Hunde mit Hundeproblemen

In meinen Tiergesprächen spreche ich oft mit Hunden, welche Probleme mit anderen Hunden haben. Sie meistern alltägliche Begegnungen auf der Straße oder gewollte Begegnungen mit Artgenossen nicht, zeigen dann ein Verhalten, welches wir Menschen als unangebracht einstufen. Manche sind agressiv, manche geraten total außer sich und vergessen all ihre Manieren, manche ziehen sich vor Angst zurück oder erstarren. Alle verlieren den Kopf. Ist der Schalter einmal umgelegt, kann Mensch kaum mehr etwas tun, um den Hund wieder da raus zu holen.

Wir Menschen möchten alle am liebsten solch einen Hund haben, der immer freundlich, souverän und spielerisch an andere Hunde ran geht. Der dabei nicht zu aufdringlich, aber auch nicht ignorant agiert. Der super sozial, nett und lustig daher kommt. Und der dabei natürlich noch auf uns hört, wenn wir in Hundekontaktmomenten meinen, es besser zu wissen.

Den meisten Leuten ist nicht klar, dass dies für Hunde nicht selbstverständlich ist. Es ist auch nicht „richtiges“ oder normales Verhalten, einfach jeden Artgenossen immer willkommen zu heißen, egal wann oder wo. Um darauf näher einzugehen, würde ich vom eigentlichen Thema abkommen. Es soll nur so viel dazu gesagt werden: Was wir Menschen als angebracht empfinden, ist für Hunde manchmal völlig unangebracht.

Natürlich ist es aber ein Bedürfnis für Mensch und Tier, den Alltag ohne Zwischenfälle zu überstehen. Niemand lässt sich gern von seinem Hund über die Straße zerren und niemand erklärt gern täglich geschockten Pekinesen-Haltern, dass ihr Hund nunmal so seine Problemchen hat, weil er aus dem Tierheim kommt. Auch für den Hund ist es ein Bedürfnis, draußen keinen Spießrutenlauf veranstalten zu müssen.

Hunde, die in extremes Verhalten fallen, wenn sie andere Hunde treffen, wissen oft selbst nicht, wie sie das lösen sollen. Sie sind Opfer ihrer Sensibilität. Reagieren über. Ist ihr Schalter einmal umgelegt, können sie nicht allein zurück. Sie brauchen unsere Hilfe dafür. Hunde, die so sensibel sind und dazu neigen, außer sich zu geraten, brauchen vor Allem Eines NICHT: Noch mehr Druck.

Keine Methode, welche auf Konfrontation basiert, hilft solchen Hunden. Kein „wir üben das jetzt“, keine Wasserspritzpistolen, kein Kommando Gerufe oder Halti oder Halsbandgerucke hilft so einem Hund. Im Gegenteil, es macht das Verhalten nur noch schlimmer. Solche Hunde haben ihr Fass schon fast voll. Alles, was an Druck noch dazu kommt, bringt es zum Überlaufen.

Das Fass ist schon so voll, weil sie ständig alles um sich herum aufnehmen. Sie sind wie Schwämme, die alle Umweltreize wahrnehmen und nicht einsortieren. Sie haben die Fähigkeit, Unwichtiges auszublenden und Wichtiges zu fokussieren, verlernt oder nie gelernt. Es fällt ihnen schwer, die Autos, die Gerüche, die Menschen, die Gedanken, die Stimmung, die Probleme ihres Menschen, die Atmung und Körperspannung ihres Menschen und noch viel mehr einfach beiseite zu lassen und sich zu überlegen, wie sie wohl reagieren wollen oder sollen. Und dann kommt der größte Umweltreiz, den es gibt: Ein anderer Hund. Und es passiert.

Das, was diese Hunde von uns brauchen ist, dass wir ihnen helfen, die Toleranzsspanne, bis ihr Schalter sich umlegt, zu verlängern. Das erreichen wir nur und ausschließlich mit Geduld, Ruhe und Wegnehmen von Reizen. Wir müssen es dem Hund leichter machen, nicht überzureagieren. Das bedeutet: Ich versuche, die Situation für ihn erträglicher zu machen. Vielleicht wechsle ich die Straßenseite, vielleicht lasse ich ihn hinter mir gehen, vielleicht nehme ich ihn auf den Arm, vielleicht lenke ich ihn mit Leckerlis ab, vielleicht kehre ich um. Alle Mittel sind recht! Nochmal: Es geht NICHT darum, den Hund zu konfrontieren. Ich möchte ihn schützen und ihm zeigen: Wir schaffen das zusammen. Ich weiß, wie wir hier durch kommen! Und jedes Mal, wenn der Hund es daraufhin schafft, den Schalter nicht umzulegen, erlebt er einen Erfolg: Ich kann ruhig bleiben, ich brauche mich nicht aufregen, wir sind zusammen sicher. Es ist individuell auszutesten, was genau dem Hund die Situation erleichtert. Für einen selbst gilt: Immer souverän bleiben! Die Situation für den Hund erledigen, dabei unbedingt weiteratmen und die Schritte bewusst auf den Boden setzen. Diese übersensiblen Hunde spüren und hören alles genau, was bei uns dabei passiert. Je mehr auch wir entscheidungsfreudig dabei und erleichtert sind, uns dem nicht aussetzen zu müssen, umso besser können die Hunde lernen, dass alles gut ist.

Und falls es doch wieder passiert, der Schalter sich umlegt, gibt es auch nur eins zu tun: Die Situation einfach verlassen. Den Hund wegnehmen, wegziehen, so ruhig wie möglich einfach raus da. Nicht mehr auf ihn einreden, nicht auf das Verhalten einsteigen. Einfach wissen: Es ist zu spät, ab jetzt gibt es nur noch den Abbruch. Danach durchatmen und sagen: Siehst du? Schon vorbei. Und so tun, als wäre nichts gewesen.

Je mehr man diesen Schutz für den Hund aufgebaut bekommt, umso sicherer fühlt er sich. Er merkt: Ich muss gar nicht da durch. Ich kann mich in der mir angenehmen Zone aufhalten, bis ich weiß, was ich tun möchte. Er lernt, den Schalter immer später umlegen zu lassen, bis er vielleicht sogar irgendwann verschwindet. Die Geduld, der Schutz, die Liebe dabei geben dem Hund die Möglichkeit, wieder zu lernen, sich zu verhalten, anstatt überzureagieren.

Nicht jeder Hund muss andere Hunde gern treffen wollen. Es gibt so viele Facetten von Hundepersönlichkeiten. Manche können und möchten mit sehr vielen Artgenossen einfach nichts anfangen. Das ist ok! Ich muss auch nicht jeden Menschen freundlich begrüßen und beachten. Wäre ich ein Hund, wäre ich wohl so einer, der die meisten Hunde lieber ignoriert. Und oh, was für ein Zufall: Genau so einen habe ich auch. 😉

Zum Abschluss möchte ich euch eine wunderschöne Rückmeldung zeigen, die mir Josefine (sie malt fantastische Tierportraits: JS Tierportraits) gestern über ihren Hund „Bats“ schrieb. Ich kenne die beiden seit Jahren, sie war auch in meinem Tierkommunikation Basiskurs und hat einfach einen so wundervollen Prozess mit Bats durchgemacht, ihr müsst (und dürft) das einfach lesen. Sie hat gemeistert, was ich mir für alle Menschen und ihre Hunde wünsche: Absolutes, gegenseitiges Verständnis für individuelles Sein. Was hier auch sehr schön heraus zu lesen ist:

Ein Tiergespräch ist und bleibt ein Gespräch. Nicht mehr, nicht weniger. Was alle Beteiligten daraus machen, liegt nur in ihrer Hand.

 

„Liebe Catherin,

ich möchte dir gerne nochmal kurz berichten, wie sich Bats entwickelt hat, denn da hat sich Einiges getan. Nachdem ich nach deinem Gespräch mit ihm ja angefangen hatte, andere Hunde total zu ignorieren haben wir das bis vor ca. 4 Wochen bei jedem Spaziergang so gemacht. Er wurde immer sicherer und es fiel ihm immer leichter, seine Leckerlis zu suchen oder mich anzusehen statt die fremden Hunde. Dieses Jahr habe ich dann beschlossen, dass wir einen Schritt weiter gehen können damit und habe in der Nähe eine tolle Hundeschule gefunden, wo modern und freundlich mit den Hunden umgegangen wird. Nachdem ich zuerst mal alleine dort war, um mich davon zu überzeugen, dass die Methoden für Bats geeignet sind, habe ich ihn zwei, drei Mal nur von außen das Gelände erkunden lassen. Dort riecht es ja überall nach vielen verschiedenen Hunden, das war schonmal die erste Hürde. Während wir draußen vor dem Zaun waren, habe ich ihn zeitweise Tricks oder kleine Übungen/ Spiele machen lassen (was er ja liebt wie nichts anderes) und zeitweise habe ich ihm einfach Raum zum Erkunden gegeben. Bats hat mich sehr überrascht, denn seine anfängliche Aufregung hat sich jeweils nach einigen Minuten schon gelegt und er war total entspannt und freudig und hatte kaum Probleme, die Hunde hinterm Zaun zu ignorieren. Selbst dann nicht, wenn es dort mal kleine Auseinandersetzungen gab, was in Spielgruppen ja immer mal vorkommt. Manchmal hat er auch von allein Kontakt zu den anderen aufgenommen oder eine Begrüßung erwidert, und er lernt langsam, dass er einfach weggehen kann statt die Hunde zu vertreiben, wenn es ihm zuviel wird oder er keine Lust mehr hat.
Heute waren wir dann das erste Mal richtig mit in den Ausläufen. Es waren nicht so viele Hunde da, weil es keine Spielgruppe, sondern eine Agility- Stunde war. Bats war auch erst ein bisschen nervös, aber er hat sich schnell beruhigt und ganz toll mitgemacht und sich gefreut dabei, als wären wir zuhause. Die Leute da waren ziemlich überrascht, dass er das mit seiner Vorgeschichte so gut weggesteckt und mitgearbreitet hat. Mir selber fehlen da noch total die Worte, ich kanns noch gar nicht richtig glauben. Nachdem ich jetzt diese zwei Jahre mit ihm trainiert habe, ist es schon irgendwie seltsam, dass er „plötzlich“ so gut mit anderen Hunden zurechtkommt und er einen Quantensprung nach dem anderen macht. Sicherlich liegt es auch mit daran, dass ich im Moment Bats‘ Freundin als Pflegehund habe und er mit ihr schon große Fortschritte bei der Interaktion generell und beim Spielen gemacht hat. Ich denke, dadurch ist er besser darin geworden, auch schnellere Bewegungen einzuschätzen. Den Grundstein für das alles hat aber das Gespräch mit dir gelegt, und ich bin dir unglaublich dankbar dafür! Das war wirklich das Beste, was ich machen konnte. So wie die Dinge jetzt stehen, wird Bats vielleicht später sogar mal eine Spielstunde besuchen können, denn hin und wieder juckt es ihm durchaus in den Pfötchen. Bis dahin machen wir in der Hundeschule aber andere Beschäftigungen mit, so dass er was zu tun hat und nebenbei noch verinnerlichen kann, dass die Anwesenheit von anderen Hunden gar nicht so viel Bedeutung hat.
Anbei schicke ich noch ein Foto von letzter Woche. Man sieht im Hintergrund den Laufsteg und den Hintern eines weißen Schäferhundes. Da waren wir bei einer Spielstunde am Zaun. Bats‘ Gesicht sagt alles!

Viele liebe Grüße von mir und Bats, und Bats bedankt sich auch bei dir! ❤
Josefine“

Bats
Bats

 

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Tierkommunikation Videos

Viele Jahre lang habe ich etwas vor gehabt, was ich Anfang diesen Jahres endlich begonnen habe. In fast jedem Tierkommunikation Basiskurs wurde ich gefragt, ob man die von mir gesprochenen Einführungsmeditationen für die Tiergesprächsübungen irgendwo bekommen könnte, um Zuhause zu üben.

Zwar lernen meine Schüler auch bereits am zweiten Tag des Basikurses, dass sie meine Stimme nicht brauchen, um erfolgreich mit Tieren zu sprechen. Dennoch schien es ein Bedürfnis zu sein, sich in der alten Sicherheit der Einführung ans Tiergespräch zu trauen.

Erst wollte ich eine Audiodatei aufnehmen und sie für kleines Geld auf dem Kurs verkaufen. Irgendwie kam mir das aber komisch vor. Den Menschen direkt alles vorgekaut mitgeben wollte ich nie. Es war mir immer sehr wichtig, dass jeder individuell lernt, mit Tieren zu sprechen. Jeder Mensch denkt anders, jeder Mensch kommuniziert anders. Jeder hat seinen ganz eigenen Weg mit der Tierkommunikation. Den Menschen vorzugeben, dass es nur den einen Weg gibt, und zwar den über meine Anleitung, das widerspricht dem, was ich lehre.

Also blieb die Antwort lange „Nein“.

Die Idee, einfach Videos heraus zu bringen, in denen ich erkläre und anleite, hatte ich dann erst vor ca. 2 Jahren. Erst zögerte ich auch hier, weil ich es bedenklich fand, nur Halbwissen über Videos zu verbreiten. Ich wollte dabei sein, wenn jemand nach meiner Anleitung mit Tieren sprach. Um eingreifen zu können, wenn etwas nicht klappt, jemand Unterstützung braucht usw. Ich mochte die Idee nicht, als Video zu lehren. Online-Kurse waren auch nie mein Fall. Ich unterstütze gern individuell.

Irgendwann weichte sich diese Überzeugung aber auf. Es musste keine ganzheitliche Anleitung sein. Kein Kurs to go. Es durfte einfach etwas Leichtes, Spaßiges sein. Zum Ausprobieren oder Üben eben. Ohne Gewähr.

Ich unterrichte da nicht, lehre nichts. Das geht gar nicht. Ich kann nur kleine Anstöße geben und Mut machen, es zu probieren. Denn auch das ist Teil meiner Überzeugung: Tierkommunikation ist so einfach und für jeden durchführbar! Sogar recht schnell und simpel. Es kann auch nichts dabei schief gehen. Klar kann es Missverständnisse geben und Fehlversuche. Aber deswegen der breiten Masse vorenthalten, was so wunderbar und unbedingt verbreitungswürdig ist? Nein.

Also ging es los. Heute gibt es schon drei dieser Videos. Eine Einleitung, dann ein einfaches Tiergespräch, dann ein geführtes Tiergespräch. Demnächst kommt das geführte Pferdegespräch und es folgen weitere Videos extra für Hunde- und dann Katzengespräche. Ich werde auch mal ein Infovideo heraus bringen, z.B. „Wie finde ich den richtigen Tierkommunikator?“.

Es macht mir sehr viel Spaß, diese Videos in die Welt zu bringen und mein Wissen zur Verfügung zu stellen. Es muss nicht immer alles 200% sein. Es dürfen auch mal nur 100% sein, so lange der Tierkommunikation damit gedient ist. Mit dieser Überzeugung habe ich mich mit der Videoreihe sehr gut angefreundet und es macht mir viel Spaß, die Videos zu drehen. Beim letzten Dreh habe ich allein 3 Stunden gebraucht, um den richtigen Ort dafür zu finden, in meinem 50qm Haus! Manchmal verhaspele ich mich, manchmal rede ich Blödsinn, manchmal spricht Merlin dazwischen. Es ist schwieriger, als es aussieht… damit es aber eben am Ende gut aussieht, hilft mir mit dem Schnitt und der Bearbeitung Leena Henningsen (Webseite: Hier). Sie macht das beruflich, ist gerade frisch selbstständig und freut sich über Aufträge.

Wer noch nicht reingeschaut hat, bekommt hier die bisherigen Videos vorgestellt:

Nr. 01 Tierkommunikation – Was ist das?

Nr. 02 Einfaches Tiergespräch

Nr. 03 Geführtes Tiergespräch – Spaziergang

Bald folgt Nr. 04 Pferdegespräch. Wer dran bleiben will, darf den Tierisch Verstehen Youtube Kanal gern abonnieren. Ich freue mich übers Teilen und Verbreiten der Videos! Natürlich auch sehr über Rückmeldungen, wie es euch damit ergangen ist. 🙂

(Und das hier wurde dann nach 3 Std der Platz für Video Nr. 04… es folgt in Kürze.)

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Energiebehandlungen und warum ich sie so mag

Seit 6 Jahren bin ich nun „Reiki Meisterin“. Das bedeutet, dass ich eine Ausbildung gemacht habe, in der ich gelernt habe, mit meinem Körper Lebensenergie entweder im direkten Kontakt oder über Distanz zu übermitteln. Das klingt erstmal ähnlich mystisch und merkwürdig wie dass ich mit Tieren sprechen kann, finde ich. In der Anwendung ist es aber genau so unspektakulär bodenständig und etwas ganz Natürliches. Meinen Tierkommunikationsschülern bringe ich im Profikurs auch bei, wie sie selbst Energiebehandlungen durchführen.

Wie meine tierischen und menschlichen „Patienten“ darauf reagieren und wie mein Werdegang damit ist, das möchte ich heute aufschreiben.

Genau wie mit Tieren zu sprechen kann auch jeder lernen, Energiebehandlungen durchzuführen. Manche Menschen müssen dies auch gar nicht lernen, sondern tun es einfach so, immer schon. Sie wissen, dass sie, meist über ihre Handflächen, heilende Energie übertragen können. So war auch mein erster Kontakt damit. Seit meiner Kindheit hatte ich Knieprobleme. Alles wurde probiert, jegliche ärztliche Behandlungen über OPs, Gymnastik, Packungen, Bestrahlung, Cortison, Cremes, Akkupunktur etc wurden ausprobiert. Nichts half, ich hatte eine chronische Knieentzündung. Bis meine Mutter mich zu einem Wunderheiler schickte. Ich war gerade Anfang 20 und damals war mir alles, was nicht absolut handfest war, sehr suspekt. Aber dieser merkwürdige Mann in seinem altmodischen Wohnzimmer, was mit Menschen aller Art vollgestopft war, bat mich auf seinen muffigen Sessel und hielt seine Hände einfach ca. eine halbe Stunde neben mein Knie, er berührte mich nicht einmal.

Danach ging ich wie auf Gummibeinen aus dem Haus. Ich hatte gemeint, zu spüren, wie mein Knie zu kribbeln angefangen hatte. Aber ich war sicher, mir das nur eingebildet zu haben. Mich hatte das alles zutiefst eingeschüchtert und verunsichert. Es gab aber keine andere Möglichkeit mehr, warum sollte ich ihn also nicht seinen Hokuspokus machen lassen?

Nach ein paar Besuchen dann war mein Knie heil. Jahrelang. Das erste Mal seit über 10 Jahren. Irgendwann ließ die Wirkung nach, aber es wurde nie wieder so schlimm, wie vorher.

Als mir Jahre später meine Freundin und spätere Reiki-Lehrerin Maren dann mein Knie behandelte, erkannte ich das gleiche Gefühl dabei: Dieses ganz leise, warme, einschläfernde Kribbeln, welches meine Beine ganz weich werden ließ. Als wäre eine Blockade gelöst worden, die dafür sorgte, dass die Entzündung sich auflösen und die Schwellung abklingen konnte. Auch hier war ich noch skeptisch und ließ sie einfach mal machen, ohne etwas zu erwarten. Als ich nach der Behandlung aber kaum mehr sprechen konnte vor Behandlungsdelirium, musste ich mir eingestehen, dass da irgend etwas passiert war. Ich wusste nun auch, dass das, was der Wunderheiler gemacht hatte, auch von anderen Menschen praktiziert wird. Und bis heute ist mir diese Energie immer wieder begegnet, sie wird aber immer anders genannt, je nach Anwendungstechnik: Reiki, Quantenheilung, Healing Code, Reconnective Healing und so weiter. Auch im Tai Chi spürte ich: Das ist diese Lebensenergie, die ich da handhabe.

Ich lernte also, mich selbst zu behandeln. Und mein Knie schlug wieder darauf an. Ich lernte außerdem, dass ich andere behandeln kann, sogar über Distanz. Und ähnlich wie in der Tierkommunikation wurde klar, dass eine direkte Behandlung ganz genau so gut und intensiv ist, wie eine über Entfernung. Ich begann, über Distanz zu behandeln. Meist waren es tierische Patienten, die ich in den Tiergesprächen bei Bedarf auch fragte, ob sie so etwas brauchen konnten. Schnell wurde klar, wie gut die Behandlungen ankommen und dass kleine Wunder mit ihnen passieren konnten.

Dennoch war es nicht ganz mein Fall, dies anzubieten. Ich fand einfach, dass ich für eine Behandlung, in der ich nichts tue, außer Energie fließen zu lassen und bei der ich auch keine Ergebnisse hervorrufen kann wie etwa die Antworten in den Tiergesprächen, ich kaum Geld nehmen dürfte. So waren meine Energiebehandlungen sehr günstig. So günstig, dass ich ständig welche machen sollte. Meine Tage waren damit gefüllt und ich merkte bald: Für meine Arbeit als Tierkommunikatorin, für das Sprechen, bleibt viel zu wenig Zeit.

Also stellte ich die Energiebehandlungen irgendwann ein. Es fühlte sich einfach besser an, meine Termine nur mit Tiergesprächen zu füllen. Ich behandelte nurnoch mich, meine Tiere oder Freunde und Familie. Es fiel mir schwer, nicht jeden Bedürftigen in meinem Bekanntenkreis damit zu versorgen, mich abzugrenzen. Ich konnte und wollte mich auch nicht so recht in der Rolle als „Heilerin“ sehen, das war mir zu hoch gegriffen, weil ich doch gar nichts dabei tat. Außer es fließen zu lassen. So war es einfacher, die Sache ruhen zu lassen.

Ich kann gar nicht so genau sagen, was passiert ist, aber Anfang März diesen Jahres wurde mir auf einmal nachts im Traum klar: Ich muss wieder Energiebehandlungen anbieten. Und kurz darauf bat mich eine Kundin, deren Tiere ich gesprochen hatte, ob ich nicht auch ihr helfen könnte. Ihr ging es schlecht, sie fühlte sich schon lange immer abgeschlagen und am Rande ihrer Kräfte. Ich schlug ihr eine Probebehandlung und einen Behandlungsplan vor. Sie ließ sich darauf ein und nach 2-wöchiger Behandlung schrieb sie mir frohen Mutes, wie viel besser es ihr geht und dass ihr Leben sich neu geordnet hätte. Sie habe nun wieder die Kraft, die sie benötigt. Bis heute geht es ihr gut.

Seitdem habe ich einige Tiere und Menschen behandelt, die Nachfrage ist groß. Meine Verfahrensweise ist dabei so, dass ich eine Probebehandlung durchführe, bei der ich spüre, wie sehr der Behandelte die Energie annimmt. Ich lasse denjenigen am nächsten Tag auch selbst fühlen, wie es ihm geht und daraufhin schlage ich einen Behandlungsplan vor.

Eine Behandelte war Claudia. Sie kam zum Tierkommunikation Übungstag zu mir. Mit dem Bus. Sie konnte kein Auto fahren, ihre Schulter war verletzt und still gelegt. Der ganze Arm war nicht zu gebrauchen. Sie bat mich um Behandlungen, weil die Schulter einfach nicht so recht heilen wollte. Nach 6 Behandlungen kam ihr Feedback: „Der Schulter geht es viel besser, ich habe kein Krankheitsgefühle mehr und die Instabilität hat sich deutlich gebessert, jetzt kann ich damit was anfangen und Stabilitätstraining und vorsichtigen Muskelaufbau beginnen, sogar ein bißchen Dehnung geht. Am besten gefällt mir, dass wieder Leben in einer Sehne ist, von der ich befürchtete, sie könnte abgerissen sein. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Ergebnis, das ich in dieser Intensität nicht erwartet hätte.“

Heute bekam ich auch die Rückmeldung von einem Pferd mit starker Arthrose, welches schon nicht mehr fressen oder sich bewegen wollte vor Schmerzen, dass es wieder glücklicher ist und sich schmerzfreier bewegt.

Eine Katze, die ich gestern behandelt habe, war erst recht aufgewühlt davon und lief umher. Kurz darauf hat sie sich hingelegt und war dann sehr müde. Sie hat tief geschlafen nach der Behandlung. Es war ihre erste und vermutlich fühlte sie sich ähnlich, wie ich damals. Jedes Tier, jeder Mensch empfindet die Behandlungen anders, aber meistens setzt danach eine tiefe Ruhe ein, die müde macht. Deshalb behandle ich am liebsten abends.

Solche Rückmeldungen, von Mensch wie Tier gleichermaßen, berühren mich immer sehr. Ich weiß selbst, wie es ist, ständig mit Schmerzen herum zu laufen oder sich „kaputt“ zu fühlen und bin so dankbar, wenn ich als Werkzeug helfen kann, dass ein Körper sich wieder selbst in Balance bringt. Die gespendete Energie ist keinesfalls ein Wundermittel. Es ist ganz einfach Lebensenergie. Also Energie, welche wir alle brauchen, um zu leben, zu heilen, zu sein. Wir haben sie alle, bekommen sie vom Universum, von der Erde, aus der Seele, durch Liebe oder wie auch immer man das nennen mag. Wer sich selbst blockiert, der wird krank. Bekommt Schmerzen, hat fest sitzende Traumata, die sich körperlich äußern und so weiter. Demjenigen wieder etwas mehr von dieser Lebensenergie zuzuführen, das kann heilend wirken. Selbstheilend. Ich bin nicht die Heilende, sondern nur die Übermittlerin, der Kanal. Die Energie ist auch nicht meine, nicht von mir abgezapft. Ich ziehe sie nur an, lade sie ein, durch mich intensiviert an diese Person, ob tierisch oder menschlich, gerichtet zu werden. Und das tut sie, sehr gerne, sehr liebend und sehr viel, wenn derjenige sie braucht und annehmen möchte. Dann dürfen die Wunder geschehen.

Eigentlich arbeite ich immernoch viel zu wenig damit. Ich darf dem Leben noch mehr vertrauen, dass es wirklich so einfach sein kann. Am besten fange ich gleich damit an.

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Interview: Pferdeflüstern

Für eine Facharbeit einer Schülerin habe ich ein paar Fragen bezüglich „Pferdeflüstern“ bzw Tierkommunikation mit Pferden beantwortet. Wer mag, liest es hier nach:

1. Können Menschen wirklich mit Pferden sprechen?

Ja, können sie. Sogar sehr gut. Wenn ich die neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Nachrichten höre, dann muss ich oft lachen. Gerade wurde z.B. bekannt gemacht, dass Pferde tatsächlich menschliche Gesichter lesen und deuten können. Dass sie anders reagieren, wenn jemand böse schaut. Dass sie dann den Kontakt vermeiden.
Das sind für mich keine Neuigkeiten und die Verblüffung der Allgemeinheit darüber kommt mir dann fast naiv vor. Ich freue mich, dass das Bild der Tiere als empathische Wesen ganz langsam und rudimentär in die richtige Richtung gerückt wird. Aber dass es viel mehr ist, als dass ein Pferd ein Gesicht lesen kann, das wissen einfach noch zu wenige Menschen.

2. Wenn ja, wie funktioniert dies überhaupt?

Es ist reine Telepathie. Ich weiß, dass dieses Wort für viele Menschen ein rotes Tuch ist. Telepathie scheint ein Mythos zu sein. Tatsächlich ist es aber genau das – ein Gedankenaustausch. Das bedeutet, dass wenn ich an das Pferd denke und es gedanklich anspreche, ich auch gedankliche Antworten von ihm erhalte. In Form von Bildern, emotionalen und körperlichen Empfindungen, vielleicht kleinen Filmsequenzen, manchmal sogar Worten und Sätzen. Natürlich kann ein Pferd kein Deutsch, aber mein Gehirn ist darauf trainiert, auf Deutsch zu denken. Wenn ich Hunger habe, habe ich wahrscheinlich den Satz „Ich habe Hunger“ im Kopf. Ich übersetze Gedanken direkt in Sprache in meinem Kopf. Und so übersetze ich auch automatisch die Gedanken der Pferde in meinem Kopf. So kann es sein, dass mir ganze Sätze der Tiere durch den Kopf gehen, wenn sie mir antworten.
Telepathie bedeutet, dass sie über egal welche Distanz funktioniert. Es ist egal, ob ich neben dem Pferd stehe oder ob es auf einem anderen Kontinent lebt. Das Tiergespräch funktioniert immer gleich gut. Ich brauche nur die Intention, es gedanklich ansprechen zu wollen, dann stellt sich der Kontakt her. Als Hilfestellung verwende ich gern ein Foto, damit ich weiß, mit wem ich sprechen soll. Das Foto muss weder aktuell sein, noch muss das Pferd ganz darauf zu sehen sein. Ein Bild des Kopfes genügt.

3. Welche Bezeichnung bevorzugen sie? Tierkommunikation oder Pferdeflüstern?

Tierkommunikation, da die Telepathie genau so wie bei Pferden auch bei Hunden, Katzen, Mäusen, Elefanten oder Spinnen funktioniert. Bei allen Tieren, es ist der gleich Ablauf, die gleiche Art zu kommunizieren.
Ich selbst habe aber mein Herzblut bei den Pferden und finde es besonders im Pferdebereich wichtig, für die Tiere zu sprechen. Pferde werden benutzt. Einen Hund hat man als Freund, als Partner. Ein Pferd soll etwas leisten und wird von uns körperlich benutzt, mit Ledergeschirren eingeschnürt, mit Metallgebissen und Sätteln fügbar gemacht. Das mutet man keinem anderen Haustier zu und vielen Menschen mangelt es an Verständnis, was das mit einem Pferd macht. Noch zu viele Menschen gestehen Pferden keine oder viel zu wenig Gefühle zu. Übrigens habe ich einen Beitrag zum Thema „Pferde reiten“ geschrieben:

–> „Pferde reiten“ Blog Eintrag

4. Ist es eine Gabe mit Tieren kommunizieren zu können oder ist dies erlernbar?

Das ist keine Gabe, es ist eine Sache, die wir alle in uns tragen. Wie ein ganz normaler, natürlicher Sinn. Wir nutzen ihn, aber nurnoch wenig, auch untereinander und mit unseren Tieren, meist aber unbewusst. Dies bewusst und konzentriert zu nutzen, das kann sich jeder wieder aneignen. Ich gebe seit sieben Jahren Kurse, in denen ich den Menschen das wieder beibringe. Noch niemand war unfähig dazu.

5. Wieso sollte man einen Tierkommunikateur um Hilfe bitten und nicht einen Tierarzt?

Oh, das ist eine wichtige Frage, denn sie ist so eigentlich nicht zu stellen. Ein Tierarzt ist nicht zu ersetzen. Als Tierkommunikatorin spreche ich mit dem Tier, nicht mehr und nicht weniger. Manche Tiere wissen, was sie haben und alle können sagen, wie es ihnen geht oder wo es weh tut. Und das hilft dann weiter, wenn es um die Behandlung geht. Aber ich bin nicht dazu in der Lage, Diagnosen zu stellen. Ich kann immer nur sagen, was das Tier sagt. Wenn ein Pferd auf die Frage, was es braucht, um gesund zu werden, antwortet: „Einen riesigen Haufen Leckerlis!“, dann liegt es am Besitzer, festzustellen, ob das wirklich die richtige Lösung ist. Aber Spaß beiseite: Ein Tiergespräch ersetzt keinen Tierarzt, sondern ergänzt ihn.
Gerade bei Pferden sind Tiergespräche oft hilfreich. Wenn unklare Lahmsymptome nicht behandelbar sind oder das Pferd andere, vom Tierarzt nicht zu klärende Probleme hat, dann ist es sinnvoll, mal beim Pferd selbst nachzufragen, wie es sich fühlt. Man kann im Tiergespräch in den Körper des Pferdes hinein fühlen, wenn dieses es zulässt. Oftmals zeigt es mir dann, woher der Schmerz kommt. Das kann bei einer Lahmheit vorne rechts schon mal der Lendenwirbelbereich sein oder eine verspannte Rückenmuskulatur aufgrund von psychischen Spannungen bei dem Pferd.

6. Gibt es Beweise und / oder Erfahrungen, die Ihnen besonders im Kopf geblieben sind?

Ja, im Bezug auf Pferde zum Beispiel ein Tiergespräch, welches ich im Urlaub in Frankreich im VW Bus sitzend führte, per Email. Die Besitzerin in Deutschland wollte, dass ich das Pferd nach seiner Vergangenheit frage. Der Wallach erzählte mir, er sei aus Osteuropa und sollte sterben. Er hatte Todesangst und war schon auf dem Weg in den Tod, aber dann wurde er gerettet. Seine Besitzerin sah er als absolute Lebensretterin, der er zutiefst liebevoll verbunden war.
Die Frau schrieb mir zurück, dass das stimmte. Das Pferd sei aus Polen, vom Schlachter gekauft, quasi vom Hänger heraus gerettet.
Das war noch zu Anfang meiner Zeit als Tierkommunikatorin und ich weiß noch, wie ich da in diesem VW Bus saß und mir die Dimensionen dieser Arbeit klar wurden.
Ein anderes Pferdegespräch war auf einer Messe, wo ich mit meinem kleinen Messestand kurze Tiergespräche vor Ort anbot. Ein sehr skeptisches Ehepaar setzte sich zu mir und zeigte mir ein Foto ihres Pferdes, nur der Kopf war zu sehen. Ich sollte fragen, wie es ihm gehen würde. Es sprach von Schmerzen in den Hufen, vorn links und hinten rechts und links, links hinten aber weniger. Die Leute sahen mich völlig erstaunt mit großen Augen an. Das stimmte, das Pferd hatte Probleme mit Hufgeschwüren und war lahm, genau wie beschrieben. Ich erinnere mich so gut daran, weil ich die Gesichter der Leute als Reaktion sah, als ich ihnen von ihrem Pferd berichtete. Normalerweise arbeite ich ja am Telefon und sehe die Leute dabei nicht. Auch da wurde mir wieder bewusst, was diese Arbeit eigentlich ist und wie wichtig es ist, dass mehr Menschen davon erfahren.

7. Reagiert jedes Tier anders? Wenn ja, worin liegt der Unterschied?

Ja, jedes reagiert anders. Es gibt alle Reaktionen. So wie wir Menschen unterschiedlich reagieren, so reagieren auch Tiere je nach Typ. Manche zeigen direkt durch Anhänglichkeit oder Nähebedürfnis, dass mit ihnen gesprochen wurde. Manche schlafen während dem Gespräch ein. Manche sind danach irgendwie „anders“. Manche zeigen keine direkte Reaktion. Es kommt auf das Tier und auch auf das Besprochene an, wie das Tier reagiert.
Auf einem der letzten Tierkommunikation Basiskurse hatten wir ein Pferd, was nach seinem Tiergespräch abends bis zum nächsten Tag nichts mehr fressen wollte. Erst als die Besitzerin den Tag darauf mittags zu ihm in die Box kam, fing es wieder an zu äppeln, zu urinieren und sein Heu zu fressen. Es hatte uns im Kurs sehr traumatische Dinge aus seiner Vergangenheit und von seinem emotionalen Zustand erzählt. Das war anstrengend gewesen, aber es war auch froh, sich endlich mitteilen zu können. Danach war es erstmal zu überwältigt, um zu fressen. Es brauchte den direkten Kontakt und die Nähe seines Menschen, dann war es wieder in Ordnung.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

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–> Das eigene Tier sprechen lassen

–> Pferdekommunikation in Norddeutschland

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Katzengespräche

Vor Kurzem schrieb ich einen Gastbeitrag für eine Webseite, die Kratzbäume verkauft und die viele Ratgeberartikel beherbergt. Ich erzählte darin von einigen Katzengesprächen, die mir lange in Erinnerung blieben:

http://kratzbaum-kaufen.info/katzengespraeche/

Eine Geschichte jedoch habe ich vergessen und die möchte ich heute aufschreiben:

Vor ein paar Jahren sprach ich mit einem Kater, dessen liebstes Hobby es war, nachts zu jammern. Er hielt damit seine Menschen wach, vor Allem den Mann, aber er war nicht davon abzubringen. Der Kater war im besten Alter, ein wunderschönes Tier, langhaarig. Voller Weisheit, Stolz und Männlichkeit. Als ich mit ihm sprach, fühlte ich mich es ein bisschen wie in einer Audienz. Neben dem Jammern war er auch unrein und pinkelte nicht in sein Katzenklo, sondern auf die Möbel und Teppiche der Menschen.

So wurde ich also beauftragt, mit dem Tier zu sprechen. Der Kater verneinte, als ich fragte, ob er gesundheitliche Probleme habe. Auch hatte er keine Probleme mit den anderen beiden Katzen des Haushalts. Seine Antwort war eine sehr liebevolle, welche mit dem Mann des Hauses zu tun hatte, dem der Kater sehr nahe stand. Er sagte, dass der Mann viel zu viel arbeiten würde. Dass er, wenn er da sei, nie wirklich da sei. Dass er im Kopf immer irgendwie arbeiten würde. Sich nie entspannen würde, nie durchatmen und den Moment Zuhause genießen würde. Der Kater sagte, dass der Mann auch Zuhause arbeiten würde. Aber dass es ihm schwer fallen würde, Arbeit und freie Zeit zu trennen. Er verriet mir, dass das auch für die Beziehung der Menschen nicht wirklich gut war. Und dass auch die Gesundheit des Mannes darunter litt. Er fand, der Mann sei ihm außerdem sehr ähnlich: Ein Cheftyp, der sehr weise und stolz sei, der viel wissen würde. Ein Macher, der viel auf die Beine stellte. Er als Kater hatte sich dem Mann verschrieben. Er wollte ihm helfen und ihn unterstützen. Ihn mit seiner mentalen Kraft versorgen, so dass der Mann gut leben konnte. Aber der Kater fand, dass der Mann durch seine Einstellung zur Arbeit zu weit gegangen war und sich keinen Gefallen mehr tat. Und so befand der Kater, dass es seine Pflicht sei, den Mann darauf aufmerksam zu machen. Und zwar nachts.

Auf meine Nachfrage, warum er diesen Weg wählte, ausgerechnet nachts, sagte der Kater, dass er dann sozusagen beklagen würde, dass der Mann sich nie wirklich entspannte. Auch nachts nicht, auch nachts kreisten seine Gedanken um die Arbeit, sogar im Schlaf. Tagsüber konnte der Kater dies noch tolerieren, immer in der Hoffnung, der Mann würde sich jetzt etwas anderem zuwenden. Aber nachts, da trat alles viel geballter auf. Dort wurde die mangelnde Entspannung des Mannes noch viel deutlicher. Man kam nicht zur Ruhe. Also jammerte der Kater, er litt mit seinem Menschen.

Die Lösung war es, dem Tier zu erklären, dass seine Hilfsversuche erstmal sehr gern gesehen werden. Dass es toll ist, wie sehr er sich einbringt. Dass seinem Menschen ganz sicher nun von mir mitgeteilt wird, dass es so nicht für ihn weitergehen kann. Dass es aber nahezu unerträglich für seine Menschen sei, wenn er weiterhin unsauber bliebe und den Schlaf so stören würde. Ich erklärte ihm, dass seine Botschaft angekommen war und dass er von nun an seine Unterstützung anders, aber genau so kraftvoll ausleben durfte: Als schmusiger, starker Kater an der Seite des Mannes und seiner Frau. Der sauber blieb und nachts schlief, so wie sie. Der darauf achtete und darüber wachte, dass der Mann auf sich aufpasste. Damit er gesund und glücklich blieb. Als Kater, der sich als stolzer Wächter des Hauses darum kümmert, dass es dort allen gut geht.

Dem Kater gefiel es ziemlich gut, was ich vorschlug. So gut, dass er sich direkt nach dem Tiergespräch fortan daran hielt. Er wurde sauber und ließ seine Menschen schlafen. Dem Mann waren die Worte seines Katers so wichtig, dass er sie ernst nahm. Er kümmerte sich um sich und änderte sein Arbeitsverhalten, so dass der Kater nie wieder in sein altes Verhalten zurück fallen musste. Bis er eines Tages friedlich in seinem Zuhause für immer einschlief.

Hier noch einmal der Link zu dem Gastartikel mit mehr Katzengeschichten:

http://kratzbaum-kaufen.info/katzengespraeche/

 

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Altersweisheiten meines Hundes

Mein Hund Merlin ist nun schon 13 Jahre alt. Je älter er wird, umso besser weiß er, worauf es ankommt. Heute möchte er diese Weisheiten teilen, damit jeder sein Leben mehr genießen kann, jeden Tag. Ich tue ihm den Gefallen und schreibe sie hier auf.

Er lebt bei mir, seitdem er 4 ist. Er war durch mindestens fünf Hände gegangen, hatte Menschen gebissen und war nach einer Beißattacke eines anderen Hundes fast gestorben. Er war hyperaktiv, hatte brutale Erziehung erlebt und war mit einem Jahr irgendwo im Wald gefunden worden.

Es dauerte also ein wenig, bis er bei mir anfangen konnte, er selbst zu sein. Alles, was er sich zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit von mir wünschte, war ein sicheres, ruhiges Zuhause ohne Erwartungen an ihn. Er brauchte Ruhe und Liebe. Ich auch. Wir waren vom ersten Moment an wie füreinander gemacht.

Eigentlich wollte ich mir 8 verschiedene Hunde ansehen, alles Tierschutzhunde. Ich wollte sie alle besuchen und mir am Ende den aussuchen, der am besten passte. Merlin war der erste Hund. Ich klingelte dort, wo er damals lebte, eine Pflegestelle mit vielen Hunden. Nichts passierte, ich wollte schon wieder gehen. Aber ich hörte Bellen, also entschied ich, um das Grundstück herum zu gehen. Ich sah ein großes Gehege und in dem Moment, als ich davor stand, bekam ich einen riesigen Schrecken: Ein schwarzes Monster mit gelben Augen und schneeweißen Zähnen keifte mich von drinnen an. Er flippte schier aus. Ich erstarrte. Sollte das etwa…? Nein.

Doch. Er war es. Als ich ihn drinnen treffen durfte, fiel es mir erstmal schwer, ihn überhaupt zu identifizieren, da er in Lichtgeschwindigkeit um mich herum wuselte. Als ich eine halbe Stunde später auf die Toilette ging, folgte er mir und saß direkt vor der Tür, bis ich wieder heraus kam. Als ich mich auf einen Sessel setzte, saß er sofort neben mir.

Die anderen 7 Hunde sah ich mir nicht mehr an.

Seitdem habe ich sehr viel mit Merlin erlebt. Wir hatten Zusammenstöße mit Katzen, Menschen, Fahrrädern, Wildschweinen, Hasen, Mäusen, LKWs und Bussen. Eben mit Allem, was man potentiell jagen und erlegen kann oder was uns gefährlich werden könnte. Besucher lernten das Fürchten in meinem Haus. In jedem, denn wir zogen oft um. Das war nie ein Problem für ihn. Dieser Hund war so wahnsinnig diskret und liebevoll mit mir. Er war immer sauber, hat niemals auch nur irgendetwas unerlaubt weg genommen oder zerstört. Er hat mich nie geweckt, er ist ein geduldiger Warter und ein sehr verlässlicher Wächter. Er ist mein bester Freund. Mein ständiger Begleiter. Wenn einer von uns mal seufzt oder tief atmet, tut der andere es ihm direkt nach. Er ist Tröster. Oh ja, der beste der Welt. Ich muss nur schniefen und schon trippelt er zu mir, springt auf das Sofa und schaut mich besorgt-bedrückt an: „Musst du weinen?“, um sich dann ganz dicht an mich dran zu kuscheln. Der arme Hund hat schon so manche Erkältung meinerseits in ständiger Sorge verbracht, wenn ich schnupfenbedingt schniefen musste… Und er hat auch schon meine beste Freundin getröstet, als sie es am dringendsten brauchte.

Merlin fand es von Anfang an nicht gut, an Pfoten und am Schweif angefasst zu werden. Und völlig unmöglich war es, ihn hoch zu heben oder irgendwie annähernd zu schieben oder zu ziehen. Da bekam er Panik. Er kam auch nicht auf den Schoß, das war ihm zu viel Risiko, aber als 21kg Hund ist das ja auch nicht gerade die Hundehauptaufgabe.

Nach ca. 2 Jahren bei mir sprang er das erste Mal über einen seiner Schatten. Ich hatte starken Liebeskummer und fühlte mich sehr allein, lebte damals im Nirgendwo, weit weg von Familie und Freunden. Ich saß auf meinem bequemen Stuhl und war traurig. Merlin kam an, nahm Maß und sprang. Direkt auf meinen Schoß. Dort machte er es sich in seiner umständlichen Art bequem und schlief mit seinem Kopf auf meiner Brust ein. Ich wagte es stundenlang nicht, mich zu bewegen, so berührt war ich von seiner Geste. Er tat dies jeden Tag ca. 2 Wochen lang, bis ich über den Berg war. Danach hörte er wieder auf.

Mit den Jahren wuchs sein Bedürfnis nach Nähe. Und mittlerweile ist er ein unglaublich witziger, penetranter Kuschelhund geworden, mit einem Hang zum ausgelassenen, verrückten Humor. Die Geräusche, die er macht, sind einfach bühnenreif. Auch möchte ich meinen, dass er ein wenig schrullig geworden ist und seine anfängliche Diskretion ist nun wirklich den Bach hinunter gegangen. Ich liebe es, ihn zu erleben, wie er älter wird und das hier ist es, was mich mein reifender Hund jetzt, nach all den Jahren, lehrt:

  1. Wenn man jemanden liebt, kuschelt man mit ihm. Immer, wenn es geht. Immer. Körperkontakt macht glücklich und gesund.
  2. Man kann sich dafür einfach auf die Person drauf fallen lassen oder man lässt sich neben ihr fallen (nachdem man 3 Runden um sich selbst getrampelt ist), um dann mit dem Hintern sich näher heran zu ruckeln.
  3. Auf das Gesicht legen ist auch ok. Das scheint gut zu tun, zumindest bekommen Menschen davon gute Laune und lachen.
  4. Man kann als mittelgroßer Hund durchaus auf Menschen herum trampeln, wenn es dem Kuschelzweck dient.
  5. Am besten liegt es sich im Deckenmeer direkt zwischen zwei Menschen. Doppelter Kuschelkontakt!
  6. Sich fallen lassen ist eine Tugend. Vorsichtiges Hinlegen ist etwas für Schüchterne. Es muss ordentlich rumsen auf dem Parkett und die Matratze muss wackeln, wenn man im Bett ist.
  7. Ja, im Bett! Wenn man sich liebt, schläft man zusammen!
  8. Wenn man mal aus dem Bett geschmissen wird, weil es zu eng wird oder man hecheln muss, läuft man beleidigt auf dem Parkett hin und her, bis man wieder eingeladen wird. Selbst, wenn man nicht eingeladen wird: Man geht dahin, wo man hin will. Ins Bett! So einen Rausschmiss akzeptiert man nur als junger, willensschwacher Hund.
  9. Wenn jemand eine Hand ausstreckt, muss man seinen Kopf hinein fallen lassen.
  10. Wenn man nachts doch zu weit weg liegt von den Liebsten, steht man auf, geht vorsichtig ganz nah an die Gesichter heran, schmatzt und schnauft, bis jemand einen in den Arm nimmt.
  11. Falls jemand im Raum zu angestrengt arbeitet, erschreckt man ihn durch mehrmaliges, plötzliches, geräuschvolles Aufspringen und seufzendes wieder Hinlegen. Das hilft.
  12. Besucherfüße haben unter dem Tisch still zu stehen, sonst werden sie gemaßregelt. Hauseigene Füße dürfen alles.
  13. Fürs Pupsen muss sich niemand schämen.
  14. Es ist ok, immer Hunger zu haben. Auch, wenn man jahrelang niemals Futter eingefordert hätte. Jetzt ist es in Ordnung, auch wenn man dick wird. Genuss ist wichtig.
  15. Es ist in Ordnung, zu bellen, wenn man Hunger hat. Auch, wenn man so etwas sich früher nie getraut hätte. Jetzt ist es lustig. Am lustigsten ist es, wenn der Mensch sich dabei erschreckt.
  16. Auch, wenn man manchmal nicht mehr so eine gute Balance hat und die Hinterbeine ab und zu mal schwach sind, kann man dennoch weiterhin in Lichtgeschwindigkeit agieren, wenn angebracht. Zum Beispiel im Maisfeld. 10 Minuten lang.
  17. Es macht Sinn, ab und zu schon mal auf schwerhörig zu machen. Zum Beispiel im Maisfeld.
  18. Wenn der Mensch seinen Groll nicht aussprechen kann, dann sollte man es für ihn tun. Am liebsten während der Autofahrt. Das befreit! Am besten sind Bellkonzerte, wenn Mensch mit einstimmt. Man darf seine Gefühle nicht verstecken, das ist ungesund.
  19. Silvester ist doch nicht so schlimm. Am besten verbringt man es auf einem Menschenschoß, da muss man nicht mal bellen oder sich aufregen.
  20. Anstatt zu lesen, sollte man mehr kuscheln. Jetzt. Wann gehen wir endlich ins Bett? Ich geh schon mal vor. Und lege mich genau dort auf das Laken, wo meine Decke NICHT liegt. Oder auf das Kopfkissen.

Ich denke, er hat Recht. Danke, Merlin. Gute Nacht. 🙂

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

–> Mit dem eigenen Tier sprechen lassen

 

neujahr
Merlin und ich an Silvester 2015-2016
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2009, Premiere.
youngdog
Zu Beginn unserer Zeit.

Pferde reiten

Für uns Menschen ist es selbstverständlich: Wir reiten Pferde. Wir haben Pferde, um sie zu reiten. Nicht, um sie lieb zu haben, über sie zu lachen, mit ihnen zu kuscheln, als beste Freunde. So wie wir unsere Hunde und Katzen sehen.

Pferde sehen wir oft als gefährliche, starke, unberechenbare Tiere, die es zu kontrollieren gilt. Die Leistung zeigen und arbeiten müssen. „Arbeit“ heißt es, wenn man sein Pferd reitet. Oder irgendetwas mit ihm tut. Pferde werden zusammengeschnürt mit Leder, Holz und Stahl, um sie in die „richtige“ Form zu pressen und zu ziehen. Sie müssen im Kreis laufen und dabei hübsche Bewegungen machen. Oder über Hindernisse springen. Oder querfeldein rennen wie auf der Flucht. Oder im großen Kreis rennen, um Erster zu werden.

Würden wir unseren anderen Tieren so etwas jemals zumuten? Wieso tun wir es dann bei unseren Pferden? Was haben sie verbrochen, dass wir unsere verborgenen Machtgelüste an ihnen ausleben, als seien sie unsere Sklaven?

Ich kann es nur ahnen: Sie stehen für alles, was wir gern wären. Schön, stark, schnell, kraftvoll. Energiegeladen, sozial, hochsensibel, ausgelassen, emotional. Frei.

Wir möchten so sein, wie sie. Doch was wir tun, ist sie auf unser Niveau herunter zu schinden, anstatt von ihnen zu lernen, so zu werden, wie sie. Weil wir nicht wissen, wie das geht. Weil wir Angst haben, ihnen zuzuhören und zu verstehen, dass sie unsere Lehrer sind.

Rennpferde sind blutjung. Wenn sie erwachsen werden, sind sie meistens kaputt. Dann werden sie überflüssig und den Großteil von ihnen bringt man zum Schlachter. Springpferde halten in der Regel etwas länger durch, haben dann aber oft kaputte Gelenke und Rücken. Dressurpferde haben meist kaputte Hälse, Genicke, Rücken, Kiefer und Beine. Westernpferde stumpfen oftmals komplett ab und bekommen steife Rücken und Gelenke.

Pferde, die den Ehrgeiz ihres Menschen ausleben müssen, die im Sport gehen, sind meist solche, die es ihrem Menschen sehr gern recht machen möchten. Die alles geben, um anerkannt zu werden. Die sich darüber definieren, wie stolz ihr Mensch auf sie ist. Dass die allermeisten dabei auf Dauer kaputt gehen und seelisch verkümmern, ist den Menschen meist nicht bewusst. Sie sehen nur den Erfolg, die Leistung, das Pferd als Gerät. Dabei fühlen Pferde genau wie wir. Auch sie gehen daran kaputt, es Anderen immer Recht machen zu müssen. Auch sie haben Minderwertigkeitsgefühle, wenn sie es mal nicht schaffen oder einfach ausgetauscht werden, wenn sie es nicht mehr können. Das Schlimmste aber ist: Das Pferd hat keine Wahl.

Es hat nie die Wahl, mit wem es sich umgeben möchte. Nicht, wer zu seinen Freunden oder zur Familie gehören soll. Es darf nicht aussuchen, was es isst, wann es isst und wie viel es isst. Es kann sich nicht dorthin bewegen, wo es hin möchte. Es darf nicht einmal zeigen, wie es etwas findet, wenn der Mensch mit ihm „arbeitet“. Es hat zu tun, was man ihm befiehlt, mittels körperlicher Züchtigung.

Menschen, die schon lange mit Pferden zu tun haben, sind meistens Experten darin, ein Pferd zu verkennen. Nicht mehr wahr zu nehmen, wie es ihm geht. Was ihm eigentlich Spaß macht und ob es heute überhaupt geritten werden will. Ob ihm der Rücken weh tut oder das Bein. Ob es glücklich ist in der Herde, dem Stall, mit einem selbst. Dabei ist es so einfach. Ein Pferdegesicht spricht Bände. So wie das eines Hundes oder eines Menschen. Viele Pferdelaien können besser sehen, ob ein Pferd traurig guckt oder ob es glücklich ist. Ein glückliches Pferd hat große Augen, ein entspanntes Maul, fast ein Lächeln auf den Lippen. Es schaut wach und klar und stolz. Ein trauriges Pferd schaut in sich gekehrt, schmerzverzerrt, die Augen sind kleiner, das Gesicht faltiger. Es ist wirklich so einfach zu sehen, wie es klingt.
Leider sind die meisten von uns es gewohnt, in traurige Pferdegesichter zu schauen. Weil es kaum andere gibt. Glückliche Pferde sind äußerst selten. Nicht nur unter den Sportreitern.

Die Freizeitreiter wollen meist das Beste für ihr Pferd. Und tun das, was sie gelernt haben oder was ihnen andere, oberschlaue Pferdemenschen diktieren. Auch hier muss der Großteil der Pferde im Kreis laufen, wird eingeschnürt und benutzt. Auch hier ist es oft traurig und geht kaputt. Manchmal wird es sogar noch schlimmer behandelt, als im Sport, weil es schlechter gefüttert oder gehalten wird.

Wir Freizeitreiter haben gelernt, dass man Pferde gymnastizieren muss. Ja, ganz genau. Gymnastizieren! Wie einen Kranken, der Reha braucht. Wir müssen sie angeblich reiten, damit sie die richtigen Muskeln bei behalten. Damit sie gesund bleiben.

Ich spreche seit 7 Jahren mit Pferden. Ich habe hunderte Pferde gesprochen. Mindestens 95% dieser Pferde war nicht der Meinung, beim Reiten „gymnastiziert“ zu werden. Im Gegenteil. Die allermeisten haben dabei Schmerzen und benutzen genau die falschen Muskeln. Hierbei gibt es auch keinen Unterschied zwischen Sport und Freizeit.

Man stelle sich das mal so vor. Ich möchte joggen gehen. Mein Trainer meint, dass ich dabei aber meine Schultern weiter zurück machen müsste. Also setzt er mir ein Ledergeschirr auf, welches meinen Kopf und meinen Hals in die richtige Form ziehen wird, während ich laufe. Es verhindert sogar, dass ich mich frei bewegen kann, so wie ich es tun würde. Gleichzeitig schnallt er mir einen Rucksack auf mit ca. 10kg Gewichten darin. Der Rucksack hat ein Holzgerüst, welches „angepasst“ wurde an meine Rückenform, wenn ich stehe. Ich laufe los. Schon nach ca. 10 Minuten spüre ich deutlich: Das Holzgerüst meines Rucksacks tut mir weh, das Gewicht darin lässt Druckstellen auf meinem Rücken entstehen, auch durch die Polster hindurch. Wie sollte es das auch nicht, denn meine sich bewegende Rückenmuskulatur KANN ja gar nicht anders, als von dem starren Gerüst gedrückt zu werden. Dass mein Hals und mein Kopf und meine Schultern schon total schmerzen, ist klar. Selbst, wenn mein Trainer meint, das wäre die richtige Haltung für mich, so eingeschnürt benutze ich genau die falschen Muskeln, um dem Zug entgegen zu wirken. Sonst kann ich gar nicht laufen.

So geht es Pferden, die mit angenommenen Zügeln, normalen Sätteln und beliebig hinzugefügten Hilfsmitteln geritten werden. Nur haben sie noch einen meist schlecht trainierten Körper mit wenig Körpergefühl auf sich, der beliebig an ihnen herumzerrt und ihnen in den Rücken fällt. Oder einen, der genau weiß, was er tut und der sie geschickt und mit Kraft immer weiter treibt.

Eine andere Pferde“arbeit“ ist das Longieren: Hier wird das Pferd immer im Kreis geschickt und dabei an einer langen Leine gehalten. Meist wird es auch dabei zusammen geschnürt. Ich kenne kein Pferd, was das toll findet. Auch Pferden wird schwindelig, auch Pferde finden ewiges im Kreis laufen blöd. Vor Allem, wenn dabei eine schwere Leine an ihrem Kopf hängt. Auch das gymnastiziert nicht, es regt nur dazu an, das Gewicht der Leine und die ewige Kurve durch gegenhaltende Muskeln auszugleichen.

Wer jetzt ein schlechtes Gewissen bekommt und denkt: „Also mein Sattel ist angepasst, hat 8.000 € gekostet und passt wirklich gut, da waren schon 5 gute Sattler dran und die haben das alle gesagt.“, dem sei gesagt: 95 % der Sättel tun den Pferden weh. Ganz egal, wie teuer sie waren oder was der Sattler sagt.

Und auch das ist einfach zu sehen.

Ein Pferderücken sieht normalerweise so aus, wie unser Rücken. Er hat eine zwischen zwei Muskelsträngen eingebettete Wirbelsäule. Keine, die hervor steht. Er hat auch keine Kuhlen dort, wo der Sattel sonst liegt. Pferde kommen tatsächlich nicht mit diesem sichtbaren Sattelabdruck auf die Welt, den wir so gewöhnt sind, zu sehen. Ein Pferderücken hat eigentlich keine arthrophierten Muskeln hinter den Schultern. Nicht mal ansatzweise! Das hat der Sattel gemacht. Er hat die Muskeln sich rückbilden lassen durch ständigen Druck.

Wie sehr das weh tut und wo das hinführt, das kann man sich ausmalen. Fast alle Pferde, die geritten werden und die ich spreche, haben Rückenschmerzen. Manche mehr, manche weniger. Vielen verursachen die Rückenschmerzen auch weitere Beschwerden in den Beinen, dem Hals, dem Kopf.

Wie kommen wir bloß darauf, dass ein Tier einfach so mit einem Sechstel seines Gewichts belastet werden darf? Zu unserem Spaß. Ohne uns dabei bewusst zu machen, dass es davon vermutlich nicht gesünder wird.

Und so „gymnastizieren“ wir. Oder noch schlimmer: Lassen andere das Pferd gymnastizieren. Weil wir selbst ja nicht gut genug sind. Die anderen wissen noch besser, wie sie das Pferd dazu kriegen, sich kaputt zu bewegen. Sie werden dafür sogar bezahlt. Noch kein Pferd hat jemals in einem Tiergespräch zu mir gesagt: Ja, bitte lass den Bereiter mich 3 Mal die Woche gymnastizieren, er macht es so gut. Danach fühle ich mich gut trainiert.

Die Pferde sagen: Wenn jemand reitet, dann bitte du. Ich weiß, du hast mich lieb und ich möchte mit dir in Kontakt gehen und eine Einheit werden, wenn wir reiten. Ich spüre dich und deinen Körper, ich weiß was du denkst und fühlst beim Reiten. Ich spüre deinen Atem. Ich möchte mit dir raus gehen und frei galoppieren. Ich möchte die Landschaft sehen und einfach Spaß haben. Ich möchte dich tragen, weil ich dich liebe und es toll ist, wenn du mit mir zusammen bist. Ich möchte dir zeigen, wie es sich anfühlt, all meine Kraft zusammen zu nehmen und zu rennen. Du und ich, wir sind dann eins.

Das ist es, was Pferde sich wünschen. Und ganz ehrlich: Wir wünschen es uns auch! Alle Pferdemädchen haben früher schlucken müssen, als Fury im Fernsehen durch die Prärie angaloppiert kam, der Junge sich einfach so auf das völlig nackte Pferd schwang und sie frei dahin galoppierten. Wir wünschen uns alle, dass unser Pferd freudig zu uns gerannt kommt, wenn wir es rufen. Wir möchten ihm vertrauen und gelassen auf ihm durch den Wind getragen werden. Das ist der Grund, warum wir Pferde lieben. Sie können uns teilhaben lassen an grenzenloser Freiheit und Wildheit. Etwas, das den meisten Menschen längst verloren gegangen ist.

 

Nur wie geht das?

Es beginnt mit dem, was wir verlernt haben: Wahrnehmen. Zuhören. Hinsehen. Hinspüren. Was möchte dein Pferd dir sagen? Wie geht es ihm eigentlich?

Beginn damit, ihm ins Gesicht zu sehen. Und daran abzulesen, wie es heute drauf ist oder wie es auf dich reagiert und auf das, was du mit ihm tust. Lass es vor Allem frei sein. Geh mit ihm frei auf den Reitplatz und lass es einfach sein. Steh da und schau dir an, ob es Kontakt zu dir sucht und wie es dabei schaut. Oder ob es dich komplett ignoriert. Oder ob es nur versucht, heraus zu finden, was es nun schon wieder machen soll. Lass ihm den Raum, einfach mal bei dir sein zu dürfen.

Und lass es sich bewegen, wie es will! Pferde möchten sich bewegen, sie stehen für die Kraft der Bewegung. Pferdestärken! Nur eins gymnastiziert ein Pferd wirklich: Wenn es sich frei, wach und stolz bewegen kann. All seine Kraft zeigt und prustend oder lustig herumlaufen und herumspringen darf. Davon bekommt es Muskeln und dabei wird es auch all die Haltungen zeigen, in die wir sie so gern zwingen wollen. Es macht seinen Hals rund, es trägt sich, es benutzt die Hinterhand. Damit es sich dir so zeigt, möchte es aber spüren, dass du das sehen möchtest. Dass du es wahr nimmst. Ihm den Raum gibst, Pferd zu sein. Mit dir.

Achte auf seine Zeichen, wenn du etwas mit ihm machst. Möchte es überhaupt mitkommen? Hat es überhaupt Spaß daran? Gehen seine Ohren nach vorn und werden seine Augen groß?

Eine andere Basis, die dein Pferd von dir braucht, ist menschlicher Verstand, wenn es um seine Haltung geht (siehe auch: Blog Eintrag „Mindestbedingungen für Pferde“!). Ein Pferd möchte weder in Matschpaddocks versauern, noch möchte es über ¾ des Tages und der Nacht in einer Box stehen. Es möchte Freunde. Keine Zwangsinhaftiertengruppe auf zu kleinem Raum! Es möchte eine homogene Herde, welche auf genügend Platz steht, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Mit regelmäßigem Zugang zum Futter. Ein gesundes Pferd möchte und braucht viel Heu und Gras. Es braucht Mineralfutter und Kraftfutter. Die meisten der Freizeitpferde sind unterfüttert. Haben Hungerbäuche, eckige Schultern, Rücken und Kruppen, kaum Muskulatur. Durch die hängenden Bäuche werden sie als zu dick eingestuft. Ein trauriger Fehler. Hungrige und unterversorgte Pferde neigen zu Aggressivität, Magengeschwüren, Koliken und so weiter.

Wir haben es also geschafft, unser Pferd ab und zu besser wahr zu nehmen und besser zu halten. Was nun, sollen wir die Sättel wegschmeißen und nur noch wild durchs Gelände rennen?

Nein, es gibt kein Konzept, welchem nun zu folgen ist. Was zu tun ist, hängt sehr von der Bindung zwischen Pferd und Mensch ab.

Manch einer möchte sofort den Sattel gegen ein steigbügelloses Pad eintauschen, welches den Rücken des Pferdes gut polstert, damit er entspannt und gelassen auf seinem Pferd sitzen kann, während es uns trägt. Mit durchhängendem Zügel. In der Bewegung sitzend, locker, während es läuft. Wie ein Indianer. Dieser Mensch hat vermutlich schon viel Vertrauen zu seinem Pferd und wahrscheinlich ist auch dieses Pferd schon offen für Abenteuer mit seinem Menschen.

Manche müssen erstmal ganz mit dem Reiten aufhören. Von ganz vorn anfangen, weil sich das Pferd gar nicht wirklich in der Lage fühlt, jemanden zu tragen. Oder weil es den Spaß daran schlichtweg nie kennen gelernt hat und nur das verkrampfte Reiten kennt. Sein Körper gar nicht mehr weiß, wie man sich als Pferd bewegt, frei und ungezwungen.

Andere müssen noch am Sattel festhalten, weil ihr Pferd bereits glücklicher ist, als andere Pferde. Auch mache Pferde sind noch nicht bereit, ihren Erfolg aufzugeben. Es gibt tatsächlich Pferde, welche gern im Sport gehen. Welche gern zeigen, wie toll sie das machen und welche nichts Besseres kennen, als zu gewinnen. Denen der Sattel gefühlt nichts ausmacht. Manche von ihnen erinnern mich an blutjunge Managertypen aus wichtigen Berufen. Sie brauchen das. Machen sich dabei vielleicht kaputt, aber das ist ihnen jetzt egal. Jetzt sind sie jung und süchtig danach. Solchen Menschen muss man erstmal deutlich machen, dass Urlaub schön sein kann. Dass sie Erholung brauchen. Sie denken, nur die Arbeit würde sie erfüllen. Nur das, was sie wirklich gut können. Auch manche Pferde denken, nur Springen würde Spaß machen. Weil sie schlichtweg nicht wissen, was sie verpassen und was Springereiten auf Dauer mit ihnen macht.

Jedes Mensch-Pferd Gespann hat seinen ganz eigenen Weg. Jeder hat sein Schicksal, welches er dem anderen mitbringt und es ihm aufdrückt, wenn man so eine intime Bindung eingeht, wie das Reiten. Auch unsere Pferde wissen, wie es uns geht. Auch unsere Pferde möchten unsere besten Freunde sein. Auch unsere Pferde wollen für uns da sein und uns zeigen, was wahre Freundschaft ist. Auch unsere Pferde freuen sich, uns zu sehen, begrüßen uns, laufen zu uns und gehen frei mit uns mit, wenn die Beziehung stimmt.

Es ist hoch an der Zeit, dass wir ihnen die Aufmerksamkeit und Liebe und vor Allem den Respekt zukommen lassen, die wir für unsere anderen Haustiere ganz selbstverständlich bereithalten.

Sprich mit deinem Pferd! Hör ihm zu. Hab keine Angst. Es verzeiht.

–> Selbst mit Pferden sprechen lernen

–> Pferdegespräche für dein Pferd und dich (Norddeutschland)

–> Tiergespräche weltweit

 

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Mouna, glücklich und entspannt.

 

tierkommunikation_milan
Milan, froh und gerührt (mit noch in den Augen sichtbarer Vergangenheit voller Schikane).

 

tierkommunikation_pferderücken
Mouna, gesunder Pferderücken (und skeptisches Gesicht).

 

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