschen und Pferde arbeite. Hierbei aber bin ich ganz privat unterwegs und emotional SEHR involviert, meine Sichtweise ist aus keiner übergeordneten Sicht. Dennoch brauchte ich keine professionelle Hilfe (nur die Rückversicherung einer Freundin, die auch noch rein hörte), um meine Pferde richtig zu verstehen. Hier folgt also das unprofessionelle Pferdegespräch:

MAKANI:

Er zeigt sich fröhlich, fordert mehr Kratzeinheiten und Körperkontakt mit mir ein. Er sagt, dass er das Führen über Stangen richtig toll findet. Je größer und aufregender der Parcours aus Stangen aussieht, den ich lege, umso toller findet er es. Er möchte auch Freispringen mit Milan und ist ganz aufgeregt, wie es sein wird, das erste Mal über eine Stange zu springen. Als ich ihn frage, ob er weiß, wieso ich ihn von Mouna getrennt habe, sagt er scheinheilig: „Nö. Ich weiß nicht so recht, was ich tue, ist doch alles normal so!“. Ich erkläre ihm, was er schon weiß, nämlich dass es so nicht bleiben kann. Ich zeige ihm, dass es eine OP geben wird, das findet er nicht so toll. Aber er möchte bitte unbedingt mit Milan zusammen bleiben, eigentlich auch mit Mouna. Kann sie nicht einfach zu jemand anderem? fragt er. Ich lache und sage, dass Milan das überhaupt nicht gut finden würde. Er sagt: „Stimmt, wir gehören alle zusammen. Ich will bei meinen Eltern bleiben.“ Ich zeige ihm die Option, in eine Jungpferdherde zu gehen. Das will er auf keinen Fall! Er will hier bleiben und glaubt auch, dass andere Jungpferde nicht so sind, wie er. Dann zeige ich die Option, einen Jährling dazu zu holen. Mache es ihm schmackhaft, dass er einen tollen, neuen Freund bekommen würde. Er ist überhaupt nicht begeistert und sagt: „Ich will nur mit Milan zusammen sein. Jährling und Milan, das wäre ok. Auf keinen Fall aber ohne Milan. Dann wäre ich eher genervt von dem anderen Pferd und wütend.“

MILAN:

Ohne dass ich etwas sagen kann, sagt er direkt: „Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung.“ und dann schaut er entspannt in die Weite und signalisiert mir, dass er auf alles aufpasst. Ich: „Aber warum hinderst du Makani dann nicht am Bespringen seiner Mutter?“ und er: „Das kann ich nicht, das muss Mouna machen.“ Ich: „Aber du bist doch der Mann von ihr.“ Er: „Aber er ist ihr Sohn, sie muss ihn dahin gehend erziehen, das macht sie auch.“ Ich: „Mir ist das Risiko aber zu groß, er wird sie am Ende noch decken, vielleicht hat er es sogar schon.“ Er: „Nein, noch nicht. Aber wenn er groß ist, dann wäre es vielleicht so.“ Ich: „Und bis dahin kannst du ihn nicht daran hindern?“ Er: „Kastrier ihn doch einfach. Es wird es sonst nur schwer haben. Alles andere wäre schlimmer für ihn. Er würde frustriert aufwachsen. Auch für mich wäre es sehr anstrengend, ihn mit oder ohne Mouna weiter zu erziehen, ich bin bald alt.“ Ich: „Danke, Milan.“

MOUNA:

„Mir geht es gut gerade, endlich mal etwas Pause. Ich liiiebe den Garten! Makani nervt, aber so ist es nun mal. Er ist mein Kind. Ich nehme ihn nicht ernst in seinen hengstigen Absichten, ich kann ihn noch über den Sommer abwehren.“ Ich: „Das sieht aber nicht so aus!“ Sie: „Doch, ich lasse ihn nicht rein. Er ist auch noch gar nicht so weit.“ Ich: „Das glaube ich dir nicht und es sieht anders aus.“ Sie: „Weil es nicht passieren wird, ich bin entspannt.“ Ich: „Dieses Gespräch ist heftig für mich.“ Sie: „Du übertreibst!“ Ich: „Und was machen wir nun?“ Sie: „Die Ruhe ist gut gerade. So geht es erstmal.“ Ich: „Soll ich ihn kastrieren?“ Sie: „Warum nicht? Er ist ein sehr gesundes, gut entwickeltes Fohlen. Die Grundlage für sein Leben ist perfekt gelegt.“ Ich: „Naja, die Entwicklung für Makani’s Körper wäre mit der Kastration gestört. Milan war zum Beispiel länger Hengst.“ Sie: „Da kenne ich mich nicht so aus, aber ich glaube, du übertreibst. Hör auf Milan.“ Ich: „Brauchst du sonst noch etwas?“ Sie: „Nur, dass du dich entspannst.“ Ich: „Ich liebe dich.“

Aus diesem Gespräch zog ich das Fazit, dass baldige Kastration wohl das Beste für alle wäre. Dass ein Abtrennen von Makani und eine dadurch spätere Kastration in den Augen meiner Pferde ihm große Frustration mitbringen würde, die damit seine geistige Entwicklung negativ beeinflussen würde. Er wäre von seinem Vater und besten Freund enttäuscht, weil er allein gelassen würde. Er würde immer wieder auf seine rossige Mutter reagieren müssen, hätte aber keine eigenen Herdenmitglieder, an denen er sich normal ausprobieren könnte. Keine anderen, erwachsenen Pferde, Stuten oder Hengste, die ihm Manieren beibrächten. Er würde seine Eltern zwar sehen, aber nicht mit ihnen agieren dürfen. Das würde ihn frustrieren. Er würde den Frust oft an dem anderen Jährling auslassen. Das alles nur, damit er keine körperlichen Nachteile hätte.

In den Jahren meiner Zeit als Tierkommunikatorin habe ich gelernt, dass körperliche und geistige Gesundheit Hand in Hand gehen und zwar nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich. Eine der wichtigsten Erkenntnisse hierbei: Nur ein grundsätzlich glückliches Pferd ist ein gesundes Pferd. Dauerhafte Frustration führt zu Krankheit. In diesem Fall also hätte ich zwar körperlich das Bestmögliche für Makani getan, wenn ich ihn noch nicht kastrierte. Geistig aber würde ich ihn enttäuschen und frustrieren. Auch unsere Beziehung würde darunter leiden. Dennoch war meine Entscheidung noch nicht gefallen.

Dann kam endlich der Anruf meiner Tierärztin. Sie hatte einige, interessante Neuigkeiten für mich: 1. Makani ist ganz bestimmt jetzt noch nicht geschlechtsreif, sondern braucht noch ca. ein halbes Jahr, bis er ernsthaft zeugungsfähig ist (Siehe Mouna’s Aussage, natürlich hatten meine Großen mal wieder Recht! Ich hatte in meiner Angst übertrieben). Bis dahin würde die Stute schon dafür sorgen, dass er sie nicht deckte. Die Gefahr wäre bloß, dass die beiden sich bei diesen Rangeleien ernsthaft verletzen würde. Sie erwähnte sogar, dass viele Züchter ihre Jährlinge beidgeschlechtlich zusammen halten. Ich fragte noch einmal nach, ob sie ganz sicher sei, dass er seine Mutter jetzt nicht erfolgreich decken könnte. Sie sagte mir dies zu. 2. wäre eine Kastration jetzt besser, als in ein paar Monaten, weil wir sie hier bei uns auf dem Hof durchführen würden und Makani ein paar Tage eine offene Wunde hätte, die in Sommermonaten schwieriger heilt durch die Wärme und die Fliegen. Und 3. erklärte sie mir, dass früher gelegte Wallache später größer würden. Das sollte ich wissen, er würde dann groß wachsen. Ich musste lachen, denn mir hatte Makani schon prohphezeiht, dass er größer würde, als Milan und ich bin 1,81m groß und hoffe sehr, dass Makani Spaß daran haben wird, mit mir reiten zu gehen. Sie sagte noch, dass seine Halsung weniger sein könnte im Aufwachsen dadurch, dass er kein Hengst mehr wäre, aber ich weiß schon, dass Makani dabei auch den Erwartungen trotzen wird. Er hat mir bereits gezeigt, wie er als erwachsenes Pferd ausehen wird. Man sieht es schon seit Tag 1, wie seine Anlagen sind. Auch ohne Testosteron. Er wird nicht zusammen fallen und kein mickriger Halbstarker werden, auch kein Wallachwicht, dafür haben wir hier alle gesorgt. Auf allen Ebenen. Die Tierärztin sagte noch, dass die andere Option sei, ihn dann im Herbst zu kastrieren, wenn die Hitze vorüber ist. Für diese Option habe ich Rückfrage mit Milan gehalten, aber er bleibt bei seiner Meinung: Kastration jetzt ist kein Problem für Makani. Das Herauszögern aber könnte kompliziert werden für alle. Am Ende treffe ich diese Entscheidung für uns alle, auch in Abwägung meines eigenen Befindens.

Makani177Für meine Kunden ist es mir immer ganz klar: Ich finde Kompromisse zwischen Mensch und Pferd, die für beide vertretbar sind, denn nur gemeinsam können sie glücklich sein. Es nützt nichts, wenn das Pferd sich 1,50m Sprünge wünscht, der Mensch aber reitend dabei fast in Ohnmacht fällt vor Angst. Für mich bedeutet das in unserem Fall, dass es mir sehr viel Stress bereiten würde, Mouna und Makani den Sommer über noch in jeder Rosse räumlich zu trennen und dann noch zu hoffen, dass der pubertierende Hengst, der schon als Fohlen gern mal durch den Zaun stolzierte, hier keine unnötige Unruhe in meine Kurse bringt. Und so darf ich heute die nächste Lektion meiner Pferde mal am eigenen Körper spüren: Ich entscheide das, was für uns alle am besten ist. Ich suche den bestmöglichen Kompromiss, in dem ich eine wichtige Rolle spiele. Makani wird in den kommenden Tagen kastriert. Gut fühlt sich das sicher nicht an, aber ich weiß, dass es das Richtige ist.

 

Wenn du auch lernen möchtest, mit Pferden zu sprechen, dann schau hier: Pferdeflüsterer Ausbildung.

Der betrunkene Mexikaner

Der betrunkene Mexikaner.

Am Wochenende fand wieder ein Pferdeflüsterer Basiskurs statt. Acht Menschen haben alles gegeben und sich unbefangen, neugierig und überaus erfolgreich mit sieben Pferden unterhalten. Die Ergebnisse waren erstaunlich, schön, traurig, augenöffnend und auch lustig. Besonders hängen geblieben ist mir der Aha-Moment einer Schülerin. Ich bringe meinen Schülern bei, wirklich und wahrhaftig alles zu sagen, was ihnen im Laufe der Übungsgespräche in den Sinn kommt. Also sprach sie es aus: Der Wallach hatte sie in Gedanken mit zu den Karl-May-Festspielen genommen und ihr ganz begeistert gezeigt, dass er da mitgemacht hätte! Mit Musik und so! Er fand das richtig toll. Wir lachten alle über diese lustige Nachricht. Sie klang weit hergeholt und ausgedacht. Alles, was wir von diesem Pferd wussten, war der Name, das Alter und seit wann es bei seinem Besitzer lebt. Wir hatten ein Foto seines Kopfes gesehen und dann begonnen.

Alle waren gespannt auf das Feedback, welches die Besitzerin dann auch gern gab: Auf der letzten Weihnachstfeier des Stalls hatte sie eine kleine Vorführung mit ihrem Wallach gezeigt. Sie war verkleidet als betrunkener Mexikaner zu der Karl May Musik in die Halle geritten und hatte tatsächlich dabei geschauspielert. Der Part des Pferdes war es, ihr dann einen Lappen aufzuheben, den sie im vermeintlich betrunkenen Zustand fallen gelassen hatte. Er fand sich dabei großartig und es machte ihm einfach Spaß, sich und seine Tricks zu zeigen!

Es ist fantastisch und amüsant, zu welchem Grad unsere Pferde tatsächlich mitbekommen, worüber wir reden, was wir denken, wer wir sind und was passiert. Eins nehme ich, auch aus dieser Anekdote, immer wieder mit: Je geliebter sie sich fühlen, je wertschätzender wir mit ihnen umgehen, umso glücklicher sind sie. Jeder auf seine Weise. Ich liebe meinen Job!

–> Selbst am Pferdeflüsterer Basiskurs teilnehmen.

–> Mit deinem Pferd sprechen lassen

IMG_8397

Die neue Dressur

Manchmal frage ich mich, was wir unsere Pferde eigentlich nicht machen lassen können. Ich habe das Gefühl, alles schon gesehen zu haben. Sie steigen, sie rennen, sie werfen sich in den Sand, sie rollen sich auf den Rücken und lassen Menschen sich auf ihren Bauch setzen. Sie sitzen, sie folgen, sie gehen durchs Feuer. Alles für uns.

Ich kann es nicht mehr sehen. Ja, ich weiß sehr wohl, dass man mit der richtigen Überzeugungskraft und Technik fast jedes Tier zu fast Allem kriegen kann. Ich habe selbst als Fimtiertrainerin gearbeitet, allerdings nur kurz. Denn mir stellte sich immer schon die Frage: Wozu?

Was wollen wir uns da beweisen? Seht her – ich dominiere mein Pferd! Aber so, dass es aussieht, als würde es das freiwillig machen. Ich habe es dahin geklickert, gehorsemanshipt, drangsaliert, ausgetrickst, bis es verstanden hat, dass es am besten ist, jede meiner Forderungen zu erfüllen. Ich habe es davon überzeugt, buchstäblich nach meiner Pfeife zu tanzen. Und wenn es jetzt in der Freiarbeit giftend hinter mir her läuft, dann ist das sicherlich nur, weil Pferde das halt so machen. Hauptsache, mein Pferd steigt noch höher, als andere. Hauptsache, es sieht bei mir noch toller aus, als bei den anderen.

Wirklich? Ist das der Sinn einer guten Freundschaft zwischen Pferd und Mensch? Neulich sah ich mir ein Video einer äußerst berühmten Frau an, die ihre Pferde angeblich ganz frei reitet. Das Video ging los, sie wollte die Basics vom freien Reiten erklären. Dann kam ein Close-Up auf ihre Stiefel. Ich traute meinen Augen kaum: Sie hatte in ihre Stiefel Sporen integriert. Keine angezogen, nein. Sie waren schon Teil des braunen, harmlos aussehenden Stiefels! Das Metall blitzte und ich klickte weg. Sie hat die Dinger tatsächlich auch überdeutlich eingesetzt. Kein Wunder, dass das Pferd alles machte, was sie verlangte – es wurde mit Schmerz bedroht. Denn ja, Sporen tun weh, ob du es willst, oder nicht. Deshalb gibt es sie ja, ansonsten würde deine Hacke für eine feine Hilfe wohl reichen, oder? Oder bist du so grobmotorisch? Nein, dachte ich mir.

Viele andere reiten neuerdings „ganz frei“ und haben dabei aber anstatt Zügeln gleich zwei Gerten dabei, eine in jeder Hand. Nur zum Zeigen, ist klar. Jedes Pferd weiß, wozu Gerten in der Lage sind. Die Feinen unter ihnen, und das sind die meisten, werden sich auch davon nachdrücklich beeindrucken lassen.

Wohin ich auch sehe – die echte Verbindung, die echte Kommunikation auf Vertrauensbasis bleibt selten. Die, in der beide froh sind. Keiner den anderen dominieren oder drangsalieren muss. Und interessanterweise findet sich diese echte Verbindung eben nicht bei den tollsten Trainern oder bei den erfolgreichsten Tricksern. Sondern bei den leisen Menschen, die ihr Pferd haben, weil sie es lieben. Nicht, weil sie es vorführen wollen. Diese Menschen finde ich in meiner Arbeit in allen Sparten des Reitens. Es gibt sie mit Sattel oder ohne, im Sportstall oder hinterm Haus. Sie sind fast nie extrovertiert oder fragen Dinge wie: „Wieso macht mein Pferd nicht Diesunddas mit mir?“, sondern sie stellen mir Fragen wie: „Mag mich mein Pferd? Was kann ich tun, damit es ihm noch besser geht? Mag es geritten werden?“. Auf die letzte Frage ist die Antwort bei den Pferden dieser Menschen meistens ein „Ja.“

Immer, wenn es nur darum geht, etwas mit deinem Pferd zu erreichen, bist du auf dem Holzweg. Es ist nicht dazu da, um zu machen, was du willst. Es hat eine Meinung. Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, diese anzuhören und wirklich ins Gericht mit dir zu gehen. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, denn meine Stute ist ein echtes Wildpferd. Sie ist nah am Tarpan und empfindet das Reiten nicht als Priorität. Sie möchte lieber weit gucken, weiden, sich mit mir kraulen, meinem Wallach Milan eine Gattin sein und ein Fohlen bekommen. Reiten, das fand sie immer schon etwas merkwürdig. Also lasse ich meinen Traum davon, wie wir frei übers Feld fliegen, einfach gehen.

Ich habe 8 ganze Jahre gebraucht, um zu kapieren, wie egoistisch es von mir war, das für uns zu wollen. Ich weiß, seitdem ich sie kenne, dass ich das mehr möchte, als sie. Ich dachte, ich tue ihr damit auch einen Gefallen. Wollte sie immer wieder davon überzeugen. War geduldig, mutig, nett, deutlich und so weiter. Dabei sagt sie den Menschen in meinen Kursen und mir seit Tag 1, was sie wirklich von mir will: Mit mir leben und einmal Mutter sein. Jetzt nehme ich die Aufgabe endlich an. Und lasse mich auf das 3. Pferd in meinem Leben ein, es wird bei uns Zuhause geboren. Ich freue mich unbändig und bin gespannt, was es von mir möchte.

Du möchtest dein Pferd besser verstehen lernen? Dann schau hier: Pferde Verstehen

 

Das Herdenbewusstsein

Kürzlich erschien ein Artikel mit der bahnbrechenden Neuigkeit, dass Dominanz im Pferdetraining nichts verloren hat. Dass es Untersuchungen gäbe, welche zeigen, dass die Pferd-Mensch Beziehung darunter eher leidet. Vielmehr sollte man diese Beziehung auf Verständnis, Klarheit und Ruhe aufbauen.

So froh ich über diese nun wissenschaftlich anerkannte Erkenntnis bin, so schade finde ich, dass dies erst jetzt publik wird. Und dass dennoch viele Menschen kaum verstehen, was damit überhaupt gemeint ist. Wie es denn bloß gehen soll, das Pferd eben nicht zu dominieren. Der Weg ist noch sehr weit für die breite Masse, zu verstehen, dass Tiere in menschlicher Obhut, in diesem Fall Pferde, tatsächlich den großen Wunsch nach einer echten Freundschaft zu uns haben. Sie möchten den Kontakt, sie möchten sich mitteilen, verstanden werden und gute Zeiten mit uns erleben.

Selbst in diesem Artikel gibt es wieder neue Beschränkungen des Pferdeverstandes. So seien sie nur dazu in der Lage, mit dem jeweiligen Gegenüber in Beziehung zu treten. Sie hätten kein Gruppenempfinden. Wüssten nichts über Hierarchien oder Herdenaufbau. Das stimmt so aber nicht. Natürlich wissen Pferde, wer welche Aufgabe in der Herde übernimmt. Sie haben ein Bewusstsein für die Gruppe. Es ist richtig, dass sie dabei nicht in stumpfen Hierarchien denken. Dennoch gibt es aber eine natürliche Aufgabenverteilung: Wer passt auf? Wer findet Futter? Wer findet Wege? Wer passt auf die Jüngeren auf? Wer observiert Neues? Wer schlichtet Streit? Und so weiter. Und natürlich erleben sie dadurch eine gewisse Sicherheit – oder eben Unsicherheit, wenn diese Aufgabenverteilung nicht stimmt, weil zum Beispiel niemand einen wichtigen Job ausführen kann. Natürlich haben sie ein Empfinden, ob eine Gruppe gut und harmonisch ist oder ob es eine unnütze Zweckgemeinschaft ist, die unfreiwillig zusammen steht. Das ist auch richtig so, denn sie müssen wissen, als wie sicher sie ihre Gruppe einschätzen können, um im Zweifelsfall lebenswichtige Aufgaben selbst zu übernehmen. Eine unsichere Herde wirkt sich erheblich auf die Psyche und damit auch auf das körperliche Empfinden des Pferdes aus, also auf das allgemeine Wohlsein.

Aus den jahrelangen Pferdegesprächen, die ich in meiner Tätigkeit als Tierkommunikatorin führen durfte, habe ich das immer wieder gelernt: Faktoren wie Grundversorgung sind zwar wichtig, aber weitaus häufiger sind die Gründe dafür, wenn ein Pferd sich nicht wohl fühlt, eben jene des Miteinanders. Nicht nur unter Pferden – auch und vor Allem unter und mit den Menschen.

Das bedeutet: Stimmt es nicht in der Menschenherde, kann es in der Pferdeherde kaum besser gehen. Unsere Haustiere sind so eng mit uns im Kontakt, dass sie natürlich wissen, ob man sich als Mensch dort im Stall überhaupt wohl fühlt. Pferde stehen im ständigen Kontakt mit ihrer Umwelt. Als äußerst soziale Tiere können sie gar nicht anders. Sie haben die Individuen ihrer Herde im Blick. Da wir mit ihnen umgehen, engen Kontakt zu ihnen pflegen, sogar körperlichen, gehören wir dazu. Sie wissen also, wie es den Mitgliedern ihrer Herde geht. Auch, wie es dem Pferd zwei Weiden weiter geht. Sie wissen um die Stimmung im Stall. Sie wissen vom Leistungsdruck des Pferdes auf dem Reitplatz gegenüber. Sie wissen, ob der Stallangestellte seine Arbeit gern macht und sich geschätzt dabei fühlt. Sie nehmen das alles wahr. Sie wissen am besten, wie es ihren Menschen und ihren engsten Pferdefreunden geht.

Ein Pferd kann noch so gute Grundbedingungen erhalten – genügend Auslauf, bestes Futter, gute Ruheplätze und so weiter. Wenn das Miteinander nicht stimmt und ein oder mehrere Individuen ihrer Herde (zwei- und mehrbeinige) nicht glücklich in ihrer Gruppe sind, leidet auch der Rest der Gruppe. Am meisten derjenige, der dem Unglücklichen am nächsten steht.

Der Mensch spielt hierbei eine viel größere Rolle, als er sich meist zugesteht. Wenn er eine liebevolle, freundschaftliche Beziehung zu seinem Pferd hat oder sie sich auch nur wünscht, ist es fast unmöglich, das Pferd glücklich zu machen, wenn er es selbst nicht ist. Ein Aufopfern bringt nichts als Ungleichgewicht in der Herde. Es gibt dann ein schwaches Glied. Das bedeutet Unsicherheit, diese wird das Pferd wahrnehmen und äußern. Seine Wege sind vielfältig. Ob es diese im direkten Kontakt mit seinem Menschen demonstriert, mit sich selbst ausmacht (psychisch oder physisch) oder an anderen Pferden auslässt, ist typabhängig. Ganz klar sind hierbei nicht nur stumpfe Überlebensinstinkte im Spiel, sondern ganz universelle Gefühle wie Empathie, Liebe, Fürsorge und Verbundenheit.

Meine beiden Pferde Milan und Mouna lehren mich diese Lektion immer wieder aufs Neue, auf immer anderen Ebenen. Mouna war mein erstes Pferd und als ich die Möglichkeit hatte, sie in Eigenregie zu halten, entschied ich, ihr einen Pferdefreund zu kaufen. Ich wollte nicht, dass sie jedes Mal aus einer Pferdefamilie gerissen wird, wenn ein Einsteller umzog. Also ließ ich sie mit aussuchen. Sie wollte gern einen Pferdemann und Milan kam zu uns. Seit dem Moment des Zusammentreffens bis heute sind die beiden eine Einheit, sie führen so etwas wie eine gute Ehe. Sie haben zu zweit, zu dritt, zu siebt, zu zwölft und zu acht gestanden. Immer in Herden mit Pferden jeden Alters, Geschlechts und unterschiedlichen Rassen. Immer blieben sie dabei dennoch ein Ehepaar. Beide sind relativ wichtige Individuen einer Herde, beide decken wichtige Aufgaben gut ab. Milan ist stark darin, eine Herde zusammen zu halten und dafür zu sorgen, dass die Mitglieder fair miteinander sind. Er überwacht Abläufe, die Einhaltung von Routinen und auch die Gesundheit der anderen. Er berichtet bei Krankheiten der anderen direkt an mich. Er erlaubt sich nur wenige Freundschaften in der Herde, meist nur einen Freund neben seiner Stute Mouna. Mouna ist ein wichtiges Bindeglied für alle und sorgt für Fellpflege, Futtersuche und Wohlbefinden. Sie hat viele Freunde, männliche und weibliche. Beide brauchen keine harten Maßnahmen wie Beißen, Schlagen oder Terrorisieren, um diese Aufgaben übernehmen zu können. Sie sind natürlich in ihrer Aufgabenausführung, decken sie gern ab. Sie respektieren auch andere, wichtige Pferde und lassen diesen ihre Aufgaben. Sie bringen relativ viel Sicherheit und Harmonie in eine Herde, wenn man sie lässt. Probleme bekommt vor Allem Milan, wenn eine Herde aus zu vielen abgestumpften Pferden besteht. Solche, die sich nicht einfügen wollen und sich abkapseln oder solche, die absichtlich stören.

Es gibt erschreckend viele Pferde, die ihre natürlichen Aufgaben gar nicht mehr wissen oder nicht mehr ausführen, weil sie sich aufgegeben haben. Dies kommt zustande, weil diese Pferde immer wieder oder ausschließlich unsichere Herden (zwei- und vierbeinige) erlebt haben. Die Ursachen sind vielfältig. Meistens liegen sie in nicht artgerechter Haltung mit zu wenigen, harmonischen Sozialkontakten zu Pferden und Menschen gleichermaßen. Ebenso häufig sind Besitzerwechsel oder zu herzloser Umgang von Menschenseite (zu frühe, zu leistungsorientierte Ausbildung) die Ursachen.

Ebenso aber bekommen meine Pferde Probleme, wenn die menschlichen Herdenmitglieder nicht stimmen. Wenn diese ihren Platz in der Gruppe nicht wissen, gegen die Gruppe arbeiten oder stören wollen. Meine Pferd wissen, dass die Menschen diejenigen sind, die entscheiden. Sie wissen, dass die Menschen um sie herum über ihre Grundbedürfnisse die absolute Macht haben. Genau deshalb ist es von bedeutsamer Wichtigkeit für sie, dass die Menschen sich ebenso harmonisch für die Herde benehmen, wie die pferdischen Mitglieder. Sie haben das Bedürfnis, mit ihnen gut zusammen zu arbeiten und ehrliche Beziehungen zu führen, um ein gutes Miteinander zu schaffen. Sie leiden darunter, wenn das nicht möglich ist und sie auf abgestumpfte Menschen treffen, die harte Maßnahmen wie Dominanz, Ignoranz, Terror oder sogar Gewalt innerhalb der Herde verbreiten. Auch, wenn diese nur innerhalb der zweibeinigen Herde passiert.

Auf Deutsch heißt das, dass das bestversorgteste Pferd, welches friedlich neben seinem Pferdekumpel auf der Weide Gras kaut, unglücklich sein wird, wenn es weiß, dass sein Mensch bei der Arbeit gemobbt wird. Manchmal ist die Verbindung aber auch schon viel eindeutiger.

Milan und Mouna mussten in den letzten 4 Jahren in verschiedenen Pensionsställen ihr Zuhause finden. Meinen eigenen Hof, auf dem sie sich kennen lernten, konnte ich nicht behalten. Sie lernten also verschiedenen Herden kennen. Mouna’s Wunsch blieb es seit dem ersten bis zum letzten Tag in diesen Ställen, immer gleichbleibend wichtig, mit mir wieder zusammen zu leben. Auch für mich war das natürlich ein Traum gewesen, meine Pferde bei mir zu haben. Aber ich hoffte, dass auch unter Obhut anderer Menschen meine Pferde glücklich sein konnten. Außerdem war ich sicher, dass es ihnen als Herdentiere nur gut tut, nicht nur zu zweit zu sein. Dass es wichtiger wäre, eine schöne Pferdegruppe um sich herum zu haben in einem für meine Bedürfnisse zumindest akzeptablen Stall. Dass wir dann alle einigermaßen glücklich sind. Die Rechnung ging nie ganz auf. Es hat sich als nahezu unmöglich erwiesen, einen Stall zu finden, deren Herdenharmonie (zwei- und vierbeinig!) so intakt war und dessen Bedingungen so gut waren, dass wir alle glücklich sein konnten.

Zuletzt hatten wir die Situation, einen von außen betrachtet wirklich idyllischen, tollen Stall gefunden zu haben. Nur acht Pferde in schönster Umgebung mit viel Auslauf und guter Grundversorgung. Die Herde hatte auf Pferdeseite zwei besonders wichtige Mitglieder. Einen Wallach, der als einziges Pferd die Nächte allein draußen verbrachte und alles im Auge hatte; und eine Stute, die prinzipiell unzufrieden war, aber deutlich zu dem Wallach gehörte. Milan bekam die Box neben ihr. Von Anfang an wurde er unentwegt von ihr angezickt, sogar durch die Abtrennung. Sie ließ prinzipiell ihren Frust an ihm aus. Noch am letzten Tag, als wir gingen, spritzte sie ihr Gift zu ihm herüber. Er ignorierte sie, nachdem er anfangs ein paar Schlichtungsversuche gestartet hatte. Mouna freundete sich zwar mit dem Wallach an, aber es war eher ein Dulden der beiden Pferdepaare auf beiden Seiten.

Der Stall wurde betrieben von einem älteren Ehepaar. Sie waren die wichtigen Mitglieder auf Menschenseite. Der Mann war immer dort, immer draußen am Stall unterwegs, hatte alles im Auge. Die Frau war prinzipiell unzufrieden, gehörte aber deutlich zu ihrem Mann und wollte wichtig sein, wenn sie sich zeigte, ohne tatsächliche Aufgaben zu übernehmen. Sie ließ mich von Anfang an spüren, völlig unbegründet, dass sie mich nicht mochte. Sie fand Gründe, mich zu maßregeln (Mouna sollte im Winter keine Decke tragen, ich sollte keine Haare in der Box lassen etc) und erfand Regeln, die nur für mich galten. Noch beim letzten Mal, dass ich sie sah, spritzte sie ihr Gift in meine Richtung. Ich ignorierte sie letztlich, nachdem ich es anfangs versucht hatte, ihr recht zu machen und zu schlichten. Mit dem Mann freundete ich mich zwar an, aber es war eher ein Dulden von uns allen gegenseitig.

Seit drei Wochen wohne ich nun endlich wieder mit allen Mitgliedern meiner Herde zusammen. Obwohl wir nur zwei Pferde sind, ein Hund und zwei Menschen, ist es wirklich unübersehbar, wie deutlich das allgemeine Wohlbefinden, das Sicherheitsgefühl von uns allen, angestiegen ist. Mouna ist quietschvergnügt, nickt, brummelt und wiehert mir bei jeder Gelegenheit zu, beglotzt mich von allen Seiten, wenn sie mich sieht. Sie kuschelt, sucht Nähe und lächelt unentwegt. Milan grunzt vor Freude, wenn er mich sieht, entspannt sich körperlich sichtlich, erlaubt sich direkte Kontaktaufnahme mit uns Menschen (dafür war er sich aufgrund seiner Vergangenheit oft zu stolz), berichtet mir von seinem Tag, fordert auf der Weide Kraulen am Bauch ein (früher ließ er sich dort prinzipiell nicht berühren, machte das Meiste lieber mit sich aus) und beide kommen auf Zuruf, selbst wenn sie nur eine Stunde auf dem heißgeliebten Gras stehen konnten. Beide sind im fremden Gelände völlig tiefenentspannt, selbst wenn ich sie einzeln raus nehme. Beim ersten Spaziergang mit meinen beiden Pferden an der Hand am Halfter, gingen wir zuerst an einer Fohlenweide vorbei mit heranlaufenden Stuten, dann an der Jährlingsweide mit sich erschreckenden Jungpferden, die davon bockten, dann an der Hengstweide, auf der ein Hengst alles gab. Meine beiden schauten nur kurz und gingen selbstverständlich und innerlich ruhig einfach so hinter mir her. Ohne, dass ich sie jemals darauf trainiert habe. Es ist so überdeutlich, wo sie hingehören, dass es mich jeden Tag fast zu Tränen rührt. Selbst ich, die mit Tieren spricht, hat sich gerade mal wieder ein fettes Brett vor dem Kopf abschrauben dürfen, um zu verstehen, wie innig die Beziehung zu meinen Pferden eigentlich ist. Und wie wichtig die Werte einer echten Freundschaft auch mit unseren Tieren sind: Liebe, Empathie, Fürsorge, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Authentizität, Verantwortung und vor Allem: Selbstverantwortung. Stark sein zu können für sich selbst, für sich selbst zu sorgen und sein Licht zum Strahlen zu bringen, damit sich die anderen darin sonnen können. Denn eine Gruppe ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Mitglied.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen im Pferdeflüsterer Basiskurs

–> Mit deinem Pferd sprechen lassen

–> Equivolution, die Revolution der Pferdehaltung

_2Milan und Mouna in unserem neuen Zuhause

Lakritze für den Räuber.

Gestern hatte ich einen Pferdezahnarzt da. Meine beiden Pferde kennen nur die beste Zahnbehandlung, ich lasse extra ausgebildete Pferdedentisten kommen. Tierärzte mit Zusatzqualifikation reichen mir nicht. Ich würde auch keinen Hausarzt mit Wochenendausbildung an meine Zähne lassen.

Damals als Leiterin einer Zucht lernte ich eine nach Louis Pequin ausgebildete Pferdezahnärztin kennen, wir behandelten alle 25 Pferde zusammen. Sie arbeitete mit wassergekühlten, elektrischen Geräten und Handraspeln. Meine Aufgabe war es, die Pferdeköpfe zu halten, denn die Pferde wurden alle leicht sediert, damit sie die Prozedur gut über sich ergehen ließen. Sie ließ mich die Zähne vorher und hinterher ertasten und erklärte mir unaufhörlich ihre Arbeit, die ich danach sehr zu schätzen wusste. Pferdezähne wachsen ihr ganzes Leben, der Abrieb durch die ständige Raufutteraufnahme sollte den Zahn automatisch gut kürzen. Doch welches unserer Pferde bekommt schon Raufutter satt und dazu noch Triebe, Zweige, Rinden und so weiter, um einen perfekten Zahnabrieb und eine vielseitige Fütterung abzudecken? Wir können zwar Pulverchen füttern, um den Mineralhaushalt zu optimieren, aber von Pülverchen nutzen sich eben keine Zähne ab. Also gibt es Menschen wie diese.

Gestern hatte ich einen neuen Herren da. Sein Name ist Graeme Pauli, er ist aus Kapstadt und mehrmals im Jahr in Deutschland unterwegs, um Pferdezähne zu behandeln. Er arbeitet ohne Sedierung. Ich hatte schon öfter von einem Mann gehört, bei dem die Pferde einfach so ruhig blieben, dass er sie so behandeln konnte. Meine letzte Pferdedentistin konnte ich monatelang nicht erreichen, so dass ich kurzerhand mir einen Termin bei Herrn Pauli geben ließ. Ich war gespannt auf sein Auftreten.

Als ich gerade auf den Hof kam, war er schon dort. Ehe ich ihn begrüßen konnte, kam der Hofbesitzer auf mich zu. Milan, mein Wallach, hätte gerade scheinbar grundlos den anderen, großen Wallach angegriffen. Völlig unbegründet in seinen Augen. Ich hatte es leider verpasst, dachte mir aber, dass er so etwas nie grundlos tun würde. Ich ging also zu Herrn Pauli und seinem Dolmetscher und begrüßte die beiden. Der Mann war sehr angenehm, lustig und gelassen. Dann holte ich meine Pferde. Beziehungsweise stand meine Stute Mouna bereits am Tor und blickte uns freudig entgegen. Ich öffnete das Tor, sie trat hindurch und schlüpfte in ihr Halfter. Sie hasst eigentlich jegliche Menschen, die irgendeine Art von Helfersyndrom ausstrahlen und die an sie heran wollen. Tierärzte, Osteopathen, Tierheilpraktiker und Hufschmiede sind generell unbeliebt. Normalerweise lässt sie sich sehr bitten und aus der letzten Ecke abholen, wenn solche da sind. Heute nicht. Milan stand weiter hinten am Heu und fraß. Ich rief ihn und er setzte sich in Bewegung, kam durchs Tor direkt zu uns.

Was soll ich sagen? Beide Pferde waren und blieben die Ruhe selbst. Mouna schaute hier und da etwas angestrengt, aber ich habe schon gesehen, wozu sie im Stande ist, wenn man über ihre Grenzen geht! Nichts davon passierte, sie stand fast ruhiger, als beim Hufschmied. Milan mag es, untersucht zu werden. Er kann gar nicht genug davon bekommen, wenn man ihn irgendwie besonders behandeln muss. Er liebt die Aufmerksamkeit und lässt sich gern helfen. Er schaute erst etwas traurig und ließ den Kopf hängen, als er von dem Mann ans Halfter genommen wurde. Nach ein paar netten Worten aber ließ er sich willig und zu meiner Überraschung sogar freudig trotz Maulsperre die Zähne raspeln. Herr Pauli stellte fest, dass Milan Karies hat. Wohl schon seit vielen Jahren. Einige seiner Zähne seien davon bereits abgebrochen. Ob ich ihn mit Zucker füttern würde. Ich dachte nach, ob die Leckerlis vielleicht Zucker enthielten, aber eigentlich achte ich darauf. Auch bekommt er kein melassehaltiges Futter. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Vorbesitzerin fand es irgendwie immer toll, Milan mit Lakritzschnecken zu füttern. Ihr „Räuber Hacki“  würde das doch so mögen. (Milan hieß damals… Hacki! Wie Hackfleisch… das konnte nicht so bleiben). Dass der „Räuber“ damals so genervt von der Frau und seinem ständigen Bauchweh war (zu wenig Heu und Kraftfutter), wusste sie nicht. Er ließ sich nicht mal mehr von ihr von der Weide holen. Ihre einzige Verbindung zu ihm war, ihn mit Süßigkeiten zu füttern. Was sie ihm damit antat, weiß ich jetzt. Milan weiß es auch. Herr Pauli riet mir, sein Maul öfters mit einem Schlauch auszuspülen. Ich berichtete, dass er beim Waschen im Sommer immer darauf besteht, dass ich ihm den Schlauch ins Maul stecke. Er erwiderte, dass das vermutlich auch deshalb so ist, WEIL er es genießt, die Futterreste heraus gespült zu bekommen. Schlauer Milan. Wie schlau er aber wirklich ist, das kam einmal mehr heraus, als mir der Pferdezahnarzt dann berichtete, dass sie in der Zeit, in der sie auf mich warteten, schon mal versucht hatten, zu raten, welches der 8 Pferde meine sind. Er riet Mouna richtig, aber er dachte, der große Wallach sei meiner. Der, den Milan angriff, kurz bevor ich kam. Der Mann sagte: „Vielleicht hatte er gehört, dass ich ihn fälschlicherweise zu deiner Stute zugeordnet hatte und wollte das richtigstellen.“ – Ich verzichtete darauf, ihm zu erklären, dass ich mit Tieren spreche und er tatsächlich Recht damit hatte. Milan und Mouna sind wie ein altes Ehepaar. Sie gehören absolut zusammen, Milan neigt etwas zu Eifersucht und Mouna etwas zu Polygamie, aber definitiv sind und waren sie immer eine Einheit. Ich antwortete also nur: „Ja, das kann tatsächlich sein!“ und er sagte: „Es hat schon merkwürdigere Dinge gegeben.“ Ich nickte nur. Und wusste nun: Dieser Mann versteht sein Handwerk. Er versteht die Pferde. So wie ich.

Wer Graeme Pauli gern mal für sein Pferd buchen möchte, wendet sich bitte an mich, ich leite dann zum deutschen Kontakt weiter. Er ist 4 x jährlich für 2 Wochen in Deutschland und hat noch ein paar Plätze frei.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

–> Das eigene Tier sprechen lassen

–> Pferdekommunikation in Norddeutschland

 

Individuelle Bedürfnisse der Pferde

(oder: Braucht mein Pferd eine Decke?)

Die Pferdewelt kennt viele Experten. Jeder scheint zu allen erdenklichen Themen, die das Pferd betreffen, etwas zu sagen haben. Die Meinungen der Experten basieren dabei bestenfalls auf Fachwissen, Erfahrung und Überzeugung. Wenige kommen auf die Idee, dass Pferde so individuell sind, wie Menschen. Dass auch Pferde ganz eigene Bedürfnisse haben können, die stark von denen der Artgenossen abweichen können. Dass man die Pferde fragen kann und für eine Antwort nicht zwingend ein Pferdeflüsterer sein muss. Auf die Frage: „Braucht mein Pferd eine Decke / ein Gebiss / eine Box / Hufeisen?“ gibt es niemals eine generelle Antwort, die für jedes Pferd gilt.

Natürlich sind bestimmte Fakten wichtig als Grundlage jeglicher Entscheidungen bzgl. Pferden. Ein Pferd ist ein klares Herdentier und braucht Kontakt zu seinen Artgenossen. Es braucht ebenso ein Mindestmaß an freiem Auslauf, Rau- und Mineralfutter sowie die Möglichkeit, angemessen zu ruhen. (Lies dazu: Mindestbedingungen für Pferde). Darüber hinaus scheiden sich die individuellen Bedürfnisse jedoch schneller, als man annehmen mag. Ein Pferd wird heute leider immernoch von der breiten Reitermasse als recht dummes, befehlsempfangendes und ausschließlich instinktorientiertes Tier angesehen. Dass ihr Pferd individuell und sehr deutlich mit ihnen kommuniziert, ist den meisten Leuten schlichtweg aberzogen worden, als sie den Umgang mit Pferden lernten.

Es gibt Pferde, die hassen Decken. Denen ist eh warm. Falls sie nicht gerade krank sind, machen ihnen Kälte, Nässe und Wind nichts aus. Mein Wallach Milan ist so einer. Er hält ziemlich viel auf sich und er ist tatsächlich ein ganzer Kerl. Er ist von Natur aus sehr robust, hat nie etwas, ist auch ein Dickkopf mit viel Charme. Er steht zu seinem Wort und braucht vor Allem Zuverlässigkeit. Er hat einen schweren Knochenbau und geht eher mit dem Kopf durch die Wand, als sich vor etwas zu drücken. Er schmeißt sich in die dreckigste, nasseste Stelle, um sich zu wälzen und wälzt sich eigentlich immer, wenn er raus kommt. Er hält nicht viel von Decken und ist etwas in seiner Würde gekränkt, wenn er eine tragen muss. Ich decke ihn nur ein, wenn es wirklich tagelang durch regnet oder es so klirrend kalt und dabei feucht oder windig ist, dass er murrend zustimmt, dass eine Decke wohl doch ganz gut wäre. Das sind vielleicht 4 Tage im Jahr.
Dann gibt es noch die Pferdetypen, die von Natur aus empfindlich sind. Wie meine Stute Mouna. Sie ist eigentlich ein robust aussehendes, im Wildtyp stehendes Kleinpferd. Doch als ich sie bekam, wurde sie regelrecht panisch, wenn sie in Nässe ohne Decke stehen musste. Sie begann zu zittern und aufgeregt umherzulaufen. Sie hat mittlerweile 5 verschiedene Decken. Diesen Winter habe ich versucht, sie daran zu gewöhnen, besser ohne Decke auszukommen. Ihr wuchs ordentliches Winterfell, sie steht in gutem Futter. Und trotzdem bittet sie mich darum. Also bekommt sie eine Decke auf. Sie hat keinen sehr guten Stoffwechsel, ihr Hufe neigen zu Brüchigkeit, ihr Fell ist stumpfer und ihre Haut neigt zu Ekzemen und Allergien. Trotz allen erdenklichen Behandlungen diesbezüglich ist und bleibt sie ein empfindliches Pferd, welches ihre Decken braucht. Sie fühlt sich damit geborgener, sicherer und wohler. (Wer wissenschaftliche Erkenntnisse zum Deckenthema lesen möchte: Deckenstudie)

Ebenso braucht Mouna ihre Hufeisen, weil sie damit einfach weniger Schmerzen beim Laufen hat. Ohne Eisen geht es ihr schlechter. Anfangs war ich eine überzeigte Barhuf-Anhängerin, weil die rein faktischen Argumente gegen Eisen sehr überzeugend sind. Sie ging jahrelang ohne, hatte die besten Huforthopäden, keinerlei Fehlstellungen. Sie bekam trotzdem immer wieder Hufgeschwüre, durch Prellungen der Hufsohle verursacht, und lief festgehalten. Irgendwann ließ ich sie beschlagen, auf allen Vieren. Seitdem läuft sie entspannter, fröhlicher, trittfester. Wir hatten nie wieder Probleme mit Hufgeschwüren, sie ist damit ein glücklicheres Pferd. Milan brauchte widerum keine Eisen, bekam aber trotzdem welche, weil er gern welche wollte. Er lief ca. 2 Jahre damit und fand es gut, es gab keinerlei Probleme. Bemerkbar machte sich der Vorteil daran für ihn eigentlich aber nur auf hartem Untergrund mit spitzen Steinchen darauf. Den mied er ohne Eisen, mit Eisen lief er problemlos drüber. Mittlerweile hat er keine Eisen mehr, weil wir in einem Gebiet reiten, wo hauptsächlich Sandwege sind. Auch ohne Eisen läuft er gut und er findet es in Ordnung so. Er hat unglaublich harte, gute Hufe. Bei ihm sind die Hufeisen eine reine Luxusentscheidung.

Milan liebt seine Box. Er ist ein Pferd, welches ranghoch ist, meist übernimmt er die männliche Leitung einer Herde, gerade teilt er sie sich mit einem Kumpel. Er macht sich viele Gedanken um den Herdenzusammenhalt, um die einzelnen Aufgaben der Pferde und um seine Stute. Er ist ein sehr bemühtes Pferd und ist dankbar, wenn er seinen eigenen Bereich haben kann, in dem er einfach mal abschalten, ruhen und fressen darf. Er weiß das zu schätzen und steuert schnurstraks seine Box an, wenn man ihn rein lässt. Mouna hingegen ist ein sehr freiheitsliebendes Pferd. Sie braucht es, weit sehen zu können. Sie braucht den ständigen Kontakt zu den anderen, um sich wohl zu fühlen. Sie kann auch draußen gut abschalten und ruhen. Auch sie ist recht ranghoch. In einer Box arrangiert sie sich zwar, sie geht auch freiwillig hinein. Generell hat sie aber ein beengtes Gefühl darin und bekommt auch körperliche Probleme, wenn sie nicht mehr als 6 Stunden Auslauf bekommt.

So könnte ich noch endlos weiter erzählen über Gebisse, Reitgewohnheiten, Ansprüche an den Menschenkontakt und so weiter. Den meisten von uns ist es abhanden gekommen, wahrzunehmen, was die Bedürfnisse unserer Pferde sind. Wo wir unser ach-so-wichtiges Fachwissen mal eben hintenan stellen oder in Frage stellen dürfen. Wann wir anfangen, unserem Pferd ins Gesicht zu blicken, um zu bemerken, ob es überhaupt gerade einverstanden ist mit dem, was wir ihm antun. Es ist viel einfacher, als wir meinen. Wirf deine Überzeugungen mal über Bord, nimm dir Zeit, dein Pferd einfach mal zu wahrzunehmen. Ohne etwas zu tun. Und hör auf das, was dir dann in den Sinn kommt.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

–> Dein Pferd sprechen lassen

 

beautifulmilan3
Milan, glücklich ohne Decke.

Intelligente Tiere

„Schweine sind sehr intelligente Tiere…“ hört man oft. Oder „Hühner sind überraschend intelligent…“ oder „Hätten Sie gedacht, dass ein Vogel so intelligent ist?“.

Einerseits freue ich mich, dass den Tieren damit mehr Respekt gezollt wird. Ich weiß es zu schätzen, dass die Aufmerksamkeit auf die Komplexität einer Tierpersönlichkeit gelenkt wird. Dass Menschen verstehen lernen, dass auch ein Huhn Freundschaften hat, im Austausch mit seiner Umwelt steht und weiß, was ein Mensch von ihm will. Andererseits macht es mich auch immer ein bisschen traurig, so etwas zu hören. Denn ja, natürlich sind sie das! Allesamt. Es ist wirklich kein Bisschen verblüffend, dass Tiere dazu in der Lage sind, zu verstehen, zu lernen, zu schlussfolgern und Beziehungen einzugehen. Es ist aber im Gegenzug sehr, sehr traurig, dass wir erst jetzt darauf kommen. Erst jetzt bemerken, dass all diese vermeintlich menschlichen Züge doch gar nicht so menschlich sind, sondern universelle Fähigkeiten von Wesen sind, die in Austausch treten mit ihrer Umwelt. Und das tun sie, alle von ihnen. Sogar die Pflanzen. Aber bleiben wir bei den Tieren.

Es stimmt mich so traurig, weil auch ich noch in einer Welt aufgewachsen bin, in der uns beigebracht wurde, dass Tiere nicht dazu in der Lage sind, so komplex zu fühlen und zu denken, wie wir. Und sie ergo weniger wert seien. Dass sie deshalb weniger Rechte haben und man sie benutzen kann wie Gegenstände. Wir benutzen und vergewaltigen konsequent unser Umfeld. Nehmen, was es uns bietet und benutzen es zu unseren Gunsten. In einem bizarren Ausmaß, welches uns selbst zugrunde richtet. Denn was wir dabei vergessen haben ist, dass wir ein gleichwertiger Teil vom großen Ganzen sind. Gleichwertig, nicht hochwertiger. Gleichwertig bedeutet, dass das, was ich meinem Umfeld antue, immer direkt auf mich zurück fällt. Ich zerstöre das, was mich nährt. Nicht nur auf materieller Ebene, sondern auch auf energetischer und karmischer Ebene. Sogar bis hin zur geistigen Ebene. Wir stumpfen ab, verkümmern, unsere natürlichen Instinkte und Bedürfnisse werden im Keim erstickt. Davon werden wir krank, traurig und depressiv. Mit mangelndem Respekt gegenüber den Wesen unseres Umfeldes bestrafen wir uns nur selbst, denn im Gegenzug beuten wir uns direkt selbst aus.

Je mehr man aber mit seinen Mitwesen in den Austausch tritt, umso komplexer wird das Verständnis vom großen Ganzen. Je mehr ich verstehe, wie sehr Tiere fühlen, denken, schlussfolgern, handeln, sich anpassen und entwickeln, umso klarer wird mir, dass die in ihrer Intelligenz eigentlich Eingeschränkten wir sind. Das meine ich nicht auf schulterklopfende, sich selbst mal kritisch, aber von oben herab schlecht redende Weise. Ich meine das ganz ernst. Die Intelligenz einer Ameise, eines Leoparden, eines Huhnes oder eines Hundes steht der unseren in nichts nach. Die auf das Gehirn bezogene Erforschung von Intelligenz hat etwas so Stupides, völlig neben der Wahrheit liegendes, dass ich mich wundern muss, wieso wir uns für die Krone der Schöpfung halten.

Es beginnt damit, dass wir Intelligenz an ausschließlich unseren Maßstäben messen. Daran, ob sich ein Tier im Spiegel erkennt. Wie absurd. Welchen Sinn hat es denn für ein Tier mit vielleicht wahnsinnig gut ausgeprägtem Geruchssin, sich in einer unnatürlich glatten Fläche sehen zu können? Ein Tier, welches in seinem Äußeren dem Artgenossen fast komplett gleicht, wieso sollte es sich im Spiegel erkennen müssen? Und wieso soll daraus geschlussfolgert werden, ob es ein Ich – Bewusstsein hat? Wie absurd das aus der Sicht einer Schlange ist, das ist fast schon lustig. Und dennoch kann tatsächlich auch eine Schlange lernen, sich in einer Menschenwelt auf so etwas wie einen Spiegel einzulassen und zu verstehen, was der von einem will: Sich selbst sehen. Falls Sie daran denn wirkliches Interesse hegt, denn wenn sie schlau ist, lässt sie sich auf diese niedere Art des Messens gar nicht erst ein und kümmert sich lieber darum, möglichst gut zwischen diesen arroganten, stinkenden Wesen zu überleben, ohne malträtiert zu werden.

Oder die Problemlösung: Menschen klatschen begeistert in ihre Hände, wenn eine Rabenkrähe einen Ablauf erkennt, mit dem sie an Futter kommt. Wenn sie Werkzeug benutzt und mehrere Schritte ausführen kann, um ans Ziel zu kommen. Bedeutet das aber im Gegenzug, dass ein Tier, dessen Interesse nicht die schnelle Problemlösung ist, sondern dass sein Leben lieber auf lange Sicht optimalisiert, weil es einen ganz anderen Lebensrhythmus hat, gleich dumm ist? Wieso sollte ein Wal, welcher durch Beharrlichkeit und Beständigkeit in seiner Intelligenz anhand von schneller, komplexer Problemlösung gemessen werden? Wo doch seine Lebenstaktik ist, möglichst weit zu planen, sich langsam ziehend dorthin zu begebend, wo es keine Probleme zu lösen gibt, sondern das Leben für ihn arbeitet, anstatt gegen ihn.

Jede Tierart hat einen eigenen Körper, eine individuelle Lebensform. Eine Nische. Es gehört zu den unglaublichen Wundern dieses Universums, dass wir so viele komplexe Körper um uns herum haben, die alle auf ihre eigene, überaus perfekte Art und Weise ihr Leben meistern. Nur, weil sie es auf ganz andere Arten und mit ganz anderen Prioritäten tun, ist es doch völlig absurd, sie deshalb in unsere Idee von Intelligenz zu quetschen wie ein Kleinkind, welches mit Gewalt das Rechteck durch die runde Öffnung in der Plastikschablone drücken will.

Keine Tierart ist intelligenter, als eine andere. Manche haben nur viel weniger Schnittmengen mit dem Leben, wie wir als Menschen es kennen. Sie haben einen anderen Rhythmus, nehmen anders wahr, haben ganz andere Prioritäten und Bedürfnisse. Manche sogar solche, die wir uns erst einmal überhaupt nicht vorstellen können, wenn wir sie einfach nur betrachten und kategorisieren wollen. Daraus schlussfolgern wir dann, dass sie dümmer sein müssen, als wir. Weil sie nicht wie wir sind. Wie unsagbar dumm von uns.

Um zu begreifen, wie sie ticken, müssten wir in echte Kommunikation gehen. In diejenige Kommunikation, die eigentlich allen Wesen dieser Welt inneliegt. Die wir aber durch unsere selbst gewählte Isolationsstellung leider immer mehr verlernt haben. Wir sehen uns nicht mehr als Teil des großen Ganzen, ergo verstehen wir auch nichts mehr von den anderen. Wir fühlen nicht mit ihnen, wir lassen uns nichts beibringen. Wir geben ihnen keinen Raum, um sie selbst zu sein und sich wirklich zu zeigen. Wir sondern uns ab, wundern uns und staunen dann, wenn wir dann in winzigen Häppchen merken, dass da vielleicht doch mehr dahinter steckt. Dass ein Fisch wohl Schmerzen fühlt, ein Huhn weiß, was es tut und ein Affe ein besseres Gedächtnis hat, als der schlauste Mensch der Welt. Was für eine Überraschung.

Es gibt ein paar Menschen, die doch wieder hinsehen. Die sich dem dringenden Bedürfnis nach Natur und mit ihr eins zu werden wieder mehr hingeben. Die sich nicht mehr vorsagen lassen, wie die Welt um sie herum angeblich zu sein hat. Die wieder mehr in Austausch gehen und sich auch mal etwas zeigen lassen. Ich bin unsagbar dankbar, dass es mein Job ist, der mich genau mit diesen Menschen zusammen bringt.

Wer sind wir denn, zu meinen, dass diese unfassbare Schönheit eines synchron fliegenden Vogelschwarms, die Perfektion eines Spinnennetzes oder die Ruhe eines Bären im Winterschlaf in Wahrheit dümmer sind, als unser Chaos, dass wir auf diesem Planeten verbreiten?

–> Mit Tieren sprechen lernen

–> Mit dem eigenen Tier sprechen lassen

img_6169

Goldmedaillen für deutsche Reiter, aber wie geht es den Pferden?

In diesen Tagen bekomme ich viele Fragen von Kunden und Bekannten, die wissen möchten, wie es diesen Pferden da im Fernsehen eigentlich geht, die die Medaillen für Deutschland gewinnen. Ich atme dann immer tief durch. Zum Glück habe ich keinen Fernseher und die Berichterstattungen im Internet habe ich immer direkt weg geklickt. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Ställe, in denen Pferde gequält werden, kann ich meiden. Aber mir in Hochglanz und guter Auflösung hautnah ansehen, wie jemand sein Pferd fachgerecht zum Schlachter reitet, das wäre mir zu viel. Also schaue ich weg.

Vor ein paar Jahren noch schaute ich hin. Es ging um einen millionenteuren Dressurhengst. Ein bildschönes Tier, pechschwarz mit ein wenig Weiß im Gesicht. Er war sehr würdevoll, hatte viel innere Größe und war einfach jemand, den man sich gern ansah. Man bekam bei ihm direkt den Eindruck eines gleichzeitig großherzigen und unendlich kraftvollen Tieres.

Es begann eine Diskussion um dieses Pferd, weil die Besitzer und Reiter des Tieres auf dem Abreiteplatz (also der unbeobachtete Bereich zum Warmreiten vor dem Turnier) eine noch viel schlimmere Horrorreitshow ablieferten, als dann im Showmoment. Das Pferd wurde so eng geritten, dass es sich selbst ständig den schaumverschmierten Schädel gegen die Brust drückten musste. Der Hengst konnte dabei kaum sehen und auch nicht viel atmen, so eingeschnürt war diese Haltung. Jeder Reiter weiß mittlerweile, dass diese „Rollkur“ nicht nur ungesund, sondern tierquälerisch ist. Aber die wichtigen, reichen Männer wussten allerlei Ausreden, warum das so richtig sei. Und – es tat ja auch niemand etwas. Diese Art der Tierquälerei wird immernoch überall geduldet.

Eine Zeit lang arbeitete ich auch für eine Springreiterin, die dann Weltbeste wurde. Ihre Pferde waren geliebt und sie tat viel für sie. Sie ließ mich mit ihnen sprechen und versuchte, ihren Wünschen nachzukommen. Diese Arbeit musste ich dennoch irgendwann ablegen, denn ich konnte sehen, wie auch sie den Erfolg und das Geld der Gesundheit und den Wünschen der Tiere vorzog. Wenigstens war sie recht „human“ mit ihren Pferden und diese konnten neben Verletzungen und Krankheiten trotzdem auch mal stolz auf sich sein. Sie waren nicht so schlimm versklavt, wie 98% der anderen Sportgeräte, die ich auf diesen Turnieren sah. Dort mal hinter die Kulissen zu schauen, war beeindruckend im negativen Sinne. Mir war nicht klar, wie viele Arten von absurden Folterinstrumenten besonders an den Köpfen der Pferde tatsächlich erlaubt sind. Auch war mir nicht klar, wie stark manche Pferde sind, dass sie so etwas noch aushalten und dann sogar die erforderte Leistung erbringen. Ich konnte in ihren Augen sehen, dass die meisten sich längst aufgegeben hatten und nurnoch funktionierten wie leere Hüllen.

Der schwarze Dressurhengst schaffte es nicht mehr lange. Nach wechselnden Reitern und vielen Diskussionen gaben seine Beine einfach auf. Schäden an den Knochen zwangen diese „Karriere“ in die Knie. Das ist typisch für diese Pferde: In einem eigentlich noch völlig fitten Alter geben Knochen und Gelenke einfach auf. Beine oder Rücken haben irreparable Schäden. Heute darf der Hengst nurnoch neue, millionenteure Pferde produzieren, die öffentlich kaputt geritten werden sollen.

Wenn mich also jemand fragt, wie es diesen Pferden geht, dann zeige ich gern Bilder von diesem Hengst. Es ist unglaublich einfach, zu sehen, wie es einem Pferd geht: Man schaut ihm ins Gesicht. Die erste, menschliche Assoziation dessen, was man da sieht, ist meist die richtige. Darüber hinaus kann man Schaum vor dem Maul, schlagende Schweife und vermehrtes Schwitzen auch genau so deuten, wie man vermutet: Stress, Anspannung, Schmerzen, erschwertes Atmen, eingeschnürt sein.

Dieser wunderbare Hengst hatte ein ganz besonders deutliches Mienenspiel und ich möchte hier einige Fotos aus dem Netz zeigen. Sie alle stammen aus der Zeit, als er noch hochgradig erfolgreich war. Als man die Ritte in den Himmel lob. Niemand schien zu sehen, wie viel Schmerz dieses Tier bereits aushalten musste. 98% der Pferde im Fernsehen schauen so oder ähnlich. 98% der Turnierpferde sind nicht glücklich, sondern versklavt. Egal, in welcher Disziplin. 98% dieser Pferde macht es keinen Spaß, sondern sie geben aus Verzweiflung alles.

Das letzte Foto zeigt denselben Hengst nach seiner Karriere. Er ist unglaublich stark, innerlich wie äußerlich. Er ist müde und traurig, man sieht ihm das Vergangene an. Aber wie er es schafft, nach so einer Tortur noch einen Funken Würde zu zeigen, ist mir ein Rätsel. Ich bin dankbar und froh, dass er es geschafft hat und die Sklaverei für ihn vorbei ist.

süddeutsche

danach

 

–> Weiterlesen zu diesem Thema: Pferde reiten

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

–> Das eigene Tier sprechen lassen

–> Pferdekommunikation in Norddeutschland

 

Interview: Pferdeflüstern

Für eine Facharbeit einer Schülerin habe ich ein paar Fragen bezüglich „Pferdeflüstern“ bzw Tierkommunikation mit Pferden beantwortet. Wer mag, liest es hier nach:

1. Können Menschen wirklich mit Pferden sprechen?

Ja, können sie. Sogar sehr gut. Wenn ich die neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Nachrichten höre, dann muss ich oft lachen. Gerade wurde z.B. bekannt gemacht, dass Pferde tatsächlich menschliche Gesichter lesen und deuten können. Dass sie anders reagieren, wenn jemand böse schaut. Dass sie dann den Kontakt vermeiden.
Das sind für mich keine Neuigkeiten und die Verblüffung der Allgemeinheit darüber kommt mir dann fast naiv vor. Ich freue mich, dass das Bild der Tiere als empathische Wesen ganz langsam und rudimentär in die richtige Richtung gerückt wird. Aber dass es viel mehr ist, als dass ein Pferd ein Gesicht lesen kann, das wissen einfach noch zu wenige Menschen.

2. Wenn ja, wie funktioniert dies überhaupt?

Es ist reine Telepathie. Ich weiß, dass dieses Wort für viele Menschen ein rotes Tuch ist. Telepathie scheint ein Mythos zu sein. Tatsächlich ist es aber genau das – ein Gedankenaustausch. Das bedeutet, dass wenn ich an das Pferd denke und es gedanklich anspreche, ich auch gedankliche Antworten von ihm erhalte. In Form von Bildern, emotionalen und körperlichen Empfindungen, vielleicht kleinen Filmsequenzen, manchmal sogar Worten und Sätzen. Natürlich kann ein Pferd kein Deutsch, aber mein Gehirn ist darauf trainiert, auf Deutsch zu denken. Wenn ich Hunger habe, habe ich wahrscheinlich den Satz „Ich habe Hunger“ im Kopf. Ich übersetze Gedanken direkt in Sprache in meinem Kopf. Und so übersetze ich auch automatisch die Gedanken der Pferde in meinem Kopf. So kann es sein, dass mir ganze Sätze der Tiere durch den Kopf gehen, wenn sie mir antworten.
Telepathie bedeutet, dass sie über egal welche Distanz funktioniert. Es ist egal, ob ich neben dem Pferd stehe oder ob es auf einem anderen Kontinent lebt. Das Tiergespräch funktioniert immer gleich gut. Ich brauche nur die Intention, es gedanklich ansprechen zu wollen, dann stellt sich der Kontakt her. Als Hilfestellung verwende ich gern ein Foto, damit ich weiß, mit wem ich sprechen soll. Das Foto muss weder aktuell sein, noch muss das Pferd ganz darauf zu sehen sein. Ein Bild des Kopfes genügt.

3. Welche Bezeichnung bevorzugen sie? Tierkommunikation oder Pferdeflüstern?

Tierkommunikation, da die Telepathie genau so wie bei Pferden auch bei Hunden, Katzen, Mäusen, Elefanten oder Spinnen funktioniert. Bei allen Tieren, es ist der gleich Ablauf, die gleiche Art zu kommunizieren.
Ich selbst habe aber mein Herzblut bei den Pferden und finde es besonders im Pferdebereich wichtig, für die Tiere zu sprechen. Pferde werden benutzt. Einen Hund hat man als Freund, als Partner. Ein Pferd soll etwas leisten und wird von uns körperlich benutzt, mit Ledergeschirren eingeschnürt, mit Metallgebissen und Sätteln fügbar gemacht. Das mutet man keinem anderen Haustier zu und vielen Menschen mangelt es an Verständnis, was das mit einem Pferd macht. Noch zu viele Menschen gestehen Pferden keine oder viel zu wenig Gefühle zu. Übrigens habe ich einen Beitrag zum Thema „Pferde reiten“ geschrieben:

–> „Pferde reiten“ Blog Eintrag

4. Ist es eine Gabe mit Tieren kommunizieren zu können oder ist dies erlernbar?

Das ist keine Gabe, es ist eine Sache, die wir alle in uns tragen. Wie ein ganz normaler, natürlicher Sinn. Wir nutzen ihn, aber nurnoch wenig, auch untereinander und mit unseren Tieren, meist aber unbewusst. Dies bewusst und konzentriert zu nutzen, das kann sich jeder wieder aneignen. Ich gebe seit sieben Jahren Kurse, in denen ich den Menschen das wieder beibringe. Noch niemand war unfähig dazu.

5. Wieso sollte man einen Tierkommunikateur um Hilfe bitten und nicht einen Tierarzt?

Oh, das ist eine wichtige Frage, denn sie ist so eigentlich nicht zu stellen. Ein Tierarzt ist nicht zu ersetzen. Als Tierkommunikatorin spreche ich mit dem Tier, nicht mehr und nicht weniger. Manche Tiere wissen, was sie haben und alle können sagen, wie es ihnen geht oder wo es weh tut. Und das hilft dann weiter, wenn es um die Behandlung geht. Aber ich bin nicht dazu in der Lage, Diagnosen zu stellen. Ich kann immer nur sagen, was das Tier sagt. Wenn ein Pferd auf die Frage, was es braucht, um gesund zu werden, antwortet: „Einen riesigen Haufen Leckerlis!“, dann liegt es am Besitzer, festzustellen, ob das wirklich die richtige Lösung ist. Aber Spaß beiseite: Ein Tiergespräch ersetzt keinen Tierarzt, sondern ergänzt ihn.
Gerade bei Pferden sind Tiergespräche oft hilfreich. Wenn unklare Lahmsymptome nicht behandelbar sind oder das Pferd andere, vom Tierarzt nicht zu klärende Probleme hat, dann ist es sinnvoll, mal beim Pferd selbst nachzufragen, wie es sich fühlt. Man kann im Tiergespräch in den Körper des Pferdes hinein fühlen, wenn dieses es zulässt. Oftmals zeigt es mir dann, woher der Schmerz kommt. Das kann bei einer Lahmheit vorne rechts schon mal der Lendenwirbelbereich sein oder eine verspannte Rückenmuskulatur aufgrund von psychischen Spannungen bei dem Pferd.

6. Gibt es Beweise und / oder Erfahrungen, die Ihnen besonders im Kopf geblieben sind?

Ja, im Bezug auf Pferde zum Beispiel ein Tiergespräch, welches ich im Urlaub in Frankreich im VW Bus sitzend führte, per Email. Die Besitzerin in Deutschland wollte, dass ich das Pferd nach seiner Vergangenheit frage. Der Wallach erzählte mir, er sei aus Osteuropa und sollte sterben. Er hatte Todesangst und war schon auf dem Weg in den Tod, aber dann wurde er gerettet. Seine Besitzerin sah er als absolute Lebensretterin, der er zutiefst liebevoll verbunden war.
Die Frau schrieb mir zurück, dass das stimmte. Das Pferd sei aus Polen, vom Schlachter gekauft, quasi vom Hänger heraus gerettet.
Das war noch zu Anfang meiner Zeit als Tierkommunikatorin und ich weiß noch, wie ich da in diesem VW Bus saß und mir die Dimensionen dieser Arbeit klar wurden.
Ein anderes Pferdegespräch war auf einer Messe, wo ich mit meinem kleinen Messestand kurze Tiergespräche vor Ort anbot. Ein sehr skeptisches Ehepaar setzte sich zu mir und zeigte mir ein Foto ihres Pferdes, nur der Kopf war zu sehen. Ich sollte fragen, wie es ihm gehen würde. Es sprach von Schmerzen in den Hufen, vorn links und hinten rechts und links, links hinten aber weniger. Die Leute sahen mich völlig erstaunt mit großen Augen an. Das stimmte, das Pferd hatte Probleme mit Hufgeschwüren und war lahm, genau wie beschrieben. Ich erinnere mich so gut daran, weil ich die Gesichter der Leute als Reaktion sah, als ich ihnen von ihrem Pferd berichtete. Normalerweise arbeite ich ja am Telefon und sehe die Leute dabei nicht. Auch da wurde mir wieder bewusst, was diese Arbeit eigentlich ist und wie wichtig es ist, dass mehr Menschen davon erfahren.

7. Reagiert jedes Tier anders? Wenn ja, worin liegt der Unterschied?

Ja, jedes reagiert anders. Es gibt alle Reaktionen. So wie wir Menschen unterschiedlich reagieren, so reagieren auch Tiere je nach Typ. Manche zeigen direkt durch Anhänglichkeit oder Nähebedürfnis, dass mit ihnen gesprochen wurde. Manche schlafen während dem Gespräch ein. Manche sind danach irgendwie „anders“. Manche zeigen keine direkte Reaktion. Es kommt auf das Tier und auch auf das Besprochene an, wie das Tier reagiert.
Auf einem der letzten Tierkommunikation Basiskurse hatten wir ein Pferd, was nach seinem Tiergespräch abends bis zum nächsten Tag nichts mehr fressen wollte. Erst als die Besitzerin den Tag darauf mittags zu ihm in die Box kam, fing es wieder an zu äppeln, zu urinieren und sein Heu zu fressen. Es hatte uns im Kurs sehr traumatische Dinge aus seiner Vergangenheit und von seinem emotionalen Zustand erzählt. Das war anstrengend gewesen, aber es war auch froh, sich endlich mitteilen zu können. Danach war es erstmal zu überwältigt, um zu fressen. Es brauchte den direkten Kontakt und die Nähe seines Menschen, dann war es wieder in Ordnung.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

–> Das eigene Tier sprechen lassen

–> Pferdekommunikation in Norddeutschland

28

Pferde reiten

Für uns Menschen ist es selbstverständlich: Wir reiten Pferde. Wir haben Pferde, um sie zu reiten. Nicht, um sie lieb zu haben, über sie zu lachen, mit ihnen zu kuscheln, als beste Freunde. So wie wir unsere Hunde und Katzen sehen.

Pferde sehen wir oft als gefährliche, starke, unberechenbare Tiere, die es zu kontrollieren gilt. Die Leistung zeigen und arbeiten müssen. „Arbeit“ heißt es, wenn man sein Pferd reitet. Oder irgendetwas mit ihm tut. Pferde werden zusammengeschnürt mit Leder, Holz und Stahl, um sie in die „richtige“ Form zu pressen und zu ziehen. Sie müssen im Kreis laufen und dabei hübsche Bewegungen machen. Oder über Hindernisse springen. Oder querfeldein rennen wie auf der Flucht. Oder im großen Kreis rennen, um Erster zu werden.

Würden wir unseren anderen Tieren so etwas jemals zumuten? Wieso tun wir es dann bei unseren Pferden? Was haben sie verbrochen, dass wir unsere verborgenen Machtgelüste an ihnen ausleben, als seien sie unsere Sklaven?

Ich kann es nur ahnen: Sie stehen für alles, was wir gern wären. Schön, stark, schnell, kraftvoll. Energiegeladen, sozial, hochsensibel, ausgelassen, emotional. Frei.

Wir möchten so sein, wie sie. Doch was wir tun, ist sie auf unser Niveau herunter zu schinden, anstatt von ihnen zu lernen, so zu werden, wie sie. Weil wir nicht wissen, wie das geht. Weil wir Angst haben, ihnen zuzuhören und zu verstehen, dass sie unsere Lehrer sind.

Rennpferde sind blutjung. Wenn sie erwachsen werden, sind sie meistens kaputt. Dann werden sie überflüssig und den Großteil von ihnen bringt man zum Schlachter. Springpferde halten in der Regel etwas länger durch, haben dann aber oft kaputte Gelenke und Rücken. Dressurpferde haben meist kaputte Hälse, Genicke, Rücken, Kiefer und Beine. Westernpferde stumpfen oftmals komplett ab und bekommen steife Rücken und Gelenke.

Pferde, die den Ehrgeiz ihres Menschen ausleben müssen, die im Sport gehen, sind meist solche, die es ihrem Menschen sehr gern recht machen möchten. Die alles geben, um anerkannt zu werden. Die sich darüber definieren, wie stolz ihr Mensch auf sie ist. Dass die allermeisten dabei auf Dauer kaputt gehen und seelisch verkümmern, ist den Menschen meist nicht bewusst. Sie sehen nur den Erfolg, die Leistung, das Pferd als Gerät. Dabei fühlen Pferde genau wie wir. Auch sie gehen daran kaputt, es Anderen immer Recht machen zu müssen. Auch sie haben Minderwertigkeitsgefühle, wenn sie es mal nicht schaffen oder einfach ausgetauscht werden, wenn sie es nicht mehr können. Das Schlimmste aber ist: Das Pferd hat keine Wahl.

Es hat nie die Wahl, mit wem es sich umgeben möchte. Nicht, wer zu seinen Freunden oder zur Familie gehören soll. Es darf nicht aussuchen, was es isst, wann es isst und wie viel es isst. Es kann sich nicht dorthin bewegen, wo es hin möchte. Es darf nicht einmal zeigen, wie es etwas findet, wenn der Mensch mit ihm „arbeitet“. Es hat zu tun, was man ihm befiehlt, mittels körperlicher Züchtigung.

Menschen, die schon lange mit Pferden zu tun haben, sind meistens Experten darin, ein Pferd zu verkennen. Nicht mehr wahr zu nehmen, wie es ihm geht. Was ihm eigentlich Spaß macht und ob es heute überhaupt geritten werden will. Ob ihm der Rücken weh tut oder das Bein. Ob es glücklich ist in der Herde, dem Stall, mit einem selbst. Dabei ist es so einfach. Ein Pferdegesicht spricht Bände. So wie das eines Hundes oder eines Menschen. Viele Pferdelaien können besser sehen, ob ein Pferd traurig guckt oder ob es glücklich ist. Ein glückliches Pferd hat große Augen, ein entspanntes Maul, fast ein Lächeln auf den Lippen. Es schaut wach und klar und stolz. Ein trauriges Pferd schaut in sich gekehrt, schmerzverzerrt, die Augen sind kleiner, das Gesicht faltiger. Es ist wirklich so einfach zu sehen, wie es klingt.
Leider sind die meisten von uns es gewohnt, in traurige Pferdegesichter zu schauen. Weil es kaum andere gibt. Glückliche Pferde sind äußerst selten. Nicht nur unter den Sportreitern.

Die Freizeitreiter wollen meist das Beste für ihr Pferd. Und tun das, was sie gelernt haben oder was ihnen andere, oberschlaue Pferdemenschen diktieren. Auch hier muss der Großteil der Pferde im Kreis laufen, wird eingeschnürt und benutzt. Auch hier ist es oft traurig und geht kaputt. Manchmal wird es sogar noch schlimmer behandelt, als im Sport, weil es schlechter gefüttert oder gehalten wird.

Wir Freizeitreiter haben gelernt, dass man Pferde gymnastizieren muss. Ja, ganz genau. Gymnastizieren! Wie einen Kranken, der Reha braucht. Wir müssen sie angeblich reiten, damit sie die richtigen Muskeln bei behalten. Damit sie gesund bleiben.

Ich spreche seit 7 Jahren mit Pferden. Ich habe hunderte Pferde gesprochen. Mindestens 95% dieser Pferde war nicht der Meinung, beim Reiten „gymnastiziert“ zu werden. Im Gegenteil. Die allermeisten haben dabei Schmerzen und benutzen genau die falschen Muskeln. Hierbei gibt es auch keinen Unterschied zwischen Sport und Freizeit.

Man stelle sich das mal so vor. Ich möchte joggen gehen. Mein Trainer meint, dass ich dabei aber meine Schultern weiter zurück machen müsste. Also setzt er mir ein Ledergeschirr auf, welches meinen Kopf und meinen Hals in die richtige Form ziehen wird, während ich laufe. Es verhindert sogar, dass ich mich frei bewegen kann, so wie ich es tun würde. Gleichzeitig schnallt er mir einen Rucksack auf mit ca. 10kg Gewichten darin. Der Rucksack hat ein Holzgerüst, welches „angepasst“ wurde an meine Rückenform, wenn ich stehe. Ich laufe los. Schon nach ca. 10 Minuten spüre ich deutlich: Das Holzgerüst meines Rucksacks tut mir weh, das Gewicht darin lässt Druckstellen auf meinem Rücken entstehen, auch durch die Polster hindurch. Wie sollte es das auch nicht, denn meine sich bewegende Rückenmuskulatur KANN ja gar nicht anders, als von dem starren Gerüst gedrückt zu werden. Dass mein Hals und mein Kopf und meine Schultern schon total schmerzen, ist klar. Selbst, wenn mein Trainer meint, das wäre die richtige Haltung für mich, so eingeschnürt benutze ich genau die falschen Muskeln, um dem Zug entgegen zu wirken. Sonst kann ich gar nicht laufen.

So geht es Pferden, die mit angenommenen Zügeln, normalen Sätteln und beliebig hinzugefügten Hilfsmitteln geritten werden. Nur haben sie noch einen meist schlecht trainierten Körper mit wenig Körpergefühl auf sich, der beliebig an ihnen herumzerrt und ihnen in den Rücken fällt. Oder einen, der genau weiß, was er tut und der sie geschickt und mit Kraft immer weiter treibt.

Eine andere Pferde“arbeit“ ist das Longieren: Hier wird das Pferd immer im Kreis geschickt und dabei an einer langen Leine gehalten. Meist wird es auch dabei zusammen geschnürt. Ich kenne kein Pferd, was das toll findet. Auch Pferden wird schwindelig, auch Pferde finden ewiges im Kreis laufen blöd. Vor Allem, wenn dabei eine schwere Leine an ihrem Kopf hängt. Auch das gymnastiziert nicht, es regt nur dazu an, das Gewicht der Leine und die ewige Kurve durch gegenhaltende Muskeln auszugleichen.

Wer jetzt ein schlechtes Gewissen bekommt und denkt: „Also mein Sattel ist angepasst, hat 8.000 € gekostet und passt wirklich gut, da waren schon 5 gute Sattler dran und die haben das alle gesagt.“, dem sei gesagt: 95 % der Sättel tun den Pferden weh. Ganz egal, wie teuer sie waren oder was der Sattler sagt.

Und auch das ist einfach zu sehen.

Ein Pferderücken sieht normalerweise so aus, wie unser Rücken. Er hat eine zwischen zwei Muskelsträngen eingebettete Wirbelsäule. Keine, die hervor steht. Er hat auch keine Kuhlen dort, wo der Sattel sonst liegt. Pferde kommen tatsächlich nicht mit diesem sichtbaren Sattelabdruck auf die Welt, den wir so gewöhnt sind, zu sehen. Ein Pferderücken hat eigentlich keine arthrophierten Muskeln hinter den Schultern. Nicht mal ansatzweise! Das hat der Sattel gemacht. Er hat die Muskeln sich rückbilden lassen durch ständigen Druck.

Wie sehr das weh tut und wo das hinführt, das kann man sich ausmalen. Fast alle Pferde, die geritten werden und die ich spreche, haben Rückenschmerzen. Manche mehr, manche weniger. Vielen verursachen die Rückenschmerzen auch weitere Beschwerden in den Beinen, dem Hals, dem Kopf.

Wie kommen wir bloß darauf, dass ein Tier einfach so mit einem Sechstel seines Gewichts belastet werden darf? Zu unserem Spaß. Ohne uns dabei bewusst zu machen, dass es davon vermutlich nicht gesünder wird.

Und so „gymnastizieren“ wir. Oder noch schlimmer: Lassen andere das Pferd gymnastizieren. Weil wir selbst ja nicht gut genug sind. Die anderen wissen noch besser, wie sie das Pferd dazu kriegen, sich kaputt zu bewegen. Sie werden dafür sogar bezahlt. Noch kein Pferd hat jemals in einem Tiergespräch zu mir gesagt: Ja, bitte lass den Bereiter mich 3 Mal die Woche gymnastizieren, er macht es so gut. Danach fühle ich mich gut trainiert.

Die Pferde sagen: Wenn jemand reitet, dann bitte du. Ich weiß, du hast mich lieb und ich möchte mit dir in Kontakt gehen und eine Einheit werden, wenn wir reiten. Ich spüre dich und deinen Körper, ich weiß was du denkst und fühlst beim Reiten. Ich spüre deinen Atem. Ich möchte mit dir raus gehen und frei galoppieren. Ich möchte die Landschaft sehen und einfach Spaß haben. Ich möchte dich tragen, weil ich dich liebe und es toll ist, wenn du mit mir zusammen bist. Ich möchte dir zeigen, wie es sich anfühlt, all meine Kraft zusammen zu nehmen und zu rennen. Du und ich, wir sind dann eins.

Das ist es, was Pferde sich wünschen. Und ganz ehrlich: Wir wünschen es uns auch! Alle Pferdemädchen haben früher schlucken müssen, als Fury im Fernsehen durch die Prärie angaloppiert kam, der Junge sich einfach so auf das völlig nackte Pferd schwang und sie frei dahin galoppierten. Wir wünschen uns alle, dass unser Pferd freudig zu uns gerannt kommt, wenn wir es rufen. Wir möchten ihm vertrauen und gelassen auf ihm durch den Wind getragen werden. Das ist der Grund, warum wir Pferde lieben. Sie können uns teilhaben lassen an grenzenloser Freiheit und Wildheit. Etwas, das den meisten Menschen längst verloren gegangen ist.

 

Nur wie geht das?

Es beginnt mit dem, was wir verlernt haben: Wahrnehmen. Zuhören. Hinsehen. Hinspüren. Was möchte dein Pferd dir sagen? Wie geht es ihm eigentlich?

Beginn damit, ihm ins Gesicht zu sehen. Und daran abzulesen, wie es heute drauf ist oder wie es auf dich reagiert und auf das, was du mit ihm tust. Lass es vor Allem frei sein. Geh mit ihm frei auf den Reitplatz und lass es einfach sein. Steh da und schau dir an, ob es Kontakt zu dir sucht und wie es dabei schaut. Oder ob es dich komplett ignoriert. Oder ob es nur versucht, heraus zu finden, was es nun schon wieder machen soll. Lass ihm den Raum, einfach mal bei dir sein zu dürfen.

Und lass es sich bewegen, wie es will! Pferde möchten sich bewegen, sie stehen für die Kraft der Bewegung. Pferdestärken! Nur eins gymnastiziert ein Pferd wirklich: Wenn es sich frei, wach und stolz bewegen kann. All seine Kraft zeigt und prustend oder lustig herumlaufen und herumspringen darf. Davon bekommt es Muskeln und dabei wird es auch all die Haltungen zeigen, in die wir sie so gern zwingen wollen. Es macht seinen Hals rund, es trägt sich, es benutzt die Hinterhand. Damit es sich dir so zeigt, möchte es aber spüren, dass du das sehen möchtest. Dass du es wahr nimmst. Ihm den Raum gibst, Pferd zu sein. Mit dir.

Achte auf seine Zeichen, wenn du etwas mit ihm machst. Möchte es überhaupt mitkommen? Hat es überhaupt Spaß daran? Gehen seine Ohren nach vorn und werden seine Augen groß?

Eine andere Basis, die dein Pferd von dir braucht, ist menschlicher Verstand, wenn es um seine Haltung geht (siehe auch: Blog Eintrag „Mindestbedingungen für Pferde“!). Ein Pferd möchte weder in Matschpaddocks versauern, noch möchte es über ¾ des Tages und der Nacht in einer Box stehen. Es möchte Freunde. Keine Zwangsinhaftiertengruppe auf zu kleinem Raum! Es möchte eine homogene Herde, welche auf genügend Platz steht, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Mit regelmäßigem Zugang zum Futter. Ein gesundes Pferd möchte und braucht viel Heu und Gras. Es braucht Mineralfutter und Kraftfutter. Die meisten der Freizeitpferde sind unterfüttert. Haben Hungerbäuche, eckige Schultern, Rücken und Kruppen, kaum Muskulatur. Durch die hängenden Bäuche werden sie als zu dick eingestuft. Ein trauriger Fehler. Hungrige und unterversorgte Pferde neigen zu Aggressivität, Magengeschwüren, Koliken und so weiter.

Wir haben es also geschafft, unser Pferd ab und zu besser wahr zu nehmen und besser zu halten. Was nun, sollen wir die Sättel wegschmeißen und nur noch wild durchs Gelände rennen?

Nein, es gibt kein Konzept, welchem nun zu folgen ist. Was zu tun ist, hängt sehr von der Bindung zwischen Pferd und Mensch ab.

Manch einer möchte sofort den Sattel gegen ein steigbügelloses Pad eintauschen, welches den Rücken des Pferdes gut polstert, damit er entspannt und gelassen auf seinem Pferd sitzen kann, während es uns trägt. Mit durchhängendem Zügel. In der Bewegung sitzend, locker, während es läuft. Wie ein Indianer. Dieser Mensch hat vermutlich schon viel Vertrauen zu seinem Pferd und wahrscheinlich ist auch dieses Pferd schon offen für Abenteuer mit seinem Menschen.

Manche müssen erstmal ganz mit dem Reiten aufhören. Von ganz vorn anfangen, weil sich das Pferd gar nicht wirklich in der Lage fühlt, jemanden zu tragen. Oder weil es den Spaß daran schlichtweg nie kennen gelernt hat und nur das verkrampfte Reiten kennt. Sein Körper gar nicht mehr weiß, wie man sich als Pferd bewegt, frei und ungezwungen.

Andere müssen noch am Sattel festhalten, weil ihr Pferd bereits glücklicher ist, als andere Pferde. Auch mache Pferde sind noch nicht bereit, ihren Erfolg aufzugeben. Es gibt tatsächlich Pferde, welche gern im Sport gehen. Welche gern zeigen, wie toll sie das machen und welche nichts Besseres kennen, als zu gewinnen. Denen der Sattel gefühlt nichts ausmacht. Manche von ihnen erinnern mich an blutjunge Managertypen aus wichtigen Berufen. Sie brauchen das. Machen sich dabei vielleicht kaputt, aber das ist ihnen jetzt egal. Jetzt sind sie jung und süchtig danach. Solchen Menschen muss man erstmal deutlich machen, dass Urlaub schön sein kann. Dass sie Erholung brauchen. Sie denken, nur die Arbeit würde sie erfüllen. Nur das, was sie wirklich gut können. Auch manche Pferde denken, nur Springen würde Spaß machen. Weil sie schlichtweg nicht wissen, was sie verpassen und was Springereiten auf Dauer mit ihnen macht.

Jedes Mensch-Pferd Gespann hat seinen ganz eigenen Weg. Jeder hat sein Schicksal, welches er dem anderen mitbringt und es ihm aufdrückt, wenn man so eine intime Bindung eingeht, wie das Reiten. Auch unsere Pferde wissen, wie es uns geht. Auch unsere Pferde möchten unsere besten Freunde sein. Auch unsere Pferde wollen für uns da sein und uns zeigen, was wahre Freundschaft ist. Auch unsere Pferde freuen sich, uns zu sehen, begrüßen uns, laufen zu uns und gehen frei mit uns mit, wenn die Beziehung stimmt.

Es ist hoch an der Zeit, dass wir ihnen die Aufmerksamkeit und Liebe und vor Allem den Respekt zukommen lassen, die wir für unsere anderen Haustiere ganz selbstverständlich bereithalten.

Sprich mit deinem Pferd! Hör ihm zu. Hab keine Angst. Es verzeiht.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

–> Pferdegespräche für dein Pferd und dich (Norddeutschland)

–> Tiergespräche weltweit

 

Foto-0095.jpg
Mouna, glücklich und entspannt.

 

tierkommunikation_milan
Milan, froh und gerührt (mit noch in den Augen sichtbarer Vergangenheit voller Schikane).

 

tierkommunikation_pferderücken
Mouna, gesunder Pferderücken (und skeptisches Gesicht).

 

004 (6)
Wir