Der kleine Hengst – die Entscheidung

Makani ist jetzt elf Monate alt. Er trinkt noch mehrmals täglich bei Mouna, die das gern duldet und für gut befindet. Er spielt sehr viel mit Milan und ist meistens auch bei ihm, sie dösen auch gemeinsam. Mouna ist und war schon immer der unabhängigere Typ und genießt es, dass die Jungs da sind, aber beide nicht direkt an ihr kleben. Die Freundschaft zwischen Makani und Milan wächst immer mehr, sie steigen sich jetzt schon an, aber immer nur so hoch, wie Makani es auch kann. Milan passt sich dabei an, wie versprochen.

Seit einigen Tagen ist Mouna rossig und Makani hat seine Hormone entdeckt. Erst hat mich das nicht alamiert, sein Babyhengstgehabe fand ich normal. Vor ein paar Tagen dann wachte ich schon sehr früh auf und ging instinktiv nach den Pferden sehen: Mouna schlug sich gerade halbwegs unmotiviert mit Makani herum, der nun ganz schön hengstig an ihr herum arbeitete. Ich sah, wie er aufsprang und mir wurde kurz anders, als Mouna das mit recht entspannter Art und Weise zwar abwehrte, aber eben halbherzig. Ich sah, dass für einen richtigen Deckakt nicht mehr viel fehlte. Ich rannte raus und verscheuchte Makani von ihr. Dann trennte ich die beiden ab. Makani war zwar etwas geknickt deshalb und stand erstmal etwas planlos am Zaun, er rief auch etwas, aber Milan war ja noch da. Nach einiger Zeit arbeitete Makani seinen Frust in einem wilden Renn- und Steigspiel mit Milan ab. Mouna hingegen antwortete kein einziges Mal auf Makani’s Rufen und war einfach nur sehr dankbar für die Ruhe und dass sie endlich mal allein im Garten alle Gräser und Kräuter rupfen durfte, wie es ihr gefällt. Sie schlief sogar eine zeitlang im Garten und fand das alles gut so.

Ich wusste vor Makani schon einiges über Aufzucht und Hengste, hatte selbst eine Pferdezucht geleitet, jedoch ist meine Haltungsart hier ja etwas unkonventioneller: In Absprache mit den Pferden. Die erste Lektion, die meine drei Pferde mich lehrten, war jene, dass hier keine weitere Stute mit Fohlen leben müsse, damit Makani auch artgerecht aufwachsen würde und außerdem, dass ein Absetzen des Fohlens durch den Menschen nicht nötig sei. Meine Pferde bestanden darauf, unter sich zu bleiben, weil neue Herdenmitglieder, sogar lange vor der Geburt, für sie keine Option waren, sondern nur stressig wären. Ich dachte: Gut, vielleicht ändern sie ihre Meinung ja aber noch, wenn das Fohlen da ist. Nach der Geburt fragte ich also regelmäßig nach, ob Makani nicht einen anderen Spielpartner bräuchte, als Milan. Oder ob er in eine Jungpferdherde sollte, um sich auszuprobieren. Aber nein, es blieb dabei. Die Dreierherde fand den Familienzusammenhalt am wichtigsten, niemandem fehlte es an etwas, keiner war überfordert. Makani wuchs sehr glücklich und behütet zwischen seinen Eltern auf und wirkte auch nie so reif, dass ich dachte, er müsste nun mal langsam weg von ihnen. Im Gegenteil: Es machte alles sehr viel Sinn und mein Fohlen sah so viel besser und selbstbewusster aus, als ich es von Aufzuchten kenne. Mittlerweile gingen mir einige Lichter diesbezüglich nach Lesen des Buches „Im Kreis der Herde“ von Wildpferdfilmer Marc Lubetzki auf, er berichtet darin von einer Wildpferdherde, die nur aus Stute, Hengst und Hengstfohlen bestand. Ich konnte alles daran bei meinen Pferden wiederfinden (Zitate u.A.: „Junge Pferde brauchen Kontakt zu erwachsenen Tieren“ und „Althengst und Jährling toben fast täglich miteinander“). Natürlich höre ich auf meine Pferde und natürlich glaube ich ihnen am Ende immer, aber ich bin die Verantwortliche, am Ende muss ich im besten Willen für uns entscheiden. Es ist nicht immer einfach, seinen eigenen Glauben im Bezug auf Pferdehaltung hinten an zu stellen. Auch für mich ist das zumindest bei meinen eigenen Pferden, immer wieder eine Herausforderung. Ich wollte doch alles richtig machen für Makani. Meine Pferdefamilie hier zu erleben, wie sie nach ihren Bedürfnissen leben dürfen, war schon Bestätigung und Mutmachen genug. Das Lesen des oben erwähnten Buches hat mir die restliche Zuversicht gegeben, dass das Hören auf meine Pferde eigentlich immer richtig ist.

Nach dem kurzen Schock, dass Makani mit nicht mal einem Jahr meint, seine Mutter ernsthaft zu decken, wurde mir klar, dass ich nun nicht drum herum käme, eine wichtige Entscheidung für meine Pferde zu treffen. Ich hatte schon gelesen von Stuten, die von ihren Hengstfohlen trächtig wurden und das wäre natürlich mein persönlicher Super-GAU. Wenn man die Geschlechtsreife von Hengsten googelt, dann liest man von 9 Monaten bis zu ca. 1,5 Jahren. Mein Alarm war an! Ich kapierte nicht, wieso Mouna ihn nicht deutlicher abwehrte und wieso Milan Makani nicht daran hinderte, seine Mutter mit deutlicher Hengstmanier (nicht im Spiel) zu bespringen. Denn nur einen Tag zuvor hatte mir Mouna noch versichert, dass Makani mindestens den Sommer über noch gefahrlos so bei ihr bleiben könne, wie er ist. Nach dem, was ich dann aber morgens sah, informierte ich mich über die Möglichkeiten von Sterilisation und Kastration. Ich hatte gehofft, Makani längstmöglich Hengst sein lassen zu können, damit er sich möglichst gut entwickeln könnte. Ich glaubte, dass je länger ein Hengst Zeit hätte, umso besser wäre sein Körper entwickelt. Ich glaubte, dass das ein sehr ausschlaggebender Punkt wäre für das Leben eines Hengstes, der später Wallach werden müsste. Ich hatte sogar ein wenig Hoffnung, dass ich Makani als sterilisierten Hengst immer belassen könnte. Wie, das hatte ich mir noch nicht ausgemalt, denn eins hatte ich bereits kapiert: Wenn ich mit meinen Pferden gemeinsam entscheide, wie ich sie halte, dann nützen jahrelange Vorausplanungen nichts. Man fließt mit dem Leben mit und passt seine Handlungen dem Moment an. Aber jetzt war so ein Moment. Ich musste handeln!

Die Sterilisation war also meine liebste Option, aber es gab auch drei weitere Optionen: Entweder Makani nun doch mit einem weiteren Jährling zu separieren und sie Jungs sein zu lassen, ihn ganz in eine Jungpferdherde abzugeben oder aber ihn zu kastrieren. Ich fand eigentlich alle Optionen suboptimal, denn alles hatte deutliche Nachteile:

1. Sterilisation: Makani wäre trotzdem Hengst, bloß nicht zeugungsfähig. Die OP dafür könnte hier statt finden, wäre aber nicht weniger riskant und ernst, als eine Kastration. Er würde seine Hormone behalten, sein Körper würde sich natürlich weiter entwickeln. Er würde dennoch bei jeder Rosse von Mouna auch hengstig agieren und sie belästigen. Ich müsste sie dann also immer trennen. Das wäre für Milan stressig, für Mouna ganz ok, für Makani stressig. Für mich riskant, dass der pubertierende Hengst hier den Laden aufmischt, wenn Kurspferde kommen. Eventuell würde die Kastration dann trotzdem folgen müssen, eine zweite OP wäre später nötig.

2. Trennung mit Jährling: Makani würde mit einem Einstellerjährling dauerhaft separat stehen, ich hätte 2 x 2 Pferde auf meinem Hof. Zu jeder Rosse von Mouna wäre er hengstig über den Zaun. Und sie ist regelmäßig rossig, denn im Gegensatz zu den Wildpferden bekommt sie ja keine weiteren Fohlen und ist somit auch nicht trächtig, die Rosse wiederholt sich also oft.

3. Makani in eine Jungpferdherde geben: Trennung der Familie auf allen Ebenen. Keinerlei Möglichkeit mehr, für Makani zu entscheiden, weil er in fremden Händen wäre. Möglicherweise das Lernen der Realität von Pferden, die nicht wie er aufgewachsen sind. Evtl aber mit dem Vorteil, dass er sich neu entdecken kann und neue Freunde findet, dass er später kastriert werden kann und dann halbwegs erwachsen wieder bei uns integriert werden kann.

4. Kastration: Eine sehr endgültige Entscheidung mit einem agressiven Eingriff in Makani’s Körper und für seine Entwicklung. Seine Männlichkeit würde sich nie voll und ganz entwickeln. Vorteile: Alle können gemeinsam weiter leben, so wie sie es bisher wollten. Niemand müsste den Hof verlassen, alle könnten unter meiner Obhut in ihrem Zuhause bleiben.

Ich wartete noch auf die Rückmeldung der Tierärztin und nutze die Zeit, um ein ernsthaftes Pferdegespräch mit meinen Dreien zu führen. Obacht: Dieses dokumentierte Gespräch ist absolut kein gutes Beispiel für ein professionelles Pferdegespräch, denn das Sprechen mit eigenen Pferden läuft auf einer anderen Gesprächsebene ab, als wenn ich in meiner professionellen Präsenz für andere Menschen und Pferde arbeite. Hierbei aber bin ich ganz privat unterwegs und emotional SEHR involviert, meine Sichtweise ist aus keiner übergeordneten Sicht. Dennoch brauchte ich keine professionelle Hilfe (nur die Rückversicherung einer Freundin, die auch noch rein hörte), um meine Pferde richtig zu verstehen. Hier folgt also das unprofessionelle Pferdegespräch:

MAKANI:

Er zeigt sich fröhlich, fordert mehr Kratzeinheiten und Körperkontakt mit mir ein. Er sagt, dass er das Führen über Stangen richtig toll findet. Je größer und aufregender der Parcours aus Stangen aussieht, den ich lege, umso toller findet er es. Er möchte auch Freispringen mit Milan und ist ganz aufgeregt, wie es sein wird, das erste Mal über eine Stange zu springen. Als ich ihn frage, ob er weiß, wieso ich ihn von Mouna getrennt habe, sagt er scheinheilig: „Nö. Ich weiß nicht so recht, was ich tue, ist doch alles normal so!“. Ich erkläre ihm, was er schon weiß, nämlich dass es so nicht bleiben kann. Ich zeige ihm, dass es eine OP geben wird, das findet er nicht so toll. Aber er möchte bitte unbedingt mit Milan zusammen bleiben, eigentlich auch mit Mouna. Kann sie nicht einfach zu jemand anderem? fragt er. Ich lache und sage, dass Milan das überhaupt nicht gut finden würde. Er sagt: „Stimmt, wir gehören alle zusammen. Ich will bei meinen Eltern bleiben.“ Ich zeige ihm die Option, in eine Jungpferdherde zu gehen. Das will er auf keinen Fall! Er will hier bleiben und glaubt auch, dass andere Jungpferde nicht so sind, wie er. Dann zeige ich die Option, einen Jährling dazu zu holen. Mache es ihm schmackhaft, dass er einen tollen, neuen Freund bekommen würde. Er ist überhaupt nicht begeistert und sagt: „Ich will nur mit Milan zusammen sein. Jährling und Milan, das wäre ok. Auf keinen Fall aber ohne Milan. Dann wäre ich eher genervt von dem anderen Pferd und wütend.“

MILAN:

Ohne dass ich etwas sagen kann, sagt er direkt: „Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung.“ und dann schaut er entspannt in die Weite und signalisiert mir, dass er auf alles aufpasst. Ich: „Aber warum hinderst du Makani dann nicht am Bespringen seiner Mutter?“ und er: „Das kann ich nicht, das muss Mouna machen.“ Ich: „Aber du bist doch der Mann von ihr.“ Er: „Aber er ist ihr Sohn, sie muss ihn dahin gehend erziehen, das macht sie auch.“ Ich: „Mir ist das Risiko aber zu groß, er wird sie am Ende noch decken, vielleicht hat er es sogar schon.“ Er: „Nein, noch nicht. Aber wenn er groß ist, dann wäre es vielleicht so.“ Ich: „Und bis dahin kannst du ihn nicht daran hindern?“ Er: „Kastrier ihn doch einfach. Es wird es sonst nur schwer haben. Alles andere wäre schlimmer für ihn. Er würde frustriert aufwachsen. Auch für mich wäre es sehr anstrengend, ihn mit oder ohne Mouna weiter zu erziehen, ich bin bald alt.“ Ich: „Danke, Milan.“

MOUNA:

„Mir geht es gut gerade, endlich mal etwas Pause. Ich liiiebe den Garten! Makani nervt, aber so ist es nun mal. Er ist mein Kind. Ich nehme ihn nicht ernst in seinen hengstigen Absichten, ich kann ihn noch über den Sommer abwehren.“ Ich: „Das sieht aber nicht so aus!“ Sie: „Doch, ich lasse ihn nicht rein. Er ist auch noch gar nicht so weit.“ Ich: „Das glaube ich dir nicht und es sieht anders aus.“ Sie: „Weil es nicht passieren wird, ich bin entspannt.“ Ich: „Dieses Gespräch ist heftig für mich.“ Sie: „Du übertreibst!“ Ich: „Und was machen wir nun?“ Sie: „Die Ruhe ist gut gerade. So geht es erstmal.“ Ich: „Soll ich ihn kastrieren?“ Sie: „Warum nicht? Er ist ein sehr gesundes, gut entwickeltes Fohlen. Die Grundlage für sein Leben ist perfekt gelegt.“ Ich: „Naja, die Entwicklung für Makani’s Körper wäre mit der Kastration gestört. Milan war zum Beispiel länger Hengst.“ Sie: „Da kenne ich mich nicht so aus, aber ich glaube, du übertreibst. Hör auf Milan.“ Ich: „Brauchst du sonst noch etwas?“ Sie: „Nur, dass du dich entspannst.“ Ich: „Ich liebe dich.“

Aus diesem Gespräch zog ich das Fazit, dass baldige Kastration wohl das Beste für alle wäre. Dass ein Abtrennen von Makani und eine dadurch spätere Kastration in den Augen meiner Pferde ihm große Frustration mitbringen würde, die damit seine geistige Entwicklung negativ beeinflussen würde. Er wäre von seinem Vater und besten Freund enttäuscht, weil er allein gelassen würde. Er würde immer wieder auf seine rossige Mutter reagieren müssen, hätte aber keine eigenen Herdenmitglieder, an denen er sich normal ausprobieren könnte. Keine anderen, erwachsenen Pferde, Stuten oder Hengste, die ihm Manieren beibrächten. Er würde seine Eltern zwar sehen, aber nicht mit ihnen agieren dürfen. Das würde ihn frustrieren. Er würde den Frust oft an dem anderen Jährling auslassen. Das alles nur, damit er keine körperlichen Nachteile hätte.

In den Jahren meiner Zeit als Tierkommunikatorin habe ich gelernt, dass körperliche und geistige Gesundheit Hand in Hand gehen und zwar nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich. Eine der wichtigsten Erkenntnisse hierbei: Nur ein grundsätzlich glückliches Pferd ist ein gesundes Pferd. Dauerhafte Frustration führt zu Krankheit. In diesem Fall also hätte ich zwar körperlich das Bestmögliche für Makani getan, wenn ich ihn noch nicht kastrierte. Geistig aber würde ich ihn enttäuschen und frustrieren. Auch unsere Beziehung würde darunter leiden. Dennoch war meine Entscheidung noch nicht gefallen.

Dann kam endlich der Anruf meiner Tierärztin. Sie hatte einige, interessante Neuigkeiten für mich: 1. Makani ist ganz bestimmt jetzt noch nicht geschlechtsreif, sondern braucht noch ca. ein halbes Jahr, bis er ernsthaft zeugungsfähig ist (Siehe Mouna’s Aussage, natürlich hatten meine Großen mal wieder Recht! Ich hatte in meiner Angst übertrieben). Bis dahin würde die Stute schon dafür sorgen, dass er sie nicht deckte. Die Gefahr wäre bloß, dass die beiden sich bei diesen Rangeleien ernsthaft verletzen würde. Sie erwähnte sogar, dass viele Züchter ihre Jährlinge beidgeschlechtlich zusammen halten. Ich fragte noch einmal nach, ob sie ganz sicher sei, dass er seine Mutter jetzt nicht erfolgreich decken könnte. Sie sagte mir dies zu. 2. wäre eine Kastration jetzt besser, als in ein paar Monaten, weil wir sie hier bei uns auf dem Hof durchführen würden und Makani ein paar Tage eine offene Wunde hätte, die in Sommermonaten schwieriger heilt durch die Wärme und die Fliegen. Und 3. erklärte sie mir, dass früher gelegte Wallache später größer würden. Das sollte ich wissen, er würde dann groß wachsen. Ich musste lachen, denn mir hatte Makani schon prohphezeiht, dass er größer würde, als Milan und ich bin 1,81m groß und hoffe sehr, dass Makani Spaß daran haben wird, mit mir reiten zu gehen. Sie sagte noch, dass seine Halsung weniger sein könnte im Aufwachsen dadurch, dass er kein Hengst mehr wäre, aber ich weiß schon, dass Makani dabei auch den Erwartungen trotzen wird. Er hat mir bereits gezeigt, wie er als erwachsenes Pferd ausehen wird. Man sieht es schon seit Tag 1, wie seine Anlagen sind. Auch ohne Testosteron. Er wird nicht zusammen fallen und kein mickriger Halbstarker werden, auch kein Wallachwicht, dafür haben wir hier alle gesorgt. Auf allen Ebenen. Die Tierärztin sagte noch, dass die andere Option sei, ihn dann im Herbst zu kastrieren, wenn die Hitze vorüber ist. Für diese Option habe ich Rückfrage mit Milan gehalten, aber er bleibt bei seiner Meinung: Kastration jetzt ist kein Problem für Makani. Das Herauszögern aber könnte kompliziert werden für alle. Am Ende treffe ich diese Entscheidung für uns alle, auch in Abwägung meines eigenen Befindens.

Makani177Für meine Kunden ist es mir immer ganz klar: Ich finde Kompromisse zwischen Mensch und Pferd, die für beide vertretbar sind, denn nur gemeinsam können sie glücklich sein. Es nützt nichts, wenn das Pferd sich 1,50m Sprünge wünscht, der Mensch aber reitend dabei fast in Ohnmacht fällt vor Angst. Für mich bedeutet das in unserem Fall, dass es mir sehr viel Stress bereiten würde, Mouna und Makani den Sommer über noch in jeder Rosse räumlich zu trennen und dann noch zu hoffen, dass der pubertierende Hengst, der schon als Fohlen gern mal durch den Zaun stolzierte, hier keine unnötige Unruhe in meine Kurse bringt. Und so darf ich heute die nächste Lektion meiner Pferde mal am eigenen Körper spüren: Ich entscheide das, was für uns alle am besten ist. Ich suche den bestmöglichen Kompromiss, in dem ich eine wichtige Rolle spiele. Makani wird in den kommenden Tagen kastriert. Gut fühlt sich das sicher nicht an, aber ich weiß, dass es das Richtige ist.

 

Wenn du auch lernen möchtest, mit Pferden zu sprechen, dann schau hier: Pferdeflüsterer Ausbildung.

Die Sache mit dem Spiegel

Schon lange möchte ich diesen Artikel schreiben. Dieses Thema hat bereits Bücher gefüllt von mindestens zwei meiner liebsten Kolleginnen und doch ist es etwas, wo ich erstmal durchatmen muss, wenn ich damit konfrontiert werde.

Meine Arbeit versucht, Verständnis zu schaffen und zu vermitteln. Zwischen Tier und Mensch. Nicht nur zwischen Mensch und sich selbst. Deshalb tippe ich heute doch etwas dazu, ich werde immer wieder danach gefragt. Es geht um dieses Thema:

„Mein Tier spiegelt mich! / Mein Tier ist mein Spiegel!“

Es gibt den Irrglauben unter uns Tierhaltern, dass unsere Haus- und Hoftiere immer das zeigen, was wir eigentlich sind, tun, erleben, denken und fühlen. Dass wenn ich zu viel Stress habe, mein Hund davon Krebs bekommt. Dass wenn ich mich unwohl in einer Situation fühle, mein Pferd es nur tut, weil ich es tue. Dass wenn ich Liebeskummer habe, meine Katze anfängt, unrein zu werden, weil auch sie so leidet.

Grundsätzlich ist die Idee daran nicht verkehrt. Aber sie ist doch weitaus komplexer, dazu komme ich später. Was mich an dieser Spiegel-Sache aber maßgeblich schon immer gestört hat, ist dies:

Ein Spiegel ist ein Objekt, welches keine Eigenschaften besitzt, außer leblos zu sein und diesen einen Nutzen zu haben: Mit seiner starren Oberfläche ganz genau wiederzugeben, was davor steht. Einfach zu reflektieren und aufzuzeigen. Es wird einzig dazu genutzt, sich seinem Ego zu widmen: Wie sehe ich aus, wie wirke ich? Es befähigt einen dazu, sich selbst in seinem nahen Umfeld zu sehen. Zu sonst nichts. Es hat keinen eigenen Charakter, keine Geschichte, kein Profil. Es spiegelt nur jemand anderen.

Sind unsere Tiere wirklich nicht mehr, als eine reflektierende Oberfläche, die stumpf einfach immer wiedergibt, was bei uns los ist? Und ist uns klar, dass wenn wir von Spiegeln sprechen, es immer nur im ein Individuum gehen kann, um welches sich angeblich dann alles dreht? Meinen wir wirklich, dass wir das Zentrum des Universums sind, um das sich alles dreht und dass alle anderen nur dazu da sind, uns zu reflektieren? Besonders unsere Tiere?

Ja, das meinen wir. Das ist leider tatsächlich die Meinung vieler Menschen. Sogar derer, die denken, sie seien besonders tierlieb. Je tierlieber, umso egozentrischer, könnte man in manchen Fällen sogar meinen. Denn manchmal ist übertriebene Tierliebe tatsächlich ein Kompensator für eigene Probleme, die nicht angesehen werden möchten. Also stürzt man sich auf noch Schwächere und versucht dort, alles wieder gut zu machen, was an einem selbst verbrochen wurde. Gerade sehr selbstkritische und traumatisierte Menschen neigen dazu, diese Spiegel-Sache intensivst zu verfolgen. Leider vergessen sie dabei, dass je mehr sie dabei im Spiegel nach Bestätigung dessen suchen, umso weniger sie ihr Tier wirklich wahrnehmen. Dabei wollten sie damit ursprünglich genau das bezwecken: Ihr Tier besser verstehen und die Verbindung zwischen ihnen und dem Tier intensivieren.

Wenn es sich aber immer nur um einen dabei dreht, man immer nur sich selbst dabei sieht, kann das nicht funktionieren. Die Ebene der Beziehung bleibt dann immer eine unausgeglichene, in der das Tier nur reflektieren, nur reagieren und nur anzeigen darf, was der Mensch in sich wiederfindet. Es wird dabei nicht wirklich angehört. Es hat keine Chance, seine eigene Geschichte zu erzählen, weil auf ein synchrones Vorkommnis immer sofort die Spiegel-Theorie gestülpt wird.

Dabei geht es viel tiefer. Wenn wir nur einen Moment nachdenken und erlauben, dass das Tier seine eigene Geschichte, sein eigenes Leben, seine eigene Seele und seinen eigenen Lebensauftrag hat, dann wird uns eins schnell klar: Es darf auch eigene Themen haben. Es darf sogar eigene Beweggründe haben, wenn es etwas zeigt, was wir auch haben. Es darf sogar, und jetzt Obacht!, es darf sogar derjenige sein, der in den Spiegel blickt. Und du bist es, der spiegelt.

Das ist übrigens auch der Grund, warum mir Seminare im Stile von „Coaching mit Pferden“ grundsätzlich erstmal missfallen. So wie therapeutisches Reiten einst aus dem Boden spross, hat sich über die letzen Jahre eine Flut von Angeboten breit gemacht, in denen man lernen darf, wer man ist – mit dem Pferd als Lehrer. Oder noch besser: Wie gut man als Führungskraft ist. Dass die Pferde dabei gezwungen sind, auf fremde Menschen zu reagieren und einzugehen, weil sie nicht anders können und dass die meisten Pferde dazu überhaupt keine Lust haben bzw auch nicht alle dazu gemacht sind, Lehrer für Menschen zu sein, interessiert nur Wenige. Wir arbeiten uns munter an den Pferden ab und denken, dass es wahnsinnig aufregend sei, wie wir da in eine schnelle Beziehung gegangen sind. Und wieder geht es nur um uns. Ob das Pferd dabei lernt, dass ständig neue Menschen ankommen, die kurze, stümperhafte Beziehungen an ihm ausprobieren und dann wieder verschwinden und es sich dabei benutzt fühlt, darüber denkt kaum einer nach. Schon wenn man einen Hund anstelle des Pferdes stellen würde und sich versucht vorzustellen, wie fremde Menschen sich daran versuchen, mit ihm Gassi zu gehen, so dass er sich dabei brav verhält und wenn man es schafft, sei man eine gute Führungskraft, das klingt absurd. Noch weiter gesponnen wären Kinder, die man versucht, dazu zu bringen, der eigenen Führung zu vertrauen… als Bestätigung dessen, dass man gut darin ist. Ich lasse das Thema lieber sein, es artet aus.

Zurück zum Spiegel:

Ein Tier ist ein Individuum. Es hat Gedanken, Gefühle, Geschichten, Erlebnisse und Erinnerungen, es steckt in seinem Körper und bringt einfach alle Aspekte mit ins Leben, die wir als Säugetier-Menschen auch mitbringen. Es ist genauso komplex. Die Ameise so sehr wie der Elefant oder der Delfin so sehr wie das Pferd, der Hund und das Meerschweinchen. Ein Tier ist genauso Mittelpunkt seines Universums wie du und ich es in unserem sind. Es hat Berechtigungen und Veranlagungen, dass bestimmte Vorkommnisse in seinem Leben zu bewältigen oder zu durchleben sind. Ein Hund, der Krebs bekommt, ist also niemals einfach nur ein Opfer deines Stresses! Er hat selbst die Veranlagung zu dieser tragischen Krankheit mitgebracht, in allen Facetten.

Warum also stellen wir aber immer wieder fest, dass es direkte und offensichtliche Verbindungen gibt zwischen dem, was mein Tier zeigt und dem, was bei mir los ist?

Die Antwort ist einfach und liegt eigentlich auf der Hand, wenn man sein Tier liebt: Es geht um die Seelenschnittmenge.

Spiegel

Dein Tier und du, ihr habt euch gefunden. Viele Menschen, denen ich in meiner Arbeit begegne, berichten sogar genau das: „Mein Tier hat mich ausgesucht und nicht umgekehrt.“ Ja, das hat es. Weil es in dir gesehen hat, dass du es verstehen wirst. Dass genau du derjenige bist, der seine Schwächen akzeptieren kann. Der seine Art versteht, der seine Macken nachvollziehen kann. Manchmal erledigen das auch höhere Kräfte, aber wenn mich meine Arbeit eins gelehrt hat, dann dies: Dass man zusammen gefunden hat, hat immer den tieferen Sinn, das Leben gemeinsam besser meistern zu können. Ob das Gemeinsame nun anstrengend oder einfach nur leicht wird, ist dabei egal: Man hat sich, um voneinander zu lernen. Und so lernt ihr – du UND dein Tier. Du passt zu ihm, also kann es sein Leben einfacher leben, denn gemeinsam ist man stark. Ihr habt eine Seelenschnittmenge. Und je größer sie ist, umso synchronisierter verlaufen eure Leben gemeinsam. Und manchmal ist es dann so, dass ihr alle drei den ganzen Winter hustet, so wie meine Pferde und ich dieses Jahr, aber einer von uns lebt das Thema am meisten aus, was damit verknüpft ist, weil das Thema in seinem Leben am größten ist, aber wir alle drei haben es. Oder dass ihr alle beide menschenscheue, hypersensible Typen seid, die sich nichts sagen lassen, so wie mein Hund und ich. Trotzdem darf dabei nie vergessen werden, dass dieser Hund eben eine Vorgeschichte hat, die ihn zu dem macht, der er ist. Gepaart mit dem, was seine Seele und seinen Körper mit in dieses Leben gebracht haben, ist er genau der Hund, der heute bei mir ist. Der Weg mit mir hat noch viel dazu getan und auf diesem Weg haben wir uns noch mehr aneinander angeglichen, weil es uns beiden half. Ich habe meine Arbeit und meine Wohnsituation immer auf seine Bedürfnisse angepasst und ganz nebenbei habe ich damit das größte Geschenk meines Lebens erhalten: Ich habe seinetwegen gelernt, mit Tieren zu sprechen und mit all dem, wie ich lebe und arbeite schlussendlich auch mein eigenens Bedürfnis nach Abgeschiedenheit, Ruhe und Nähe zu ihm bedient. Weil uns so viel verbindet. Und dennoch darf er sein eigenes Leben leben und nur weil er Menschen gern beißt, die in seinen Augen bedrohlich wirken, tue ich es nicht auch. Oder zumindest nicht so heftig, ich schnappe nur. Denn meine Vorgeschichte aus diesem Leben ist nicht ganz so dramatisch, wie seine. Und doch reicht sie, um sein Verhalten zu verstehen, für mich selbst daraus zu lernen und damit leben zu können. Weil wir eine sehr große Seelenschnittmenge haben. Die manchmal absurd synchrone Vorkommnisse in unser Leben bringt. So wie dass wir gleichzeitig tief durchatmen, seit Jahren. Selbst jetzt, wo er zu taub ist, um meinen Atem zu hören. Weil wir zutiefst verbunden sind. Deshalb leben wir manches gemeinsam aus. Nicht er für mich, nicht ich für ihn. Sondern WIR für UNS! Man kann uns nicht mehr teilen. Wir gehören zusammen und agieren zusammen. Es bin nicht nur ich, die hier gerade arbeitet und den Artikel schreibt, er liegt daneben und macht mit. Jetzt hechelt er, weil wir uns anstrengen. Wir sind wie ein Wesen mit 4 Armen und jeder Arm kann helfen, alles zu meistern. Der eine Arm kümmert sich darum, dass hier Ruhe herrscht, der andere holt schon mal das Futter. Und so ist für uns gesorgt.

Unsere Körper und unsere Idee vom Menschsein gaukeln uns Abgrenzung vor. Und so kommt es, dass wenn diese Synchronizität mit unseren Tieren passiert, wir sie uns erst einmal nur so erklären können: Das Tier muss mich abgegrenzten Menschen irgendwie wiederspiegeln. Immer, wenn dir dieser Gedanke kommt, dann denk an die Seelenschnittmenge und wisse: Es gibt einen gewissen Bereich, in dem nicht mehr wichtig ist, wer es mitgebracht hat, denn es gehört zur gemeinsamen Lebensmasse. Niemand hat „Schuld“ und beide können daran arbeiten und damit leben und lernen. Dem einen schadet oder hilft es genau so viel, wie dem anderen. Weil ihr verbunden seid, über Raum, Zeit und Logik hinweg.

Wenn man das versteht, dann wird auch dieser letzte Aspekt logisch, den ich nun noch darlegen möchte: Übertriebene Selbstkritik ist unangemessen! Wenn du immer versuchst, es deinem Tier bloß recht zu machen. Wenn du den Fehler immer bei dir selbst suchst. Wenn du immer nur in den Spiegel zu blicken versuchst, wird dein Tier nicht glücklich sein. Warum? Denk an die Seelenschnittmenge – weil du es auch nicht bist! Weil es nicht nur dich, sondern immer nur euch beide gibt! Es nützt nichts, deinem Tier alle möglichen, aufwändigen Behandlungen zukommen zu lassen, wenn es krank ist, während du dabei seelisch am Stock gehst und körperlich aus dem letzten Loch pfeifst! Es hilft dem Tier nicht, wenn du dir nicht erlaubst, du selbst zu sein, mit deinen Schwächen und Tiefen, Stärken und Höhenflügen, nur um zu funktionieren. Es möchte dich so, wie du bist. Weil es nur dann auch so sein darf, wie es ist! Und nur das macht glücklich.

Das größte Geschenk in einer Beziehung ist, wenn einen das Gegenüber dazu befähigt, voll und ganz man selbst sein zu dürfen. Ihr kennt das Gefühl aus jeder guten Partnerschaft: Man darf mal schwach, mal blöd, mal zickig, mal stark, mal übertrieben gut gelaunt oder ganz anders sein, als man sich der Welt täglich zeigt. Das schafft eine echte Bindung, weil man zusammen sich nicht mehr verstellen muss. Weil man dann alles zusammen meistert und sich die Kräfte potenzieren. Weil man voneinander und miteinander lernt, in absoluter Vereinigung. Das ist wahre Liebe. Und die braucht keinen Spiegel, die sieht auch ein Blinder.

–> Lerne, mit Tieren zu sprechen.

–> Lass dein Pferd sprechen.

–> Werde Pferdeflüsterer

 

 

Der betrunkene Mexikaner

Der betrunkene Mexikaner.

Am Wochenende fand wieder ein Pferdeflüsterer Basiskurs statt. Acht Menschen haben alles gegeben und sich unbefangen, neugierig und überaus erfolgreich mit sieben Pferden unterhalten. Die Ergebnisse waren erstaunlich, schön, traurig, augenöffnend und auch lustig. Besonders hängen geblieben ist mir der Aha-Moment einer Schülerin. Ich bringe meinen Schülern bei, wirklich und wahrhaftig alles zu sagen, was ihnen im Laufe der Übungsgespräche in den Sinn kommt. Also sprach sie es aus: Der Wallach hatte sie in Gedanken mit zu den Karl-May-Festspielen genommen und ihr ganz begeistert gezeigt, dass er da mitgemacht hätte! Mit Musik und so! Er fand das richtig toll. Wir lachten alle über diese lustige Nachricht. Sie klang weit hergeholt und ausgedacht. Alles, was wir von diesem Pferd wussten, war der Name, das Alter und seit wann es bei seinem Besitzer lebt. Wir hatten ein Foto seines Kopfes gesehen und dann begonnen.

Alle waren gespannt auf das Feedback, welches die Besitzerin dann auch gern gab: Auf der letzten Weihnachstfeier des Stalls hatte sie eine kleine Vorführung mit ihrem Wallach gezeigt. Sie war verkleidet als betrunkener Mexikaner zu der Karl May Musik in die Halle geritten und hatte tatsächlich dabei geschauspielert. Der Part des Pferdes war es, ihr dann einen Lappen aufzuheben, den sie im vermeintlich betrunkenen Zustand fallen gelassen hatte. Er fand sich dabei großartig und es machte ihm einfach Spaß, sich und seine Tricks zu zeigen!

Es ist fantastisch und amüsant, zu welchem Grad unsere Pferde tatsächlich mitbekommen, worüber wir reden, was wir denken, wer wir sind und was passiert. Eins nehme ich, auch aus dieser Anekdote, immer wieder mit: Je geliebter sie sich fühlen, je wertschätzender wir mit ihnen umgehen, umso glücklicher sind sie. Jeder auf seine Weise. Ich liebe meinen Job!

–> Selbst am Pferdeflüsterer Basiskurs teilnehmen.

–> Mit deinem Pferd sprechen lassen

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Interview für die Uni Hamburg

Eine Studentin der Journalistik und Kommunikationswissenschaft von der Universität Hamburg hat mich gebeten, Teil ihres Projektes zu sein und einige Fragen zu beantworten. Es ist eine schöne Sammlung von FAQs geworden. Im Gegenzug darf ich diese hier veröffentlichen:

– Tierkommunikation – Was kann man sich darunter denn überhaupt vorstellen?

Tierkommunikation ist nicht etwa jegliche Kommunikation mit Tieren, sondern der rein telepathische Austausch, über egal welche Distanz. Es geht also um Gedankenübertragung. Es ist hierbei irrelevant, ob ich das Tier direkt vor mir habe oder es sich in einem anderen Land aufhält. Der Kontakt ist immer gleich gut. Gedanken bedeutet: Alles, was ich mir sinnlich vorstellen kann. Also Bilder, Filmszenen, Geruch, Geschmack, Geräusche. Auch Sprache kann übermittelt werden. Nicht etwa, weil ein Tier Deutsch oder eine andere, menschliche Sprache könnte. Sondern weil mein Gehirn darauf trainiert ist, auf Sprache zu denken. Botschaften, die von den Tieren kommen, werden also von meinem Kopf manchmal direkt und von mir unbewusst in ganze Sätze übersetzt. Ein Tiergespräch fühlt sich in etwa wie ein Tagtraum an oder wie eine gute Geschichte, die man liest.

– Wie haben Sie gemerkt, dass Sie dieses Talent haben? Beschreiben Sie gerne eine konkrete Situation, in der Ihnen Ihr Talent erstmals aufgefallen ist.

Es ist kein Talent, keine Gabe. Jeder hat diesen Sinn, nur ist er in unserer Gesellschaft verkümmert, weil uns beigebracht wird, dass es so etwas nicht gibt. Das Gefühl, Tiere verstehen zu können, habe ich schon, seitdem ich denken kann. Mit 4 Jahren verloren mich meine Eltern im Urlaub in der Heide. Mein Vater fand mich auf der Weide bei dem Pony, welches ich kennen gelernt hatte. Ich schlief zwischen seinen Beinen. Botschaften der Tiere aber tatsächlich ganz bewusst zu übersetzen, sie bewusst zu empfangen und zu äußern, das habe ich selbst erst in einem Kurs gelernt. Ich war damals Zootierpflegerin und wollte wissen, was dahinter steckt. Ich konnte es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das tatsächlich funktioniert – so gut funktioniert. Im Kurs dann war schnell klar: Ich kann das. Und zwar richtig gut.

– Beschreiben Sie Ihre nächsten Schritte, nachdem Sie auf ihr Talent aufmerksam geworden waren: Wie lief Ihr Weg von der Tierpflegerin zur Tierkommunikatorin ab?

Dies war ein recht steiniger Weg. Als Tierpfleger braucht man einen gewissen Grad der Abstumpfung den Tieren gegenüber. Jeder Tierpfleger wählt seinen Beruf aus Tierliebe. Jeder Tierpfleger lernt, diese auf ein bestimmtes Level zu unterdrücken, um in dem Beruf bestehen zu können. Als Zootierpfleger hatte ich regelmäßig mit der Schlachtung und Zubereitung von Futtertieren aus den eigenen Zuchten zu tun. Kranken Tieren wird in Zoos nur so weit geholfen, wie es wirtschaftlich angebracht ist für den Betrieb. Als ich also lernte, mit Tieren zu sprechen, kam ich ganz schnell ins Bedrängnis. Auf einmal hörte ich die Wünsche der Tiere in meinem Revier. Ich war Revierleiterin und hatte doch die Verantwortung darüber, diesen Tieren das Leben bestmöglich zu gestalten. Aber weder konnte ich der winzigen Eulenart ihre Insekten fangen, anstatt ihnen zerschnittene Mäuse zu servieren, noch konnte ich den Hirschen helfen, die auf zu engem Raum miteinander leben und somit viel kämpfen mussten, bis hin und wieder einer starb. Als ich mit ein paar Kaninchen, die Futtertiere werden sollten, in den Wald fuhr, um mich vorher bei ihnen zu entschuldigen für das, was nun folgen würde, war mir klar: So kann ich nicht mehr arbeiten. Meine Abstumpfung war rückgängig gemacht worden und meine Wahrnehmung der Tiere um ein Vielfachses intensiviert. Ich kündigte. Innerhalb eines Jahres ging es mir ähnlich in einem weiteren Job als Pferdewirtin und in einem Job als Fimtiertrainerin. Ich musste feststellen, dass in allen Bereichen, in denen mit Tieren Geld verdient wird, das Tierwohl nicht an erster Stelle steht. Nicht mal an zweiter. Ich kündigte beide Jobs kurz hintereinander und machte mich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig. An dem Zeitpunkt hatte ich die Ausbildung zum Tierkommunikator abgeschlossen.

– Was passiert genau, wenn Sie telepathisch mit einem Tier kommunizieren? Wie kommt der Kontakt zwischen Ihnen und dem Tier zustande?

Es ist so simpel, dass es die Anfänger in meinen Kursen immer wieder verblüfft. Es reicht, ein Tier mal auf einem Foto gesehen zu haben. Das Foto muss nicht sehr aktuell sein, ein Gesicht darauf genügt. Dann schließt man die Augen, stellt sich das Tier vor und spricht es gedanklich einfach an. Das war es schon. Ich muss mich weder sonderlich dafür konzentrieren, noch muss ich besonders gut im Abschalten meiner Gedanken oder in innerer Ruhe sein. Die Teilnehmer meiner Kurse sind eigentlich immer aufgeregt, skeptisch oder ängstlich, aber sie schaffen es alle. Dann gibt es ein paar Minuten Stille und man führt dieses Tiergespräch im Kopf. Wie gesagt kommen einem dabei Bilder, Emotionen, Geräusche, Sätze, Gerüche, Körperempfindungen. Machmal weiß man dann auf einmal auch, was das Tier sagen will, ohne es bewusst gehört zu haben. Alles passiert sehr subtil und schnell, anfangs ist es eine kleine Herausforderung, alles zu ordnen und zu bemerken, dass man da wirklich eine Botschaft bekommen hat und es sich nicht nur einbildet. Um zu lernen, dass es tatsächlich einen Kontakt zum Tier gab, ist das Feedback des Besitzers zu allen Einzelheiten anfangs sehr wichtig.

– Welche Geschichten erzählen Tiere? Erinnern Sie sich an eine Geschichte, die sie besonders berührt hat?

Es sind unzählige und viele habe ich schon erzählt. Eigentlich sind fast alle Tiergespräche, die ich wöchentlich führe, erzählenswert. Die Informationen aus den Tiergesprächen haben mein Weltbild komplett verändert. Mir geht es sehr viel besser in meinem Leben, seitdem ich diesen Beruf ausübe. Ich lerne täglich von den Tieren. Es gibt natürlich viele Geschichten, die einen besonders verzücken. Wenn Tiere Mitgefühl zeigen zum Beispiel. Aber was mich besonders fasziniert hat, war diese Begebenheit. Ich zitiere mal aus meinem Blog:

„In den über hundert Kursen, die ich im Laufe meiner Arbeit als Tierkommunikatoin gegeben habe, hatten erst 2 Teilnehmer Fotos ihrer Fische dabei, damit wir mit ihnen sprechen. Beide Male gab es kuriose Erlebnisse:

Vor ca. 5 Jahren hatte eine Kursteilnehmerin Fotos von 2 Karpfen aus dem Gartenteich dabei. Einem größeren und einem kleineren. Die Tiere waren da bereits an die 20 Jahre alt. Alle sprachen mit dem größeren, eine Frau fragte nach seinem Namen und genierte sich sehr, als sie den dann preisgab: „Fridolin!“. Alle lachten. Die Besitzerin des Fisches sagte: „Das stimmt. Früher wohnten meine Eltern in diesem Haus, das ist 7 Jahre her. Mein Vater nannte den großen Fisch immer Fridolin.“

Vor ein paar Wochen hatte ein Kursteilnehmer ein Foto seines Aquariumwelses im Tierkommunikation Basiskurs dabei. Zur Einstimmung erzählte ich die obige Geschichte. Dann kam der Wels an die Reihe, mit allen zu sprechen. Eine Teilnehmerin hörte einen Namen vom Fisch. „Willibald!“, auch sie genierte sich. Sie wusste bereits, dass der Fisch anders hieß. Der Besitzer sagte dazu: „So heißt mein Vater! Er und ich sitzen oft vor dem Aquarium, fachsimpeln über die Fische und beobachten sie. Wir sind beide passionierte Aquarienliebhaber.“

Als Zusatzinfo: Es ist selten, dass im Tierkommunikation Basiskurs Namen verstanden werden. Die Teilnehmer sollen das mitnehmen, was kommt, bekommen keine Fragen vorgelegt. Es haben nicht 10 Leute Namen herausgefunden und davon passte zufällig einer. Es waren nur diese beiden Personen, die im Tiergespräch Namen im Zusammenhang mit den Fischen hörten und dann waren es noch solch absurde Namen. Und sie hatten beide einen Sinn.

Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass auch ich immer wieder überrascht werde. Was die Tiere erzählen, eröffnet mir immer wieder neue Dimensionen des Lebens. Was es bedeutet, dass ein Fisch über 7 Jahre einen Namen erinnert, den ihm sein alter Besitzer mal gab, ist dimensionserweiternd. Mir fällt kein besseres Wort dafür ein.“

– Kommunizieren sie immer (unterbewusst) mit Tieren (beispielsweise auf der Straße, vor dem Supermarkt) oder nur dann, wenn Sie es wirklich wollen?

Ich bin nur dann „online“, wenn ich es will. Ich spreche nur mit Tieren, deren Besitzer mich beauftragt haben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen wäre es für mich unglaublich anstrengend, von jedem Tier einfach angequatscht zu werden. Ich möchte auch nicht, dass jeder Mensch mir seine Lebensgeschichte erzählt. Da die Telepathie auch noch über Distanz funktioniert, könnten theoretisch alle Tiere, die ich jemals gesprochen habe, mich jederzeit „anrufen“. Das sind Tausende. Ein anderer Grund ist die Privatsphäre. Ich würde auch kein Kind auf der Straße ansprechen und fragen: „Na, wie geht’s denn so Zuhause?“, genau so wenig mache ich es bei Tieren. Ich kann mich bewusst entscheiden, ob ich in den Kontakt treten möchte oder nicht. Bei Wildtieren mache ich es, wenn ich das Gefühl habe, das Tier hat Lust darauf. Mit meinen eigenen Tieren habe ich quasi eine Standleitung und manche meiner Freundestiere können sich auch bei mir melden, wenn sie möchten.

– Nehmen Freunde und Bekannte Ihren Beruf an oder erleben Sie, dass die Gesellschaft skeptisch ist?

Generell hat bisher noch fast jeder mich mit Respekt behandelt, wenn ich von meinem Beruf erzähle. Die meisten sind fasziniert und wollen dann immer mehr wissen. Manchmal bin ich froh, wenn jemand gar nicht so weit nachfragt, weil jede Antwort eigentlich eine weitere Frage aufwirft und es manchen dann irgendwann unheimlich wird. So im Alltag bin ich also oft froh, wenn ich nicht gerade im Arbeitsmodus bin, wenn ich auf die Nachfrage: „Ah, ist das sowas wie der Pferdeflüsterer?“ ich sagen kann: „Ja, genau!“ und man dann ein „Ah, verstehe!“ entgegenet und es damit gut sein lässt.

Noch vor 9 Jahren war die Tierkommunikation deutlich unbekannter, als heute. Das stelle ich schon fest. Mittlerweile haben die meisten Tierbesitzer schon mal etwas davon gehört, es ausprobiert oder kennen jemanden, der es gemacht hat. Skeptiker sind natürlich immernoch dabei und das ist auch gut so, ich selbst war sehr skeptisch. Skepsis bedeutet, etwas zu hinterfragen und auf Fragen Antworten zu finden, lehrt einem etwas besonders gut.

– Was möchten Sie Skeptikern raten / sagen?

Es ist verständlich, skeptisch zu sein. Ich kann noch so viel darüber erzählen, am Ende muss man sich selbst davon überzeugen. Am besten, indem man es nicht nur ausprobieren lässt, sondern es selbst macht. Skeptiker überzeugt nichts so sehr, wie in einem Kurs selbst von einem völlig fremden Tier Informationen zu erhalten, die sie sich beim besten Willen nicht aus der Nase ziehen konnten.

– Wo finden die Kurse statt? Beschreiben Sie gerne den Raum, das Haus, den Garten und so weiter. Eine Adresse brauche ich natürlich nicht. Ich möchte einfach das Umfeld, in dem Sie „unterrichten“ beschreiben können. Gerne auch detailliert.

Ich habe ein kleines „Hexenhaus“ gemietet in Hamburg-Blankenese. Es hat nur ca. 50 qm und liegt in zweiter Reihe, ganz versteckt. Es ist hoch eingezäunt und freistehend, mit einem Garten, der eine grüne Oase ist. Ich überlasse den Garten viel sich selbst und mache nur das Nötigste. Es gibt ein paar Rosen, einen wilden Rasen und Büsche. Ein dicker Stein liegt auf dem Rasen, er ist die perfekte Rückenlehne für mich bei Kursen, die draußen stattfinden können. Dort ist es ruhig und geschützt. Es gibt zwei Terassentüren und ein großes Fenster im Kursraum, so dass viel Licht herein kommt und man sich immer ein wenig wie im Wintergarten vorkommt. Es gibt ein Sofa und Stühle, so dass bis zu 10 Leute im Kreis sitzen können. Der Boden ist Holz. Es gibt eine große Terasse mit Kamin. Die Küche ist alt, gelb und winzig, das Bad ist ein Witz, das Schlafzimmer hat eben gerade so Platz für ein Bett. Dieses Haus ist unglaublich schön, hat eine wahnsinnig gute Energie, die Teilnehmer sind regelmäßig begeistert. Bis vor Kurzem habe ich dort auch gewohnt, mittlerweile ist es nurnoch für meine Kurse – ich vermisse es täglich!

– Wie viele Teilnehmer kommen zu Kursen?

Die Kurse haben mindestens 6, maximal 10 Teilnehmer.

– Wie läuft ein Kurs ab?

Das kommt darauf an, was für einen Kurs ich gebe. Der Tierkommunikation Basiskurs läuft so ab, dass wir eine kurze Vorstellungsrunde machen, ich den Menschen ca. 20 Minuten lang eine kleine Einführungsrede halte, in der sie das Wichtigste zur Praxis vermittelt bekommen, dann geht es auch schon mit dem ersten Tiergespräch los. Wir sprechen mit meiner Stute, sie ist geübt darin, den Menschen die Tierkommunikation zu zeigen. Alle wissen vorher nur den Namen, das Alter und wie lange das Tier bei seinem Menschen lebt. Ich gebe keine Fragen vor. Ich spreche eine kleine, beruhigende Meditation, alle haben die Augen geschlossen und dann gibt es ca. 5 Minuten Stille. Danach schreiben alle auf, welche Eindrücke sie hatten. Dann werden die Ergebnisse vorgelesen und erst, wenn alle sich geäußert haben, gibt der Besitzer das Feedback detalliert zu allen Aussagen. So machen wir es mit jeweils einem Tier von jedem Teilnehmer. Wir sprechen immer in der großen Gruppe alle gleichzeitig mit dem Tier. Das ist für die Tiere überhaupt kein Problem und nicht vergleichbar mit dem, wenn einem verbal 10 Menschen gleichzeitig ins Ohr quasseln würden. Das heißt, am Ende des zweitägigen Kurses haben wir mit mindestens 7, höchstens 11 Tieren gesprochen. Jeder wird gelernt haben, dass seine Treffer keine Zufälle waren und dass die anderen auch mit genau diesem Tier gesprochen haben. Sie werden gelernt haben, dass sie sich das nicht einbilden, sondern tatsächlich, ohne das Tier jemals live gesehen zu haben, ohne etwas abgeleitet haben zu können, sie mit ihm sprechen konnten.

Ich liebe meinen Job!

–> Selbst mit Tieren sprechen lernen

–> Mit seinem Tier sprechen lassen

–> Pferdeflüsterer werden

–> Tierkommunikation direkt am Pferd

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