Der kleine Hengst – die Entscheidung

Makani ist jetzt elf Monate alt. Er trinkt noch mehrmals täglich bei Mouna, die das gern duldet und für gut befindet. Er spielt sehr viel mit Milan und ist meistens auch bei ihm, sie dösen auch gemeinsam. Mouna ist und war schon immer der unabhängigere Typ und genießt es, dass die Jungs da sind, aber beide nicht direkt an ihr kleben. Die Freundschaft zwischen Makani und Milan wächst immer mehr, sie steigen sich jetzt schon an, aber immer nur so hoch, wie Makani es auch kann. Milan passt sich dabei an, wie versprochen.

Seit einigen Tagen ist Mouna rossig und Makani hat seine Hormone entdeckt. Erst hat mich das nicht alamiert, sein Babyhengstgehabe fand ich normal. Vor ein paar Tagen dann wachte ich schon sehr früh auf und ging instinktiv nach den Pferden sehen: Mouna schlug sich gerade halbwegs unmotiviert mit Makani herum, der nun ganz schön hengstig an ihr herum arbeitete. Ich sah, wie er aufsprang und mir wurde kurz anders, als Mouna das mit recht entspannter Art und Weise zwar abwehrte, aber eben halbherzig. Ich sah, dass für einen richtigen Deckakt nicht mehr viel fehlte. Ich rannte raus und verscheuchte Makani von ihr. Dann trennte ich die beiden ab. Makani war zwar etwas geknickt deshalb und stand erstmal etwas planlos am Zaun, er rief auch etwas, aber Milan war ja noch da. Nach einiger Zeit arbeitete Makani seinen Frust in einem wilden Renn- und Steigspiel mit Milan ab. Mouna hingegen antwortete kein einziges Mal auf Makani’s Rufen und war einfach nur sehr dankbar für die Ruhe und dass sie endlich mal allein im Garten alle Gräser und Kräuter rupfen durfte, wie es ihr gefällt. Sie schlief sogar eine zeitlang im Garten und fand das alles gut so.

Ich wusste vor Makani schon einiges über Aufzucht und Hengste, hatte selbst eine Pferdezucht geleitet, jedoch ist meine Haltungsart hier ja etwas unkonventioneller: In Absprache mit den Pferden. Die erste Lektion, die meine drei Pferde mich lehrten, war jene, dass hier keine weitere Stute mit Fohlen leben müsse, damit Makani auch artgerecht aufwachsen würde und außerdem, dass ein Absetzen des Fohlens durch den Menschen nicht nötig sei. Meine Pferde bestanden darauf, unter sich zu bleiben, weil neue Herdenmitglieder, sogar lange vor der Geburt, für sie keine Option waren, sondern nur stressig wären. Ich dachte: Gut, vielleicht ändern sie ihre Meinung ja aber noch, wenn das Fohlen da ist. Nach der Geburt fragte ich also regelmäßig nach, ob Makani nicht einen anderen Spielpartner bräuchte, als Milan. Oder ob er in eine Jungpferdherde sollte, um sich auszuprobieren. Aber nein, es blieb dabei. Die Dreierherde fand den Familienzusammenhalt am wichtigsten, niemandem fehlte es an etwas, keiner war überfordert. Makani wuchs sehr glücklich und behütet zwischen seinen Eltern auf und wirkte auch nie so reif, dass ich dachte, er müsste nun mal langsam weg von ihnen. Im Gegenteil: Es machte alles sehr viel Sinn und mein Fohlen sah so viel besser und selbstbewusster aus, als ich es von Aufzuchten kenne. Mittlerweile gingen mir einige Lichter diesbezüglich nach Lesen des Buches „Im Kreis der Herde“ von Wildpferdfilmer Marc Lubetzki auf, er berichtet darin von einer Wildpferdherde, die nur aus Stute, Hengst und Hengstfohlen bestand. Ich konnte alles daran bei meinen Pferden wiederfinden (Zitate u.A.: „Junge Pferde brauchen Kontakt zu erwachsenen Tieren“ und „Althengst und Jährling toben fast täglich miteinander“). Natürlich höre ich auf meine Pferde und natürlich glaube ich ihnen am Ende immer, aber ich bin die Verantwortliche, am Ende muss ich im besten Willen für uns entscheiden. Es ist nicht immer einfach, seinen eigenen Glauben im Bezug auf Pferdehaltung hinten an zu stellen. Auch für mich ist das zumindest bei meinen eigenen Pferden, immer wieder eine Herausforderung. Ich wollte doch alles richtig machen für Makani. Meine Pferdefamilie hier zu erleben, wie sie nach ihren Bedürfnissen leben dürfen, war schon Bestätigung und Mutmachen genug. Das Lesen des oben erwähnten Buches hat mir die restliche Zuversicht gegeben, dass das Hören auf meine Pferde eigentlich immer richtig ist.

Nach dem kurzen Schock, dass Makani mit nicht mal einem Jahr meint, seine Mutter ernsthaft zu decken, wurde mir klar, dass ich nun nicht drum herum käme, eine wichtige Entscheidung für meine Pferde zu treffen. Ich hatte schon gelesen von Stuten, die von ihren Hengstfohlen trächtig wurden und das wäre natürlich mein persönlicher Super-GAU. Wenn man die Geschlechtsreife von Hengsten googelt, dann liest man von 9 Monaten bis zu ca. 1,5 Jahren. Mein Alarm war an! Ich kapierte nicht, wieso Mouna ihn nicht deutlicher abwehrte und wieso Milan Makani nicht daran hinderte, seine Mutter mit deutlicher Hengstmanier (nicht im Spiel) zu bespringen. Denn nur einen Tag zuvor hatte mir Mouna noch versichert, dass Makani mindestens den Sommer über noch gefahrlos so bei ihr bleiben könne, wie er ist. Nach dem, was ich dann aber morgens sah, informierte ich mich über die Möglichkeiten von Sterilisation und Kastration. Ich hatte gehofft, Makani längstmöglich Hengst sein lassen zu können, damit er sich möglichst gut entwickeln könnte. Ich glaubte, dass je länger ein Hengst Zeit hätte, umso besser wäre sein Körper entwickelt. Ich glaubte, dass das ein sehr ausschlaggebender Punkt wäre für das Leben eines Hengstes, der später Wallach werden müsste. Ich hatte sogar ein wenig Hoffnung, dass ich Makani als sterilisierten Hengst immer belassen könnte. Wie, das hatte ich mir noch nicht ausgemalt, denn eins hatte ich bereits kapiert: Wenn ich mit meinen Pferden gemeinsam entscheide, wie ich sie halte, dann nützen jahrelange Vorausplanungen nichts. Man fließt mit dem Leben mit und passt seine Handlungen dem Moment an. Aber jetzt war so ein Moment. Ich musste handeln!

Die Sterilisation war also meine liebste Option, aber es gab auch drei weitere Optionen: Entweder Makani nun doch mit einem weiteren Jährling zu separieren und sie Jungs sein zu lassen, ihn ganz in eine Jungpferdherde abzugeben oder aber ihn zu kastrieren. Ich fand eigentlich alle Optionen suboptimal, denn alles hatte deutliche Nachteile:

1. Sterilisation: Makani wäre trotzdem Hengst, bloß nicht zeugungsfähig. Die OP dafür könnte hier statt finden, wäre aber nicht weniger riskant und ernst, als eine Kastration. Er würde seine Hormone behalten, sein Körper würde sich natürlich weiter entwickeln. Er würde dennoch bei jeder Rosse von Mouna auch hengstig agieren und sie belästigen. Ich müsste sie dann also immer trennen. Das wäre für Milan stressig, für Mouna ganz ok, für Makani stressig. Für mich riskant, dass der pubertierende Hengst hier den Laden aufmischt, wenn Kurspferde kommen. Eventuell würde die Kastration dann trotzdem folgen müssen, eine zweite OP wäre später nötig.

2. Trennung mit Jährling: Makani würde mit einem Einstellerjährling dauerhaft separat stehen, ich hätte 2 x 2 Pferde auf meinem Hof. Zu jeder Rosse von Mouna wäre er hengstig über den Zaun. Und sie ist regelmäßig rossig, denn im Gegensatz zu den Wildpferden bekommt sie ja keine weiteren Fohlen und ist somit auch nicht trächtig, die Rosse wiederholt sich also oft.

3. Makani in eine Jungpferdherde geben: Trennung der Familie auf allen Ebenen. Keinerlei Möglichkeit mehr, für Makani zu entscheiden, weil er in fremden Händen wäre. Möglicherweise das Lernen der Realität von Pferden, die nicht wie er aufgewachsen sind. Evtl aber mit dem Vorteil, dass er sich neu entdecken kann und neue Freunde findet, dass er später kastriert werden kann und dann halbwegs erwachsen wieder bei uns integriert werden kann.

4. Kastration: Eine sehr endgültige Entscheidung mit einem agressiven Eingriff in Makani’s Körper und für seine Entwicklung. Seine Männlichkeit würde sich nie voll und ganz entwickeln. Vorteile: Alle können gemeinsam weiter leben, so wie sie es bisher wollten. Niemand müsste den Hof verlassen, alle könnten unter meiner Obhut in ihrem Zuhause bleiben.

Ich wartete noch auf die Rückmeldung der Tierärztin und nutze die Zeit, um ein ernsthaftes Pferdegespräch mit meinen Dreien zu führen. Obacht: Dieses dokumentierte Gespräch ist absolut kein gutes Beispiel für ein professionelles Pferdegespräch, denn das Sprechen mit eigenen Pferden läuft auf einer anderen Gesprächsebene ab, als wenn ich in meiner professionellen Präsenz für andere Menschen und Pferde arbeite. Hierbei aber bin ich ganz privat unterwegs und emotional SEHR involviert, meine Sichtweise ist aus keiner übergeordneten Sicht. Dennoch brauchte ich keine professionelle Hilfe (nur die Rückversicherung einer Freundin, die auch noch rein hörte), um meine Pferde richtig zu verstehen. Hier folgt also das unprofessionelle Pferdegespräch:

MAKANI:

Er zeigt sich fröhlich, fordert mehr Kratzeinheiten und Körperkontakt mit mir ein. Er sagt, dass er das Führen über Stangen richtig toll findet. Je größer und aufregender der Parcours aus Stangen aussieht, den ich lege, umso toller findet er es. Er möchte auch Freispringen mit Milan und ist ganz aufgeregt, wie es sein wird, das erste Mal über eine Stange zu springen. Als ich ihn frage, ob er weiß, wieso ich ihn von Mouna getrennt habe, sagt er scheinheilig: „Nö. Ich weiß nicht so recht, was ich tue, ist doch alles normal so!“. Ich erkläre ihm, was er schon weiß, nämlich dass es so nicht bleiben kann. Ich zeige ihm, dass es eine OP geben wird, das findet er nicht so toll. Aber er möchte bitte unbedingt mit Milan zusammen bleiben, eigentlich auch mit Mouna. Kann sie nicht einfach zu jemand anderem? fragt er. Ich lache und sage, dass Milan das überhaupt nicht gut finden würde. Er sagt: „Stimmt, wir gehören alle zusammen. Ich will bei meinen Eltern bleiben.“ Ich zeige ihm die Option, in eine Jungpferdherde zu gehen. Das will er auf keinen Fall! Er will hier bleiben und glaubt auch, dass andere Jungpferde nicht so sind, wie er. Dann zeige ich die Option, einen Jährling dazu zu holen. Mache es ihm schmackhaft, dass er einen tollen, neuen Freund bekommen würde. Er ist überhaupt nicht begeistert und sagt: „Ich will nur mit Milan zusammen sein. Jährling und Milan, das wäre ok. Auf keinen Fall aber ohne Milan. Dann wäre ich eher genervt von dem anderen Pferd und wütend.“

MILAN:

Ohne dass ich etwas sagen kann, sagt er direkt: „Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung.“ und dann schaut er entspannt in die Weite und signalisiert mir, dass er auf alles aufpasst. Ich: „Aber warum hinderst du Makani dann nicht am Bespringen seiner Mutter?“ und er: „Das kann ich nicht, das muss Mouna machen.“ Ich: „Aber du bist doch der Mann von ihr.“ Er: „Aber er ist ihr Sohn, sie muss ihn dahin gehend erziehen, das macht sie auch.“ Ich: „Mir ist das Risiko aber zu groß, er wird sie am Ende noch decken, vielleicht hat er es sogar schon.“ Er: „Nein, noch nicht. Aber wenn er groß ist, dann wäre es vielleicht so.“ Ich: „Und bis dahin kannst du ihn nicht daran hindern?“ Er: „Kastrier ihn doch einfach. Es wird es sonst nur schwer haben. Alles andere wäre schlimmer für ihn. Er würde frustriert aufwachsen. Auch für mich wäre es sehr anstrengend, ihn mit oder ohne Mouna weiter zu erziehen, ich bin bald alt.“ Ich: „Danke, Milan.“

MOUNA:

„Mir geht es gut gerade, endlich mal etwas Pause. Ich liiiebe den Garten! Makani nervt, aber so ist es nun mal. Er ist mein Kind. Ich nehme ihn nicht ernst in seinen hengstigen Absichten, ich kann ihn noch über den Sommer abwehren.“ Ich: „Das sieht aber nicht so aus!“ Sie: „Doch, ich lasse ihn nicht rein. Er ist auch noch gar nicht so weit.“ Ich: „Das glaube ich dir nicht und es sieht anders aus.“ Sie: „Weil es nicht passieren wird, ich bin entspannt.“ Ich: „Dieses Gespräch ist heftig für mich.“ Sie: „Du übertreibst!“ Ich: „Und was machen wir nun?“ Sie: „Die Ruhe ist gut gerade. So geht es erstmal.“ Ich: „Soll ich ihn kastrieren?“ Sie: „Warum nicht? Er ist ein sehr gesundes, gut entwickeltes Fohlen. Die Grundlage für sein Leben ist perfekt gelegt.“ Ich: „Naja, die Entwicklung für Makani’s Körper wäre mit der Kastration gestört. Milan war zum Beispiel länger Hengst.“ Sie: „Da kenne ich mich nicht so aus, aber ich glaube, du übertreibst. Hör auf Milan.“ Ich: „Brauchst du sonst noch etwas?“ Sie: „Nur, dass du dich entspannst.“ Ich: „Ich liebe dich.“

Aus diesem Gespräch zog ich das Fazit, dass baldige Kastration wohl das Beste für alle wäre. Dass ein Abtrennen von Makani und eine dadurch spätere Kastration in den Augen meiner Pferde ihm große Frustration mitbringen würde, die damit seine geistige Entwicklung negativ beeinflussen würde. Er wäre von seinem Vater und besten Freund enttäuscht, weil er allein gelassen würde. Er würde immer wieder auf seine rossige Mutter reagieren müssen, hätte aber keine eigenen Herdenmitglieder, an denen er sich normal ausprobieren könnte. Keine anderen, erwachsenen Pferde, Stuten oder Hengste, die ihm Manieren beibrächten. Er würde seine Eltern zwar sehen, aber nicht mit ihnen agieren dürfen. Das würde ihn frustrieren. Er würde den Frust oft an dem anderen Jährling auslassen. Das alles nur, damit er keine körperlichen Nachteile hätte.

In den Jahren meiner Zeit als Tierkommunikatorin habe ich gelernt, dass körperliche und geistige Gesundheit Hand in Hand gehen und zwar nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich. Eine der wichtigsten Erkenntnisse hierbei: Nur ein grundsätzlich glückliches Pferd ist ein gesundes Pferd. Dauerhafte Frustration führt zu Krankheit. In diesem Fall also hätte ich zwar körperlich das Bestmögliche für Makani getan, wenn ich ihn noch nicht kastrierte. Geistig aber würde ich ihn enttäuschen und frustrieren. Auch unsere Beziehung würde darunter leiden. Dennoch war meine Entscheidung noch nicht gefallen.

Dann kam endlich der Anruf meiner Tierärztin. Sie hatte einige, interessante Neuigkeiten für mich: 1. Makani ist ganz bestimmt jetzt noch nicht geschlechtsreif, sondern braucht noch ca. ein halbes Jahr, bis er ernsthaft zeugungsfähig ist (Siehe Mouna’s Aussage, natürlich hatten meine Großen mal wieder Recht! Ich hatte in meiner Angst übertrieben). Bis dahin würde die Stute schon dafür sorgen, dass er sie nicht deckte. Die Gefahr wäre bloß, dass die beiden sich bei diesen Rangeleien ernsthaft verletzen würde. Sie erwähnte sogar, dass viele Züchter ihre Jährlinge beidgeschlechtlich zusammen halten. Ich fragte noch einmal nach, ob sie ganz sicher sei, dass er seine Mutter jetzt nicht erfolgreich decken könnte. Sie sagte mir dies zu. 2. wäre eine Kastration jetzt besser, als in ein paar Monaten, weil wir sie hier bei uns auf dem Hof durchführen würden und Makani ein paar Tage eine offene Wunde hätte, die in Sommermonaten schwieriger heilt durch die Wärme und die Fliegen. Und 3. erklärte sie mir, dass früher gelegte Wallache später größer würden. Das sollte ich wissen, er würde dann groß wachsen. Ich musste lachen, denn mir hatte Makani schon prohphezeiht, dass er größer würde, als Milan und ich bin 1,81m groß und hoffe sehr, dass Makani Spaß daran haben wird, mit mir reiten zu gehen. Sie sagte noch, dass seine Halsung weniger sein könnte im Aufwachsen dadurch, dass er kein Hengst mehr wäre, aber ich weiß schon, dass Makani dabei auch den Erwartungen trotzen wird. Er hat mir bereits gezeigt, wie er als erwachsenes Pferd ausehen wird. Man sieht es schon seit Tag 1, wie seine Anlagen sind. Auch ohne Testosteron. Er wird nicht zusammen fallen und kein mickriger Halbstarker werden, auch kein Wallachwicht, dafür haben wir hier alle gesorgt. Auf allen Ebenen. Die Tierärztin sagte noch, dass die andere Option sei, ihn dann im Herbst zu kastrieren, wenn die Hitze vorüber ist. Für diese Option habe ich Rückfrage mit Milan gehalten, aber er bleibt bei seiner Meinung: Kastration jetzt ist kein Problem für Makani. Das Herauszögern aber könnte kompliziert werden für alle. Am Ende treffe ich diese Entscheidung für uns alle, auch in Abwägung meines eigenen Befindens.

Makani177Für meine Kunden ist es mir immer ganz klar: Ich finde Kompromisse zwischen Mensch und Pferd, die für beide vertretbar sind, denn nur gemeinsam können sie glücklich sein. Es nützt nichts, wenn das Pferd sich 1,50m Sprünge wünscht, der Mensch aber reitend dabei fast in Ohnmacht fällt vor Angst. Für mich bedeutet das in unserem Fall, dass es mir sehr viel Stress bereiten würde, Mouna und Makani den Sommer über noch in jeder Rosse räumlich zu trennen und dann noch zu hoffen, dass der pubertierende Hengst, der schon als Fohlen gern mal durch den Zaun stolzierte, hier keine unnötige Unruhe in meine Kurse bringt. Und so darf ich heute die nächste Lektion meiner Pferde mal am eigenen Körper spüren: Ich entscheide das, was für uns alle am besten ist. Ich suche den bestmöglichen Kompromiss, in dem ich eine wichtige Rolle spiele. Makani wird in den kommenden Tagen kastriert. Gut fühlt sich das sicher nicht an, aber ich weiß, dass es das Richtige ist.

 

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Die Sache mit dem Spiegel

Schon lange möchte ich diesen Artikel schreiben. Dieses Thema hat bereits Bücher gefüllt von mindestens zwei meiner liebsten Kolleginnen und doch ist es etwas, wo ich erstmal durchatmen muss, wenn ich damit konfrontiert werde.

Meine Arbeit versucht, Verständnis zu schaffen und zu vermitteln. Zwischen Tier und Mensch. Nicht nur zwischen Mensch und sich selbst. Deshalb tippe ich heute doch etwas dazu, ich werde immer wieder danach gefragt. Es geht um dieses Thema:

„Mein Tier spiegelt mich! / Mein Tier ist mein Spiegel!“

Es gibt den Irrglauben unter uns Tierhaltern, dass unsere Haus- und Hoftiere immer das zeigen, was wir eigentlich sind, tun, erleben, denken und fühlen. Dass wenn ich zu viel Stress habe, mein Hund davon Krebs bekommt. Dass wenn ich mich unwohl in einer Situation fühle, mein Pferd es nur tut, weil ich es tue. Dass wenn ich Liebeskummer habe, meine Katze anfängt, unrein zu werden, weil auch sie so leidet.

Grundsätzlich ist die Idee daran nicht verkehrt. Aber sie ist doch weitaus komplexer, dazu komme ich später. Was mich an dieser Spiegel-Sache aber maßgeblich schon immer gestört hat, ist dies:

Ein Spiegel ist ein Objekt, welches keine Eigenschaften besitzt, außer leblos zu sein und diesen einen Nutzen zu haben: Mit seiner starren Oberfläche ganz genau wiederzugeben, was davor steht. Einfach zu reflektieren und aufzuzeigen. Es wird einzig dazu genutzt, sich seinem Ego zu widmen: Wie sehe ich aus, wie wirke ich? Es befähigt einen dazu, sich selbst in seinem nahen Umfeld zu sehen. Zu sonst nichts. Es hat keinen eigenen Charakter, keine Geschichte, kein Profil. Es spiegelt nur jemand anderen.

Sind unsere Tiere wirklich nicht mehr, als eine reflektierende Oberfläche, die stumpf einfach immer wiedergibt, was bei uns los ist? Und ist uns klar, dass wenn wir von Spiegeln sprechen, es immer nur im ein Individuum gehen kann, um welches sich angeblich dann alles dreht? Meinen wir wirklich, dass wir das Zentrum des Universums sind, um das sich alles dreht und dass alle anderen nur dazu da sind, uns zu reflektieren? Besonders unsere Tiere?

Ja, das meinen wir. Das ist leider tatsächlich die Meinung vieler Menschen. Sogar derer, die denken, sie seien besonders tierlieb. Je tierlieber, umso egozentrischer, könnte man in manchen Fällen sogar meinen. Denn manchmal ist übertriebene Tierliebe tatsächlich ein Kompensator für eigene Probleme, die nicht angesehen werden möchten. Also stürzt man sich auf noch Schwächere und versucht dort, alles wieder gut zu machen, was an einem selbst verbrochen wurde. Gerade sehr selbstkritische und traumatisierte Menschen neigen dazu, diese Spiegel-Sache intensivst zu verfolgen. Leider vergessen sie dabei, dass je mehr sie dabei im Spiegel nach Bestätigung dessen suchen, umso weniger sie ihr Tier wirklich wahrnehmen. Dabei wollten sie damit ursprünglich genau das bezwecken: Ihr Tier besser verstehen und die Verbindung zwischen ihnen und dem Tier intensivieren.

Wenn es sich aber immer nur um einen dabei dreht, man immer nur sich selbst dabei sieht, kann das nicht funktionieren. Die Ebene der Beziehung bleibt dann immer eine unausgeglichene, in der das Tier nur reflektieren, nur reagieren und nur anzeigen darf, was der Mensch in sich wiederfindet. Es wird dabei nicht wirklich angehört. Es hat keine Chance, seine eigene Geschichte zu erzählen, weil auf ein synchrones Vorkommnis immer sofort die Spiegel-Theorie gestülpt wird.

Dabei geht es viel tiefer. Wenn wir nur einen Moment nachdenken und erlauben, dass das Tier seine eigene Geschichte, sein eigenes Leben, seine eigene Seele und seinen eigenen Lebensauftrag hat, dann wird uns eins schnell klar: Es darf auch eigene Themen haben. Es darf sogar eigene Beweggründe haben, wenn es etwas zeigt, was wir auch haben. Es darf sogar, und jetzt Obacht!, es darf sogar derjenige sein, der in den Spiegel blickt. Und du bist es, der spiegelt.

Das ist übrigens auch der Grund, warum mir Seminare im Stile von „Coaching mit Pferden“ grundsätzlich erstmal missfallen. So wie therapeutisches Reiten einst aus dem Boden spross, hat sich über die letzen Jahre eine Flut von Angeboten breit gemacht, in denen man lernen darf, wer man ist – mit dem Pferd als Lehrer. Oder noch besser: Wie gut man als Führungskraft ist. Dass die Pferde dabei gezwungen sind, auf fremde Menschen zu reagieren und einzugehen, weil sie nicht anders können und dass die meisten Pferde dazu überhaupt keine Lust haben bzw auch nicht alle dazu gemacht sind, Lehrer für Menschen zu sein, interessiert nur Wenige. Wir arbeiten uns munter an den Pferden ab und denken, dass es wahnsinnig aufregend sei, wie wir da in eine schnelle Beziehung gegangen sind. Und wieder geht es nur um uns. Ob das Pferd dabei lernt, dass ständig neue Menschen ankommen, die kurze, stümperhafte Beziehungen an ihm ausprobieren und dann wieder verschwinden und es sich dabei benutzt fühlt, darüber denkt kaum einer nach. Schon wenn man einen Hund anstelle des Pferdes stellen würde und sich versucht vorzustellen, wie fremde Menschen sich daran versuchen, mit ihm Gassi zu gehen, so dass er sich dabei brav verhält und wenn man es schafft, sei man eine gute Führungskraft, das klingt absurd. Noch weiter gesponnen wären Kinder, die man versucht, dazu zu bringen, der eigenen Führung zu vertrauen… als Bestätigung dessen, dass man gut darin ist. Ich lasse das Thema lieber sein, es artet aus.

Zurück zum Spiegel:

Ein Tier ist ein Individuum. Es hat Gedanken, Gefühle, Geschichten, Erlebnisse und Erinnerungen, es steckt in seinem Körper und bringt einfach alle Aspekte mit ins Leben, die wir als Säugetier-Menschen auch mitbringen. Es ist genauso komplex. Die Ameise so sehr wie der Elefant oder der Delfin so sehr wie das Pferd, der Hund und das Meerschweinchen. Ein Tier ist genauso Mittelpunkt seines Universums wie du und ich es in unserem sind. Es hat Berechtigungen und Veranlagungen, dass bestimmte Vorkommnisse in seinem Leben zu bewältigen oder zu durchleben sind. Ein Hund, der Krebs bekommt, ist also niemals einfach nur ein Opfer deines Stresses! Er hat selbst die Veranlagung zu dieser tragischen Krankheit mitgebracht, in allen Facetten.

Warum also stellen wir aber immer wieder fest, dass es direkte und offensichtliche Verbindungen gibt zwischen dem, was mein Tier zeigt und dem, was bei mir los ist?

Die Antwort ist einfach und liegt eigentlich auf der Hand, wenn man sein Tier liebt: Es geht um die Seelenschnittmenge.

Spiegel

Dein Tier und du, ihr habt euch gefunden. Viele Menschen, denen ich in meiner Arbeit begegne, berichten sogar genau das: „Mein Tier hat mich ausgesucht und nicht umgekehrt.“ Ja, das hat es. Weil es in dir gesehen hat, dass du es verstehen wirst. Dass genau du derjenige bist, der seine Schwächen akzeptieren kann. Der seine Art versteht, der seine Macken nachvollziehen kann. Manchmal erledigen das auch höhere Kräfte, aber wenn mich meine Arbeit eins gelehrt hat, dann dies: Dass man zusammen gefunden hat, hat immer den tieferen Sinn, das Leben gemeinsam besser meistern zu können. Ob das Gemeinsame nun anstrengend oder einfach nur leicht wird, ist dabei egal: Man hat sich, um voneinander zu lernen. Und so lernt ihr – du UND dein Tier. Du passt zu ihm, also kann es sein Leben einfacher leben, denn gemeinsam ist man stark. Ihr habt eine Seelenschnittmenge. Und je größer sie ist, umso synchronisierter verlaufen eure Leben gemeinsam. Und manchmal ist es dann so, dass ihr alle drei den ganzen Winter hustet, so wie meine Pferde und ich dieses Jahr, aber einer von uns lebt das Thema am meisten aus, was damit verknüpft ist, weil das Thema in seinem Leben am größten ist, aber wir alle drei haben es. Oder dass ihr alle beide menschenscheue, hypersensible Typen seid, die sich nichts sagen lassen, so wie mein Hund und ich. Trotzdem darf dabei nie vergessen werden, dass dieser Hund eben eine Vorgeschichte hat, die ihn zu dem macht, der er ist. Gepaart mit dem, was seine Seele und seinen Körper mit in dieses Leben gebracht haben, ist er genau der Hund, der heute bei mir ist. Der Weg mit mir hat noch viel dazu getan und auf diesem Weg haben wir uns noch mehr aneinander angeglichen, weil es uns beiden half. Ich habe meine Arbeit und meine Wohnsituation immer auf seine Bedürfnisse angepasst und ganz nebenbei habe ich damit das größte Geschenk meines Lebens erhalten: Ich habe seinetwegen gelernt, mit Tieren zu sprechen und mit all dem, wie ich lebe und arbeite schlussendlich auch mein eigenens Bedürfnis nach Abgeschiedenheit, Ruhe und Nähe zu ihm bedient. Weil uns so viel verbindet. Und dennoch darf er sein eigenes Leben leben und nur weil er Menschen gern beißt, die in seinen Augen bedrohlich wirken, tue ich es nicht auch. Oder zumindest nicht so heftig, ich schnappe nur. Denn meine Vorgeschichte aus diesem Leben ist nicht ganz so dramatisch, wie seine. Und doch reicht sie, um sein Verhalten zu verstehen, für mich selbst daraus zu lernen und damit leben zu können. Weil wir eine sehr große Seelenschnittmenge haben. Die manchmal absurd synchrone Vorkommnisse in unser Leben bringt. So wie dass wir gleichzeitig tief durchatmen, seit Jahren. Selbst jetzt, wo er zu taub ist, um meinen Atem zu hören. Weil wir zutiefst verbunden sind. Deshalb leben wir manches gemeinsam aus. Nicht er für mich, nicht ich für ihn. Sondern WIR für UNS! Man kann uns nicht mehr teilen. Wir gehören zusammen und agieren zusammen. Es bin nicht nur ich, die hier gerade arbeitet und den Artikel schreibt, er liegt daneben und macht mit. Jetzt hechelt er, weil wir uns anstrengen. Wir sind wie ein Wesen mit 4 Armen und jeder Arm kann helfen, alles zu meistern. Der eine Arm kümmert sich darum, dass hier Ruhe herrscht, der andere holt schon mal das Futter. Und so ist für uns gesorgt.

Unsere Körper und unsere Idee vom Menschsein gaukeln uns Abgrenzung vor. Und so kommt es, dass wenn diese Synchronizität mit unseren Tieren passiert, wir sie uns erst einmal nur so erklären können: Das Tier muss mich abgegrenzten Menschen irgendwie wiederspiegeln. Immer, wenn dir dieser Gedanke kommt, dann denk an die Seelenschnittmenge und wisse: Es gibt einen gewissen Bereich, in dem nicht mehr wichtig ist, wer es mitgebracht hat, denn es gehört zur gemeinsamen Lebensmasse. Niemand hat „Schuld“ und beide können daran arbeiten und damit leben und lernen. Dem einen schadet oder hilft es genau so viel, wie dem anderen. Weil ihr verbunden seid, über Raum, Zeit und Logik hinweg.

Wenn man das versteht, dann wird auch dieser letzte Aspekt logisch, den ich nun noch darlegen möchte: Übertriebene Selbstkritik ist unangemessen! Wenn du immer versuchst, es deinem Tier bloß recht zu machen. Wenn du den Fehler immer bei dir selbst suchst. Wenn du immer nur in den Spiegel zu blicken versuchst, wird dein Tier nicht glücklich sein. Warum? Denk an die Seelenschnittmenge – weil du es auch nicht bist! Weil es nicht nur dich, sondern immer nur euch beide gibt! Es nützt nichts, deinem Tier alle möglichen, aufwändigen Behandlungen zukommen zu lassen, wenn es krank ist, während du dabei seelisch am Stock gehst und körperlich aus dem letzten Loch pfeifst! Es hilft dem Tier nicht, wenn du dir nicht erlaubst, du selbst zu sein, mit deinen Schwächen und Tiefen, Stärken und Höhenflügen, nur um zu funktionieren. Es möchte dich so, wie du bist. Weil es nur dann auch so sein darf, wie es ist! Und nur das macht glücklich.

Das größte Geschenk in einer Beziehung ist, wenn einen das Gegenüber dazu befähigt, voll und ganz man selbst sein zu dürfen. Ihr kennt das Gefühl aus jeder guten Partnerschaft: Man darf mal schwach, mal blöd, mal zickig, mal stark, mal übertrieben gut gelaunt oder ganz anders sein, als man sich der Welt täglich zeigt. Das schafft eine echte Bindung, weil man zusammen sich nicht mehr verstellen muss. Weil man dann alles zusammen meistert und sich die Kräfte potenzieren. Weil man voneinander und miteinander lernt, in absoluter Vereinigung. Das ist wahre Liebe. Und die braucht keinen Spiegel, die sieht auch ein Blinder.

–> Lerne, mit Tieren zu sprechen.

–> Lass dein Pferd sprechen.

–> Werde Pferdeflüsterer

 

 

Der betrunkene Mexikaner

Der betrunkene Mexikaner.

Am Wochenende fand wieder ein Pferdeflüsterer Basiskurs statt. Acht Menschen haben alles gegeben und sich unbefangen, neugierig und überaus erfolgreich mit sieben Pferden unterhalten. Die Ergebnisse waren erstaunlich, schön, traurig, augenöffnend und auch lustig. Besonders hängen geblieben ist mir der Aha-Moment einer Schülerin. Ich bringe meinen Schülern bei, wirklich und wahrhaftig alles zu sagen, was ihnen im Laufe der Übungsgespräche in den Sinn kommt. Also sprach sie es aus: Der Wallach hatte sie in Gedanken mit zu den Karl-May-Festspielen genommen und ihr ganz begeistert gezeigt, dass er da mitgemacht hätte! Mit Musik und so! Er fand das richtig toll. Wir lachten alle über diese lustige Nachricht. Sie klang weit hergeholt und ausgedacht. Alles, was wir von diesem Pferd wussten, war der Name, das Alter und seit wann es bei seinem Besitzer lebt. Wir hatten ein Foto seines Kopfes gesehen und dann begonnen.

Alle waren gespannt auf das Feedback, welches die Besitzerin dann auch gern gab: Auf der letzten Weihnachstfeier des Stalls hatte sie eine kleine Vorführung mit ihrem Wallach gezeigt. Sie war verkleidet als betrunkener Mexikaner zu der Karl May Musik in die Halle geritten und hatte tatsächlich dabei geschauspielert. Der Part des Pferdes war es, ihr dann einen Lappen aufzuheben, den sie im vermeintlich betrunkenen Zustand fallen gelassen hatte. Er fand sich dabei großartig und es machte ihm einfach Spaß, sich und seine Tricks zu zeigen!

Es ist fantastisch und amüsant, zu welchem Grad unsere Pferde tatsächlich mitbekommen, worüber wir reden, was wir denken, wer wir sind und was passiert. Eins nehme ich, auch aus dieser Anekdote, immer wieder mit: Je geliebter sie sich fühlen, je wertschätzender wir mit ihnen umgehen, umso glücklicher sind sie. Jeder auf seine Weise. Ich liebe meinen Job!

–> Selbst am Pferdeflüsterer Basiskurs teilnehmen.

–> Mit deinem Pferd sprechen lassen

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Nachts sind alle Katzen grau – oder?

Heute möchte ich etwas über eine Familie berichten, die ich schon jahrelang begleite. Damals bestand die Familie aus einer Frau, einem Mann, einer Katze und zwei Katern. Silke kontaktierte mich damals, damit ich mit ihrem Kater Apollo sprach. Er miaute oft die ganze Nacht hindurch und belastete damit besonders ihren Mann Daniel, der viel arbeiten musste und nicht immer Zuhause sein konnte. Wenn er dann das Glück hatte, im eigenen Bett zu schlafen, bekam er dank Apollo keine Ruhe. Auch urinierte dieser gern auf Möbel. Silke wollte nun wissen, warum er sich so verhielt und erhoffte sich natürlich, dass Apollo sein Verhalten änderte.

Dieser Kater war ein sehr starker. Er war weise, wusste alles (besser) und war sehr bemüht und engagiert, allen um sich herum Anweisungen zu geben und seinen Platz als König des Hauses auch voll und ganz auszufüllen. Tatsächlich machte er seine Sache auch sehr gut, er wurde von allen geschätzt und respektiert. Er lamentierte aber, dass der Mann Daniel nicht genug auf sich achten würde, er machte sich ernsthafte Sorgen um ihn.

Nach dem Tiergespräch traten diese Probleme nicht mehr aus. Apollo konnte all seine Sorgen und Ängste bezüglich Daniel loswerden, vergab auch Tipps und Bitten, was Daniel tun und lassen sollte, damit es ihm besser ginge. Er sorgte sich um diesen Mann, der nahe am Burnout stand. Apollo dachte, wenn er nachts beklagen würde, dass er sich sorgt, würde man ihn ernst nehmen. Das taten wir und danach konnte Apollo alle schlafen lassen, auch sich selbst. Er urinierte nurnoch ins Katzenklo.

Jahre später, Apollo und auch die Katze des Hauses waren mittlerweile verstorben, fing der andere Kater an, unsauber zu werden. Ich sprach immer mal wieder mit ihm. Nun möchte man annehmen, dass der Grund ein ähnlicher sei. Benny ist jedoch ein komplett anderer Charakter, als Apollo es war. Damals war er schon eher der Mitläufer, nässte auch manchmal auf die Möbel, aber eigentlich nur, weil Apollo es ihm vor machte. Er ließ es auch wieder bleiben, als Apollo gesprochen worden war. Er macht sich nicht viel daraus, Verantwortung zu tragen. Er mag es lieber bequem, möchte umsorgt werden, schwingt keine großen Reden und hat vor Allem körperliche Probleme. Die letztliche Unsauberkeit wurde besser, nachdem ich ihn ein paar Mal energetisch behandelte, um ihm seine Symptome zu nehmen. Benny ist heute schon ein wirklich alter Herr und über die Jahre stellte ich fest, dass sich eine gewisse Alterssenilität bei ihm einstellt. Er weiß manchmal nicht mehr so ganz, was er sagt oder warum er etwas tut. Manchmal bricht er das Tiergespräch auch ab, weil es ihm zu anstrengend ist. Bei Benny ist meine Arbeit also ein ganz andere, als bei Apollo. Es geht hierbei nicht darum, möglichst wichtige Tiergespräche zu führen, in denen es um bedeutungsschwangere Beziehungen geht, in denen wichtige Weisheiten des Tieres herübergebracht werden müssen, um den Menschen wieder auf den richtigen Weg zu führen. Bei Benny geht es um ganz „menschliche“ Alterswehwehchen. Und Bedürfnisse: Bitte ein paar beruhigende Homöopathika. Bitte den Katzenkloeingang tieferlegen, bitte mehr Platz um Umdrehen darin und bitte Behandlungen, das Kreuz schmerzt. Vor Kurzem dann fing Benny sogar an, Daniel auch im Schlaf zu stören. So wie Apollo damals. Ein kurzes Tiergespräch und ein paar Energiebehandlungen später bekam ich dann diese Rückmeldung von Silke:

Hallo liebe Catherin.
Benny geht es viel besser, er ist insgesamt sehr viel ruhiger und vor allem in der Nacht ist er sehr brav. Er kommt zwar, aber lange nicht so oft wie vor dem Gespräch und den Behandlungen. Daniel kann nun viel besser durchschlafen und Benny liegt daneben und schläft auch ruhiger und verhält sich sehr viel ruhiger.  Die homöopathischen Kügelchen vom Bilsenkraut bekommt er seit Sonntag. War kein Problem in der Apotheke. Ich habe die Hyoscyamus in der D6 Potenz und ich gebe ihm 4-5 Kügelchen mit seinen anderen Mittelchen in der Früh. Das ist sehr schön, dass Benny Deine Behandlungen gut angenommen hat und es genossen hat. Man sieht ja, dass sie ihm wirklich gut tun. Ich bin echt sehr froh und erleichtert.“

Ich finde es bemerkenswert, wie in einer Familie über die Jahre bei zwei Katern dieselben Problematiken aufgetaucht sind, die Gründe dafür aber völlig unterschiedlich sind. Immer, wenn mich ein Tierhalter um Rat bittet und eine Frage stellt wie „Was kann man bei Hautproblemen bei Hunden tun?“, muss ich mit den Schultern zucken. Jedes Tier ist individuell, genau wie wir. Jedes Tier hat seine eigene Geschichte, seine eigene Äußerungsweise und seine eigenen Symptome, die es aus eigenen Gründen zeigt. Es gibt keine Pauschallösungen. Es gibt nur das klärende Tiergespräch. Die Kunst darin ist es, immer wieder neu hinzuhören und nicht zu meinen, schon zu wissen, was die Lösung ist. Das Tier wird schon sagen, was es braucht oder wie es sich fühlt. Dann kann gemeinsam entschieden werden, wie es weitergeht. Manchmal reicht es schon, auszusprechen, was ist, um es sich auflösen zu lassen. Manchmal braucht es noch weitere Unterstützung. Ein Tiergespräch ist und bleibt eben nur das, was es ist: Ein Gespräch.

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Das Herdenbewusstsein

Kürzlich erschien ein Artikel mit der bahnbrechenden Neuigkeit, dass Dominanz im Pferdetraining nichts verloren hat. Dass es Untersuchungen gäbe, welche zeigen, dass die Pferd-Mensch Beziehung darunter eher leidet. Vielmehr sollte man diese Beziehung auf Verständnis, Klarheit und Ruhe aufbauen.

So froh ich über diese nun wissenschaftlich anerkannte Erkenntnis bin, so schade finde ich, dass dies erst jetzt publik wird. Und dass dennoch viele Menschen kaum verstehen, was damit überhaupt gemeint ist. Wie es denn bloß gehen soll, das Pferd eben nicht zu dominieren. Der Weg ist noch sehr weit für die breite Masse, zu verstehen, dass Tiere in menschlicher Obhut, in diesem Fall Pferde, tatsächlich den großen Wunsch nach einer echten Freundschaft zu uns haben. Sie möchten den Kontakt, sie möchten sich mitteilen, verstanden werden und gute Zeiten mit uns erleben.

Selbst in diesem Artikel gibt es wieder neue Beschränkungen des Pferdeverstandes. So seien sie nur dazu in der Lage, mit dem jeweiligen Gegenüber in Beziehung zu treten. Sie hätten kein Gruppenempfinden. Wüssten nichts über Hierarchien oder Herdenaufbau. Das stimmt so aber nicht. Natürlich wissen Pferde, wer welche Aufgabe in der Herde übernimmt. Sie haben ein Bewusstsein für die Gruppe. Es ist richtig, dass sie dabei nicht in stumpfen Hierarchien denken. Dennoch gibt es aber eine natürliche Aufgabenverteilung: Wer passt auf? Wer findet Futter? Wer findet Wege? Wer passt auf die Jüngeren auf? Wer observiert Neues? Wer schlichtet Streit? Und so weiter. Und natürlich erleben sie dadurch eine gewisse Sicherheit – oder eben Unsicherheit, wenn diese Aufgabenverteilung nicht stimmt, weil zum Beispiel niemand einen wichtigen Job ausführen kann. Natürlich haben sie ein Empfinden, ob eine Gruppe gut und harmonisch ist oder ob es eine unnütze Zweckgemeinschaft ist, die unfreiwillig zusammen steht. Das ist auch richtig so, denn sie müssen wissen, als wie sicher sie ihre Gruppe einschätzen können, um im Zweifelsfall lebenswichtige Aufgaben selbst zu übernehmen. Eine unsichere Herde wirkt sich erheblich auf die Psyche und damit auch auf das körperliche Empfinden des Pferdes aus, also auf das allgemeine Wohlsein.

Aus den jahrelangen Pferdegesprächen, die ich in meiner Tätigkeit als Tierkommunikatorin führen durfte, habe ich das immer wieder gelernt: Faktoren wie Grundversorgung sind zwar wichtig, aber weitaus häufiger sind die Gründe dafür, wenn ein Pferd sich nicht wohl fühlt, eben jene des Miteinanders. Nicht nur unter Pferden – auch und vor Allem unter und mit den Menschen.

Das bedeutet: Stimmt es nicht in der Menschenherde, kann es in der Pferdeherde kaum besser gehen. Unsere Haustiere sind so eng mit uns im Kontakt, dass sie natürlich wissen, ob man sich als Mensch dort im Stall überhaupt wohl fühlt. Pferde stehen im ständigen Kontakt mit ihrer Umwelt. Als äußerst soziale Tiere können sie gar nicht anders. Sie haben die Individuen ihrer Herde im Blick. Da wir mit ihnen umgehen, engen Kontakt zu ihnen pflegen, sogar körperlichen, gehören wir dazu. Sie wissen also, wie es den Mitgliedern ihrer Herde geht. Auch, wie es dem Pferd zwei Weiden weiter geht. Sie wissen um die Stimmung im Stall. Sie wissen vom Leistungsdruck des Pferdes auf dem Reitplatz gegenüber. Sie wissen, ob der Stallangestellte seine Arbeit gern macht und sich geschätzt dabei fühlt. Sie nehmen das alles wahr. Sie wissen am besten, wie es ihren Menschen und ihren engsten Pferdefreunden geht.

Ein Pferd kann noch so gute Grundbedingungen erhalten – genügend Auslauf, bestes Futter, gute Ruheplätze und so weiter. Wenn das Miteinander nicht stimmt und ein oder mehrere Individuen ihrer Herde (zwei- und mehrbeinige) nicht glücklich in ihrer Gruppe sind, leidet auch der Rest der Gruppe. Am meisten derjenige, der dem Unglücklichen am nächsten steht.

Der Mensch spielt hierbei eine viel größere Rolle, als er sich meist zugesteht. Wenn er eine liebevolle, freundschaftliche Beziehung zu seinem Pferd hat oder sie sich auch nur wünscht, ist es fast unmöglich, das Pferd glücklich zu machen, wenn er es selbst nicht ist. Ein Aufopfern bringt nichts als Ungleichgewicht in der Herde. Es gibt dann ein schwaches Glied. Das bedeutet Unsicherheit, diese wird das Pferd wahrnehmen und äußern. Seine Wege sind vielfältig. Ob es diese im direkten Kontakt mit seinem Menschen demonstriert, mit sich selbst ausmacht (psychisch oder physisch) oder an anderen Pferden auslässt, ist typabhängig. Ganz klar sind hierbei nicht nur stumpfe Überlebensinstinkte im Spiel, sondern ganz universelle Gefühle wie Empathie, Liebe, Fürsorge und Verbundenheit.

Meine beiden Pferde Milan und Mouna lehren mich diese Lektion immer wieder aufs Neue, auf immer anderen Ebenen. Mouna war mein erstes Pferd und als ich die Möglichkeit hatte, sie in Eigenregie zu halten, entschied ich, ihr einen Pferdefreund zu kaufen. Ich wollte nicht, dass sie jedes Mal aus einer Pferdefamilie gerissen wird, wenn ein Einsteller umzog. Also ließ ich sie mit aussuchen. Sie wollte gern einen Pferdemann und Milan kam zu uns. Seit dem Moment des Zusammentreffens bis heute sind die beiden eine Einheit, sie führen so etwas wie eine gute Ehe. Sie haben zu zweit, zu dritt, zu siebt, zu zwölft und zu acht gestanden. Immer in Herden mit Pferden jeden Alters, Geschlechts und unterschiedlichen Rassen. Immer blieben sie dabei dennoch ein Ehepaar. Beide sind relativ wichtige Individuen einer Herde, beide decken wichtige Aufgaben gut ab. Milan ist stark darin, eine Herde zusammen zu halten und dafür zu sorgen, dass die Mitglieder fair miteinander sind. Er überwacht Abläufe, die Einhaltung von Routinen und auch die Gesundheit der anderen. Er berichtet bei Krankheiten der anderen direkt an mich. Er erlaubt sich nur wenige Freundschaften in der Herde, meist nur einen Freund neben seiner Stute Mouna. Mouna ist ein wichtiges Bindeglied für alle und sorgt für Fellpflege, Futtersuche und Wohlbefinden. Sie hat viele Freunde, männliche und weibliche. Beide brauchen keine harten Maßnahmen wie Beißen, Schlagen oder Terrorisieren, um diese Aufgaben übernehmen zu können. Sie sind natürlich in ihrer Aufgabenausführung, decken sie gern ab. Sie respektieren auch andere, wichtige Pferde und lassen diesen ihre Aufgaben. Sie bringen relativ viel Sicherheit und Harmonie in eine Herde, wenn man sie lässt. Probleme bekommt vor Allem Milan, wenn eine Herde aus zu vielen abgestumpften Pferden besteht. Solche, die sich nicht einfügen wollen und sich abkapseln oder solche, die absichtlich stören.

Es gibt erschreckend viele Pferde, die ihre natürlichen Aufgaben gar nicht mehr wissen oder nicht mehr ausführen, weil sie sich aufgegeben haben. Dies kommt zustande, weil diese Pferde immer wieder oder ausschließlich unsichere Herden (zwei- und vierbeinige) erlebt haben. Die Ursachen sind vielfältig. Meistens liegen sie in nicht artgerechter Haltung mit zu wenigen, harmonischen Sozialkontakten zu Pferden und Menschen gleichermaßen. Ebenso häufig sind Besitzerwechsel oder zu herzloser Umgang von Menschenseite (zu frühe, zu leistungsorientierte Ausbildung) die Ursachen.

Ebenso aber bekommen meine Pferde Probleme, wenn die menschlichen Herdenmitglieder nicht stimmen. Wenn diese ihren Platz in der Gruppe nicht wissen, gegen die Gruppe arbeiten oder stören wollen. Meine Pferd wissen, dass die Menschen diejenigen sind, die entscheiden. Sie wissen, dass die Menschen um sie herum über ihre Grundbedürfnisse die absolute Macht haben. Genau deshalb ist es von bedeutsamer Wichtigkeit für sie, dass die Menschen sich ebenso harmonisch für die Herde benehmen, wie die pferdischen Mitglieder. Sie haben das Bedürfnis, mit ihnen gut zusammen zu arbeiten und ehrliche Beziehungen zu führen, um ein gutes Miteinander zu schaffen. Sie leiden darunter, wenn das nicht möglich ist und sie auf abgestumpfte Menschen treffen, die harte Maßnahmen wie Dominanz, Ignoranz, Terror oder sogar Gewalt innerhalb der Herde verbreiten. Auch, wenn diese nur innerhalb der zweibeinigen Herde passiert.

Auf Deutsch heißt das, dass das bestversorgteste Pferd, welches friedlich neben seinem Pferdekumpel auf der Weide Gras kaut, unglücklich sein wird, wenn es weiß, dass sein Mensch bei der Arbeit gemobbt wird. Manchmal ist die Verbindung aber auch schon viel eindeutiger.

Milan und Mouna mussten in den letzten 4 Jahren in verschiedenen Pensionsställen ihr Zuhause finden. Meinen eigenen Hof, auf dem sie sich kennen lernten, konnte ich nicht behalten. Sie lernten also verschiedenen Herden kennen. Mouna’s Wunsch blieb es seit dem ersten bis zum letzten Tag in diesen Ställen, immer gleichbleibend wichtig, mit mir wieder zusammen zu leben. Auch für mich war das natürlich ein Traum gewesen, meine Pferde bei mir zu haben. Aber ich hoffte, dass auch unter Obhut anderer Menschen meine Pferde glücklich sein konnten. Außerdem war ich sicher, dass es ihnen als Herdentiere nur gut tut, nicht nur zu zweit zu sein. Dass es wichtiger wäre, eine schöne Pferdegruppe um sich herum zu haben in einem für meine Bedürfnisse zumindest akzeptablen Stall. Dass wir dann alle einigermaßen glücklich sind. Die Rechnung ging nie ganz auf. Es hat sich als nahezu unmöglich erwiesen, einen Stall zu finden, deren Herdenharmonie (zwei- und vierbeinig!) so intakt war und dessen Bedingungen so gut waren, dass wir alle glücklich sein konnten.

Zuletzt hatten wir die Situation, einen von außen betrachtet wirklich idyllischen, tollen Stall gefunden zu haben. Nur acht Pferde in schönster Umgebung mit viel Auslauf und guter Grundversorgung. Die Herde hatte auf Pferdeseite zwei besonders wichtige Mitglieder. Einen Wallach, der als einziges Pferd die Nächte allein draußen verbrachte und alles im Auge hatte; und eine Stute, die prinzipiell unzufrieden war, aber deutlich zu dem Wallach gehörte. Milan bekam die Box neben ihr. Von Anfang an wurde er unentwegt von ihr angezickt, sogar durch die Abtrennung. Sie ließ prinzipiell ihren Frust an ihm aus. Noch am letzten Tag, als wir gingen, spritzte sie ihr Gift zu ihm herüber. Er ignorierte sie, nachdem er anfangs ein paar Schlichtungsversuche gestartet hatte. Mouna freundete sich zwar mit dem Wallach an, aber es war eher ein Dulden der beiden Pferdepaare auf beiden Seiten.

Der Stall wurde betrieben von einem älteren Ehepaar. Sie waren die wichtigen Mitglieder auf Menschenseite. Der Mann war immer dort, immer draußen am Stall unterwegs, hatte alles im Auge. Die Frau war prinzipiell unzufrieden, gehörte aber deutlich zu ihrem Mann und wollte wichtig sein, wenn sie sich zeigte, ohne tatsächliche Aufgaben zu übernehmen. Sie ließ mich von Anfang an spüren, völlig unbegründet, dass sie mich nicht mochte. Sie fand Gründe, mich zu maßregeln (Mouna sollte im Winter keine Decke tragen, ich sollte keine Haare in der Box lassen etc) und erfand Regeln, die nur für mich galten. Noch beim letzten Mal, dass ich sie sah, spritzte sie ihr Gift in meine Richtung. Ich ignorierte sie letztlich, nachdem ich es anfangs versucht hatte, ihr recht zu machen und zu schlichten. Mit dem Mann freundete ich mich zwar an, aber es war eher ein Dulden von uns allen gegenseitig.

Seit drei Wochen wohne ich nun endlich wieder mit allen Mitgliedern meiner Herde zusammen. Obwohl wir nur zwei Pferde sind, ein Hund und zwei Menschen, ist es wirklich unübersehbar, wie deutlich das allgemeine Wohlbefinden, das Sicherheitsgefühl von uns allen, angestiegen ist. Mouna ist quietschvergnügt, nickt, brummelt und wiehert mir bei jeder Gelegenheit zu, beglotzt mich von allen Seiten, wenn sie mich sieht. Sie kuschelt, sucht Nähe und lächelt unentwegt. Milan grunzt vor Freude, wenn er mich sieht, entspannt sich körperlich sichtlich, erlaubt sich direkte Kontaktaufnahme mit uns Menschen (dafür war er sich aufgrund seiner Vergangenheit oft zu stolz), berichtet mir von seinem Tag, fordert auf der Weide Kraulen am Bauch ein (früher ließ er sich dort prinzipiell nicht berühren, machte das Meiste lieber mit sich aus) und beide kommen auf Zuruf, selbst wenn sie nur eine Stunde auf dem heißgeliebten Gras stehen konnten. Beide sind im fremden Gelände völlig tiefenentspannt, selbst wenn ich sie einzeln raus nehme. Beim ersten Spaziergang mit meinen beiden Pferden an der Hand am Halfter, gingen wir zuerst an einer Fohlenweide vorbei mit heranlaufenden Stuten, dann an der Jährlingsweide mit sich erschreckenden Jungpferden, die davon bockten, dann an der Hengstweide, auf der ein Hengst alles gab. Meine beiden schauten nur kurz und gingen selbstverständlich und innerlich ruhig einfach so hinter mir her. Ohne, dass ich sie jemals darauf trainiert habe. Es ist so überdeutlich, wo sie hingehören, dass es mich jeden Tag fast zu Tränen rührt. Selbst ich, die mit Tieren spricht, hat sich gerade mal wieder ein fettes Brett vor dem Kopf abschrauben dürfen, um zu verstehen, wie innig die Beziehung zu meinen Pferden eigentlich ist. Und wie wichtig die Werte einer echten Freundschaft auch mit unseren Tieren sind: Liebe, Empathie, Fürsorge, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Authentizität, Verantwortung und vor Allem: Selbstverantwortung. Stark sein zu können für sich selbst, für sich selbst zu sorgen und sein Licht zum Strahlen zu bringen, damit sich die anderen darin sonnen können. Denn eine Gruppe ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Mitglied.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen im Pferdeflüsterer Basiskurs

–> Mit deinem Pferd sprechen lassen

–> Equivolution, die Revolution der Pferdehaltung

_2Milan und Mouna in unserem neuen Zuhause

Interview für die Uni Hamburg

Eine Studentin der Journalistik und Kommunikationswissenschaft von der Universität Hamburg hat mich gebeten, Teil ihres Projektes zu sein und einige Fragen zu beantworten. Es ist eine schöne Sammlung von FAQs geworden. Im Gegenzug darf ich diese hier veröffentlichen:

– Tierkommunikation – Was kann man sich darunter denn überhaupt vorstellen?

Tierkommunikation ist nicht etwa jegliche Kommunikation mit Tieren, sondern der rein telepathische Austausch, über egal welche Distanz. Es geht also um Gedankenübertragung. Es ist hierbei irrelevant, ob ich das Tier direkt vor mir habe oder es sich in einem anderen Land aufhält. Der Kontakt ist immer gleich gut. Gedanken bedeutet: Alles, was ich mir sinnlich vorstellen kann. Also Bilder, Filmszenen, Geruch, Geschmack, Geräusche. Auch Sprache kann übermittelt werden. Nicht etwa, weil ein Tier Deutsch oder eine andere, menschliche Sprache könnte. Sondern weil mein Gehirn darauf trainiert ist, auf Sprache zu denken. Botschaften, die von den Tieren kommen, werden also von meinem Kopf manchmal direkt und von mir unbewusst in ganze Sätze übersetzt. Ein Tiergespräch fühlt sich in etwa wie ein Tagtraum an oder wie eine gute Geschichte, die man liest.

– Wie haben Sie gemerkt, dass Sie dieses Talent haben? Beschreiben Sie gerne eine konkrete Situation, in der Ihnen Ihr Talent erstmals aufgefallen ist.

Es ist kein Talent, keine Gabe. Jeder hat diesen Sinn, nur ist er in unserer Gesellschaft verkümmert, weil uns beigebracht wird, dass es so etwas nicht gibt. Das Gefühl, Tiere verstehen zu können, habe ich schon, seitdem ich denken kann. Mit 4 Jahren verloren mich meine Eltern im Urlaub in der Heide. Mein Vater fand mich auf der Weide bei dem Pony, welches ich kennen gelernt hatte. Ich schlief zwischen seinen Beinen. Botschaften der Tiere aber tatsächlich ganz bewusst zu übersetzen, sie bewusst zu empfangen und zu äußern, das habe ich selbst erst in einem Kurs gelernt. Ich war damals Zootierpflegerin und wollte wissen, was dahinter steckt. Ich konnte es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das tatsächlich funktioniert – so gut funktioniert. Im Kurs dann war schnell klar: Ich kann das. Und zwar richtig gut.

– Beschreiben Sie Ihre nächsten Schritte, nachdem Sie auf ihr Talent aufmerksam geworden waren: Wie lief Ihr Weg von der Tierpflegerin zur Tierkommunikatorin ab?

Dies war ein recht steiniger Weg. Als Tierpfleger braucht man einen gewissen Grad der Abstumpfung den Tieren gegenüber. Jeder Tierpfleger wählt seinen Beruf aus Tierliebe. Jeder Tierpfleger lernt, diese auf ein bestimmtes Level zu unterdrücken, um in dem Beruf bestehen zu können. Als Zootierpfleger hatte ich regelmäßig mit der Schlachtung und Zubereitung von Futtertieren aus den eigenen Zuchten zu tun. Kranken Tieren wird in Zoos nur so weit geholfen, wie es wirtschaftlich angebracht ist für den Betrieb. Als ich also lernte, mit Tieren zu sprechen, kam ich ganz schnell ins Bedrängnis. Auf einmal hörte ich die Wünsche der Tiere in meinem Revier. Ich war Revierleiterin und hatte doch die Verantwortung darüber, diesen Tieren das Leben bestmöglich zu gestalten. Aber weder konnte ich der winzigen Eulenart ihre Insekten fangen, anstatt ihnen zerschnittene Mäuse zu servieren, noch konnte ich den Hirschen helfen, die auf zu engem Raum miteinander leben und somit viel kämpfen mussten, bis hin und wieder einer starb. Als ich mit ein paar Kaninchen, die Futtertiere werden sollten, in den Wald fuhr, um mich vorher bei ihnen zu entschuldigen für das, was nun folgen würde, war mir klar: So kann ich nicht mehr arbeiten. Meine Abstumpfung war rückgängig gemacht worden und meine Wahrnehmung der Tiere um ein Vielfachses intensiviert. Ich kündigte. Innerhalb eines Jahres ging es mir ähnlich in einem weiteren Job als Pferdewirtin und in einem Job als Fimtiertrainerin. Ich musste feststellen, dass in allen Bereichen, in denen mit Tieren Geld verdient wird, das Tierwohl nicht an erster Stelle steht. Nicht mal an zweiter. Ich kündigte beide Jobs kurz hintereinander und machte mich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig. An dem Zeitpunkt hatte ich die Ausbildung zum Tierkommunikator abgeschlossen.

– Was passiert genau, wenn Sie telepathisch mit einem Tier kommunizieren? Wie kommt der Kontakt zwischen Ihnen und dem Tier zustande?

Es ist so simpel, dass es die Anfänger in meinen Kursen immer wieder verblüfft. Es reicht, ein Tier mal auf einem Foto gesehen zu haben. Das Foto muss nicht sehr aktuell sein, ein Gesicht darauf genügt. Dann schließt man die Augen, stellt sich das Tier vor und spricht es gedanklich einfach an. Das war es schon. Ich muss mich weder sonderlich dafür konzentrieren, noch muss ich besonders gut im Abschalten meiner Gedanken oder in innerer Ruhe sein. Die Teilnehmer meiner Kurse sind eigentlich immer aufgeregt, skeptisch oder ängstlich, aber sie schaffen es alle. Dann gibt es ein paar Minuten Stille und man führt dieses Tiergespräch im Kopf. Wie gesagt kommen einem dabei Bilder, Emotionen, Geräusche, Sätze, Gerüche, Körperempfindungen. Machmal weiß man dann auf einmal auch, was das Tier sagen will, ohne es bewusst gehört zu haben. Alles passiert sehr subtil und schnell, anfangs ist es eine kleine Herausforderung, alles zu ordnen und zu bemerken, dass man da wirklich eine Botschaft bekommen hat und es sich nicht nur einbildet. Um zu lernen, dass es tatsächlich einen Kontakt zum Tier gab, ist das Feedback des Besitzers zu allen Einzelheiten anfangs sehr wichtig.

– Welche Geschichten erzählen Tiere? Erinnern Sie sich an eine Geschichte, die sie besonders berührt hat?

Es sind unzählige und viele habe ich schon erzählt. Eigentlich sind fast alle Tiergespräche, die ich wöchentlich führe, erzählenswert. Die Informationen aus den Tiergesprächen haben mein Weltbild komplett verändert. Mir geht es sehr viel besser in meinem Leben, seitdem ich diesen Beruf ausübe. Ich lerne täglich von den Tieren. Es gibt natürlich viele Geschichten, die einen besonders verzücken. Wenn Tiere Mitgefühl zeigen zum Beispiel. Aber was mich besonders fasziniert hat, war diese Begebenheit. Ich zitiere mal aus meinem Blog:

„In den über hundert Kursen, die ich im Laufe meiner Arbeit als Tierkommunikatoin gegeben habe, hatten erst 2 Teilnehmer Fotos ihrer Fische dabei, damit wir mit ihnen sprechen. Beide Male gab es kuriose Erlebnisse:

Vor ca. 5 Jahren hatte eine Kursteilnehmerin Fotos von 2 Karpfen aus dem Gartenteich dabei. Einem größeren und einem kleineren. Die Tiere waren da bereits an die 20 Jahre alt. Alle sprachen mit dem größeren, eine Frau fragte nach seinem Namen und genierte sich sehr, als sie den dann preisgab: „Fridolin!“. Alle lachten. Die Besitzerin des Fisches sagte: „Das stimmt. Früher wohnten meine Eltern in diesem Haus, das ist 7 Jahre her. Mein Vater nannte den großen Fisch immer Fridolin.“

Vor ein paar Wochen hatte ein Kursteilnehmer ein Foto seines Aquariumwelses im Tierkommunikation Basiskurs dabei. Zur Einstimmung erzählte ich die obige Geschichte. Dann kam der Wels an die Reihe, mit allen zu sprechen. Eine Teilnehmerin hörte einen Namen vom Fisch. „Willibald!“, auch sie genierte sich. Sie wusste bereits, dass der Fisch anders hieß. Der Besitzer sagte dazu: „So heißt mein Vater! Er und ich sitzen oft vor dem Aquarium, fachsimpeln über die Fische und beobachten sie. Wir sind beide passionierte Aquarienliebhaber.“

Als Zusatzinfo: Es ist selten, dass im Tierkommunikation Basiskurs Namen verstanden werden. Die Teilnehmer sollen das mitnehmen, was kommt, bekommen keine Fragen vorgelegt. Es haben nicht 10 Leute Namen herausgefunden und davon passte zufällig einer. Es waren nur diese beiden Personen, die im Tiergespräch Namen im Zusammenhang mit den Fischen hörten und dann waren es noch solch absurde Namen. Und sie hatten beide einen Sinn.

Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass auch ich immer wieder überrascht werde. Was die Tiere erzählen, eröffnet mir immer wieder neue Dimensionen des Lebens. Was es bedeutet, dass ein Fisch über 7 Jahre einen Namen erinnert, den ihm sein alter Besitzer mal gab, ist dimensionserweiternd. Mir fällt kein besseres Wort dafür ein.“

– Kommunizieren sie immer (unterbewusst) mit Tieren (beispielsweise auf der Straße, vor dem Supermarkt) oder nur dann, wenn Sie es wirklich wollen?

Ich bin nur dann „online“, wenn ich es will. Ich spreche nur mit Tieren, deren Besitzer mich beauftragt haben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen wäre es für mich unglaublich anstrengend, von jedem Tier einfach angequatscht zu werden. Ich möchte auch nicht, dass jeder Mensch mir seine Lebensgeschichte erzählt. Da die Telepathie auch noch über Distanz funktioniert, könnten theoretisch alle Tiere, die ich jemals gesprochen habe, mich jederzeit „anrufen“. Das sind Tausende. Ein anderer Grund ist die Privatsphäre. Ich würde auch kein Kind auf der Straße ansprechen und fragen: „Na, wie geht’s denn so Zuhause?“, genau so wenig mache ich es bei Tieren. Ich kann mich bewusst entscheiden, ob ich in den Kontakt treten möchte oder nicht. Bei Wildtieren mache ich es, wenn ich das Gefühl habe, das Tier hat Lust darauf. Mit meinen eigenen Tieren habe ich quasi eine Standleitung und manche meiner Freundestiere können sich auch bei mir melden, wenn sie möchten.

– Nehmen Freunde und Bekannte Ihren Beruf an oder erleben Sie, dass die Gesellschaft skeptisch ist?

Generell hat bisher noch fast jeder mich mit Respekt behandelt, wenn ich von meinem Beruf erzähle. Die meisten sind fasziniert und wollen dann immer mehr wissen. Manchmal bin ich froh, wenn jemand gar nicht so weit nachfragt, weil jede Antwort eigentlich eine weitere Frage aufwirft und es manchen dann irgendwann unheimlich wird. So im Alltag bin ich also oft froh, wenn ich nicht gerade im Arbeitsmodus bin, wenn ich auf die Nachfrage: „Ah, ist das sowas wie der Pferdeflüsterer?“ ich sagen kann: „Ja, genau!“ und man dann ein „Ah, verstehe!“ entgegenet und es damit gut sein lässt.

Noch vor 9 Jahren war die Tierkommunikation deutlich unbekannter, als heute. Das stelle ich schon fest. Mittlerweile haben die meisten Tierbesitzer schon mal etwas davon gehört, es ausprobiert oder kennen jemanden, der es gemacht hat. Skeptiker sind natürlich immernoch dabei und das ist auch gut so, ich selbst war sehr skeptisch. Skepsis bedeutet, etwas zu hinterfragen und auf Fragen Antworten zu finden, lehrt einem etwas besonders gut.

– Was möchten Sie Skeptikern raten / sagen?

Es ist verständlich, skeptisch zu sein. Ich kann noch so viel darüber erzählen, am Ende muss man sich selbst davon überzeugen. Am besten, indem man es nicht nur ausprobieren lässt, sondern es selbst macht. Skeptiker überzeugt nichts so sehr, wie in einem Kurs selbst von einem völlig fremden Tier Informationen zu erhalten, die sie sich beim besten Willen nicht aus der Nase ziehen konnten.

– Wo finden die Kurse statt? Beschreiben Sie gerne den Raum, das Haus, den Garten und so weiter. Eine Adresse brauche ich natürlich nicht. Ich möchte einfach das Umfeld, in dem Sie „unterrichten“ beschreiben können. Gerne auch detailliert.

Ich habe ein kleines „Hexenhaus“ gemietet in Hamburg-Blankenese. Es hat nur ca. 50 qm und liegt in zweiter Reihe, ganz versteckt. Es ist hoch eingezäunt und freistehend, mit einem Garten, der eine grüne Oase ist. Ich überlasse den Garten viel sich selbst und mache nur das Nötigste. Es gibt ein paar Rosen, einen wilden Rasen und Büsche. Ein dicker Stein liegt auf dem Rasen, er ist die perfekte Rückenlehne für mich bei Kursen, die draußen stattfinden können. Dort ist es ruhig und geschützt. Es gibt zwei Terassentüren und ein großes Fenster im Kursraum, so dass viel Licht herein kommt und man sich immer ein wenig wie im Wintergarten vorkommt. Es gibt ein Sofa und Stühle, so dass bis zu 10 Leute im Kreis sitzen können. Der Boden ist Holz. Es gibt eine große Terasse mit Kamin. Die Küche ist alt, gelb und winzig, das Bad ist ein Witz, das Schlafzimmer hat eben gerade so Platz für ein Bett. Dieses Haus ist unglaublich schön, hat eine wahnsinnig gute Energie, die Teilnehmer sind regelmäßig begeistert. Bis vor Kurzem habe ich dort auch gewohnt, mittlerweile ist es nurnoch für meine Kurse – ich vermisse es täglich!

– Wie viele Teilnehmer kommen zu Kursen?

Die Kurse haben mindestens 6, maximal 10 Teilnehmer.

– Wie läuft ein Kurs ab?

Das kommt darauf an, was für einen Kurs ich gebe. Der Tierkommunikation Basiskurs läuft so ab, dass wir eine kurze Vorstellungsrunde machen, ich den Menschen ca. 20 Minuten lang eine kleine Einführungsrede halte, in der sie das Wichtigste zur Praxis vermittelt bekommen, dann geht es auch schon mit dem ersten Tiergespräch los. Wir sprechen mit meiner Stute, sie ist geübt darin, den Menschen die Tierkommunikation zu zeigen. Alle wissen vorher nur den Namen, das Alter und wie lange das Tier bei seinem Menschen lebt. Ich gebe keine Fragen vor. Ich spreche eine kleine, beruhigende Meditation, alle haben die Augen geschlossen und dann gibt es ca. 5 Minuten Stille. Danach schreiben alle auf, welche Eindrücke sie hatten. Dann werden die Ergebnisse vorgelesen und erst, wenn alle sich geäußert haben, gibt der Besitzer das Feedback detalliert zu allen Aussagen. So machen wir es mit jeweils einem Tier von jedem Teilnehmer. Wir sprechen immer in der großen Gruppe alle gleichzeitig mit dem Tier. Das ist für die Tiere überhaupt kein Problem und nicht vergleichbar mit dem, wenn einem verbal 10 Menschen gleichzeitig ins Ohr quasseln würden. Das heißt, am Ende des zweitägigen Kurses haben wir mit mindestens 7, höchstens 11 Tieren gesprochen. Jeder wird gelernt haben, dass seine Treffer keine Zufälle waren und dass die anderen auch mit genau diesem Tier gesprochen haben. Sie werden gelernt haben, dass sie sich das nicht einbilden, sondern tatsächlich, ohne das Tier jemals live gesehen zu haben, ohne etwas abgeleitet haben zu können, sie mit ihm sprechen konnten.

Ich liebe meinen Job!

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–> Tierkommunikation direkt am Pferd

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Flora, das kleine Wunder

Vor einem halben Jahr sprach ich mit einer Eselin und ihrem blutjungen Fohlen Flora. Die Kleine wurde von einem Artgenossen übel zugerichtet und kam als absoluter Notfall in eine Pferdeklinik. Man bat mich um Hilfe, als sie bereits in der Klinik war. Sie hatte eine große Wunde am Hals, verlor ein Auge und ein Gelenk am Vorderbein entzündete sich stark aufgrund der im Körper wütenden Bakterien. Der Knochen zersetzte sich bereits massiv. Sie lag da, stand tagelang nicht auf und im Ärzteteam war man sicher, dass sie es nicht schaffen würde, dass ihr Leben nicht lebenswert wäre mit diesem Bein. Man hätte Knochenteile aus dem Gelenk gespült. So würde es nie gehen, das Gelenk würde versteifen und es dem Esel unmöglich machen, zu gehen.

Die Klinik gab das Fohlen auf und weigerte sich, das Tier weiter zu behandeln, bestand auf Einschläferung. Es wäre Tierquälerei, sie am Leben zu erhalten. Ich sprach mit ihr. Sie sagte, dass sie zwar schwach sei und Hilfe brauchte, um all die giftigen Stoffe aus dem Körper zu bekommen, aber dass sie leben wolle. Und dass sie nach Hause wollte, um Frieden zu finden. Von Anfang an hatte dieses Eselfohlen eine unglaublich liebliche, unaufgeregte, friedliche Art, mit der Situation umzugehen. An keinem Punkt wehrte sie sich gegen ihr Schicksal. Sie blieb immer bei sich, war schwach, dennoch stark. Sie kämpfte nicht, sie ließ es geschehen, ungebrochen und von der Dramatik unbeeindruckt. Sie fand, dass sie auch mit einem sich versteifenden Vorderbein, mit nur einem Auge leben könnte. Und wenn sie einschlafen würde, um nie wieder aufzuwachen, wäre das auch völlig in Ordnung für sie. Sie war einfach ein Schatz, voller Liebe und Akzeptanz.

Glücklicherweise tut ihre Besitzerin alles für die kleine Eselstute, so dass sie nach Hause durfte. Ein ganzes Team kümmerte sich um Flora. Ich betreute sie nach mehreren Tiergesprächen mit ihr und der Mutterstute mit täglichen Energiebehandlungen, um sie stabil zu bekommen. Die Menschen drum herum stritten sich um Sinn und Verstand, doch die kleine Eselin nahm ihre Zeit. Schon am ersten Tag Zuhause stand sie auf, trank bei der Mutter und aß ein bisschen mit. Sie lief tapfer, dann entzündete sich auch das andere Bein. Die Angst war groß, dass auch dieses Bein im Knochen angegriffen war. Ich behandelte weiter, sie nahm jeden Tag dankbar und intensiv die Energiebehandlungen an. Ein neuer Tierarzt kam dazu, er fertigte 10 Tagen nach den ersten Aufnahmen mehrere Röntgenaufnahmen an und, oh Wunder, es war kein Knochenfraß mehr vorhanden. Weder am neu entzündeten Bein, noch am anderen. Sie war über den Berg.

Ich weiß nicht, ob einfach ein medizinischer Irrtum vorliegt. Ob die ursprünglich so eindeutigen Bilder aus der Klinik einfach falsch interpretiert waren und das Knochenteil gar kein Knochen ist. Oder ob die Energieheilung wieder einmal das geschafft hat, was sie ausmacht: Die Gesetze der klassischen Wissenschaft ignorierend kleine Wunder vollbringen. Heute, ein halbes Jahr später, lebt Flora wie ein völlig normaler Esel mit ganz normal funktionierenden Gelenken mit ihrem neuen Freund und ihrer Mutter in einer kleinen Herde. Sie ist immernoch diese süße, unfassbar starke Persönlichkeit, die das Leben nimmt, wie es ist. Viele Menschen sind dank ihr gewachsen; mich eingeschlossen. Es wurden unzählige Gespräche über sie geführt und sie ist jetzt schon eine kleine Legende.

Im Falle von dieser wunderbaren, kleinen, lieblichen Eselstute kann ich nur sagen: Danke, dass es Menschen gibt, die auf ihre Tiere hören. Ich bin sicher, dass diese Eselin noch ihr ganzes Leben eine Lehrerin sein wird für jene, die dem Leben nicht vertrauen. Sie ist pure Liebe.

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–> Mit dem eigenen Tier sprechen lassen

–> Energiebehandlungen für Mensch und Tier

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Individuelle Bedürfnisse der Pferde

(oder: Braucht mein Pferd eine Decke?)

Die Pferdewelt kennt viele Experten. Jeder scheint zu allen erdenklichen Themen, die das Pferd betreffen, etwas zu sagen haben. Die Meinungen der Experten basieren dabei bestenfalls auf Fachwissen, Erfahrung und Überzeugung. Wenige kommen auf die Idee, dass Pferde so individuell sind, wie Menschen. Dass auch Pferde ganz eigene Bedürfnisse haben können, die stark von denen der Artgenossen abweichen können. Dass man die Pferde fragen kann und für eine Antwort nicht zwingend ein Pferdeflüsterer sein muss. Auf die Frage: „Braucht mein Pferd eine Decke / ein Gebiss / eine Box / Hufeisen?“ gibt es niemals eine generelle Antwort, die für jedes Pferd gilt.

Natürlich sind bestimmte Fakten wichtig als Grundlage jeglicher Entscheidungen bzgl. Pferden. Ein Pferd ist ein klares Herdentier und braucht Kontakt zu seinen Artgenossen. Es braucht ebenso ein Mindestmaß an freiem Auslauf, Rau- und Mineralfutter sowie die Möglichkeit, angemessen zu ruhen. (Lies dazu: Mindestbedingungen für Pferde). Darüber hinaus scheiden sich die individuellen Bedürfnisse jedoch schneller, als man annehmen mag. Ein Pferd wird heute leider immernoch von der breiten Reitermasse als recht dummes, befehlsempfangendes und ausschließlich instinktorientiertes Tier angesehen. Dass ihr Pferd individuell und sehr deutlich mit ihnen kommuniziert, ist den meisten Leuten schlichtweg aberzogen worden, als sie den Umgang mit Pferden lernten.

Es gibt Pferde, die hassen Decken. Denen ist eh warm. Falls sie nicht gerade krank sind, machen ihnen Kälte, Nässe und Wind nichts aus. Mein Wallach Milan ist so einer. Er hält ziemlich viel auf sich und er ist tatsächlich ein ganzer Kerl. Er ist von Natur aus sehr robust, hat nie etwas, ist auch ein Dickkopf mit viel Charme. Er steht zu seinem Wort und braucht vor Allem Zuverlässigkeit. Er hat einen schweren Knochenbau und geht eher mit dem Kopf durch die Wand, als sich vor etwas zu drücken. Er schmeißt sich in die dreckigste, nasseste Stelle, um sich zu wälzen und wälzt sich eigentlich immer, wenn er raus kommt. Er hält nicht viel von Decken und ist etwas in seiner Würde gekränkt, wenn er eine tragen muss. Ich decke ihn nur ein, wenn es wirklich tagelang durch regnet oder es so klirrend kalt und dabei feucht oder windig ist, dass er murrend zustimmt, dass eine Decke wohl doch ganz gut wäre. Das sind vielleicht 4 Tage im Jahr.
Dann gibt es noch die Pferdetypen, die von Natur aus empfindlich sind. Wie meine Stute Mouna. Sie ist eigentlich ein robust aussehendes, im Wildtyp stehendes Kleinpferd. Doch als ich sie bekam, wurde sie regelrecht panisch, wenn sie in Nässe ohne Decke stehen musste. Sie begann zu zittern und aufgeregt umherzulaufen. Sie hat mittlerweile 5 verschiedene Decken. Diesen Winter habe ich versucht, sie daran zu gewöhnen, besser ohne Decke auszukommen. Ihr wuchs ordentliches Winterfell, sie steht in gutem Futter. Und trotzdem bittet sie mich darum. Also bekommt sie eine Decke auf. Sie hat keinen sehr guten Stoffwechsel, ihr Hufe neigen zu Brüchigkeit, ihr Fell ist stumpfer und ihre Haut neigt zu Ekzemen und Allergien. Trotz allen erdenklichen Behandlungen diesbezüglich ist und bleibt sie ein empfindliches Pferd, welches ihre Decken braucht. Sie fühlt sich damit geborgener, sicherer und wohler. (Wer wissenschaftliche Erkenntnisse zum Deckenthema lesen möchte: Deckenstudie)

Ebenso braucht Mouna ihre Hufeisen, weil sie damit einfach weniger Schmerzen beim Laufen hat. Ohne Eisen geht es ihr schlechter. Anfangs war ich eine überzeigte Barhuf-Anhängerin, weil die rein faktischen Argumente gegen Eisen sehr überzeugend sind. Sie ging jahrelang ohne, hatte die besten Huforthopäden, keinerlei Fehlstellungen. Sie bekam trotzdem immer wieder Hufgeschwüre, durch Prellungen der Hufsohle verursacht, und lief festgehalten. Irgendwann ließ ich sie beschlagen, auf allen Vieren. Seitdem läuft sie entspannter, fröhlicher, trittfester. Wir hatten nie wieder Probleme mit Hufgeschwüren, sie ist damit ein glücklicheres Pferd. Milan brauchte widerum keine Eisen, bekam aber trotzdem welche, weil er gern welche wollte. Er lief ca. 2 Jahre damit und fand es gut, es gab keinerlei Probleme. Bemerkbar machte sich der Vorteil daran für ihn eigentlich aber nur auf hartem Untergrund mit spitzen Steinchen darauf. Den mied er ohne Eisen, mit Eisen lief er problemlos drüber. Mittlerweile hat er keine Eisen mehr, weil wir in einem Gebiet reiten, wo hauptsächlich Sandwege sind. Auch ohne Eisen läuft er gut und er findet es in Ordnung so. Er hat unglaublich harte, gute Hufe. Bei ihm sind die Hufeisen eine reine Luxusentscheidung.

Milan liebt seine Box. Er ist ein Pferd, welches ranghoch ist, meist übernimmt er die männliche Leitung einer Herde, gerade teilt er sie sich mit einem Kumpel. Er macht sich viele Gedanken um den Herdenzusammenhalt, um die einzelnen Aufgaben der Pferde und um seine Stute. Er ist ein sehr bemühtes Pferd und ist dankbar, wenn er seinen eigenen Bereich haben kann, in dem er einfach mal abschalten, ruhen und fressen darf. Er weiß das zu schätzen und steuert schnurstraks seine Box an, wenn man ihn rein lässt. Mouna hingegen ist ein sehr freiheitsliebendes Pferd. Sie braucht es, weit sehen zu können. Sie braucht den ständigen Kontakt zu den anderen, um sich wohl zu fühlen. Sie kann auch draußen gut abschalten und ruhen. Auch sie ist recht ranghoch. In einer Box arrangiert sie sich zwar, sie geht auch freiwillig hinein. Generell hat sie aber ein beengtes Gefühl darin und bekommt auch körperliche Probleme, wenn sie nicht mehr als 6 Stunden Auslauf bekommt.

So könnte ich noch endlos weiter erzählen über Gebisse, Reitgewohnheiten, Ansprüche an den Menschenkontakt und so weiter. Den meisten von uns ist es abhanden gekommen, wahrzunehmen, was die Bedürfnisse unserer Pferde sind. Wo wir unser ach-so-wichtiges Fachwissen mal eben hintenan stellen oder in Frage stellen dürfen. Wann wir anfangen, unserem Pferd ins Gesicht zu blicken, um zu bemerken, ob es überhaupt gerade einverstanden ist mit dem, was wir ihm antun. Es ist viel einfacher, als wir meinen. Wirf deine Überzeugungen mal über Bord, nimm dir Zeit, dein Pferd einfach mal zu wahrzunehmen. Ohne etwas zu tun. Und hör auf das, was dir dann in den Sinn kommt.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

–> Dein Pferd sprechen lassen

 

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Milan, glücklich ohne Decke.

Der noble Hund

Vor einigen Monaten sprach ich mit einem Hund. Azaan, ein 50kg schwerer, äußerst liebevoller, aber innerlich wie äußerlich starker, etwas älterer Rüde. Er zeigte sich mir als überaus freundlich, von Natur aus souverän und fürsorglich gegenüber jedem Wesen. Die Besitzerin hatte mich kontaktiert, weil dieser wunderbare Hund einfach nicht mehr mit ihr spazieren gehen wollte. Mit ihrem Mann ging er aus, aber mit Gaby drehte er sofort wieder um und weigerte sich stets. Vor einem Jahr hatten die beiden einen Unfall, bei dem die Dame sich kompliziert die Hand brach, weil sie fiel, als ihr Hund von einem anderen angegriffen wurde. Seitdem weigerte sich Azaan. Als ich ihn darauf ansprach, erklärte er mir, dass er Angst um sie habe. Angst, dass es wieder passiert – es war doch seine Schuld gewesen. Die Frau sagte, dass sei nicht ganz richtig, denn der fremde Hund war auf ihrem Grundstück ohne Leine gewesen und habe die beiden von hinten überrascht. Ich verbrachte also eine Stunde damit, diesem noblen Tier immer wieder zu versichern, dass er nichts falsch gemacht hatte. Dass es richtig gewesen war, den anderen Hund zu maßregeln und somit sein Frauchen zu beschützen. Dass Gaby dabei nunmal gestürzt sei, aber nicht seinetwegen. Dass Unfälle passieren und er nichts anderes hätte machen können. Ich erklärte ihm auch, dass sein Mensch es nun äußerst schade fand, dass sie nicht mehr mit ihm spazieren gehen konnte. Ich fragte Azaan, ob er ihr nicht vertrauen würde, ihn zu führen und er entgegnete, dass sie alles richtig machen würde. Es läge nicht an ihr, er würde es sich einfach so übel nehmen und würde sich nicht verzeihen können, wenn wieder etwas passieren würde.

Also gab ich diesem großen, schönen und weisen Hund immer wieder den Hinweis, dass das Leben einfach passiert. Dass er so etwas nicht verhindern kann, aber er sich und ihr einen sehr großen Teil an Lebensfreude nimmt, wenn er die Ausflüge verhindert. Dass er ihr nur noch mehr Kummer damit bereitet. Dann munterte ich ihn auf, sich wieder zu trauen, mit ihr raus zu gehen und etwas zu erleben. Ich gab alles an Zuversicht und Ermutigung, was ich hatte.

Ein paar Wochen später meldete sich Gaby wieder und berichtete, dass Azaan wieder mit ihr spazieren geht. Allerdings nur nachts. Da fühlte er sich sicherer, weil niemand unterwegs war. Die beiden hatten in den allerfrühesten Morgenstunden schon einstündige Runden absolviert. Diese Frau hat ihrem Hund Zeit gelassen, als es nicht sofort nach dem Tiergespräch besser wurde. Sie hat ihm vertraut, gut zugeredet und gewartet. Er musste mit sich ringen, bis er sich schlussendlich dazu bewegen konnte, wieder schöne Ausflüge mit ihr zu unternehmen. Erst blieb es bei den nächtlichen Ausflügen, Gaby war überglücklich, wenn sie nach einer durchgearbeiteten Nacht dann noch mit ihrem Hund gehen durfte. Er zeigte ihr dann, wenn er bereit war. Ich ermutigte beide erneut und sagte ihr, dass sie alles genau richtig so macht. Ich war begeistert, wie verständnisvoll diese Frau zu diesem noblen Hund war. Beide sind voller Liebe füreinander.

Heute erreichte mich eine weitere Email von der Dame: „Die Nachtspaziergänge haben sich mehrmals wiederholt und wurden eine Zeitlang fast zur Regel. Er gibt ja dann immer vor, wo er laufen will. Auch am Tag ist er mehrmals mit mir gegangen. Am vergangenen Sonntag waren wir 3 Stunden und 10 Minuten unterwegs. Da es ein schöner Tag war und sonntags immer viel mehr Leute unterwegs sind, war ich schon etwas angespannt wegen Begegnungen mit anderen Rüden. Es war sehr schön mit ihm. Zwischendurch war er – wie gewohnt – sehr eigenwillig und ist einfach einen Weg gelaufen, den wir beim Aufstieg nicht begangen hatten. Es war einfach nicht möglich, ihn davon abzubringen, und seine 50 kg konnte ich nicht zu einer Richtungsänderung bewegen. Kurzfristig hatten wir uns dann sozusagen verlaufen wegen der vielen Abzweigungswege, aber letztlich hatte er recht behalten und wir kamen wieder auf den Hauptweg. Seit bei uns die große Hitze endlich vorüber ist, ist er noch viel aktiver geworden. Er will immer weiter laufen und laufen.“

Mir kamen fast die Tränen angesichts dieser Worte. Diese beiden sind das beste Beispiel für gegenseitiges Vertrauen, Geduld und unendliche Liebe füreinander.

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

–> Mit dem eigenen Tier sprechen lassen

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Intelligente Tiere

„Schweine sind sehr intelligente Tiere…“ hört man oft. Oder „Hühner sind überraschend intelligent…“ oder „Hätten Sie gedacht, dass ein Vogel so intelligent ist?“.

Einerseits freue ich mich, dass den Tieren damit mehr Respekt gezollt wird. Ich weiß es zu schätzen, dass die Aufmerksamkeit auf die Komplexität einer Tierpersönlichkeit gelenkt wird. Dass Menschen verstehen lernen, dass auch ein Huhn Freundschaften hat, im Austausch mit seiner Umwelt steht und weiß, was ein Mensch von ihm will. Andererseits macht es mich auch immer ein bisschen traurig, so etwas zu hören. Denn ja, natürlich sind sie das! Allesamt. Es ist wirklich kein Bisschen verblüffend, dass Tiere dazu in der Lage sind, zu verstehen, zu lernen, zu schlussfolgern und Beziehungen einzugehen. Es ist aber im Gegenzug sehr, sehr traurig, dass wir erst jetzt darauf kommen. Erst jetzt bemerken, dass all diese vermeintlich menschlichen Züge doch gar nicht so menschlich sind, sondern universelle Fähigkeiten von Wesen sind, die in Austausch treten mit ihrer Umwelt. Und das tun sie, alle von ihnen. Sogar die Pflanzen. Aber bleiben wir bei den Tieren.

Es stimmt mich so traurig, weil auch ich noch in einer Welt aufgewachsen bin, in der uns beigebracht wurde, dass Tiere nicht dazu in der Lage sind, so komplex zu fühlen und zu denken, wie wir. Und sie ergo weniger wert seien. Dass sie deshalb weniger Rechte haben und man sie benutzen kann wie Gegenstände. Wir benutzen und vergewaltigen konsequent unser Umfeld. Nehmen, was es uns bietet und benutzen es zu unseren Gunsten. In einem bizarren Ausmaß, welches uns selbst zugrunde richtet. Denn was wir dabei vergessen haben ist, dass wir ein gleichwertiger Teil vom großen Ganzen sind. Gleichwertig, nicht hochwertiger. Gleichwertig bedeutet, dass das, was ich meinem Umfeld antue, immer direkt auf mich zurück fällt. Ich zerstöre das, was mich nährt. Nicht nur auf materieller Ebene, sondern auch auf energetischer und karmischer Ebene. Sogar bis hin zur geistigen Ebene. Wir stumpfen ab, verkümmern, unsere natürlichen Instinkte und Bedürfnisse werden im Keim erstickt. Davon werden wir krank, traurig und depressiv. Mit mangelndem Respekt gegenüber den Wesen unseres Umfeldes bestrafen wir uns nur selbst, denn im Gegenzug beuten wir uns direkt selbst aus.

Je mehr man aber mit seinen Mitwesen in den Austausch tritt, umso komplexer wird das Verständnis vom großen Ganzen. Je mehr ich verstehe, wie sehr Tiere fühlen, denken, schlussfolgern, handeln, sich anpassen und entwickeln, umso klarer wird mir, dass die in ihrer Intelligenz eigentlich Eingeschränkten wir sind. Das meine ich nicht auf schulterklopfende, sich selbst mal kritisch, aber von oben herab schlecht redende Weise. Ich meine das ganz ernst. Die Intelligenz einer Ameise, eines Leoparden, eines Huhnes oder eines Hundes steht der unseren in nichts nach. Die auf das Gehirn bezogene Erforschung von Intelligenz hat etwas so Stupides, völlig neben der Wahrheit liegendes, dass ich mich wundern muss, wieso wir uns für die Krone der Schöpfung halten.

Es beginnt damit, dass wir Intelligenz an ausschließlich unseren Maßstäben messen. Daran, ob sich ein Tier im Spiegel erkennt. Wie absurd. Welchen Sinn hat es denn für ein Tier mit vielleicht wahnsinnig gut ausgeprägtem Geruchssin, sich in einer unnatürlich glatten Fläche sehen zu können? Ein Tier, welches in seinem Äußeren dem Artgenossen fast komplett gleicht, wieso sollte es sich im Spiegel erkennen müssen? Und wieso soll daraus geschlussfolgert werden, ob es ein Ich – Bewusstsein hat? Wie absurd das aus der Sicht einer Schlange ist, das ist fast schon lustig. Und dennoch kann tatsächlich auch eine Schlange lernen, sich in einer Menschenwelt auf so etwas wie einen Spiegel einzulassen und zu verstehen, was der von einem will: Sich selbst sehen. Falls Sie daran denn wirkliches Interesse hegt, denn wenn sie schlau ist, lässt sie sich auf diese niedere Art des Messens gar nicht erst ein und kümmert sich lieber darum, möglichst gut zwischen diesen arroganten, stinkenden Wesen zu überleben, ohne malträtiert zu werden.

Oder die Problemlösung: Menschen klatschen begeistert in ihre Hände, wenn eine Rabenkrähe einen Ablauf erkennt, mit dem sie an Futter kommt. Wenn sie Werkzeug benutzt und mehrere Schritte ausführen kann, um ans Ziel zu kommen. Bedeutet das aber im Gegenzug, dass ein Tier, dessen Interesse nicht die schnelle Problemlösung ist, sondern dass sein Leben lieber auf lange Sicht optimalisiert, weil es einen ganz anderen Lebensrhythmus hat, gleich dumm ist? Wieso sollte ein Wal, welcher durch Beharrlichkeit und Beständigkeit in seiner Intelligenz anhand von schneller, komplexer Problemlösung gemessen werden? Wo doch seine Lebenstaktik ist, möglichst weit zu planen, sich langsam ziehend dorthin zu begebend, wo es keine Probleme zu lösen gibt, sondern das Leben für ihn arbeitet, anstatt gegen ihn.

Jede Tierart hat einen eigenen Körper, eine individuelle Lebensform. Eine Nische. Es gehört zu den unglaublichen Wundern dieses Universums, dass wir so viele komplexe Körper um uns herum haben, die alle auf ihre eigene, überaus perfekte Art und Weise ihr Leben meistern. Nur, weil sie es auf ganz andere Arten und mit ganz anderen Prioritäten tun, ist es doch völlig absurd, sie deshalb in unsere Idee von Intelligenz zu quetschen wie ein Kleinkind, welches mit Gewalt das Rechteck durch die runde Öffnung in der Plastikschablone drücken will.

Keine Tierart ist intelligenter, als eine andere. Manche haben nur viel weniger Schnittmengen mit dem Leben, wie wir als Menschen es kennen. Sie haben einen anderen Rhythmus, nehmen anders wahr, haben ganz andere Prioritäten und Bedürfnisse. Manche sogar solche, die wir uns erst einmal überhaupt nicht vorstellen können, wenn wir sie einfach nur betrachten und kategorisieren wollen. Daraus schlussfolgern wir dann, dass sie dümmer sein müssen, als wir. Weil sie nicht wie wir sind. Wie unsagbar dumm von uns.

Um zu begreifen, wie sie ticken, müssten wir in echte Kommunikation gehen. In diejenige Kommunikation, die eigentlich allen Wesen dieser Welt inneliegt. Die wir aber durch unsere selbst gewählte Isolationsstellung leider immer mehr verlernt haben. Wir sehen uns nicht mehr als Teil des großen Ganzen, ergo verstehen wir auch nichts mehr von den anderen. Wir fühlen nicht mit ihnen, wir lassen uns nichts beibringen. Wir geben ihnen keinen Raum, um sie selbst zu sein und sich wirklich zu zeigen. Wir sondern uns ab, wundern uns und staunen dann, wenn wir dann in winzigen Häppchen merken, dass da vielleicht doch mehr dahinter steckt. Dass ein Fisch wohl Schmerzen fühlt, ein Huhn weiß, was es tut und ein Affe ein besseres Gedächtnis hat, als der schlauste Mensch der Welt. Was für eine Überraschung.

Es gibt ein paar Menschen, die doch wieder hinsehen. Die sich dem dringenden Bedürfnis nach Natur und mit ihr eins zu werden wieder mehr hingeben. Die sich nicht mehr vorsagen lassen, wie die Welt um sie herum angeblich zu sein hat. Die wieder mehr in Austausch gehen und sich auch mal etwas zeigen lassen. Ich bin unsagbar dankbar, dass es mein Job ist, der mich genau mit diesen Menschen zusammen bringt.

Wer sind wir denn, zu meinen, dass diese unfassbare Schönheit eines synchron fliegenden Vogelschwarms, die Perfektion eines Spinnennetzes oder die Ruhe eines Bären im Winterschlaf in Wahrheit dümmer sind, als unser Chaos, dass wir auf diesem Planeten verbreiten?

–> Mit Tieren sprechen lernen

–> Mit dem eigenen Tier sprechen lassen

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